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P ritter Jahrgang.

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Kassel, Freitag den 9. August

1850.

Das Gothaer PolLzcitalent in Schleswig- Holstein.

Die Sache SchleSwig-Holste in S ist verloren. gehörte nicht viel Scharfblick dazu, auch vor der Schlacht bei Idstedt diese» AuSgang vorauszusehen. Die Solidarität der fürstlichen Reaktion gegen jede Bewegung, die mit dem Volke in irgend einer Beziehung steht und als ein, wenn auch noch so schwächliches und entartetes Kind der Revolution zu betrachten ist, der in dem paix pure et simple offen proklamirte Verrath , die vereinigten Bajonette Preußens und Rußlands, welche nur noch in der raffinirten Absicht zurückhielten, um den Herren der Welt eine ähnliche allerhöchste Augenweide zu verschaffen, wie sie ihnen die Schlacht bei Fricdericia geboten hatte, die Feigheit und Lüge, welche im eigenen Lande ihren Thron aufgeschlagen hatten, und durch eine zu erbärmlicher Fürstenbuhlerei dressirte Statthalterschaft die besten Kräfte deS Volkes in sehr honette und gesetzmäßige Fesseln schlug, die Ohnmacht der deutschen Nation, die bereits so viele Fußtritte einge­steckt, daß sie selbst daS ABC eines politischen Volkes, daS bischen Ehre und Selbstachtung vergessen hatte, alles Daâ ließ unS nicht einen Augenblick über daö Schicksal des schleSwigholsteinschcn Bruder­stammes in Zweifel.

Wer aber dennoch darüber in Zweifel war, wer den Glauben an die Möglichkeit eineS SiegeS nicht aufgeben mochte, weil er sich selbst, sein menschliches Gefühl nicht aufgeben wollte, wer sich vielleicht noch der Hoffnung hingab, daß daS deutsche Volk erwachen könnte, wenn nur einmal daS Schwert gezogen wäre und mit hellem Klange die Nacht der Reaktion durchdränge und an unsere schlaffen Gewissen schlüge: der mußte vollständig enttäuscht werden, als er sah, wie die Gothaer, diese Todtengräber unserer Revolution und Freiheit, plötz­lich allerorts aus ihren Schlupfwinkeln hcrvorkamen und mit ihren widrigen Phrasen einen wohlfeilen Enthusiasmus zur Schau trugen, und Geld sammelten und Charpie zupften und die schwache Statthal­terschaft um das letzte Nestchen Energie betrogen und die Bewegung in die Hand nahmen, d. h. sie vollständig ruiuirten. Der edle Gagern ist schleSwig holsteinscher Major, GervinuS verfaßt statthalter- schaftlerische Denkschriften, in welchen der Krieg nicht gegen, sondern für den legitimen König Herzog geführt wird, und übernimmt diploma­tische Missionen, Matthy schreibt stammverwandte Broschüren, die ganze Partei hat sich wie ein Alp über die Statthalterschaft gelagert und wird sie erdrücken, und das arme verrathene und verblutende Volk mit ihr.

Die Bewegung, welche früher nur schwach und unklar war, welche an spießbürgerlicher Halbheit hinsiechte und eben deßhalb keine AuS- sicht ans Erfolg bot, ist jetzt, wo sich der Einstuß der Gothaer direkt geltend macht, geradezu erbärmlich geworden.

Es gab ein Mittel, Schleswig-Holstein zu retten, eine deutsche Revolution. Die Hoffnung auf eine solche mußte sofort aufgege­ben werden, als sich jene Herren mit dem Schwerte der stammver­wandten Phrase umgürteten und die Bewegung für sich in Beschlag nahmen, als sie eineallgemeine gesetzliche Erhebung" proklamirte» und anstatt den Feind da zu suchen, wo er ist, auf den deutschen Thronen und Ministerbänkcn, Charpie zupften und gegen die gleich­gültigen Dänen deklamirtcn. Die Demokratie verliert wenig an Schleswig-Holstein, sie hat dort ihre verpfändete Ehre nicht einzulösen, eS kostete ihr daher auch nicht viel, eine Sache aufzugeben, welche durch Gothaer Perfidie zu einer verlorenen gemacht worden war, kostete ihr nur einen Kampf mit ihrem menschlichen Gefühl, mit ihrem Mit­leiden. Die Dcmotratie hat mehr verloren und Größeres verschmerzt, sie wird auch Schleswig-Holstein verschmerzen; die Demokratie hat für ihre Existenz, für die Freiheit der Zukunft zu kämpfen und findet keine

Vcranl ssung, ihr Blut für eine Gothaer Phrase zu verspritzen, ihr Leben für eine ihr fremde Sache hinzugeben, zwecklos hinzugeben, nach­dem diese durch die eigene Partei verrathen und zu einer rettungs­losen gemacht worden ist.

Nun gab es noch einen zweiten Weg, auf dem das schleswig- Holsteinische Volk zwar nicht den Sieg, aber doch einen ehrenvollen Untergang erkämpfen konnte. Die Schlacht bei Idstedt war geschlagen und von Deutschland keine Hilfe zu hoffen. Man hatte gesehen, wie weit man mit Willisen und den Herren Reventlow-Beseler gekommen. Nun dann galt, die Scheite wegzuwerfen, jede Brücke, auf welcher der lauernde Verrath einschleichen konnte, hinter sich abzubrechen und sich der Worte Schillö zu erinnern:Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!" Man hat sich für daS letztere entschie­den , und auf einen ehrenvollen Untergang verzichtet. Gotha hat somit gesiegt und die Folgen seines Sieges machen sich bereits bemerkbar.

Das erste, was unter seiner Aegide in SchleSwig-Holstein einzog, war eine musterhafte Polizei. Nicht genug, daß man den revolu­tionären ungarischen und polnischen Offizieren den Eintritt in die Armee verweigert, die ganze Stellung, welche die Statthalterschaft zu ihrem Verderben eingenommen, mag das verlangen nicht genug, daß man schon vor der Katastrophe in Holstein ansässige Demokraten auSweist und ihnen daS ganze Misere einer gothaer Polizeiwirthschaft über den Hals hetzt, daß man gediente Soldaten zurückweist, weil sie keinen Impfschein aufzuweisen haben, daß man Ronge steckbrieflich verfolgen läßt, weil er ein der Statthalterschaft oder ihren edlen Patronen mißliebiges Buch geschrieben; alles ist Kleinigkeit gegen folgende Thatsache, die wir in denHamb. Nachr." lesen:Der bekannte sächsische Oberlieutenant Müller, der den Herzogthümern feine Dienste angetragen, hat leider zurückgewiesen werden müssen, weil er in der sächsischen Kammer den Antrag stellte, die Soldaten möchten nicht gehalten sein, außer Dienst ihre Offiziere als Auetorität an zu er kennen." Daneben wird bedauert, daß so bedeutende militärische Talente für Schleswig- Holstein verloren sein müßten!!!"

Wer hat noch Zorn, wenn der Ekel überwiegt?--

Schleswig - Holsteiner! Ihr sollt zuvor moralisch vernichtet wer­den, ehe man euch den Kugeln des Standrechtes preiß gibt, man will euch um eure Stelle im Herzen des deutschen Volkes betrügen, man will euch eure Anwartschaft auf die Zukunft verrätherisch entreißen, ihr sollt fallen ungeliebt und ungerächt. Man will den Schrei des Entsetzens, der die Standgerichte in Ungarn und Baden begleitete, nicht wieder an daS geängstigte Gewissen schlagen lassen, man will euch daher zuvor verächtlich machen.

Schleswig-Holsteiner! Eure herzlosesten Feinde bergt ihr in euren eignen Reih n. Noch ist eS Zeit, daS Aergste abzuwehren, noch könnt -hr euch zu der Höhe deü Schill'schen HeldenworteS rmporschwingen. Aber handelt schnell.

Lieber ein Ende mit Schrecken, alâ ein Schrecken ohne Ende!

L ch i e ö w i g - H o l st e i n.

DieWcserztg." meldet: Die dänische Armee hat eine Bewegung südwärts gemacht, indem sie sich sowohl in der Richtung nach Eckern- förbe (östlich) , als nach Friedrichsstadt (westlich auozudehnen begonnen hat. Ihre Hauptstärke steht bei Hollingstedt, nahe der bei Kropp. Ein Vorrücken auf Friedrichsort, wie es in diesen g als wahrscheinlich dargestellt wurde, bestätigt sich nicht, ageg g ' winnt eS nach jenen Bewegungen den Anschein, a

Rendsburg abgesehen. Die letzte Proklamation W.lli.enâ ub » die Befestigungen Rendsburgs deutet darauf hin, daß man sich auf