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einzuwirken suchten, ;« einige Wähler, welche für Bayrhoffer gestimmt hatten, gefragt haben sollen, ob sie Juden seien? Aber der Geist des Volkes ist bereits dahin gelangt, daß er nur noch daâ wahre Christenthum , die Befreiung und die Bruderliebe der Menschheit, nicht aber die pietistischen Vorstellungen des PfaffenthumS anerkennt. Und so kam denn in Gemünden das Resultat heraus, daß Bayrhoffer von 121 nicht weniger als 111 Stimmen erhielt, und die Pastore bald für angemessen fanden, daâ Wahllokal zu verlassen. Auch in Rosenthal wurde Bayrhoffer, trotz dem jetzt dort stehenden Pfarrer Bang, fast mit Stimmencinhelligkeit gewählt.

Wegen dieser Doppelwahl wird nun Sonntag, den 4. August, eine Conferenz sämmtlicher Städte in Kirchhain stattfinden, um über die Annahme Bayrhofferö und die Aufstellung eines neuen Kandidaten zu entscheiden.

In den beiden Landwahlbezirken steht auch bereits die Wieder­wahl Löber'ö und Kompe'S fest, obgleich gegen ersteren Kaiser auS EbSdorf eine ziemliche Zahl von Stimmen haben soll, auch einige Orte, z. B Marbach und Wehrda, sich auffallender Weise auf Schnei­der und Sternberg zersplittert haben.

Mit Sicherheit hofft man, daß die Majorität der Höchstbesteuer- tev, welche am 3. August wählen, wieder für Schneider und Her­den er stimmen wird.

* Kirchhain, 30. Jul. DaÄ segensreiche Ministerium Has- senpflug-Vilmar hat auch und reichlich bedacht. ES hat unS eine Gabe geboten, für die wir schönstenâ danken. Nicht jede Waare, werthester Herr Vilmar, die in Schmalkalden fabrizirt wird, eignet sich zur Weiterversendung. An die Stelle unseres vor einem halben Jahre ver­storbenen allgemein beliebten Pfarrers Schwaner wird uns der Hr. Hofkaplan Habich auö Schmalkalden oktroyirt. An die Stelle eines sehr gebildeten Kanzelredners kommt ein Zugführer von der ecclesia militans, ein Kompagnon aus dem soliden Hause Vilmar. Zu diesem Geschäfte könnte £)r. Eisenschmidt von Marburg auch besser verwendet werden. Ersparniß halber soll daher auch der hiesige städtische Polizei­diener abgeschafft, und trotz Vilmar und Hassenpflug auS ihrem Lieb­ling für die Stadt Nutzen gezogen werden. Wieder ein Pröbchen der strengen Hassenpflug'schen Hausordnung. Da Noth vorhanden war, so wurde der Vorschlag deS kurfürstlichen Konsistoriums zu Marburg nicht einmal abgewartet. Als guter Verwandter deS berühmten Hrn. StadtpastorS R. zu Marburg wird unS der zukünftige Herr Hofprediger mit dem süßen Genusse deâ mit vieler Mühe gekochten hessischen VolkS- freundeâ aufwarten. Hier in unserer Gegend, wo der höllische Unglaube und die besessene Demokratie sehr tiefe Wurzel gef.ßt haben, ist ein solcher Mann an seinem rechten Orte. All' sein Thun und Wirken geht in Rauch auf. Nur einen solchen Verkünder deSHerrn-Wort" erwarteten wir. Wehe nur den armen Schulmeistern, denen ein solches Kindlein zur Zucht gegeben wird!

* Hünfeld, 31. Juli. Für den hiesigen Landwahlbezirk ist, wie vorauszusehen , der demokratische Kandidat, Gutsbesitzer H i l len- brand, zum Landtage gewählt worden.

* Frankfurt, 1. Aug. Oesterreich hat jetzt wirklich die Regierungen aufgefordert, 17 Gesandten zum Bundestage zu er­nennen, und ist seiner Sache so gewiß, daß eS in demselben Augen­blick seine Armee in Böhmen rekuzirt, wo Preußen neue, mit kon­stitutionellem Phrasenprunk angekündigte Rüstungen macht, und die Unionsbevollmächtigten auS Frankfurt abberuft. Bedarf dieses eines Kommentars?

< * Frankfurt, 30. Juli. Preußen konzentrirt seine Trup- pen bei Kreuznach und Wetzlar. Dirse lächerlichen Demonstrationen werden zu nichts Weiterem dienen, alö zur Rechtfertigung einer neuen Anleihe.

Schweiz.

8 Genf, 28. Juli. Die hiesigen Deutschen haben nun auch ihre Sympathie für SchleSwig-Holstein zu Papier gebracht. Ein ominöses Opus! Ein alter Burschenschäftler, NamenS Weitzel, ließ einen Aufruf zu diesem Endzwecke drucken und heute ist der große Tag, wo diese Helden zu einem kühnen Gedanken kommen werden. Daß Flüchtlinge nicht so leicht diese zarten Ideen fassen werden, läßt sich denken; denn man fragt sich wohl, was hat jener Krieg, wen» eS dazu kommt, für-Nutzen? Waâ hat am Ende Schleswig-Hol­stein für einen Nutzen, wenn eS in das zerstückle, drückende Band der deutschen Uneinigkeit hereingezogen wird? Und mehr will dieses Länd- chen nicht, für die Halbheit sollen die Söhne Deutschlands bluten, soll das Geld zusammengescharrt werden, während die eigentlichen Söhne Deutschlands welche für die Freiheit ihr Gut und Blut auf's Spiel setzten, im Elend darben. Wollen die Schleswig - Holsteiner denn Kämpfer, die von dem Gefühle der Freiheit beseelt sind? Nein, sie stoßen sie weg, sie wollen nur mit jener frommen Kohorte streiten, die noch vor Kurzem gegen die Freiheit kämpfte. DaS enthu-

siasmirt, daS jubelt! Auch Willich wollte von England aus hin, hat man und gesagt; eS gab und gibt ein Glauben, als ob sich an diesen Kampf dennoch Ereignisse knüpften, als ob er dennoch daS Vorspiel zu großen Kämpfen würde diese Voraussetzung liegt je­doch allein in der Gewißheit, daß sich ein Tag von Malmöe wieder­holt, und daß dann die Entrüstung mehr als Worte findet. Man hat sich einst gewundert, daß die TurinerConcordia" auf ein Bündniß Piemonts, der Türkei und der kleinen deutschen Staaten mit Däne­mark wieâ. Jene Betrachtung hatte ihre Begründung darin, daß die Großstaaten, wenn sie auch momentan einzelne kleinere Staaten unter­stützen, doch sie nur als Spielball behandeln, und daß diese kleinen Staaten erst dann zu Macht und Ansehen gelangen, wenn sie zusam­menstehen und den Einfluß der Großmächte von sich weisen. ES liegt viel Wahres in dieser Betrachtung. Man frage sich einfach, wer den Krieg in Schleâwig-Holstein führt? So lange bad Heer der Herzog- thümer nur ein Puppenspiel sein soll, wird ed ohne Erfolg bleiben und so lange solche Männer ed führen, wird ednaâgeführt" sein.

Frankreich

ff Paris, 30. Juli. Groß ist der Teufelsspaß. Schon ist die Spaltung sichtbar in den alten Parteien, schon gibt ed Legitimi­sten , die so rührend nachgiebig sind, daß sie, wer weiß wie lange, ruhig im Schooß der Republik leben wollten, während andere Legiti­misten (s. g. Spitzköpfe, pointus) bad Ding schnell auf die Spitze treiben, nämlich den Henri V. sofort zum König erheben wollen. In der That, so eben rapportirt der französische Gesandte aus Wien, in Fronödorf am Hofe deâ Krüppels, genannt Henri V., seien nicht weniger als 23 hohe Adlige aus Frankreich nebst Familie jetzt ver­sammelt und man rede ganz offen von einem kosakischen und kroati­schen HülfSkoipS am Rhein, um dem Krüppelvon Gottes Gnaden" zum französischen Thron zu verhelfen. Manche Orleanisten knicen nieder und weihräuchern nur vor ihrem Spezial-HauSgötzen, LouiS Philipp I., andere Orleanisten, wie z. B. bad Journal b e d De- batö, kriechen und wedeln um den Hrn. Louis Bonaparte herum und erklären offen, ihnen wäre ein vorläufiger Kaiscrthron schon recht, denn dadurch würde wenigstens die ihnen über Alles verhaßte Repu­blik zerstört. Diese Fänlniß und Zergährung der alten Parteien ist, wie gesagt, komisch anzusehen. Minder komisch ist aber die Aussicht, daß im Winter 1850 und 51 offenbar die Kammer zum Revidireu der Konstitutionscharte schreiten wird, b. h. auf ehrlich deutsch, sie wird dem Schuft Bonaparte die Gewalt von 4 auf 10 oder 20 Jahre verlängern. Wenn dieses in der Kammer verhandelt wird, möge Europa aufpassen; dann ist bad Erdbeben, welches vielleicht als ein neuer dreißigjähriger Weltkrieg die Länder und Meere roth befruchten wird, nicht mehr fern. Zu solcher bisher beispiellosen Katastrophe peitschen sich und und die Reaktionshäuptlinge. Die beschrieene Geschichte von dem heimlichen Bunde, der vor 8 Tagen entdeckt wor­den sein sollte und womit die Reaktionsblätter ihre Seiten schmückten, zieht nicht mehr so stark, wie unter LouiS Philipp sie gezogen haben dürfte; die Pariser sind um tausend Jahre, seit zwei Jahren, in Er­fahrungen vorgerückt, und wittern wirklich auch diesmalpolizeilich- pestilenzialische" Einflüsse auf diesen f. g. geheimen Bund. Waâ ver­mag nicht polizeilicher Pesthauch in solchen Dingen! wie leicht kann er nicht im Dienst deâ Königthums die unwissenden übereifrigen De­mokraten noch mehr erhitzen und zu Abfassung einer Reihe toller s. g- Statuten treiben! DaS Budget ist mit großer Eile angenommen, und mit eben solcher wird der Antrag deS bekannten DemokratevchefS und Volksvertreters, Charles Lagrange, zweifelsohne abgewiesen wer­den: er schlug vor, die Sitzungen bed Permanenz KammcrauSschusseâ, der in 25 Deputaten besteht, jederzeit auch allen während der KaM- merferien zu Paris etwa bleibenden Deputaten offen zu halten. Dar­über schrie natürlich die Majorität, oder eigentlich sie schrie Schluß der Sitzungen und Anfang der Ferien gleich der lieben Sch»'' fugend. Die Herren Baral und Birio, zwei (Demokraten und) tüchtige Naturforscher, hatten bekanntlich vielerlei Mißgeschick bei ihrer erstmaligen Luftfahrt, wo der Ballon ein ungeheures Loch bekam, ohne daß sie nur im Mindesten anfänglich ed merkten, mit Mühe vermieden sie nur, beim schnellen Niedersinken oder vielmehr Niederstürzen, eine Zerschmetterung sämmtlicher Instrumente und ihrer Leiber. Jetzt haben sie wieder eine wissenschaftliche Luftreise beendigt, die zwar besser ablief, aber doch auch nicht ohne Zerreißung bed BallonS, und mit einem unwillkürlichen langsamen Niedersinken desselben en­digte. Sie blieben über eine Stunde oben und hatten einmal schon neununddreißig Grad Kälte, also Quecksilber-Gefrierkälte. M-» ist gleichwohl auch mit dieser Reise noch nicht ganz zufrieden, und nächstens wird wohl eine großartige von mehrern Gelehrten, die gar nicht mit der Maschine abzugeben haben, geschehen; sie wollen einen erfahrenen Luftschiffer, der sich lediglich mit der Maschine be­schäftigt, während sie die Beobachtungen anstellen, mitnehmeu.