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Vor Allem aber mußte mich interessiren, was der Sänger deâ kurhessischen Paradieses von den Engeln und Teufeln darin zn erzählen wußte, namentlich aber von dem Teufel, den ich schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen, nämlich von der „Hornisse". Endlich eine Botschaft auS der Wüste und noch dazu eine „konstitutionelle"! „Außer dem Bolksfreund", schreibt der seinem Herzen Luft machende Historiker, „ist die „Hornisse" daS einzige Blatt, welches vor den Augen des Kurfürsten und HassenpfluqS Gnade findet. (Wie trostreich, Ihre Existenz st also gesichert!) Dieses in Hessen vielgelesene Organ der äußersten Demokratie führt durchweg eine Sprache, die in jedem Lande Europa's heutzutage unmöglich wäre, die aber in Hessen geduldet wird, weil sie hier verhältnißmäßig weniger schadet. (Natürlich, die Segnungen der konstitutionellen Freiheit wurzeln ja tief in Aller Herzen!) Die „Hornisse" kann sich ungestraft in den beleidigendsten und gemeinsten (sehen Sie? der denkt, in Berlin lesen Sie daS nicht) Ausdrücken über den Kurfürsten und die Minister ergehen, man verzeiht ihr in den höheren Regionen die herbsten Persönlichkeiten, weil sie den Satz fest hält, daß der Kurfürst trotz seiner--(Aha Bürschchen! Her- auS doch mit der Sprache, gothaer MajestätSbeleidiger!) und Hasscn- pflug trotz seinem Defizit an Ehre und Rechtlichkeit (die Leutchen sind durch die Freisprechung kühn geworden) immer noch viel respektabler seien, alS die — „Konstitutionellen" u. s. w. — Der Aerger aber kommt hinten nach, der Aerger, daß die „Hornisse" zehnmal mehr Abonnenten hat, als die „Neue Hessische für daS intelligentere Publikum". „Die Hornisse wird in Hessen überall gelesen, wie in Preußen die Kreuz- zeitung und der Kladderadatsch, und im Grunde genommen vertritt sie bei and en miniature die Stelle dieser beiden Journale zusammen- genommen. (DaS Kompliment können Sie übrigens sich gefallen lassen; eS ist eine ausgemachte Sache, daß die Kreuzzeitung und Kladderadatsch die besten, geistvollsten und gesuchtesten Blätter io Berlin sind.) Die Einen lesen dies Blatt, um sich an den mitunter ganz guten Witzen zu ergötzen (wie herablassend!!), die Anderen lesen eS und bewahren eâ auf als einen merkwürdigen Auâwuchâ der Zeit". Nun, dann bewahren sie die vergangenen Jahrgänge gut auf. Mit Gottes Hülfe, des Kurfürsten und HassenpflugS Gnade, mit Ihre» zahlreichen Abonnenten und Ihrem gothaer Lobredner kann eS Ihnen ja gar nicht fehlen!! —
Stuttgart, 5. Aug. — Die Komödie hat begonnen. Gestern nnd vorgestern stand der Exminister Spittler-Wächter zuerst vor dem Staatâgerichtâhof, der erste Minister Würtembergâ , mit dem seit der Ertheilung der Verfassung diese Farce aufgeführt wird. Die Anklage lautet auf Verletzung von Reichs- und Landesgesetzen durch den Beitritt zum Münchener Bündniß. Die Staatsbehörde und die Landes- Versammlung ernennen die Richter, die erstere aber 10 und die letztere nur sechs. Unter den 6 sind Uhland und Pfizer. Schoder ist Ankläger. Der Minister behauptet in seiner Vertheidigung daâ Zurechtbestehen deâ alten Bundes. Dafür, daß dem Hrn. Baron nicht der Kopf vor die Füße gelegt wird, ist gesorgt. — Regierung und LandeSauSschuß zanken sich wie Schulbuben weiter. — Der Beobachter wird fast alle Tage konsiSzirt. Wie lange wird sich bi? hohe Regierung so viel Mühe machen. Abgemacht! Verboten!
Frankreich
T- Paris, 3. August. — Eiligst zeige ich Ihnen an, daß Wil- Helm Weitling, unser wohlbekannter deutscher Arbeiteragitator und KommuniSmuSverbrriter (geb. in Magdeburg) in Newyork eine sehr gute Stellung sich errungen hat, eine seit Januar blühende Monatâ- zeitung: „Die Republik der Arbeiter", publizirt (auf deutsch) und eine Association derselben gestiftet hat, vermöge deren er sie in eine Tages- zeitung umwandeln wird. Dieâ Faktum ist sehr, sehr wichtig. Wilhelm Weitling, der Verfasser der „Menschheit wie sie ist und sein sollte" und der „Garantien der Gleichheit und Freiheit" lange vor 48, auch ein Auâleger deâ Evaugeliumâ im kommunistischen Sinne, hat sich nach vielen Verfolgungen in Deutschland und in der deutsche» Schweiz, nach Kerker und Polizeiauâtreibungeu , nach Redaktion mehrer sozialer Blätter in der Schweiz („Hülferuf der jungen Generation") und Berlin, zum zweiten Male in Nordamerika einen hoffentlich endlich ungestörten Wirkungskreis erkoren. Er steht dort in diesem Moment als ganz unbeschränkter Walter im Reiche der deutschen Arbeit. Sein Blatt ist am 15. jeden MonatS publizirt; Nummer â 6.1 Cent., auswärtige Nummern werden für 16 Nummern berechnet. Subscriben- tenzahl ip Newyork war schon zu Neujahr 960; Briefe franco unter der einfachen Adresse: Wilhelm Weitling in Newyork. Dies Alles ist um so interessanter, als noch vor Kurzem die miserabelen Reaktionâ- blätter Frankreichs, ihn und sein Unternehmen lächerlich zu machen versuchten. — Von der Kammer ist nichts zu erwähnen, eS sei denn der Krakehl (anders kann man eâ nicht benennen) über die unan- ß t nehmt Frage der Eiscubahnunteruchmungen. Colfavou, ein demo
kratischer Deputirter, hatte einen langen Antrag halb durchgebracht, über die Beaufsichtigung durch die Oberbahnkommisfion Betreffs der Kapitale, Personen, Geschäftsverbindungen, Material-Lieferanten rc., die zu jeglicher submissionirenden Bahnkompagnie von Banquiers gehören. Daß eine so strenge Kontrole widrig auf daS »ervenzarte Ge- müth der Herren „BanquierS von der Bahn" einwirkt, ist klar: darum fiel der Antrag durch. Aber eS ist den Schurken doch schon wie Blitz und Donner durch alle Gliedmaßen gefahren; sie wittern so etwas VolkSgericht. Einigen Beifall fand dieser Antrag im Beginn, offenbar weil sich die ungeheuern Scanbäle wegen Abtreten, Aufschieben, Weggeben u s. w. der diversen Kompagnien, die sich für mehr oder weniger unfähig im Lauf der Unternehmung erkläre», sehr mehren. Gleichwohl überwog am Schluß bad alte Gewicht der grandiosen Gold- männer, und so geschah denn daS, was seit Weltaufang immer geschehen ist: dem VolkSwohl ward in'â Gesicht geschlagen, und zwar wieder einmal von „Kanimerwegen". Die Montagne hat sich aber doch einen nicht geringen Stein des Wohlgefallens beim Volk inS Brett dadurch zu schieben gewußt. DaS 4te Kammerbüreau hat General La- moriciere, der nicht einmal jetzt in Paris ist, doch zu seinem Vorsitzer gewählt: — bad ist wieder eine Maulschelle auf die lieblichen Wange» deS Ministeriums und der Regierung; schon betrachtet nämlich Monsieur Bonaparte sich als Regierung und Ministerium, so daß also alle Nie- Verlagen der Minister direkt ihn treffen müssen. Lamoriciere eben ist aber Todfeind aller Minister, notabene seitdem er nicht mehr cavaig« nac'scher Kriegsminister ist. Bei olledem ist er nebst Cavaignac der einzige republikanische General, und auch bad wohl nur erst unter Voraussetzung deS Ruhmes. ArmeS Frankreich!
* Paris, 4. August. — In Marseille sind nicht unbedeutende Unruhen auügebrocheu. Die dortige Gesundheitâpolizei hatte eine Qua- rantaine für die Häuser eingereicht, worin sich Cholerakranke befanden. Sie wurde deâhalb vom Ministerium von ihrem Platze entfernt. Darüber soll nun eine allgemeine Agitation auSgebrochen sein, die jedoch bald von den Behörden unterdrückt wurde. Die Legitimisten deS wei- ßen Berges haben sich für bad strengste Zusammenhalten mit den Republikanern, ja selbst mit den Sozialisten entschieden, bis ein jeder Staatsstreich unmöglich geworden.
Trauungen, Gcburts- und To-csfatle in Kassel.
(Vom 20. Juli bis zum 1. August 1850.)
Verehelichte r Eduard Faynot, Buchhalter und Waaren - Agent, mit Sulali« Haust. — Johann Ernst Brabant, Mechanikuè, mit Dorothee Louise Regine Haase. — Johann Hermann Losch, Maurer- und Sceinhauermeister, mit Katharine Wilhelmine Buchenhorst. — George Lanakamm, Tagelöhner, mit Marthe Elisabeth Wei«- trop. — Friedrich Joseph Stautz, Kaufmann zu Offenbach, mit Bertha Marie Del- levie. — Johann Christoph Bastian, Papierhandler, mit Marie Charlotte Ledderhose. — Johannes Theiß, Fruchtmakler, auch Kalkant an der Oberneustadter Kirche, Witwer, mit Marie Christine Müller. —.Joh. Georg Hart, Fabrikarbeiter, mit Henriette Friederike Bohne. ,
Geborne: Anne Elise, des Hofgartengeh Ulfen, Samuel Christian Ludwig Schmoll, T. — Katharine Charlotte, des KUfermeisterè , Th odor Friedrich Wilhelm Braun, T. — Konrad Wilhelm, des Fabrikarbeiters, August Habermann, S. — Heinrich, des Kutschers, Joh. Heinrich Gleisner, S. — Johann Heinrich, des Schneidermeisters, Ernst Philipp Huth, S. — Marie Katharine Margarethe Amalie, des Drechs- lcrmeisterè, Georg «dam Bierw rth, T. — Anne Amalie, des Kutschers, Christian Oehm, T. — Anne Karoline Adolphine Marie, des Doktors der Arzneikunde und praktischen Arztes, Georg Widelm Julius Kolbe, T. — Wilhelm, des Fabrikarbeiters, Andreas Ebert, S. — Johannes, unehel. — Gertrud Anne, unedel. — Karoline Anne Wilhelmine Marie Mathilde Georgine, des Kaufmanns, Georg Heinrich Gottlieb Vorthmann, T. — Konrad, des Lederfacbers, Georg Hartmann, S. — Anne Marthe, des Kaufmann«, Erasmus Schafer, T. — Ludwig Friedrich, des Bedienten, Christoph GroSkurth, S. — Marinus Iulius Albert, des «lechschmiedemei- sterè, Adam Marinus Michael Sinnbold, S. — Karl Friedrich, des Maschinenbauers, Christian Friedrich Meier, S. — Gertrude, des Fuhrmanns, Johann Heinrich Boß, T. — Theodor, des Buchdruckereibestyers, Karl Gotthelst, S. — Heinrich, Dorothee Marie, Georg, Wilhelm und Heinrich, unehel.
Gestorbene: Wilhelm Philipp, des Bataillons-Schneiders, Johannes Reich S., alt I 3 4 M. 18 T. — Reinhard Philipp Heinrich Wilhelm Rieß p ernschloß, Generalmajor a. D., alt 70 I. 8 M. 7 T. — Heinrich Vellmar, Leib- gardist, alt 22 I. 2 M. 21 T. — Wilhelm Werner, des verst. Konlroleurs beim Militär-Fouragemagazin, Wilhelm Bogel, S, alt 6 I. 9 M. 16 2. — Johanne- Woll, Oberjager, alt 26 I. t M. 9 T. — Joh. Christian, des Polizeiserqeanlen Johann Daniel Kreiß, S., alt 12 3. - Frau Sophie Elisabeth, des Zeichners t« techniichen Zentralbüreau der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn, Hermann PüUiov Rillckko, Ehefrau, geb. Handwerk, alt 22 I. 2 M. 20 T. — Ernst, unehel, alt 2g 3 -• Johanne Gertrude, des Kaufmann«, Karl George Eckhardt, T., alt 4 2». 15 X — Frau Anne Margarethe, des verst. Marktmeisterè, Friedrich Keßler, Witwe, Krafft, alt 07 3. 4 M. 12 T. — Cdarl tte Sophie Geist, all 23 3- — Frau Marie, des Kommissionärs, George Hofmann, Ehefrau, geb. Schroder, alt 51 3. 2 M. 24 3. — Karl Heinrich, des Schneidermeisters, Jakob Wenning, «st 5 I. 8 M. — Marthe Rosing, Magd, alt 31 J. — Eva Elisabeth , uneb'b, 3 M. 7 3. — Agnes Friederike, des Guler-Erpedienten bei der Kriedrich-W»delms- Nardbahn, Eduard Ernst, 3., alt 9 M 18 3 — Karl Konrad, a t 13 3. — Emma Louise, des Assistenten im Telegraphenbilreau, T , alt 7 I. 9 M. 22 3. - Christoph L.ndloff, Schreine.-.e.ster 25 3. — David Eberhardt, Tageiobner, unverhe.ratcet, ""circa « 3 ff Sophie Christine, des Schneidermeisters, Johannes Koch, Ebefrau, ge . alt 69 3 4 W. 10 3. - Ein unehel. stodlgeb.) Mädchen.