fritier Jahrgang.
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Der Friedenskongreß zn Frankfurt.
Si vis pacem , para bellum.
Willst du den Frieden, so rüste zum Krieg.
Den 23. August soll in Frankfurt am Main eine Far^e aufge- führt werden, wie sie nur trivialer Unverstand oder energielose Matt- herzigkeit erfinden konnte als Hohn auf daS Unglück der Welt, als naive Persiflage unserer Schmach und Erniedrigung. In der Paulskirche zu Frankfurt, auf den bestaubten verlassenen Sitzen unserer ersten Nationalversammlung, werden sich sentimentale friedfertige Quäker auö Amerika und ruheliebende Baumwollenfabrikanten aus England niederlassen, um die Völker, diese gequälten Schaafheerdcn, anzuflehen, sich ohne Sträuben von ihren Metzgern schlachten zu lassen. — In denselben Räumen werden sie zur Sanftmuth und zur Friedfertigkeit mahnen, wo noch leise der Donner jener gewaltigen Stimmen rollt, welche das Schwert des Fürstenkriegs in Blut verstummen gemacht. — Auf derselben Tribüne wollen sie die Rache und die Empörung auS unsern Herzen reißen, welche der Geist Robert BlumS ungesühnt umschwebt, auf der unser trauerndes Herz die geliebte Gestalt erblickt mit den klaffenden blutenden Wunden, — von der sein Ruf nach dem Rachckricg der Revolution wie Gewittersturm die Worte dieser armseligen Friedenökastraten überschallt. — Auf demselben Präsidentcu- stuhl, von dem Heinrich v. Gagern, der fanftmülhige Jupiter, in Verzweiflung herabstieg, gezwungen vom Standrecht der Fürsten, — um nach vergebener Demüthigung in den Krieg an der Nordsee zu wandern, — auf demselben Präsidentenstuhl wird ein anderer Schönredner aus Frankreich — wird der Romantiker Viktor Hugo — abermals dieselbe Sanftmuth, dieselbe Demüthigung, dieselbe Entsagung und damit dieselbe Selgstschändung des Mannes predigen.
O, ihr fremden Herren aus Amerika, England und Frankreich. Konntet Ihr unS diese Verhöhnung in unserem Elend nicht ersparen? Gab eS nicht in Eurer Heimath genug für Euch zu wirken? Sanft- herzige Quäker aus Amerika, konntet Ihr nicht auSziehen und daS Kreuz predigen gegen den scheußlichen Krieg, den Eure despotischen Pflanzer wider jene Millionen entwürdigter und gepeinigter Sclaven führen? — Sie, meine Herren Fabrikanten und Freihandelömänner Altenglands, — was macht Ihr Irland? — was machen Ihre Arbeiter tu den Fabriken und in den Bergwerken? — wann werden Sie einen Kongreß von erbarmungslosen Millionären berufen, nm diesen grausamen Menschenschlächtcrn Frieden zu predigen und Menschlichkeit gegen ihre unglücklichen Arbeiter? — Und Sie, edler Viktor Hugo, haben Sie sich wohl genau überzeugt vor Ihrer Abreise, ob Cavaignac, der Junischlächter, der Würgengel von Paris, nicht die Mündungen der Kanonen aus den Forts auf die Faubourgs gerichtet hat, und ob nicht die Bande der Siebcuzehn den Schlachtplan entworfen, um in Abwesenheit des Friedensapostels ganz Paris in die Luft zu sprengen, und das Herz Frankreichs zum Stillstand zu bringen? — Meine Herren, Sie werden wohl thun, in ihren engsten Kreisen zuerst den Frieden zu verkünden und seinen Sieg vorzubereiten. Der Frieden der Welt wird von selbst daraus folgen.
Aber Sie find leider in dem thörichten Wahne, der ewige Frieden könne ebenso von oben herunter oktroyirt werden, wie der Krieg vk. troyirt wird. Sie gehen von 'der kindischen Anschauung auS, daß man den Frieden damit beginnen müsse, daß man sich nur nicht öffentlich morde und todtschlage, daß man keinen Krieg führe mit Säbeln, Bajonetten und Kanonen. Herr Cobden, der Freihändler, hat dazu ein höchst einfaches Mittels entdeckt, cs ist die Verringerung der stehenden Heere, -1 damit, glaubt der ehrcnwerthe Herr/ werde jeder Krieg zw scheu den Völkern aufhören, und damit das tausendjährige Reich Christi, das Reich des ewig",! Friedens gegründet seil'.
Schade nur, daß Hr. Cobden den kleinen Irrthum begeht, zu übersehen , daß die Fürsten und Regierungen Europas diese stehenden Heere nicht von uns besolden lassen, um sich einander zu bekriegen, sondern um uns, ihre rebellischen Unterthanen, im Zaume zu halten. WaS sollte aus den regierenden englischen Fabrikmogulö werden, wenn nicht das Militär von Her giacious Majesty im äußerste» Fall mit Pulver und Blei diese rebellischen Arbeiter in Birmingham und Manchester oder auf dem flachen Lande zur Raison brächte, und die unzähligen strikes (Arbeitseinstellungen), Swings und tournouts (Brandstiftungen) und ihre Rebekka'S (Mord und Brand, namentlich in Wales) unterdrückte. — Was würde aus den 17 Burggrafen Frankreichs und den RegierungSaussichten LouiS Napoleons , Louis Philipps und Heinrich V., wenn es kein Militär gäbe? Und waS in aller Welt würde aus den armseligen kleinen 32 oder 33 Liliputregierungen in Deutschland, wenn sie auf Hrn. Cobdens gutmüthige Rathschläge eingehen wollten.
Hr. Cobden übersieht ferner den kleinen Umstand, daß die Völker gerade vermittelst der stehenden Heere im Augenblick blos geographische Begriffe sind, und daß sie also nicht die Gewalt haben, diese stehenden Heere abzuschaffen, wenn die Regierungen sie behalten wollen. Hr. Cobden Übersicht schließlich den kleinen Ucbelstand, daß der Mord durchs Schwert gegen den Mord durch die Allgewalt deS Kapitals ei« wahres Nichts, ein Zwerg ist, und daß daS HanoelS- und Industrie- System der englischen Geldsäcke Ströme von Blut vergießt und mehr, je tiefer der Freiden zwischen den Bajonetten wird. — Napoleon sprach, ich habe jährlich 100,000 Mann zu verzehre». Aber was war Napoleon gegen die Fabrikherren Altenglands? Jeder englische Fabrikant hat jährlich seine 260 Arbeiter zu verzehren, waS für alle diese Arbeitdespoten zusammen eine Jndustriearmce von einer Million macht, die sie alljährlich mit Haut und Haaren auffressen, d. h. deren Hungertod, deren Untergang ihre Baumwollengespinnste oder ihre Maschinen um 30 pCt. billiger machen, als die ihrer Konkurrenten. Aber noch mehr. Diese NabobS der Industrie haben ebensoviel Konkurrenten zu verzehren als Arbeiter, d. h. sie ruiniren jährlich in ganz Europa 100,000 von Werkstätten, Meistern und Fabrikanten , treiben sie an den Bettelstab und in den Hungertod. — Wahrlich, eine grausamere oder kindischere Ironie auf den Jammer der Welt kann nicht anfgeführt werden, als dieses Herumreisen Herrn CobdenS und seiner Gesippen, um aller Welt anS Herz zu legen, sich ruhig durch die Bajonette der Tyrannen abschlachten und mit den Goldsäcken der Wucherer und Millionäre todtschlagen zu lassen. — Die größte Ironie aber ist die, mit solchen Zumuthungen zu unS nach Deutschland zu kommen, und von der Paulskirche auS, von der Stätte unserer Erhebung und unserer um so tieferen Schmach, dafür zu predigen.
Ja, meine Herren, auch wir wollen den Frieden, aber jenen ewigen Frieden der Menschheit, der sich nur dann auf die Erde hcrablaffl» wird, wenn daâ Reich der Unmenschlichkeit zertrümmert ist. — Glauben Sie dieses Reich der Gewalt und dcö Todtschlags durch Ihre Gebete zerstören zu können? - Glauben Sie, vor Ihrem FriedenS- ruf senkten sich die Degen der Radctzky'S und Wrangel'ö, zerbräche» die Galgen Haynau'â und Windischgrätz's, blieben die StandrechtS- kugeln unabgcschvsscn in den Flintenläufen der Habsburger, der Hohen- zollcrn, der Cavaignac'S und Changarnier'S. — Nun, der Dorner der Kanonen und der Brand der Städte wird Sie mit grimmigem Hoh» auS diesen kindischen Träumen aufschrecken. — Wenn Sid aber für jenen ewigen Frieden thätig sein wollen, so eilen Si- in Zb-e Hb'matY, werden Sie Diener und Lehrer der Unterdrückten, werden Sie ihre Allerer für dcn letzten Krieg, werden Sie ihnen Lenker zur W , I Frieden und zur Menschlichkeit aus der Brutalltat dc ‘ 5, blutigen Siegesrausches. — Wenn sie diesen Fr«e ,
rüsten Sie sich zum furchtbarsten Kriege, den tue elt H h