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pâion (obere Enienqaffe Nr. 132) zu 6 Hir. Durch alle Postämter #c bezi.'Sen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr,
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W-- 17S Kassel, Freitag den 2 August 1850.
Die unterzeichneten Bürger sind mit Zustimmung des Komites des demokratisch-sozialen Vereins zu einer Kommission zur Unterstützung der Verwundeten und Kranken der schleswig-Holsteinischen Armee zusammengetreten, und erklären sich hiernach z« diesem Zweck zur Empfangnahme von Geldbeiträgen, Leinen, Charpie u. f. w. bereit.
Kassel, am 30. Juli 1850.
Deinersdorff. Erdmann. A. & Raabe. /. A. Richter. A Schönfeld. Trautmann.
Die Bedeutung Schleswig-Holsteins für Nord- deutschland.
,,Ich und mein Haus wir wollen — dem Herrn — dienen!"
Langsam hat sich von Baden aus der Geist der thatkräftigen Revolution Bahn gebrochen. Im Jahie 1849 schlug die Bewegung schon wild hinüber nach Franken, Schwaben, Sachsen, an den Rhein und nach den beiden Hessen, und noch das Jahr 1850 sieht in diesen Gegenden die Schwingungen Nachbeben, welche der Revolutionösturm von 1849 vom Oberrhein auS erregte. Tiefer und tiefer in die Herzen sind die Ideen der Demokratie und des RepublikaniSmuS gedrungen ; noch immer zögert in den meisten dieser Länder die vorsichtige Reaktion, mit Gewalt die Ideen der absoluten Freiheit zu Unterdrücken, um nicht den einzelnen Staat selbst in Frage zu stellen. In Würtemberg folgt ein demokratischer Landtag auf den andern, in Hessen-Darmstadt ebenso, in Kurhessen muß der Kurfürst die StaatS- auSgaben vor schießen, da die Steuern auâbleibcn. — Schon längst hätte in diesen kleinen Ländern die brutale Oktroyirung diesem „Unfug " ein Ende gemacht, wenn nicht die Regenten fürchteten, daß ihre Maßregeln ohne Erfolg blieben, und die „üble" Hülfe der Großmächte nöthig sein dürfte. So konsumirt in Süd- und Mitteldeutschland die Demokratie Schritt für Schritt die alte Staatsgewalt. Anders verhält eS sich im Norden. Hier ist die Demokratie nach ihrem ersten bewußtlosen Aufflammen in Berlin ic. durch die Gewalt eines großen Militärstaatö und durch eigene Schwäche bald zu Boden gedrückt worden. Hier hat sich nur in wenigen Städten und Gegenden ein demokratisches Bewußtsein herausgebildet. Die Demokratie deS JahreS 1848 hat sich hier größtentheilS nach einigen vergebenèn Bestrebungen in das konstitutionelle Lager zurückgezogen, ihrem ersten demokratischen Anlauf entsagt, um die Linke der Konstitutionellen zu bilden. In Norddeutschland, in Hannover, Oldenburg, Mecklenburg, Schleswig- Holstein, der prcuß. Provinz Sachsen rc findet man ein höchst geringes Verständniß der süddeutschen demokratischen Bewegung, — man begreift nicht, daß Baden eine überreife Frucht am Baume des Monarchismus war, die fallen mußte beim ersten Sturme, — daß câ hier keine Berechnungen gab, sondern einen einfachen Gang der Nothwendigkeit. Hier in Norddeutschland gibt eS noch f. g. Demokraten genug, die nur durch allmälige Erziehung in circa 500 oder 1000 Jahren daS Volk für reif zur Republik halten, und die die Konsequenz der süddeutschen Demokratie verabscheuen, tadeln und mißbilligen, ja alS undeutsche Frivolität betrachten; s. g. Demokraten, die lieber von dem setzten Nestchen Demokratie lassen wollen, als von ihrem guten König, von ihrem historischen Recht und von dem langsamen organischen Fortschritt. ■— Man würde verzweifeln müssen an der baldigen Heilung dieser Lande, verzweifeln an der Erschütterung und Befruchtung dieser zähen, langsamen Naturen durch den Gedanken der Freiheit, wenn nicht Schleswig-Holsteins furchtbarer Verrath in die Ruhe dieser stillen, vertrauenden Gemüther wie ein wilder Orkan hereinbräche, und alle die alten Banden der Trägheit und der Gewohnheit an die jahrhundertalte Knechtschaft wie Spinnengewebe zerriß und hin- wegfcgte. Deutschlands Völker müssen tief erniedrigt werden, um die ganze Last ihrer Schmach zu fühlen, um sie untragbar zu finden. Doch diese ehernen Geister werden nicht erliegen, diese Feuerherzen.
wc den nicht erlöschen unter dem furchtbarsten Druck einer maßlose» Knechtschaft. Ein Gemisch von Feigheit und Muth, von Erbärmlichkeit und Größe ist dieser deutsche Charakter. Erniedrigt durch unendliche Entehrung, erschlafft durch unausgesetzte Beschimpfung, rafft er sich auf in der tiefsten Schmach; wie Roms Heldenvolk am furcht- barsten, wenn seine Feinde es verloren glaubten, schürt er die Flammen seiner weltstürmenden Gedanken zu einem kettenverzehrenden Brand, — bis er als donnernder Vulkan auf ewig die Lasten hinwegschleudert, die seine Unterdrücker mit unsäglicher Mühe ihm aufgewälzt. — Für Norddeutschland liegt die innere und äußere Befreiung in dem Kampf Schleswig-Holsteins; dieser Kampf ist für diese noch so gehorsamer» Unterthanen eine Lehre, waS man von seinen Fürsten zu erwarte» hat, wie man sie behandeln muß, wenn nicht der deutsche Namen und die Freiheit auf ewig verschwinden soll; — er ist für diese gemäßigte» Seelen eine furchtbare Lehre, wie der fürstlichen Brutalität gegenüber Mäßigung soviel bedeutet als Unfreiheit und Untergang.
Mag SchleSwig-Holsiein untergehen unter dem dänisch-russische» Schwert, mag es durch den Verrath seiner eignen Regierung zerrisse» werden, — hier bleibt eine offene, blutende Wunde unserer Ehre, unserer Selbstständigkeit. Hier bleibt als warnendes Denkmal fürstlicher Treue und Vaterlandsliebe eine Säule fürstlicher Schmach errichtet, auf jedem Grabhügel, unter welchem ein Sohn des Volkes schlummert — ein Held gefallen in den Kriegen fürstlichen TrugS und Meineids. Von Schleswig-Holstein und Baden wird dereinst der Blitzstrahl der Revolution sengend durch Deutschland schlagen, Throne und Kronen zerschmelzen und die schlummernden Lande in unlöschbaren Brand stecken. Und über deinem Thron, Hauö Hohenzollern, werden sie zusammenschlagen die Blitze und Flammen, unter dem Rachegeschrei derer, die tu erschlagen und erwürgt im Norden und Süden. DaS wird der Lohn für deinen Doppelverrath am Rhein und an der Ostsee. Wer der Hölle dient, ist der Hölle verfallen!
Schtèöwig-Holstein.
--> Altona, 27. Juli. — Der gestrige Abendzug brachte un» wieder eine Proklamation von Willise». Sie lautet:
„Wir haben die Schlacht verloren; aber wir sind nur geschlagen, wenn wir unS selbst dafür ansehen und den Muth verlieren. DaS wollen und werden wir nicht. — Wir haben kein Material verloren und finden in Rendsburg Alles, waS wir brauchen, um so stark zu sein, wie vorher. Also nur Muth und Vertrauen! Thut Ihr Alle Eure Pflicht, seid ihr standhaft und gehorsam, so ist noch Nichts verloren.
Hauptquartier Rendsburg, 28. Juli 1850.
Euer konrmandirender General.
(gez.) v. Willisen."
Eine andere offizielle Bekanntmachung, welche gestern hierher ge- langte, ist der langersehnte 3te Armeeberichl deS kommandirenden Generals. Der Bericht ist sehr lang und umfaßt die Schilderung deSGe- fcchtS am 24. und der Schlacht am 25. Juli. Ich theile daS Wesentliche im Auszuge mit. — General Williien berichtet, der Angriff des Kein- deS begann am 25., Morgens um 4 Uhr, bei unseren Vorposten. Es entspann sich zuerst eine heftige Kanonade mit uulerer 12pfundrgea Batterie in der Stellung, und mit einer zweiten, welche auf einem