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Dritter Jahrgang.
ptdition (obere Tntmqafie Nr. 132) tu 6 Hlr. Durch alle Postämter ,c beruhen. Inserat« feie dreispaltige Pelitzeö e 8 Htr,
Mr* 182» Kassel, Dienstag den 6. August 1850,
Das Ziel der Contrerevolution wird erreicht.
„DaS Volk wird den preußisch-dänischen Frieden verwinden." AlS wir die erste Kunde von diesem Frieden erhielten, da bezeichneten wir zwei VerhaltungSweisen deS deutschen Volkes dem neuen Verrath gegenüber: die Revolution oder die totale Passivität.
Angesichts der ungeheuern Schuld der deutschen Fürsten war eine zweite Revolution keine absolute Unmöglichkeit. Wir glaubten, daß in den Herzen der Gothaer noch nicht alles Blut zu EiS gefroren wäre, daß sie dieseömal die wahnsinnige Angst um ihr Eigenthum, die heillose Furcht vor dem Sinken der Papiere fahren lassen würden. Wir rechneten auf einen letzten Funken von Ehrgefühl, auf einen Rest von Manncostolz und Courage.
„Keine Revolution!" lautete die Antwort. Die Gothaer waren eö, die so schnell als möglich kalte Umschläge um die glühenden Herzen des Volkes schlugen, die alsbald den Verrath beschönigten, die sofort die Bewegung in LaS anständige Bett der „anständigen Entrüstung" zu bringen wußten.
Die Revolution war zurückgewi'esen. Von diesem Moment an kamen wir auf die zweite VerhaltungSwcise, auf die totale Passivität. „DaS Ungeheuere ist geschehen!" — riefen wir — „aber schlagt's euch aus dem Sinn, denkt nicht daran, verschließt Augen und Ohren. Wenn die Donner im Norden rollen, — denkt, eS sei die Fortsetzung der standrechtlichen Exekutionen in Baden-, betrachtet deu Verrath an den Herzogthümern als die Fortsetzung deâ Verrath- an der Reichs- Verfassung."
Nachdem die Revolution verworfen war, gab es kein anderer Weg, als schweigend Akt zu nehmen von der neuen Schandthat der alten Fürsten. DaS brennende Auge zum Himmel richtend, mußte das gestandrechtete Volk den 2. Juli in daS Buch seiner Leiden ein- schreiben.
ES ist anders gekommen. Wir haben weder Revolution noch Passivität, weder den aufflammenden noch den verbissenen Ingrimm, weder die Begeisterung der Jugend noch die selbstbewußte Kraft deâ MauncS, — — — wir haben, — — — dem furchtbarsten Verrath gegenüber haben wir die — Demonstration des Greise-, die Komödie
Statt daß sich das deutsche Volk mit dem Interdikt belegt, daß es also die Revolution der Zukunft sichcrgestellt hätte, hat man es für gut bZunten, abermals eine tvdtgebvrne Bewegung hervorzurufen, die Kraft des Volkes in eitler Erhitzung zu verpuffen. Statt die Wolken am politischen Himmel sich zu einem Unwetter sammeln zu lassen, hat man ihre schnelle Entleerung vorgezogen.
Das ist deutsch! Das ist gothaisch, daS ist märzvereinlich! Prik- fest und stachelt nur immer an dem armen, zerschlagenen Volke, laßt ibm ja keine Ruhe, seine Wunden zu heilen, seine Flüche zu sammeln im Herzen, haltet eS ja nur immer in Aufregung für nichts und wider nichts, ---die Folgen werden nicht ouöbleibcn. WaS ihr unter Aufregung versteht, das ist Lotteret und Lungerei, das ist die Aufregung eines Wollüstlings , daS sind die Fieber eines hysterische» Mädchens.
„Das Volk darf nicht cinschlafen!" Habt keine Sorge. Noch stießen die Thränen der Tausende und Abertausende, deren Anverwandte auf den Gassen Berlins, Dresdens und Wienö, auf den Feldern in Baden und Ungarn, allüberall zusammengehauen wurden, noch rauchen die Stätten der Kr egSgcrichte, — — daS Volk schläft nicht, leider nicht, es kann nicht schlafen, seine Augen brennen zu sehr. Und wenn eS einschliefe, — ehe ein Monat vergeht, wird eâ fürchterlich aufgeweckt werden durch ein anderes Treffen bei Idstedt, durch den Unter- gang seiner Brüder im Norden.
Ihr wollt die Aufregung der Aufregung wegen, ihr werdet keine Revolution mehr haben. Immerdar in die Fieberhitze geworfen, immerdar auf die Gassen gerufen, um zu vernehmen, daß eS unmöglich ist, seine Schmach und Schande von sich zu wenden, wird daâ Volk eurem Ruse für die Folge hohnlachen , wird eS schließlich all sein Feuer verlottert, seine Liebe vergeudet haben. Es wird nichts mehr übrig bleiben, alber muthlose Spott, der blasirte Hohn, als die ekelhaften Gelüste einer abgelebten Nation.
„Aber es ist furchtbar, daß wir unsere Brüder schweigend solle» sterben sehen." So nehmt daâ Beil in die Hand, läutet die Sturm» glocken, so wendet die Mittel an, welche den Tod eurer Brüder ab- wenden können.
Eine ziellose Demonstration ist die Demoralisation. Hört ihr, versteht ihr? Das wollen gerade die Fürsten, daß ihr an dem Eisen, daS sie euch in den Mund gelegt, euch die Zähne zerbeißt. Ihr sollt inne werden, daß eure Wuth die Wuth eines Kindes, euer Zorn der Zorn eineâ Greises ist.
Die Fürsten erreichen ihren Zweck. Die Demoralisation deS Volks schreitet mit Riesenschritten vorwärts. Wir haben darüber schon so oft geredet, daß wir die Worte sparen können. Aber einen Punkt wollen wir noch erwähnen, dessen Bedeutung nicht hoch genug angeschlagen werden kann.
Die Demoralisation des Militärs schreitet ebenfalls mit Riesenschritten vorwärts. Keine Gelegenheit ist günstiger, dem Soldaten seine ganze Leibeigenschaft, seine ganze Sklaverei vor die Seele zu rücken, als die jetzige. Die schleSwig holftein'sche Sache ist die Sache der deutschen Soldaten. Deutsche Soldaten haben für die Herzogthümer ihr Blut vergossen, deutsche Soldaten sind um Schleswig-Holstein- willen mit dem Jubel der Nation in den Kampf gegangen, mit Kränzen wieder vom Schlachtfelde gekehrt,---auf das Kommando der Fürsten müssen die deutschen Soldaten daâ Schwert in die Scheide stecken und Schleswig-Holstein untergeben sehen. Wer von den deutschen Soldaten noch Ehre in der Brust hat, muß über diese Wendung der Dinge den Verstand 'verlieren, oder zum Meuterer werden.
Der deutsche Soldat hat aber zu gehorchen, und — er gehorcht. Der deutsche Soldat reißt seine Ehre aus der Brust und legt sie zu den Füßen seines Fürsten nieder. Der deutsche Soldat gehorcht.
Waö sollen deine Siegestrophäen aus Schleswig Holstein? Es sind Zeichen deiner Sklaverei, es sind die Beweise, daß du auf Befehl deines Herrn und nicht um deö Vaterlandes willen gekämpft hast, daß du auf Befehl deines Herrn gegen Gott und die Welt zu Felde ziehen würdest, cö sind die Gegenbeweise gegen deine patriotische Hingebung, gegen deine Aufopferung für'S Vaterland. — Der deutsche Soldat hat kein Vaterland mehr, er hat nur noch seinen Herrn. Der deutsche Soldat ist zum Piätorianer herabgesunken.
Nennt ihr das keine Demoralisation, nennt ihr daâ nicht den schönsten Triumph der Contrerevvlutivn? Der Soldat ist Prätorianer geworden.
Waâ sollen dagegen euere Demonstrationen, euere Agitatione», euere Aufwiegelungen? Sagt den Soldaten, daß sie Meuterei machen sollen, — — dieselben Soldaten werden euch zusammenhauc». Sagt ihnen, daß sie um ihren Abschied betteln sollen, — sie werden euch auülachen. DaS Einzige, waâ ihr thun sönnt, ist, daß ihr den deutschen Soldaten sagt, waâ aus ihnen geworden ist, und daß >hv ihn auf eine Revolution vertröstet, die deS deutschen Soldaten Ehre höher achten wird, als eS die Contrerevolution gethan hat.
Eure Agitation aber ist ein weiterer Sieg der Eontrcrevo u lon^ Fahret so fort, und die Contrerevvlutivn wird zu Ende omnum