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„Steckbrief.
„In Folge des Auftrags des Holst. Oberkriminalgenchts zu Glückstadt ist gegen den Verfasser einer hierselbst gedruckten Schrift, betitelt: „ Europa darf nicht kosactisch, Europa muß frei werden ; ein Sendschreiben von Johannes Ronge", eine Untersuchung zu führen, und derselbe, da sein Aufenthalt nicht hat ermittelt werden können, steckbrieflich zu verfolgen. Diesem uns gewordenen Auftrage gemäß werden sämmtliche Behörden deè In - und Auslandes zur Hülfe Rechtens und mit dem Erbieten zu gleicher Willfährigkeit in ädnlichm Fällen, wie zur Kostenerstattung, ersucht , auf den gedachten Johannes Ronge, dessen Signalement hierselbst nicht beizubrinaen ist, das aber bei der durch feine Schriften und feine Bestrebungen für die Gründung kreier katholischen Gemeinden bekannten Persönlichkeit eben nicht erforderlich sein wird, vigiliren, denselben im BetretungSfalle verhaften, und wenn solches geschehen, die unterzeichnete Behörde behufs dessen Abholung davon in Kenntniß setzen zu wollen "
Mittags 12 Uhr. Also doch wieder eine Proklamation, die aber leider nur bestätigt, daß unser Oberkommando noch nichts von einem Angriffe wissen will. Sie lautet wörtlich:
»Die großartigen BefestigungSaebeiten bei Rendsburg sind nun so weit gediehen, daß sie in ihren wichtigsten Theilen als vollendet angesehen werden können. Ich danke der Armee für den Fleiß, den sie, mit den so nöthigen sonstigen Uebungen verbunden , bei diesen Arbeiten gezeigt hat. Alle Korps haben den rechten Eifer gezeigt, und ganz besonders erkenne ich die Leistungen deè Artillerie- und Pionnierkorps an. Die Armee wird füblen, wie wichtig es ist, auch das noch Fehlende zu vollenden ; eS handelt sich noch um einige Tage Arbeit. Ist es den. Feinde nur mit Müde und den größten Verlusten gelungen, es dahin zu bringen, daß wir die offene Feldschlacht abgebrochen, so wird er eâ nicht wagen, uns hinter unsern Verschanzungen auszu- fudien. — Hauptquartier Rendsburg, den I. August 1850.
Der kommandirende General: v. W i l l i s e n.
JakobuS Beuedey, der Thränenreiche, auch „Reichs- thräne" genannt, hat gestern auf seiner Durchreise nach Kiel auch unsere Stadt berührt.
„Wenn daS nicht gut für SchleSwig-Holstein ist, „Dann weiß ich nicht waS besser ist."
AuS Kiel schreibt man, daß die Dänen ihre Vorposten von Eckernförde bis Gottorf, halbwegS Kiel, vorgeschoben haben.
Hamburg, 5. August. — Gestern hat bei Stapel (in der Gegend von Friedrichstadt) zwischen der zweiten Kompagnie des ersten schleswig-Holsteinischen Jägerkorpâ, die dort mit Anlegung von Verschanzungen beschäftigt war, und einer halben dänischen Batterie von 4 Kanonen nebst einer Abtheilung dänischer Kavallerie ein kleines Scharmützel stattgrfuude», daS zum Vortheil der Schleüwig-Hvlstrinrr endete.
Deutschland.
△ Kassel, 6. August. — Die Majestäten von Baiern, Ha», »over, Sachsen und Würtemberg beabsichtigen einen Bund für sich, — eine neue VerwirrungSphase, aber die gescheiteste, die b.'S jetzt da war! ES unterliegt keinem Zweifel, daß die betete Nach- kommen Philipps deâ Hochherzigen sich hochherzigst auch diesem neuen diplomatischen Spaß anschließen werden. St. köoigl. Hoheit der Kurfürst hatte deshalb kürzlich mit Mar von Baiern und seinem Vetter Großherzog in Darmstadt eine Konferenz. Unsere republikanischen Hof. spiooe, die wir in Darmstadt hallen, wie an jedem europäischen Hof, berichten und, daß bis jetzt nicht viel dabei herauSgekommen, da die kurze Zeit, welche die nothwendigen Soupers und Dioerâ übrig gelassen, von den erlauchten Männern mit allzulange« Reden auSgefüllt wurde. Der Kasseler Spießbürger aber will vernommen haben, daß St. köoigl. Hoheit von baierifcher Seite die Hand einer baierischen Prinzessin angetragen sei. Nur interessant, für Madame Lehmann! Sonst tout egal. Wer die Gelder zieht! Wer folgt! Es wird gefolgt! tS wird gezogen! Nach der Darmstädter Konferenz nific Sc. kö«. Hoheit sofort nach Kassel, wo Sie Dero Hofstaat, der sich einer glücklichen Muse überlassen, äußerst überraschten. Ob Se. königl. Hoheit daâ hiesige Turnfest inspiziren wollten, oder die Wirkung Ihrer Groß- muth in der Nähe beobachten waâ den Vorschuß betrifft, ist noch nicht im Klaren. Die Bürgervereinler glaube« freilich, eâ mioistcr- krifire; bald soll Winzingerode, bald Nebelthau abgelehnt Haden. Wir aber glauben, daß Se. königl. Hoheit Herrn Hapnau, der jeden Tag erwartet wird, bewillkommnen wollen oder wollten, — denn sie haben bereits wieder Allerhöchstselbst abzureisen allergnädigst geruht.
"Kassel, 5. Aug. — Wir haben die Elre, unsern Lesern zu melde», daß Wir v. GotteS Gnaden u. s. w. vom HauS Hohenzollern verboten worden find und zwar in guter Gesellschaft. Der Index der librorum piohibitorum, den daS Potsdamer Regierungsblatt mit- theilt, enthält folgende Schriften: 1) Die in Paris Bureaux pro- visoires Rue des petites - écuries 3t und London 15 Paultons Square Chelsea erscheinende Zeitschrift: l^ Proscrit, Journal de la République universelle. 2) Die Verbrüderung. Organ der Arbeiter-Verbrüderung. Leipzig. Druck der rtinâbuchdruckerei. 3) Eoncordia. Organ der Cigarreuarbeiter. Hannover. Druck von Th. C. Göhmanu. 4) Die im Verlage von I. Vogt zu Bremen erscheinende „Tageâ-Chronik". 5) Die von H. Heise und Dr. Kell- ntx in Kassel hera u â gegeb eoe Zeitschrift: „Die Hör- «iss«". 6) Die im Verlage von Ernst Keij u. C. in Leipzig «rschei- »ende Zeitschrift: „Der Leuchtthurm, Wochenschrift für Politik, Lite-
ratur und gesellschaftliches Leben". 7) „ M eyer'S Uniöer sinnt. Ein belehrendes Bilderwerk für alle Stände". Hildburghausen und Amsterdam. AuS der Kunstanstalt des bibliographischen Instituts.
Nachdem daâ HauS Hohenzollern sich Unserm Schwert auf diese höchst bequeme Weise entzogen hat — werden Wir zuweilen einiges Mitleid mit seiner Schwäche zeigen, — doch niemals so viel, daß wir deS ehrenvollen Platzes in diesem Index verlustig gehn. DaS HauS Hohenzollern müßte denn von feinem Platze abhanden komme».
r Marburg» 6. August. — Löber und Kompe sind in den beiden Landwahlbezirken Marburgs mit großer Majorität wieder ge- wählt worden. Bei den Höchstbesteuerten sind vorgestern ebenso Schneider und Herbener wieder durchgedrungen, ersterer sogar fast mit Stimmeneinhelligkeit. Die 20 konstitutionellen unter den 80 Wählern hatten ihm gleichfalls die Stimmen gegeben, damit zur Revange die Demokraten bei der Wahl des zweiten Abgeordneten für Lederer stimmen möchten. Half aber nichts! Herbener wurde mit 46 Stimmen gewählt. — Bayrhoffer hat, nach Gutheißung der gestern in Kirchhain stattgehabten Konferenz der Städte des Bezirks Marburg, die Wahl für Marburg angenommen. Für die Städte Frankenberg, Kirchhain rc. ist nunmehr von jener Versammlung der Gymnasiallehrer Dr. Hasselbach (früher in Marburg, jetzt in Hanau) aufgestellt worden. Dieser Mann, ein Demokrat von echtem Schrot und Korn, hat schon früher, namentlich in Marburg, entschieden gekämpft gegen daS Bilmar'sche VerdummungSsystem am dortigen Gymnasium, und Ehren-Vilmar in einer Druckschrift energisch angegriffen. — Die Bürger Hanauâ , welche für die bei ihnen nothwendige Nachwahl Hassel» bach aufstellen wollten, werden nun einen andern Demokraten wählen.
o Berlin, 4. August. — Es ist gräulich, das Gefasel von einer österreichischen Kriegserklärung und dergleichen Zeug jeden Tag hier mit anhören zu müssen. Der Kanonendonner in Schleswig hat den Leuten die Köpfe ganz verrückt gemacht und jetzt kennt man nichts weiter als Krieg. Tante Voß trägt mit ihren sinnlosen Arti- kein dazu bei, die Leute komplett dumm zu machen, und wer nur halbweg gotbaisch gesinnt ist, denkt gewiß, daß morgen die ganze Garde über die Grenze rücken wird, um dem „übermüthigen" Oester- reicher den Mund zu stopfen. Heut erzählte mir ganz ernsthaft ein Mann , der viel mit „gut unterrichteten" und auch wohl gut „unterrichtenden" Personen umgeht, daß König Friedrich Wilhelm IV. ganz wüthend sei auf den Oesterreicher, daß er sich für beleidigt halte, und daß Nichts im Stande sein würde, den Zorn Sr. Majestät zu dämpfen. Er sagte mir, eS sei im Ministerium zu den furchtbarsten Auftritten gekommen, Radowitz, der böse Geist Preußens, hätte durchaus zum Kriege getrieben, und doch sei er derjenige gewesen, der AlleS erst ruinirt habe u. s. W. Glücklicherweise gibt eâ aber auch noch gescheidt« Leute, die über die ganze Kriegsgeschichte lachen und sich sehr wohl dabei befinden und befinden werden. — General Haynau macht hier gebührendes Aufsehen. Ueberall laufen ihm die Jungen nach, wie Vater Wrangeln, die Rachel hat er auch gesehen und Kladderadatsch macht Witze auf ihn, läßt ihn z. B. alö Hyäne in den zoologische» Garten versetzt werden. DaS AlleS find Zeichen der größten Popularität, die mau fich denken kann. Se. Majestät hat ihm eine huldvolle Audienz gewährt und Haynau kutschirt im königlichen Gallawagen umher, überhaupt behandelt man den österreichischen „Belisar" mit sehr großer Zuvorkommenheit. Nächstens werden Sie ihn ja im Vater- lande von Angesicht zu Angesicht schauen. Hassenpflug und Haynau! — Eâ ist Ihnen nicht zuzumuthen, daß Sie die hiesige „Constitutionelle" lesen sollen. Ich, als pflichtschuldiger Korrespondent, muß mich freilich manchmal diesem edlen Geschäfte unterziehen. Und siehe, da fand ich die Stimme eineâ Sängers aus Kurhessen, der eine ganze Sonate von Gothaer Stoßseufzern aus der guten Residenz Kassel her anfün« digt. Die kurze Zeit, in der eâ mir die königl. preußische Post 0f' stat.'et, die „Hornisse" zu lesen, hat hiugereicht, mich mit einigen Ihrer hervorragendsten Nullitäten bekannt zu machen; es gereichte "'^ deshalb zu nicht geringem Vergnügen, zu lesen, wie da geschrieben steht, von dem „trefflichen Eberhard", dem „hier allgemein verehrten Moriz von Baumbach" und von den anderen Männern, die „unser früheres, wahrhaft volkSthümlichcS Ministerium bildeten". ES gereichte mir zu nicht geringem Vergnügen, zu erfahren, „daß die Hessen keine Männer der Revolution seien, daß sie die Segnunge», die ihnen die Verfassung gewährt (die freisinnigste von der Welt!) hoch zu schätzen wüßten; daß der lange Genuß dieser konstitution«llen Freiheit dem Volke einen so tieswurzeluten Sinn für Ordnung und Gesetzlichkeit eingeprägt habe, daß eâ sich nicht eher zum Aeußersten draußen lasse, biâ alle gesetzlichen Mittel deS Widerstandes erschöpft sc.cn«-. Ich war endlich aber hochentzückt, als der Lobredner Ihrer gottvollen Freiheit die Versicherung gab, „der Weg b.â zum Aeußersten sei noch weit", den» die Gothaer sind weise Propheten und mir fiel e.o SM« vom Herzen, olâ ich Sie für lange Zeit i» Ruhe und Sicherheit wußt».