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Dritter Jahrgang.
pedition (obere Sntmgatle Nr. 132) zu 6 Hir Durch alle Postämter ^ bezi -den Inserat« die dreispaltige Peritzeöe 8 Hlr,
M-183
Kassel, Mittwoch den 7. August
1850
General von Willisen.
Wir glauben unsern Lesern eine kurze Biographie deâ setzt in Schleswig ° Holstein kommandirendcn Generals schuldig zu sein. Dieselbe ist der „C. Z." entnommen.
Willisen ist in den 90ger Jahren geboren. Für die militärische Laufbahn bestimmt, verließ er nach der Schlacht bei Jena dieselbe und widmete sich in Halle den Studien. Im Jahre 1809 wurde er nach Kassel in Haft genommen, weil er sich der Conscription entzogen hatte. Von hier auö floh er nach Wien, diente dann in Tyrol und Italien in einem Freikorps und während den Jahren 1813 — 1815 als Hauptmann im Gencralstabe Blüchers. Hier erlangte er feine eigentliche militärische Bildung, von der er späterhin zu Berlin alS Lehrer der Kriegsgeschichte an der „Allgemeinen Kriegsschule" Zeugniß gab.
In den ersten 40er Jahren stand der General als Oberst und Chef deS GeneralstabS vom 5ten Armeekorps in Posen und Stettin, wurde dann Brigadekonimandeur und Generalmajor und war endlich während der Aprilerhebung königl. Bevollmächtigter im Großherzog: thum Posen. Im Herbste 1848 ging er zu Radetzky und wohnte dort der Belagerung von Malghera bei. 1849 forderte Willisen, der wegen seiner bekannten Thätigkeit in Posen beim König in Ungnade gefallen war, seinen Abschied. Er erhielt denselben unter dem Titel alS Generallieutenant.
Daâ berühmteste Werk deS Generals ist seine „Theorie des großen Krieges", dessen Grundlagen indessen von den verschiedensten Seiten, namentlich aber vom General v. Clausewitz angegriffen worden sind. Sein letzeS Werk beschreibt den italienischen Feldzug im Jahre 1848.
Willisen ist weniger Praktiker alö Theoretiker. Ob er in Schles- wig-Holstein nicht noch eine andere Rolle zu spielen hat, als die des Generals , wird die Zeit lehren.
S ch t e S w i g - H o l st e i n.
* Aus England schreibt man und, daß die Nachrichten über SchleS- wig' Holstein, namentlich über die Schlacht bei Idstedt, daß größte Interesse erregen. Die ZeitungöbüreauS sind belagert. Die meisten Blätter lassen der Tapferkeit der Schleswig Holsteiner alle Gerechtigkeit widerfahren , sie nehmen offen Partei für dieselben. Nur die TimeS fahren fort, daS Recht Dänemarks auf seinen Gesammtstaat alS un« bezweifelt hinzustellen, — und nicht blos Schleswig, auch Holstein solle und müsse diesem Staate einverleibt werden. In demselben Sinne ist von dem englischen Gouvernement nach Umstoßung deü alten Protokolls vom 4. Juli ein neues Protokoll ausgestellt, weil Oesterreich seine Ratifikation verweigerte. Es ist vorauSzusehen, daß Oesterreich auch diesem Protokoll nicht beitritt, da cS im Augenblick für Schleswig - Holstein, mindestens für Holstein seine Blatter in die KriegSlrompete stoßen läßt.
* Altona, 4. August. — Die Statthalterschaft gibt die glänzendsten Beweise ihrer Erbärmlichkeit mit einer wahren Hast, um nicht mißverstanden und unenthüllt aud der Welt zu gehen. Der Magistrat von Altona ist beauftragt, gegen Ronge eine Untersuchung einzuleiten, wegen der bekannten Schrift: „Europa darf nicht kosakisch, Europa muß frei werden." Dies kann nur auf Requisition von Preußen oder Rußland geschehen sein! Und die elenden Goihacr jubeln, daß dieser Prozeß vor die ordenilichen Gerichte kommt, und nicht etwa vor ein Standgericht. _
^ 'Altona, 5. August. — Vom Kriegsschauplätze nicht- Neue-. Auch die Proklamationen, mit denen wir sonst überschwemmt wurden, sanken an f» rar zu werden, wie da- Geld im kurhespschen Staat-«
schätze. Ob diese Stille die Ruhe vor dem Gewitter ist? Möglich! Wie man hört soll General Willisen eine Wiederaufnahme de- Kampfe- vorläufig nicht beabsichtigen, weil der Verlust an Offizieren unserer Armee zu groß gewesen sei. Vielerseitâ jedoch vermuthet man, daß Willisen ganz andere Motive für daS Einstellen deS Kampfes habe. Nun, zugegeben, daß daS Erstere der einzige Grund fei, so stellt sich daS Generalkommando selbst ein testimonium paupertatis auS, denn ihm allein lag eö ob, die Statthalterschaft zu entschiedenen Maßregeln bezüglich der Anwerbung von Offizieren zu drängen. Anstatt dessen hat eS ruhig zugesehen, wie man alle- Mögliche thut, um den Freiwilligen den Eintritt in die Armee zu erschweren. Ja eâ hat eS noch nach der Schlacht bei Idstedt geschehen lassen, daß zwei Freiwillige zurückgewiesen wurden, der Eine, weil er einige Monate älter als 3 5 Jahre war, und der Andere, weil er keinen Pocken- im pfungsschein hatte. Mit dem Engagiren von Militärärzten treibt man es nicht besser, obgleich es eine bekannte Thatsache ist, daß im vorjährigen Feldzuge viele Verwundete starben, weil wir zu wenige Aerzte hatten. — Nein, auf diesem Wege wird sich Hr. General Willisen nun und nimmermehr bad Vertrauen der Her- zogthümer erwerben. Seine bisherige Handlungsweise entspricht kei- neâweges den Worten, welche er noch vor ganz kurzer Zeit an die Soldaten richtete: „Ehrlos sei der, welcher durch Mangel an Entschlossenheit de^n Vaterlande Gefahr bringt!" Hr. General Willisen mag sich hüten, unsere Armee zu zwingen, ihn an seine eigenen Worte zu erinnern!! —
Von unserer löblichen Statthalterschaft wird die gegenwärtige Waffenruhe dazu benutzt, die böswilligen Verleumdungen der deutschen Reform, daß sie (die Statthalterscheft) sich deS Enthusiasmus der Demokratie nicht ««-wehren könne, glänzend zu widerlegen. So hat sie sich nicht t^mit begnügt, Hrn. Dr. Lafaurie auf die elende Denunziation des DvertzfteutenanlS v. d. Heide hin in eine Untersuchung zu verwickeln, sondern hat ihn sogar nachträglich noch verhaften lassen. Bon der Heide verdankt die Indizien seiner Denunziation dem Hrn. Hay- von Raumer, früheren Frankfurter Bor- bereiter und Offizier „meine- herrlichen KriegSheerS", welcher jetzt in schleSwig-holsteinschen Diensten ist, m»^. gegen den sich Lafaurie in einem Privatgespräche tn unehrrrbietigcn Ausdrücken gegen die Statthalterschaft ausgesprochen haben soll. Für diese letztere war die Denunziation Wasser auf ihre Mühle, denn abgesehen davon, daß Lafaurie Sozialrepublikaner ist, hatte sein Aufenthalt in Kiel, dem Sitze der Statthalterschaft, den Gothaern schon längst Furcht und Schrecken eingeflößt. — Diese „rettenden Thaten" unserer löblichen Statthalterschaft bleiben natürlich nicht ohne Nachahmung Seitens der ihr treuergebenen reaktionären Behörden. So hat bié hiesige Polizei gestern eine von dem Telegraphen-Direktor Schmidt angekündigte Volksversammlung verboten, wie es in der Bekanntmachung heißt: „mit Rücksicht auf den theil weise durchaus unzulässigen, den Absichten und Anordnungen der Staatsregierung völlig eu tgentretendcn Inhalt deâ Programms." Der gute Mann hatte jedoch nur eine harmlose Besprechung bezweckt, wie den Herzogtümern am schnell- sten zu helfen sei. Freilich, wenn sich der „beschränkte Unter- thanenverstand" in Negierungsangelegenheiten mischt, muß eine „loyale Regentschaft" wie die unsrige zu Nutz und Frommen der „Ruhe" und „Ordnung" energisch einschreiten. Einen anderen Beweis dafür, daß u iscre Behörden „derDemokratie keine Kozessioneumachea", liefert unser verchrliche Magistrat durch die steckbriefliche Verfolgung Johannes Ronge'ö, bed Verfasser- der vor längerer Zeit hier gedruckten Broschüre „Europa darf nicht kosak»sch, Europa muß frei werde»!". Sie werden es nicht glaube», Lesen Sie selbst.