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her Auâspruch sein: Sie ist ebenso dumm, wie die österreichische.
S ch l e ö w i g - H o l st e l N.
<sr Atto»«, 14. Aug. — Unsere Angelegenheit nähert sich ihrem Exde, so rasch oder so langsam als es der Unfähigkeit der Mächte gelingt, sich über ihre gegenseitigen Ansprüche zu vertragen. Während eS auf der einen Seite gewiß ist, daß die Entscheidung nicht mehr in unserem Heere ruht, nicht mehr von den Entschlüssen unserer obersten Behörden abbängt, steht cs freilich auf der andern Seite eben so fest, Laß die Wunde hier im Norden so lange offen bleiben, unser Kampf so lange ein sieches Leben dahinschleppen wird, bis eine Einigung zwischen Oesterreich und Preußen über die definitive Gestalt, welche Deutschland zu geben sei, eingctretcn ist. Keine von diesen beiden Mächten kann sich einzeln und selbstständig in unsere Angelegenheit mischen. Preußen hat den schl. - holst. Krieg stets als deutsche Bundessache behandelt, in wessen Auftrag und zu welchem Zwecke sollte es jetzt eingreifend Jm Auftrage Deutschlands? Die einzige allgemeine deutsche Behörde, welche es (Bundeszentralkommisson) anerkennt, würde ihm kein solches Mandat ertheilen, abgesehen davon, daß dieselbe dem Ersterben nahe ist, zum Zwecke der Eroberung Schleswig- Holsteins für Deutschland? Aber ein Deutschland, welches diese Eroberung fefthalten könnte oder wollte, eristirt ja nicht; die ossizielen Behörden Deutschlands haben ja schon oft genug ihre Unlust an diesem Kriege offenbart, und nicht von Neuem würden die Uferstaaten und Städte es leiden, daß ihr Handel im Namen der deutschen Ehre dem Tode nahe gebracht werde. Soll also Preußen als europäische Großmacht selbstständig auftreten? Soll es Schleswig-Holstein für sich erobern? Es hat weder den Muth, noch die Kraft dazu. Nicht den Muth , weil Preußen, als m o r a l i s ch e Persönlichkeit betrach, tet gar nicht mehr zu den Lebenden zählt, weil es in seinem Inneren die intelligentesten, die frischesten Kräfte beleidigt, von sich gestoßen hat, weil es in Parteien gespalten ist, weil seine Truppen höchstens noch im Bürgerkrieg brauchbar sind, weil es somit als Großmacht »ur noch auf das Siechthum der Verachtung angewiesen ist! Nicht die Kraft, weil ein Krieg Preußens wider Dänemark zugleich ein Krieg wider Europa sein würde, weil Preußen wenigstens im Süden den Anfall Oesterreichs, im Norden die Intervention Rußlands und Englands zu bekämpfen haben würde, weil feine Ostseeküsten keine neuen Blokaden ertragen könnten.
Wir betrachten den andern Fall, daß Oesterreich für sich die Entscheidung unserer Sache in die Hand nimmt. Oesterreich vermöchte dies, zumal, da es den Vorwand gebrauchen könnte, vom engeren Rath, seinem Geschöpf und seinem Werkzeuge; beauftragt zu sein, ja da es sogar bloße s. g. Bundeskontingente vorschieben und mit seinen eigenen Kräften zurückhalten könnte. Von Preußen wäre in diesem Falle kaum etwas zu fürchten, denn wollte es bei dieser äußersten Demüthigung gegen Oesterreich Krieg führen, um nicht aus der Reihe der Großmächte gestrichen zu werden, so würde ein Kampf gegen Oesterreich zugleich ein Kampf gegen Dänemark und mit ihm die Blokade, die englische und russische Intervention wiederum mit sich führen. Preußen also, wie gesagt, stände dieser Kombination nicht im Wege, aber hier muß ich bemerken, daß eâ nicht im Interesse der europäischen Mächte, auch nicht einmal im Interesse Oesterreichs liegt, Preußen so weit zn demüthigen, es ist ein reaktionärer Block im Norden Deutschlands, den man nicht zermürben darf, und an dessen Stelle es nimmermehr den Habsburger» gelänge, sich im Norden festzusetzen. Und waâ vor Allem Oesterreich abhalten würde, den oben aufgestellten Plan zu verfolgen, das ist die mögliche Blamage, der eS ausgesetzt würde, wenn die befreitsten Bundeâkontingente nicht zusammenkämen, oder wenn die Bundestruppen, statt gegen die Schleswig-Holsteiner zu agiren — denn daâ müßten sie, weil eine Auflösung unserer Armee verlangt werden würde — mit ihnen gemeinschaftliche Sache machten, oder sich wenigstens nicht als Exekutoren gebrauchen ließen.
Nichts Anderes bleibt also übrig, als daß Oesterreich und Preußen sich einigen. Ueber dies haben beide Mächte den sehnlichsten Wunsch nach einer solchen Einigung, nur daß bald die eine, bald die andere ihrer Unfähigkeit, die deutsche Frage zu lösen, durch Faustballen Luft macht. Wenn auf der einen Seite die kleineren deutschen Mächte weder in der Selbstständigkeit, welche sie von der zerfallenden Centralgewalt alâ Erbtheil überkommen haben, noch auch in derjenigen Souveränetät, welche ihnen die vormärzliche Bundesverfassung zuge- stand, belassen werden können, so sind auf der andern Seite Oester- reich und Preußen bis jetzt weit entfernt, den Plan zu besitzen, nach welchem sie sich in die Hegemonie über Deutschland theilen können. WaS ihnen allein zu thun noch Möglich ist, das ist, daß sie ruhig zitwarten, wie sich die einzelnen deutschen Staaten in der Jsolirung
abnutzen, bis die letzter« ihnen von selbst zufallen. Hierüber wird noch manches diplomatische Gebräu in daö allgemeine europäische Sudelmeer fließen. — Unsere Statthalterschaft und unser General sind ganz bereit, daS Ergebniß dieser diplomatischen Sauerei abzuwarten. Sie haben sich auf Rendsburg zurückdrängen lassen, weil nur hier eine Position ist, in welcher sie für langandauernde Thatlosigkeit Vorwände finden können. Hätten sie sich bei der Stadt Schleswig gehalten, so würden die Dänen, so lange ihre Kräfte auSgereicht bätten, immer neue Angriffe gemacht und unserem Kriege den Anschein deS Ernstes gegeben haben. Hätten sie gar die Dänen siegreich auS dem Noiden getrieben, so würden sie nicht allein einen dänischen, sondern auch einen russischen Krieg auf dem Halse gehabt haben, eine Aufrüttelung und äußerste Anspannung deS Volkes wäre nöthig gewesen, und einer solchen fühlen sich die Herren nicht gewachsen. Das Klügste war also, sich von den Dänen zurückschlagen zu lassen; und gestern ist die Statthalterschaft nach Rendsburg gegangen, um dem Schauplatz der — Verhandlungen näher zu sein. — Eâ fragt sich aber sebr, ob die Dänen auf unsere friedlichen Intentionen ein« gehen, ob sie nicht ihrerseits Rendsburg angreifen werden. Der Besitz dieser Festung ist ihnen von Wichtigkeit, um bei spätern Verhandlungen aus diesem fait acconipli zu beweisen, daß Rendsburg zu Schleswig und nicht zu Holstein gehöre: und die Statthalterschaft ist soweit herabgekommen, daß ihr einziges Streben nur noch dahin geht, — Rendsburg für Holstein zu erhalten. So scheint uns die Angabe deâ „Roterdamer Courant", daß die Dänen sich zu einem Angriff auf Rendsburg bereit machen, viel Glaubliches zu haben.
h^ Altona, 15. August. — Von der Armee verlautet noch nichts Neues und scheint sie ihre Position nicht verändert zu haben. Hier ist kein Militär mehr und beziehen die Bürger die Wachen, sowie auch von ihnen 5000 dänische Gefangene, die in der Lucaö'schen Reitbahn untergebracht sind, bewacht werden. Andere große Baulichkeiten, wie daâ Waisenhaus, sind zu Lazarethen eingerichtet, doch mindert sich die Zahl der dort Verpflegten täglich. Im Allgemeinen ist man hier übrigens der Meinung, daß die beiden Armeen nicht auâ ihrer jetzigen Defensive herausgehen werden und die Großmächte inzwischen einen Vergleich zu Stande bringen.
Deutschland.
** Kassel, 17. Aug. — Abgereist: Haynau, der Ungarschlächter.
d Hersfeld , 15. Aug. — In unserm obern Verwaltungsbezirk sind sämmtliche Abgeordnete des aufgelösten Landtags wieder gewählt worden: Gundlach und Manns für die Höchstbesteuerten, Simfel für Hersfeld , Gräfe für Melsungen und die übrigen Städte, Röding für den Distrikt Rotenburg und Berlit für den Distrikt Heröfeld. Die Mucker sind also auch hier, wie im ganzen Lande, mit ihren Kandidaten auf daâ Glänzendste durchgefallen, waâ ihre Schuld nicht ist. Denn ihre Anstrengungen übertrafen vielleicht Alles, was jemals eine Partei in Agitationen geleistet hat, und dennoch konnten sie gegen Gräfe für Baumann nur einige wenige und gegen Berlit für den Ministerial-Referenten Klinkerfueâ nur 360 Stimmen erringen; die meisten Chancen hatten sie noch in Rotenburg, wo der Ober-GcrichtS-Assessor Klingender 717 Stimmen erhielt. Am heftigsten agitirten sie im Distrikt Heröfeld, wo wenigstens 10 Pfaffen mündlich und schriftlich vor und bei der Wahl alle ihre Kraft zusammennahmen, um die Wahlen für den „frommen" Klio- kersueS zu gewinnen, aber meist ohne allen Erfolg. In Kirchheim hielt vor dem Wahlakt Pfarrer Grau eine herzzerreißende Rede zu diesem Behuf, und die Wähler waren so gerührt, daß sie fast alle ihren Seelenhirten im Stich ließen; in Unterhaun that Pfarrer Hotzel desgleichen, und wie Gott den Schaden besah, so stand der langweilige Pastor mit dem Schulmeister und dem Klingeliften allein ; in Oberaula soll Amtmann Schantz in gleicher Weise „geschah haben, aber eâ half nichts; in Rabolbhausen machte nach der Wah der Pfarrer Wagner seinem Kastenmeister, dem Bürgermeister Lang» die bittersten Vorwürfe, daß er für einen Demokratin gestimmt und 112 Bürger zu derselben Sünde „verführt" habe, und hatte noch den Aerger, sich antworten lassen zu müssen: eâ sei die Stimme des Bo- keâ so gewesen und deö Volkes Stimme fei Gottes Stimme. Diese Antwort reichte für den frommen Eiferer hin, um seinen Sermon mit dem Wunsche zu schließen: „Run, so werdet dann >" Dre.-Leufela Namen alle Demokraten!" (Amen!) Gegen den „Demokraten Ber- lit waren aber vornehmlich die Agitationen der Pfaff»n un anderer Mucker gerichtet; doch nicht die ihrigen blos, sondern auch die der Neuhessen. Zu diesem Ende hatten sie auSgesprengt, Berlet werde doch nicht wieder oewählt; ferner: er habe sur die Besoldungserhohuna der Volksschullehrer und für das neue Holzgesetz gestimmt. Diese Gee meinhei-en und Lügen wirkten in mehreren Gemeinden; ;e da, wo man dem Schullehrer nicht hold war, diese da, wo man daâ Druckend«