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pedition (obere Entengâ Nr. 132) zu 6 HW Durch alte Postämter (C beeiden Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr,

Kassel, Sonntag den 4. August

1850.

WLthessen für immer!

Nächst Gott verdanken wir es zumeist Sr. Durchlaucht dem Wickelkind von Brabant und allen durchlauchtigen Wickelpuppen seines Hauses, daß wir Hessen sind, alte blinde Hessen. Wiederum nächst Gott verdanken wirsUnserm" Kurfürsten, königl. Hoheit, d. h. durch Dieselben dem Hrn. Haffenpflug und Vilmar, daß wir so recht wissen, wer wir finb.Heda ihr draußen in der Welt, die Nasen eingespannt, gar manchen M an», gar manchen Held, gebar A lt - H e ssc n la n b," als vor allen Dingen Kon­rad, der Ketzerrichter von Marburg, jenes sinnlich - liebenswürdige Scheusal, daS inzähnefletschender" Frömmigkeit den Himmel im Zerfleischen eines weiblichen Nackens suchte und fand.' Ein er­habenes Muster, das der edle MarburgerVolkSfreund" in wiehern­der kanonischer Sinnlichkeit, begleitet von obligatem Auzcnvcrdrehen, und unter raffinirten Grimassen noch zn übertreffen strebt. Wenn ihr wissen wollt, waS althessisch ist, so fragt diesen Fälschetfreund Vilmar und seinen Volksfeind. Glückliche blinde Hessen, die ihr euer Glück noch immer nicht fassen könnt, nicht zu würdigen versieht, gehet hin und lauschet dengrimmigen" Worten, die da ausgehcn auS sei­nem Maule, aus dem Maule, worin er Galle genommen uub Wer­muth , um euch mit bitterem SpeicheDzu öffnen die blinden Augen; verstockte Ungläubiges WaS ist althcssisch. Alt hessisch istder @rnnm , der einem im Bauche wühlt, das WhnkMsaMmenbrißett vor Bcrserkerwnih, das Zähnefletschen und Wichern vor Zorn unb Strcitroßwuth. " So tobt der ÄWcsse gegen seine Feinde. Wenn ihr also einem Kerl begegnet, mit eingefallenen Backen, mit fiteren Augen, mit langen Haaren, mit gelber bleicher Gesichtsfarbe, kah" lem Scheitel, mit Zähneknirschen und mit Zorukollern, der wie ein Roß ausschlägt nach hinten und vorn, das i ft ein Alt Hesse. Geht ibm auS dem Wege zu jeder Zeit des JahreS. Ihn regiert fortwährend der SyriuS. Laßt euch auch nicht irren durch feine hohen Titel. Am liebsten fuhrt er den Titel Kvnsrstorialrath, auch Minister, am Häufigsten heißt er Pfarrer. Laßt euch nicht ir­ren , durch Zeichen des Friedens und der Demuth, die er vielleicht von sich geben mag. Ihr würdet ebenso falsch urtheilen, als wenn ihr nur die Hunde für toll hieltet, die jenem Bilde gleichen, daS alljährlich von einer vorsorglichen löbl. Polizei in allen Wochenblät­tern kurz vor den Hundstagen abkonlcrfcit wird, zur allgemeinen War­nung, das die Zunge herausstreckt und den Schwanz zwischen den Beinen hat. Weit gefehlt! ES gibt auch tolle Hunde, die ihrem Herrn die Hand lecken und mit ihrem Schwänze lieblich wedeln, die da vor ihm dienstfertig im Staube kriechen und unter seinen Tritten ein Freudengeheul ausstoßen. Ebenso könnt ihr sehn, wie ein zornkollerieer Althcssc seine Galle hinabwürgt und mit gränzender Demuth, mit dickem Bauch vor seinem Kurfürsten im Dreck wedelt und winselt, obgleich er weiß, daß dieser seinen frommen Wahnsinn unausstehlich findet und sein ewiges Zähnefletschen unhosmännisch, und daß er jeden Augenblick die kräftigsten Fußtritw empfängt und zu erwarten hat Ein solch.r Kerl ist gerade erst recht ein Althesse. Dal werdet ihr begreifen, wenn ihr erstdieses Wesens innersten Begriff" begriffen, d/h. sei­nen Geist. Dieser Geist hat daS Eigenthümliche, daß er kein Geist ist, sondern ein Gespenst, eine Nachtcule, die vom Sturm auS ihrem Gemäuer in das Sonnenlicht getrieben ist, ein armes Huhn, daS seine Entenbrut auf dem Wasser schwimmen sieht und voll federaus- reißcnder Wuth am Ufer umhergackert, kurz ein Ding, dem vor seiner eignen Existenz graut, weil es sie selbst bezweifelt. y althrssische Nacht, ulengespenft hat nämlich folgende Lehrsätze. Erster a ^ : Es gibt nur ein Gott, das ist der alte Gott Alt- hlsscnS, der da wohnt von der Lahn bis an d e Werra und von tvr

Fulda bis an^ die Weser. Deßhalb sind die armen Fuldcnser und Hanauer, die Schaumburger und die Schmalkalder arme Heiden Tür­ken Deutsche: sie haben nicht den Gott des ewigen Lebens, der da ist der Gott Altheffenö. Aber der Fluch folgt den Eulen ans der Verse. Sie müssen mit diesen Heiden und Hanauern zusammen in einem Staate leben, in einer Gränze. Wenn sie also konsequent sein wollten, müßten sie Hanau und Fulda auS dem Kurstaate hin- anSschmeißen. Und daS geht nicht von wegen der Civilliste und der fetten Pfründen! O Jammer! Jammer! Jammer!

Zweiter Lehrsatz: Der Kurfürst und Landgraf von Althessen ist der Stellvertreter des Gottes von Althessen. Deßhalb soll sich- kein geschriebenes Papier (Konstitution) und keine Büreauschreiberei zwischen ihn und Sein Volk drängen. Er soll selbst daS Wohl Seines Landes höchsteigengeistig berathen und Höchfteigenfingerig len­ken. Deßhalb müßte er eigentlich für jeden Althessen jeden ne'uhessi- schen Augenblick zu sprechen sein. Dann würde Alles gut werden. Aber ach, dann müßten sich Se. königl. Hoheit selbst zerreißen, waâ nur der Demokratie in die Hände gearbeitet hieße. Das väterliche Regiment hat also keine Art. O Jammer! Jammer! Jammer!

Dritter Lehrsatz: Dieses Volk ist zu klug geworden. Sie fliegen bei Tageslicht aus und nicht bei Nacht, sie bleibe« nicht blos auf dem Lande, sie gedn auch in's Wasser/ sie reisen nicht bloS zu Fuß unb zu Pferd, wie anno 1500 , sondern auch auf der Eisenbahn. DaS muß schlechterdings anfhören. Und vorab müssen alle ferneren Eut- deckungen untersagt werden namentlich waS Gasbeleuchtung, Dampfkraft oder gar die Luftschifffahrt betrifft, waS sollte sonst auS der althessischen Polizei werden. Wie aber ist daS zu machen, ihr augendreherischen, häudefaktenden Schwarzröcke. In Ziegenhain, in Treysa, in Homberg haben sie den Gott AlthessenS um Erleuchtung angerufen. Vergebens ! Es geschah kein Zeichen, es geschah kein Wunder, kein Feuer fiel vom Himmel herab, alle Völker der Heiden und die Neuhessen unb Demo- traten zu verzehren, und siehe sie wurden zu Schanden vor allem Volke, daS da wartete auf die Zeichen, die sie thun würden. Und man spottete ihrer! D Jammer! jammer ! Jam m> r! Daher das innerliche Zornkoller und das äußerliche Zusammenbeißen, daS innerliche Knir­schen und Galle ukneipen, daS äußerliche ohnmächtige Uhugcschrei und daS Wuthgewieher. Und doch steht geschrieben Sprüche SalomoniS 17 B- ^8.Ein Narr, wenn er schwieg, würde auch weise gerechnet: und verständig, wenn er das Maul hielt." Und Hiob 13 V. 14 u. 15 heißt es:Was soll ich mein Fleisch mit meinen Zähnen beißen, und meine (Nachteulen-) Seele in meine Hände legen? Siehe, er wird mich doch erwürgen, und ich kann'ö nicht erwarten! Aber nein! Weß das Herz voll ist, des geht der Mund über. Der Althesse kannsein Maul nicht halten", denn er kann sein Herz nicht hallen, daS voll ist. Voll der althessischen Dummheit und Finsterniß, der stierköpfigen Albernheit vom vorigen unb von allen »«»origen Jahrhunderten. Er muß in sein Fleisch beißen, wie ein wüthender Bulldogge, dem der Hundsstern das Hirn verbrannt hat. obgleich er weiß, daß man ihn würgen wird. Aber er kann'S

- ^"" die Dummheit verleitet zu allen Dingen. Die Thorheit verleitet deS Menschen Weg, daß sein Herz wider den Herrn tobet." (Spruche Salom. 19 D. 3.Dem Noß eine Ge-sel, dem Egel einen Zaum und dem Narren (auS Althessen) eine Ruthe auf den Rücken!" (Spr. Salom. 26, 3.) M

** Kassel, 3 August. Der Edle von Gagern ist schmählich verleumdet worden. Derselbe hat keineswegs die Absicht, ;ein edles Leben leichtfertig aufs Spiel zu fetzen. An einem kuhneu Griff hat