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w wird mit-statthaltern: Frieden stiften und unterhan. dein. Diese Heldenthat wird ihn zum Heilige» machen. Die KreuzzeitungSpartei hat hier 165 Unterschriften zu einer Eingabe an den Rath zusammevgebracht, worin die Wahl eineâ andern Abgeord» nete» an die Stelle deâ renitenten Bürgermeisters Koch, der auâ Landtags- und Gesundheitsrücksichten statt nach Dresden in ein Bad gereist ist, gefordert wird, damit die Stadt nicht unvertreten bleibe. Der loyale Krämer und Bank-Direktor Poppe hat einen gleichlau. tenden dringlichen Antrag in der Stadtverordnetenversammlung einge- bracht, über den noch nichts entschieden ist. Prof. Tuch, der Ab­geordnete unserer StaatSminorität, ist in Dresden von den Kammern nicht zugelassen worden, da er keine Vollmacht beibringen kann. Der renitente Senat soll nämlich auf Antrag des Hrn. Prof. Superinten­denten Dr. Großmann durch diese Zurückweisung gezwungen wer­den, nachzugeben, und der Hr. Minister v. Friesen hat dabei die feste Ueberzeugung ausgesprochen, daß derselbe nicht auf seiner Hals- starrigkeit beharren werde. In diesen Tagen sind von hier mehrere Aerzte nach Schleswig gegangen, darunter Hr. Dr. Butter, der erst kürzlich aus Ungarn, wo er während deS Krieges der ungarischen Armee seine Dienste gewidmet hatte, zurückgekehrt ist. In dem letzten Konzert zum Besten der SchleSwiger sind 266 Thir. eingekommen, auS Moe- rane 100 Mark Banko. Dagegen hat unser Offizierkorpâ seinen herr­lichen Sinn dadurch bewährt, daß bei dem neulich im Rosenthale für Schleäwig-Holstein abgehaltenen Konzerte sich auch nicht ein Einziger der Herren hat sehen lassen, obwohl dieser Ort ihr gewöhnlicher Ver- gnügungâausenthalt ist. Sie hatten sich dafür sehr zahlreich in einer daneben liegenden Wirthschaft eingefunden. Also diese Herren haben nicht einmal soviel Patriotismus wie unser konstitutionelles Krämer- thum. Und was soll man von ihrem Ehrgefühl halten? Während selbst österreichische Offiziere nach Schleswig gehen, hört man in Sachsen nichts von solche« Absichten der Herren Offiziere, und doch hat ein großer Theil von ihnen dort mitgefochten.

Frankreich.

i Paris, 2. August. WaS für Unheil daS s. g. franzö- fische Eisenbahnsystem gemacht, ist bekannt. ES ist eine trübselige Vermischung deS belgischen, welches dem Staate, und deS amerikanisch- englischen, welches dem Privat-Jndustriewesen die Eisenbahnführung übergeben hat. Jetzt simulirt die elende Deputirtenkammer alâ diökutire sie (!) die Eisenbahnfiatutrn der Marseiller Hauptbahn. Na­türlich bringt sie Nicht» zu Stande. Haben sich doch die meisten Herren längst Urlaub geholt und erlustigen sich in den respektiven Provinzen. Der Präsident der Republik reist schon wieder kreuz und quer im Lande umher, und läßt die Armee acht Tage Trauer um den Tod de» amerikanischen Präsidenten Taylor anlegen, er selbst trauert vier Wochen. Darüber schreit daS reaktionäre Journal Assemblee Nationale, und so geht daS Getreide weiter. E» ist zum AuS - und Anspeien. Entweder, die Franzosen in Bausch und Bogen sind noch wirklich so fürchterlich weit hinter ihrer besten, an Zahl kleinen, Be- wegungâpartei zurück, daß sie keine Republik aufrecht erhalten kön- nen noch wollen oder sie dürfen nicht lange mehr ihre grenzenlose Erniedrigung ertragen. Man kann auf einen neuen Versuch der Be- wegungâpartei rechnen. Mißlingt auch dieser, so wird eS wohl vor Hand sein Bewenden haben. Die Schleswig - Holsteiner gewinnen hier täglich durch ihre kühne Haltung »ach der verlorenen Schlacht. Die französischen Demokraten machen bereits Miene, ihre Partei neh- men zu wollen. Jämmerlich genug, daß daâ nicht früher geschah! (Wenn die französischen Demokraten nur nicht sehr bald ihre Partei­nahme wieder bereuen müssen!)

^ Paris, 2. August. Die Kammer fällt wohlgefällig in tiefen Sommer - Schlummer. Ihre Diskussion über die Paris - Avig­noner Eisenbahn ist gleich Null. Vielleicht macht noch der Dcputirte Crcton sich den Spaß, die Rückkehr der beiden Bourbonâlinien zu beantrageu. Der Präsident Bonaparte reist wie ein gedungener Kurier herum, nach Lyon, Straßburg, Marseille, Cherbourg u. s. w. Er denkt sich so mit kaiserthümlichen Lorbeeren zu bedecken und mit geringer Mühe, nach seiner Heimkehr, durch die Regimenter bei Ver­sailles, in dem daselbst ausgeschriebenen Sommerlager, zum Kaiser auâschreien zu lassen. So schwatzt ihm seine ehrenwerthe Umge­bung vor, und er ist nicht der Mann, dahinter die Dummheit zu wittern und den Verrath. Seine erkauften Journale (Ami du peuple, Pouvoir und Constitutione!) verlangen schon mehrere Monate laug inbrünstigst nach dem Kaiserthum. Warum auch nicht? Die große Süntfluth kommt doch noch zu rechter Zeit, und bis dahin wird noch Manches vorfallen. Ea ist jetzt vor Allem nöthig , die Manöver deâ Erzfeinds zu beobachten. Dazu dienen unS unsere Spione, deren wir selbst in Napoleons Schloß haben. Möge Deutschlands Demokratie nur 1852 wenigstens zum Kampfe bereit stehen, um den Franzosen

die Mitte Europaâ frei zu halten, de«« wenn mit Kosaken und Kroaten besetzt ist, so kann Frankreich abermals verloren sein, und auf längere Zeit als jetzt.

England.

R London, 1. August.Als Chartisten gingen wir inS Gefängniß und als Republikaner kommen wir her­aus!" erklärten die Cbartistenhelden und Volksmärtyrer Vernon und Ernst JoueS auf einem kürzlich zu Ehren ihrer Befreiung abgehal- lenen Meeting in dem Literary Institution in John Street. Diese gewichtigen, vielsagenden Worte, mit donnerndem Applaus von den anwesenden Arbeitern und Kleinbürgern vernommen, möchten wir dem kleinen Neuntödter Lord John Russell nicht nur, sondern allen mini­steriellen Hof-Mandarinen der ContinenteS donnernd in ihre Ohren brüllen, damit sie fest im Gehirn sitzen blieben. DaS sind die Wir­kungen der seit 1848 befolgtenPolitik". Denn waS damals noch nach freien konstitutionellen Formen strebte, WaS damals noch Char­tist war, ist heute Republikaner! Aber Mylord John Rus­sell geht seinen Jesuitengang schleichend weiter, liebäugelt nach Unten, katzenbuckelt nach Oben, hält sich in der Mitte und lacht heimlich Alles auS. Einen Beweis dieses verschmitzten Treibens hat er eben erst wieder in der Rothschild'schen Debatte abgelegt. Seit meinem Letzten ist daS Hauâ der Gemeinen auf den Antrag Hume'S zu dem Beschlusse gekommen, den Baron Rothschild aufS alte Testament zu beeidigen. Obgleich die Pfaffenclique hieraus den baldigen Untergang Englands prophezeit, verschluckte Hr. Rothschild die drei Eide, doch ohne Ahnung von dem großen Unglück, daS er heraukbeschwört, bis er an die anstößigen Worte am Schluffe deS dritten Eides, »on the trne faith of a Christian« kam, die er als nicht mit seinem Ge­wissen übereinstimmend, ausließ. DaS gab einen fürchterlichen Sturm, eine moderne babylonische Thurmbauscene, ein Durcheinander wie in einer Judenschule oder auf einem deutschen Jahrmarkt. Die Freunde deS BaronS luden ihn ein, seinen Sitz einzunehmen, seine Gegner hießen ihn weggehen und Andere forderten ibn auf, zu bleiben. Der AuSerwählte der City entfernte sich. Obgleich daâ Unterhaus sich früher schon zu Gunsten der Auslassung der anstößigen Worte auâge- sprochen, entstanden abermals neue verworrene Debatten, die man auf Anrathen Lord John Russell'â vertagte, nachdem zwei ganz ent­gegengesetzte Anträge, der eine gestellt von Sir F. Thesiger:die City von London zu einer Neuwahl aufzufordern", der andere gestellt von Wood:den Sitz Rothschilds als auSgefüllt zu erklären" mit großer Majorität verworfen worden waren DaS ist die Inkonsequenz im Superlativ! Wie begossene Pudel besahen sich die StaatSweiseu und sie konnten weder rückwärts noch vorwärts. Da erhob sich My­lord John Russell und eingedenk der Worte, daß Gott demjenigen auch Verstand (?) gibt, dem er ein Amt verleiht, verhieß er mit seinem Kronanwalt einen Ausweg auS dem Labyrinthe der englischen Gesetzgebung zu zeigen. Heute nun soll sich die salomonische Weis­heit deâliberalen" Whigchefs entwickeln, der vor dem Gedanken, daß die Gemeinen den Perrücken deâ Oberhauses einen Streich spielen und den koscheren Baron zulassen möchten, von Krämpfen befallen zu werden scheint. Lord John will nur dann den Baron unter seiner christlichen Heerde wissen, wenn die OberhäuSler auch ihren Senf dazu gegeben, obwohl kein Gesetz besteht, daâ einem Juden den Ein­tritt inâ Parlament oder dem Unterhause die Macht entzieht, an de» antidiluvianischen Eiden eine wörtliche Aenderung zu treffen. Die Lords aber werfen alle derartigen Bills, die Lord John im Unterhaus einbringt, in ihren dem Danaidenfaß ähnlichen Papierkorb. So muß Rothschild natürlich immer ausgeschlossen bleiben. Dem Unterhause aber (da wahrscheinlich zu keinem für Rothschild günstige» Beschluß kommen wird) muß man die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß es ihm nicht an Toleranz mangelt, sondern, daß eS sich leider durch die ewige Taktik Lord JohnS, der immer mit Kab inetS fra ge n droht ins Bockshorn jagen läßt. Den ministeriellen Stellenjägern und Klopf­fechtern ist es natürlich nicht gleichgültig, wer Minister ist, sie opfern Rothschild ihren Privatinteressen. So sieht's gegenwärtig in Eng- land aus. Aber das Volk wird dieser Taktik nicht lange ruh.g zusehe». Alle Anzeichen sind dafür da.

Am 20. will die Königin nach Schottland reisen und einige Tage vorher dürfte das Parlament durch sie in Person vertagt werden. Am 10. d. findet daâ offizielle ministerielle Fischessen in Greenwich Statt. Am 12. beginnt die Rebhühnerjagd und dann hält kein Mensch die Gesetzfabrikanten mehr lange auf ihren Bänken. Die von prn. Pritevin ersonnene Thierquälerei findet auch in London Nachahmung, Gestern stieg der Veteran der Luftschiffer, Hr. Green, auf dem zarten eines in seinem Ballon sich befindlichen Pferdeâ m d,e Luft. Gesellschaft gegen Thierquälerei wollte dagegen erufiyr itca, konnte