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Dritter Jahrgang.
pedition (obere Entmqasir Nr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter (C best -den, Inserate die dreispaltige Petit; eile 8 Hlr;
M^ 18^. Kassel, Donnerstag den 8. August 1850,
Der Berg der französischen Nationalversammlung.
' Die gesetzgebende Versammlung der großen Nation wird nächstens in die Ferien reisen. Es steht dahin, waâ während dieser Ferien in Frankreich geschieht, wieweit die Contrerevolution dieselben benutzen wird, jedenfalls ist von der Versammlung selbst genug geschehen, um einige Betrachtungen daran zu knüpfen.
Napoleon kann mit dieser Versammlung nicht mehr regieren. Sie hat ihre Dienste gethan, sie kann nun gehen. Nachdem sie mit fanatischer Wuth die Verfassung mit Füßen getreten, die ganze Februar- revolution zerstampft hat; nachdem sie also vernichtet hat, waö irgend an Freiheiten zu vernichten war, hat sich die Bande aufgelöst, die Parteien laufen auseinander, fallen sich gegenseitig in die paare, zanken sich um den Bauplatz für Heinrich V., Napoleon oder LouiS Philippe.
Die Nationalversammlung soll nichts mehr thun, sie will nichts mehr thun, sie kann auch nichts mehr thun. Sie kann lediglich noch in die Ferien gehen. Großartig in der Verhöhnung der „Emeute", hat sie nach vollbrachter Arbeit nichts mehr übrig, als ihre ischaden- freude, ihr Hohnlachen, hat sie kein anderes Talent mehr, als das, sich zum Kinderspott zu machen. Noch keine von allen französischen Versammlungen hat eö dahin gebracht, wohin es die jetzige Nationalversammlung gebracht hat, die große Ration nämlich lächerlich zu machen. In der That, wenn man daö wahnsinnig alberne Gebühren dieser Gesetzgeber in den letzten Monaten verfolgt,--man sollte denken, eâ wäre ihre Absicht gewesen, das große Frankreich vor den Augen der Welt zum Narren zu haben, der Welt zu zeigen, daß auch das Land der Revolutionen nur Harlekins zur Welt bringt, daß das Land der Guillotinen und Schaffote ebenso lumpig geworden ist, als daS Land der Universitäten und Professoren.
Wenn irgend wer die Absurdidät einer parlamentarischen Regie- rung dargethan hat, so ist cs Cie französische Assemblee. Wenn irgend wer die corrumpirende Wirkung der sogenannten Majoritätsherrschaft ans Licht gezogen hat, so ist eö Napoleon mit seinen Commis und seiner Compl^ciu, der Nationalversammlung.
Und an dieser tollen Wirthschaft hat sich der Berg moralisch bctheiligt. LcdrüRollin hat ibm deswegen seine Verachtung zu Theil werden lassen,--der Berg hat sich nicht darum bekümmert. Ledrü-Rollen hat eben nicht viel Recht zu einer Strafpredigt, er ist eben nicht Schuld daran, daß er nicht länger in der Versammlung gesessen hat, daS ist aber sicher, der Berg der Nationalversammlung ist dermalen in derselben Erbärmlichkeit vcrsnnken, in welcher feint Gegner sich umherwälzen.
Die Versammlung gcht in die Ferien, die linke Seite deS Hauscö ist nicht ausgetreten.
AIS im vorigen Jahre die französische Armee gegen die republikanischen Brüder in Rom focht, da war die Montagne wenigstens noch rein genug und stolz genug, um zu begreift», daß eS nun Ehren- fache geworden fei, etwas mehr zu thun, als europäische Reden zu halten. Die Montagne war für die Revolution. Man sagt ihr nach, daß sie sich mit schwerem Herzen dazu entschlossen, daß sie durch Zögern und Acngstlichkeit die Bewegung im Keime erstickt habe, die Montagne bewies aber wenigstens, daß sie ihre Schuldigkeit ge- fühlt hatte.
Der gegenwärtige Berg geht mit den Complicen in die Ferien, anf'ö Land, zu den Familien, als ob gar nichts anderes mehr zu thun wäre, als zu schwatzen. Die Montagne hat nicht die Revolution zu Hülfe gerufen, mehr, sie ist nicht einmal ausgetreten.
DaS Vereins- und Versammlungörecht ist so ziemlich vernichtet,
daö Wahlrecht zu Tode geschlagen, die Presse an Händen und Füßen geknebelt, man spricht unumwunden von einer totalen Aufhebung der Verfassung, die Montagne lacht zu dieser Niederträchtigkeit und geht in die Ferien. Der Berg weiß, daß er in der Kammer keine andere Rolle spielen kann, als dem Mord und Todtschlag der Freiheit ruhig zusehen, der Berg bleibt.
Der Berg erklärt sich also mit Allem einverstanden. Er steift sich auf die Majoritälenherrschaft, auf seine Eigenschaft als Volksvertreter und--bleibt also. Wenn morgen Napoleon sich zum Kaiser auörufen ließ, — der Berg würde vermuthlich auch die kaiserliche Kammer nicht verlassen. Und wenn Heinrich V. folgende» TageS auf den Spitzen der Bajonette ins Land getragen würde, — der Berg würde keinen Anstand nehmen, auch in der bourbonischen Kammer zu sitzen. Warum nicht? Der Berg unterwirft sich der Majorität.
Der französische Berg hat nichts gelernt und nichtâ vergessen. Daß eS Dinge gibt, die über dem Dekret einer Handvoll Schwätzer stehen, scheint der Montagne wieder entfallen zu sein. Ihr zufolge gibt cs auf der weiten Welt Nichts, kein Recht, keine Freiheit, kein Gewissen, daS nicht wegdekretirt, wegmajorirt werden könnte. Ihr zufolge sind alle Rechte im parlamentarischen Wasser aufgelöst und können nur durch parlamentarisches Destilliren wiederhergestellt werden.
Der französische Berg korrumpirt daâ Volk, er betheiligt sich am Kampf gegen die Revolution, indem er das Volk in seinen Rechten irre macht, indem er ihm glauben macht, daß es keine Freiheit, keine Gleichheit, keine Brüderlichkeit gebe, außer durch die französische Nationalversammlung. Er hilft das Volk zur totalen Resignation treiben, 'so daß es in der pariser Assemblee seinen Herrn und Meister sieht, von der pariser Assemblee sich also auch alles gefallen läßt, die Kaiserei so gut als die BourbonS.
Das französische Volk macht eine bittere Schule mit durch. Hoffen wir, daS es die letzte ist. Hoffen wir, daß eine neue Revolution nicht am König oder Kaiser, sondern am eigenen Parlamente anfängt, daß daS Volk seinen König oder Kaiser nicht ohne daS Parlament zu ihren Vätern schickt.
Auch der Berg ist im Parlament untergegangen. Er mußte untergehcn. Es gibt in einer parlamentarischen Regierung keine Treue und Liebe, kein Prinzip und keine Wahrheit. In dieser Stickluft sterben alle Herzen, verderben alle Köpfe.
DaS französische Volk wird die Schule für unS mitdurchmachen.
Schleswig-Holstein.
O Hamburg, 6. August. — Eâ könnte vielleicht überflüssig e> scheinen, wenn ich hier wiederholt auf den ungeschwächten Kampfeö- mulh der schlcöwig - holsteinischen Armee hinweise, aber ich wage câ doch in Hinblick auf die von allen Seiten stets aufs Neue bestätigten Mittheilungen. Die KampfeStüchtigkcit beweist daS fortgesetzte Vcr- zeichniß der unter den Dänen verwundeten und getödteten Offiziere; die dänischen Blätter bringen immer größere Listen, während die 1000 gefangenen Insurgenten noch nicht in Kopenhagen angelangt sind.
DaS schleöwig. holsteinische Heer wird in diesem Augenblick so gut wie kompletirt sein und sind eâ offenbar strategische Rücksichten, die von einer Erneuerung deS Kampfes zurückhalte». Die Proklamation WillisenS in Bezug auf die erst zu vollendende Befestigung Ren ' burgS deutet darauf hin. Williscn muß sich biefen Platz unter ß Umständen decken. Mit welchen Augen die dänische Regieru S Hcrbeieilen der deutschen Offiziere betrachtet, geht auS einer ........mach.», ^, «.«Ws.!,, â „W Offiziere, welche den Dänen in die Hande füllen, Völkerrecht stehend, nicht wie Gefangene behände , •