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Dritter Jahrgang.

pedition (obere Enrengaffe Nr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.

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Kassel, Dienstag den 20. August

1GLO.

Die nächste Ständekammer.

i.

Die Demokratie hat eS für räthlich erachtet, sich nochmals an der Ständewahl zu beteiligen. Die Wahlen sind vollendet und die Demokratie wird vermuthlich die Majorität haben.

Seine Königliche Hoheit haben geruht, die demokratische Kam­mer auf den 22sten d. M. einzubcrufen. So eilig? Ja wohl! Denn im andern Falle müßte sich am 1. September der vorschießende Schatz der fürstlichen Gnade abermals aufthun, aufthun, ohne daß daS letzte Mittel, das Geld im Sacke zu behalten, versucht worden wäre,-- eine Schwindelei, die in der That für einen Familienvater unverzeih­lich wäre.

Tie schleunige Berufung der Kammer ist gewiß nicht daö Werk Hasser, Pflugs. Unser Premier hätte zweifelsohne lieber gesehen, wenn Seine Königliche Hoheit noch einige hunderttausend Tlaler in die ministerielle Unternehmung gesteckt und sich derGreifswalder Ange- wohnheit gefügt hätte, es scheint aber, als habe der hohe Staatskre­ditor sich mit der Einträglichkeit dieses Geschäftes nicht recht vertraut machen können. So sehr Seine Königliche Hoheit auch im klebrigen mit den Unternehmungen HassenpflugS einverstanden sein mögen, in Geldsachen, wo ohnedem die Gemüthlichkeit aufhört, gehen Herr und Diener diametral auseinander: Seine Königliche Hoheit sind darin bekanntlich etwas genau, unser Premier ziemlich nonchalant.

Hr. Hassenpflug hat sich diesmal der KurfürstlichenAnge- wohnheit" fügen müssen.

Ein Mann, wie Hasseupflug, der mit allen Hunden gehetzt ist, ein so feiner, fixer, von Gott mit einem so sanguinischen Temperament gesegneter Staatsmann, läßt sich so leicht nicht in Verlegenheit brin­gen. Viele Wege führen in den Himmel und viele in die Hölle, und die größt" diplomatische Kunst besteht bekanntlich darin, alle Dinge, auch das scheinbar Widrigste, zum Besten zu lenken. Hr. Hassenpflug wird zeigen, wie sich die Kurfürstliche Angewohnheit zu Gunsten seiner ei­genen ausbeuten läßt. Unser Premier wird den Kurfürsten in seinen eigenen Nutzen verwenden.

Der Greifswalder Gagern hat dem Kurfürsten lediglich den Willen gethan, zahlen müssen Königliche Hoheit aber dennoch.Das ist der Fluch der guten That, daß sie forlzeugend Gutes muß gebühren". Wenige Wochen--und der Diener wird achselzuckend und bedau­ernd seinem Herrn die Erklärung abgeben, daß die Alternative ledig­lich wieder zwischen einem weiteren väterlichen Vorschuß oder einem Staatsstreich gestellt, die Hoffnung Seiner Königlichen Hoheit auf ein rechtliches Abkommen also eitel gewesen sei.

Bei der KurfürstlichenAngewohnheit" ist unschwer zu erra­then, nach welcher Seite sich daS Herz Seiner Königlichen Hoheit neigen wird. Aber Hr. Hasseupflug wird abermals, die Achseln zucken und, nach einer cingeflochtenen Verwünschung der Kammer im Allge- meinen und der demokratischen Kammer insbesondere, bedauern, daß jedes Ding seine Zett habe und vorläufig nichts übrig bleibe, als den Pump fvrtzusctzcn.

Hr. Haffenpflug reitet seinen perrn immer tiefer in daâ privat- rechtliche Verhältniß zu Höchstdercn Unterthanen, d. h. er pvintirt eben auf Seiner Königlichen HoheitAngewohnheit".

Sobald durch den weitern Vorschuß einige hunderttausend Thaler ®elt> auf dem Spiele stehen, wird der Kurfürst seinem Minister plein pouwir geben, denn der Kurfürst ist Familienvater. Oder sollten Seine Königliche Hoheit nicht fordern, von demselben Manne wieder herauö^erissen zu werden, der Allerhöchstdieselben ins Unglück gestürzt hat t Sollten Seine Königliche Hoheit den Mann lieber von sich schütteln, ehe Allerhöchstdieselben zu tief in die Vorschüsse gerathen

sind? Hr. Hassenpflug hält, wen er hat, und zu leugnen ist nicht, daß Sich Seine Königliche Hoheit ihm nun einmal verschrieben haben, und zwar dieseSmal fester, als in den dreißiger Jahren, Höchstdero Angewohnheit" wegen.

Die Nachgiebigkeit HassenpflugS hat für Seine Königliche Hoheit nicht den mindesten Nutzen, wohl aber für Hrn. Hassenpflug. Die Kammer verweigert dieseSmal die Steuern nicht einem mißliebigen, verfassungswidrigem Ministerium, sondern, thatsächlich wenigstens, dem Kurfürsten selbst. WaS helfen da alle konstitutionellen Fiktionen, alle Philosopheme? Im ordinären Leben machen sich die Dinge ganz an­ders als in der Idee. Der Philosoph, der einst bewies, daß alleâ nur Sache der Idee sei, leugnete bekanntlich nicht, daß gleichwohl eine Ohrfeige einen unangenehmen Eindruck auf den Menschen mache. Die Steuerverweigerung ist dieseSmal theoretisch eine Ohrfeige für Hrn. Haffenpflug, in praxi für den Kurfürsten. Die Hölle hohnlacht !"

Die Folgen werden nicht auSbleiben. Die zweite Proklamation an die geliebten Unterthanen wird wesentlich anders auöfallcn als die erste. Seine Königliche Hoheit werden vorgeben, dieseSmal nicht alâ idealer Fürst, sondern als Vater seiner Kinder, als der Wohlthäter deS Landes verletzt zu sein. Nach der Kurfürstlichen Auffassung und bei der Kurfürstlichen Angewohnheit wird die Kammer die gewöhnlichen Pflichten der Dankbarkeit verleugnet haben, eS ist also Christen­pflicht, die Mißrathcucu Kinder zu züchtigen.

Wir haben von Anfang an gesagt, Kurhessen sei berufen, die stärkste Explosion der Contrcrevolution zu sehen. Ohne weiter dem Hasscupflugschen Maulwurfsgange nachzufolgen, glauben wir unsere Schuldigkeit zu thun, wenn wir vor der Eröffnung der Kammer un­sere Prophezeihung noch einmal wiederholen:Ihr habt Haffenpflug für einen abgelebten Dummkopf gehalten, ihr werdet sehen, daß er nichts vergessen, aber viel gelernt hat. Hr. Haffenpflug war kein Jesuit, er ist eS erst geworden. Beweis dessen: Seine raffinirte Ausbeutung der Kurfürstlichen Angewohnheit."

S ch l c ö w i g - H o l st e i N.

O Hamburg, 16. Ang. Die jüngste Heirath des Königs von Dänemark läßt sich aus sehr verschiedenen Gesichtspunkten betraf ten. Den ärztlichen wollen wir übergehen, nicht aber den siltenge- schichtlichcn. Ein völlig in Sinneölüsten untergegangener Mann , von dem noch zwei geschiedene Gemahlinnen leben, die beide zu anständig waren, um mit ihm zu leben, heirathet ein durch viele Hände gegan­genes Weib, das weder jung noch schön ist, noch geistige Vorzüge besitzt, das höchstens ein den königlichen Neigungen entsprechendes Kneipgenie hat und die feine dänische Welt schweigt, ein dänischer Bischof segnet die Ehe ein auâ Furcht vor Amtüentsetzung , die Hofwelt feiert die Hochzeit auS derselben blassen Furcht.' Auch die Diplomaten denken viel an die Heirath, nun sei an keine direkte männ- liche dänische Succession zu denken! Schöner Zustand unserer Zeit, wo daâ Schicksal der Völker danach entschieden werden fott^ ob ein Wüstling eine H ... heirathet oder nicht! Vom Heere nichts Neues, wahrscheinlich hat die grimmige Hitze der beiden letzten Tage jegliche singende Opeiationcn verhindert. Vielleicht aber dürfte diese Nahe unerwartet unterbrochen werden. Ich schrieb bereits, daß es allen An­schein gewänne, als ob die Dänen einen kombinirlen Angriff zu Land und zu Wasser beabsichtigten. (?) Die Anzeichen linee! solchen besta- Ugen sich immer mehr. Willisen ist aber auf alle Falle gcwaffaek. --

Die dänischen Gefangenen in Altona sind nunmehr nach Stuck- stadt transportier worden, freilich kein besonders sicherer Ort. - oe Zahl der von den hamburgischen ComitèS gesammelten Summe Schleswig-Holstein beträgt bereits circa 30,000 Thlr. och Pore