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Nest vs»Hingebung" unrettbar verloren. Die hiesigen Bürger thaten natürlich alles Mögliche, um den Leuten ihre Heimath vergessen zu machen, aberunser gut Land" bliebunser gut Land".

Mit dem t. August d. I. tritt die neue Gemeindeordnung in unserm Großherzogthum in'S Leben. Auf wie lange? Allem Anscheine nach wird man sie schnell genug fortzueScamotiren wissen.

* Wiesbaden, 1. August. WaS schon lange als Gerücht umzog, soll jetzt vollkommen bestätigt sein: Nassau tritt defini­tiv von der Union zurück. Thut nichts. DaS einige Deutsch- land bedarf Nassau so wenig als deS übrigen Deutschlands. Deutsch­land liegt außerhalb der deutschen Grenze.

* Stuttgart, 31. Juli. Der ständische Ausschuß hat bekanntlich schon früher von dem gnädig gewogenen" König einen Riffel erhalten, der zu erkennen gab, daß Se. Majestät alle Land­stände lieber auf den Blocksberg, als in seine Nähe wünschte. Se. Majestät haben diese seine Herzensgedanken abermals ausgesprochen. Auf dieErwartung" deâ ständischen Ausschusses, daß der Frieden mit Dänemark nicht ratifizirt werde, haben St. Majestät erklärt, daß Sie sich solche Erwartungen verbäten, und daß der ständische Aus­schuß sich um seine Sachen bekümmern solle, oder. St. Majestät haben sich über diesesoder" nicht weiter ausgelassen, wahrscheinlich haben dieselben aber nicht sagen wollen, daß Sie Ih­rem Ausschüsse gewogen blieben. Jetzt hat nun der Ausschuß darauf erwiedert, daß er seinerseits nicht begreife, wie man ihn so schnöde behandeln könne, er verbitte sich solch einenauffallenden Ton". Wahrscheinlich werden nun wieder Se. Maj. reden und dann wieder der Ausschuß. Auf diese Weise genießen wir hier den Segen deS par­lamentarischen LebenS in ziemlich heiterer Weise.

* München, 30. August. Die Kammersitzungen sind zu Ende, die Deputaten nach Hause. Und daS ist gut! Aber die De- putirten haben nicht umsonst gesessen und ihre Diäten verzehrt. Sie haben 34, sage 34 Gesetze aufgethürmt! In den letzten Jahren sind in Deutschland wenigstens anderthalbtausend Stück Gesetze gemacht, ein sicherer Beweis von der Tüchtigkeit derselben.

Frankreich.

^ Paris, 31. Juli. Vier Gesetze wurden gestern gut ge- heißen; au ein Diökutiren ist gar nicht mehr zu denken. Die soge­nannte Theaterpolizei wird wieder hergestellt, obschon die vorigen Re­gierungen auch dadurch nicht konservirt wurden. Die Deputaten Noel Parfait und Sai'ntebèuve haben Alles, waS sich Gescheidteâ gegen diese chinesische Tyrannei sagen läßt, gestern gesagt. Herr Lan- castel schlug vor, wie in Belgien solle auch hier die Regierung daâ Theater in den KreiS deâ gemeinen Rechts stellen, mit dem Rechte der Regierung, gewisse Scandalstücke zu verbieten. Umsonst, 352 gegen 194 Stimmen beschlossen die provisorische Herstellung der Censur für die Bühne. An 40 Deputirte aller Farben haben auch einen Antrag unterschrieben , um die Regierung zur Verleihung deS Geschäfts von 185 Millionen (Eisenbahnunternehmung von Paris bis Avignon) an gewisse nahmhaft gemachte Männer zu bewegen. DieS bezeichnet auch wieder unsere Anarchie! Wegen Schleswig- Holstein rührt sich hier jetzt erst Theilnahme, wo so gewaltiger Men- schenvcrlust unsere deutschen Waffenbrüder dort traf; doch ist noch Alles sehr dunkel im französischen Bewußtsein über diesen Punkt. Die Jesuiten sind so eben auS Nuova - Granada (Südamerika) durch dortigen Kammerbtschluß ausgewiesen; fragt sich auf wie lange?

Italien.

Lombardei (N. Z.) DaS k. k. Stadt - und Festungs­kommando zu Verona sah sich veranlaßt, bei dem Umstände, daß viele junge Leute absichtlich ihre Kleidung so zusammcnsetztcn, daß dieselbe die tricolore nationale hervortreten läßt, bekannt zu ma­chen, daß eine solche Demonstration in keiner Weise geduldet werden könne, und diejenigen, welche hierauf nicht achten, sich selbst die un­angenehmen Folgen der Uebertretung der hierauf bezüglichen Vorschrift ten zuzuschreiben haben.

England.

L London, 29. Juli. Die Nachrichten auS Amerika laufen bis zum 17. d. M. auS New-Iork. Präsident Tay. l" wurde am 13. d. M. mit Pomp begraben. Man wird ihm ein Denkmal in Washington errichten. In Philadelphia herrschte am 9. d. M. ein fürchterliches Feuer. Es zerstörte für mehr als 1 Mill. Dollars Eigenthums. Ein KabinetSwechsel wird unausbleiblich sein, es circuliren bereits neue Ministerlisten und ein dem Clay'schen Kompro­mißvorschlag günstiger gestimmtes Kabinet wird btt Geschäfte übernehmen.

Webster scheint secretary of state werden zu sollen. Ob aber im Kongreß daS Kompromiß eine Majorität findet, steht dahin. Der Süden will sich damit nicht zufrieden stellen. Weniger stark ist die Opposition der free soii party (Freieboden-Männer unter Vanburen) im Norden. Es ist interessant, den politischen und sozialen Bewe- gungen Amerikas zuzuschn, nach meiner Ansicht interessanter, alâ dem Verfall Europas zu folgen. Die Handelsnachrichten auS Ame­rika lauten ziemlich befriedigend. Consols schlossen heute 96| biS bis I für baar und 96£ ais 97 für Rechnung.

Im Parlamente, welches sich heute um 12 Uhr zur Wiederauf- nähme der Rothschild'schen Debatte versammelte, war man bei Post- abgang zu keinem Resultate gekommen. Ich komme eben auâ dem­selben. Baron Rothschild erschien selbst. Lord John Russel ist durch und durch alâ Jesuit ausgetreten, alâ er erklärte, daß er die Sache der Juden (d. h. der Civilisation) in dieser Form nicht befördern Hel- fett wolle; würde aber eine Bill eingebracht, so werde er Alles an­wenden , dieselbe durchzusetzen. Osborn und seine Freunde erklärten, sie würden den Minister zwingen, noch in dieser Session mit der Judenbill fortzufahren oder sie würden ihm daS noch zu votirende Bud­get nicht durchbringen helfen! (Rothschild ist auf daS alte Testa­ment beeidigt. Die Red.)

Belgien.

-8t Brüssel, 30. Juli. Der Minister d-S Innern, Ro­gier, ein Franzose, bezieht einen Gehalt von 21,000 Franken, für Wohnung, Licht, Möbels ic. außerdem noch 40,000 Franken. Sein Bruder, belgischer Gesandter zu Paris, hat 30,000 Fr., sein Stief­bruder, Beamter in Mecheln, 4000 Fr. und außerdem noch 3000 Fr. Auâ diesen Sümmchen ersehen Sie, welche schnöde Beamtenwirthschaft

und Protektion in Belgien herrscht, nicht anders wie im lieben Deutsch­land. DerLiberale" von Journay hat Recht, wenn er sagt: Daâ

Jahrhundert, in dem wir leben, ist daS Jahrhundert der Corruption, und man möchte fast glauben, daß die Menschen wie daS Vieh ohne Bewußtsein geboren werden! Welches Glück die konstitutionelle Regie­rung schafft, beweisen die sich täglich häufenden Selbstmorde, die in Belgien von jeher an der Tagesordnung waren. Die untern Beam­ten sind, während die höher« im Nebenfluß leben, schlimm daran. Der Kriegsminister Chazal gibt täglich DiucrS, zu denen er Offiziere auS allen Regimentern einladet; die Gehalte der armen Eisenbahn- beamten werden dagegen verkürzt. Der Wohlstand deS Landes zeigt sich nur unter den vornehmen Ständen; in Brüssel z. B. ist der Luruâ enorm. Dafür lasten die Steuern auch auf den nöthigsten Lebensmit­teln, Alles ist tarirt, Alles regulirt, Alles unter daâ Gesetz rangirt. Aber die Bureaukratie und die konstitutionelle Regierung kostet schwe­res Geld, sie reicht nicht mit den gesetzlichen Steuern, sie borgt, wie

eS moderne Sitte ist, an allen Ecken. Seit 1848 hat man folgende

Schulden kontrahirt:

Für den Krieg......

Für daS Innere . . . . . Für die öffentlichen Arbeiten . . Anleihe vom 26. Februar 1848 Anleihe vom 7. Mai 1848 . . Papiergeld vom 26. Mai . .

9,000,000 Fr.

2,000,000

5,000,000

12,227,000

25,641,000

12,000,000

65,768,000 Fr.

Also die ungeheure Summe von 65 Millionen Franks wurde für außerordentliche Ausgaben verwendet, wovon 11 Millionen der Bureaukratie , 37 Millionen den Börsenjuden und kaum 5 Millio­nen indirekt dem armen Volke zu Gute kommen. Und wie klein ist Belgien! Im Verhältniß zu Oesterreich beträgt diese neue Schulden­masse gerade daS Doppelte von den neuesten Schulden der Habsburger. Woher kommen aber die kleinen Privatvermögen der fürstlichen Fami­lien , die reichen Erbschaften, die sie ihren Nachkommen hinterlassen ? Auâ dem Lande, aus den Taschen des arbeitenden Volkes, daâ sie durch Spekulation, durch Civillisten k. trefflich zu benutzen verstehen. Auch hier verurtheilen die Bourgeois die Angriffe aufs Privateigeu- thum so ungenirt wie in Berlin. Die Journale bringen nichts NeueS; politisch Wichtiges paffirt üb.igenS selten genug tu einem Lande, daS der politischen Bildung gleichsam im Schlepptau nachfolgt.

Frachtpreise.

Kassel. Vom 25. bis incl. 31. Juli 1850.

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