Dritter Jahrgang.
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Kassel, Donnerstag den 15. August
IZZO.
An die ehrlichen Frommen.
Euer sind wenig! Vor den Lügnern und Heuchlern, die euch zwischen sich genommen, kennt man euch nicht; vor den Jesuiten, die euch mißbrauchen zu den Werken des Betrugâ, könnt ihr nicht zu Worte kommen. Aber eâ ist die Schuld eurer Schwäche. Ihr geht mit dem Verbrechen Hand in Hand. Ihr werdet selbst zu Verbrechern. Oder ist bad keine Sünde, durch Schweigen in die Sünde Dritter zu willigen, ist eâ keine Lästerung, die Bubenstücke Dritter durch die Demüthigung unter ihren Schurkenwillen gutzuheißen? — Ehrliche Fromme, schwache aber wahrheitsliebende Seelen! Ermannt euch zu eurer eigenen Ehre! Werfet von euch das Joch, daS euch der Betrug und die Tyrannei aufgezwungen, um in eurem Namen, gedeckt durch eure Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, ihren Schandthaten daS Siegel der Frömmigkeit aufzufälschen. Legt Rechenschaft ab ohne Menschenfurcht von eurem innersten Wesen! Gebt Zeugniß von eurer Treue, von eurer Liebe, von eurem Eifer für Wahrheit und Gerechtigkeit. Ruft ihr nicht selbst auS bedrängter, angstvoller Seele nach dem Tage deö Gerichts, der da richte die Bösen und die Guten, die Gerechten und Ungerechten? — Wohlan, dieser Tag wird kommen! Rüstet euch, daß ihr vor seinem Blitz und Donner nicht zu Schanden werdet. — Oder glaubt ihr den Worten eurer heuchlerischen Betrüger und Verführer, haltet ihr sie für die reinen Engel deâ LichtS, für die sie sich selbst so schamlos und so prahlerisch anpreisen? Glaubt ihr ihren Schmähungen über uns und unsere heiligen Lehren, den Schmähungen unserer zornschnaubenden, grimmerbitterten, vor unserer Gewalt jämmerlich verlorenen Feinde? Eâ kann sein. Es muß wohl sein, denn sonst würdet ihr die Schlangenbrut verlassen, euch ihren gleißnerischen Umwindungen entreißen und den Pfad der Gerechtigkeit wandeln. Ihr kennt und nicht.—- Eure listigen, niederträchtigen Vormünder haben und mit ihren kläglichen Lügen in euren Augen alâ Teufel geschildert, alö Höllenbrände, alâ Räuber, Diebe und Mörder. Wir lachen über diese abgedroschenen Schimpfereien, mit denen vom Anbeginn der Welt an jeder Neuerer, jeder Ketzer, jeder Rcfor- mator von den Kindern der Finsterniß überhäuft worden ist. Lange Zeit hat jedesmal die Schaar der Blinden solchen Schmähungen Glauben geschenkt, bis ed plötzlich wie Schuppen von ihren Augen fiel, bis sie in Denen, die sie für Engel gehalten, die Teufel und in Denen, die ihnen die Teufel als Teufel geschildert, die rettenden Engel deâ LichtS ersann- ten. Auch euch ihr Blinden, wird ed so gehen! Auch ihr werdet dereinst und die Schmähungen abbitten, mit denen ihr bewußtlos auf bad Kommando eurer betrügerischen Führer und überhäuft habt; auch ihr werdet dereinst erkennen, welche Schurken und Verbrecher ihr unter der lächelnden Maâke der Tugend und Frömmigkeit für die „Propheten des lebendigen Gottes" gehalten habt. Diese Stunde ist nicht m hr fern! —
Fragt euer eigen Herz? — Eâ wagt nicht, und frank und frei zu widersprechen. Eâ gesteht sich unter bangem Beben, bad eS irre geworden an Denen, auf die eö früher so hoch vertraute, denen eS die Sorge für sein Seelenwohl gläubig in die gefalteten Hände ge- legt. Und in stiller Nacht steigen brennende Zweifel in eurer beklom- menen Brust auf. „Wie?" ruft laut die Stimme der Wahrheit in eurem Herzen. „Wie, diese Heiligen des Herrn, die der Welt Lüste verdammen, die unsere Blicke nur nach dem Himmel und nach dem ewigen Heil richten, dieselben Männer rennen umher voll jämmerlicher Gier nach den Schätzen dieser Welt, nach Geld und Gut, — ihre Hand zittert vor Verlangen nach dem Scepter der weltlichen Herr- schaft. Sind das die Büßenden, die Demuthsvollen, die Entsagenden ? Sind bad die Jünger jenes Mannes, dessen Spruch lautete: „Eâ wird eher ein Kameel durch ein Nadelöhr gehen, als ein Reicher in den Himmel kommen?" — Unmöglich! Und doch wollen sie cd sein!" —
Ehrliches Herz, wenn die Stimme der Wahrheit also zu dir spricht, so folge ihr und du wirst dich retten. Aber lausche weiter, waS dein innerer Engel dir warnend zuflüstert.
„Wie? ruft er — Wie, sind bad die Diener Gottes, die fromme» Diener deiner Kirche, welche da dienen als elende unterwürfige Sclaven dem Betrug, dem Raub, der Unzucht, dem Mord? — Legen sie ihre Stimme nicht ein für die Gewaltigen der Erde, für diese Ehebrecher, Blutsauger und Mammonsknechte? — Wollen sie nicht die Menschen unter der ehernen Faust herz- und sittenloser Räuber und Wüstlinge erwürgen lassen? — Predigen sie nicht den Krieg und das Blutvergießen? Waffnen sie nicht den einen Theil der Menschen gegen den andern, hetzen sie nicht ihre Brüder in den grausamen Tod und ins Verderben? — Sind sie nicht die Lobredner strenger Zucht und Ordnung, wie sie sagen, nicht der Zucht durch die Liebe, nicht der Ordnung der Freiheit und bed Heils, sondern der Zucht der privi- legirten Unzucht von Reichen und Gewaltigen, der Zucht des Standrechts und der Belagerung, der Ordnung der Spitzkugeln und der ShrapnellS? — Allmächtiger Gott, sind das Deine Priester?" —
Ehrliches Herz, komme zu dir! — Wenn du noch Kraft hast, folge der Stimme der Wahrheit und verlasse den Pfad, den dich führen die Verbrecher, und du wirst frei fein von ihrer Schuld, gerettet werden von ihrer furchtbaren Strafe. Ehrlicher Mann, die Hand auf dein Herz! Kannst du ein Freund sein bed Fürstenthumâ , bad sich mit Gewalt und aufgezwungen, bad und auâfaugt bis auf’d Blut, bad kein Erbarmen kennt mit Denen, die cd an die ewige Gerechtig. feit , an Tugend und an die Wahrheit mahnen, bad kein Erbarmen kennt mit dem Blute der Menschen, wenn eâ gilt, neuen Mammon zu erbeuten, neue Länder zu rauben, neue Ehren zu verschlingen, bad kein Erbarmen hat mit dem Volke, wenn ed gilt, seinen SchmerzenS- ruf zu hören, seine Thränen zu trocknen, seinen Kummer zu stillen, bad keinen Gott hat, als sich selbst, seine Lüste und seine Macht, vor dem wir sind wie die Thiere, niedrig, verächtlich, geschaffen, um für sein Plaisir gepeinigt und geschlachtet zu werden? — Ehrlicher, gläubiger Mann, bad kann dein Glauben nicht gut heißen! — Dein Glauben strebt wenigstens nach der Gerechtigkeit. Ehrlicher Mann, du bist Republikaner, ohne ed zu wollen, ohne ed zu wissen.
Ehrliches, frommes Herz, gieb der Wahrheit die Ehre! Willst du nicht daS Glück deiner Brüder, willst du ihr Leiden nicht enden und ihre Qualen nicht aufheben? — Ehrlicher Mann , du bist Sozialist, ohne es zu wissen! — Und du ein Genosse der Henker dieser Welt, du ein Freund, du ein Diener der Pharisäer und Schriftge- lehrten, die mit der Tyrannei den Bund der Verbrechen beschworen und besiegelt? — Diene deinem Gott, wie du willst, aber wenn beim Gott die Wahrheit ist, so diene ihm in der Wahrheit. Laß dich be- lehren und belehre Die, welche du für verirrt hälst. Achte die Wahrheit her Ueberzeugung an Allen, wie du sie bei dir geachtet wün- schcst. — Aber willst du dir dazu den Weg frei machen, so fliehe die Gemeinschaft mit den Verbrechern, den Tyrannen tinb Menschen- schlächtern, den Jesuiten und Schurken. — Oder--— werde mit ihnen zum lasterhaften Schurken und sei verloren!
Schl e 6 wig - Holftei rr.
** Kassel, 14. August. - Die „Reuhesfische Zeitung" bringt heute die nachgeschricbene Nachricht, daß alle Berichte über Unterhandlungen zwischen der Staatthalterschaft und der dänischen Regierung total falsch seien. Diese Berichte stammten aud dämmen Blättern und aud der Berliner Kreuzzeitung. , , . .
Wir bemerken dazu, daß auch einer unserer Korre pondeu.ei; über solche Unterhandlungen berichtet hat, und daß wir gar seinen Grund haben, in diesen Bericht Zweifel zu