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W^'178. Kassel, Donnerstag den 1. August LGZO.

Fürften und Baterland.

Der Staat bin ich",daS Vaterland bin ich". DaS ist die Sprache der Götter dieser Erde.Der Staat sind wir, daS Vater­land sind wir, die Söhne eines Stammes, die Kinder einer großen Mutter". DaS ist die Sprache der f. g. gewöhnlichen Menschen, der s. g. Unterthanen. Bei den Griechen verstanden die Sterblichen Nichts von der Sprache der Götter. In unserer Zeit verstehen die Götter Nichts von der Sprache des Volkes. Aber so viel haben sie in ihrer höllischen Schlauheit begriffen, daß sie mit den Worten Staat und Vaterland ihre niederträchtige Habsucht, ihre teuflischen Pläne verhüllen können, daß sie mit Verschiebung dieser Begriffe das gutmüthige Volk für ihre Spitzbubenpolitik benutzen und mißbrauchen können.DaS Vaterland ist in Gefahr!" proklamirten die Götter der deutschen Erde, als ihre Herrschaft, als ihre Macht von der Faust deö französischen Kriegsdespoten in Stücken zerschlagen war.Rettet das Vaterland, rettet eure einheimischen Sitten, rettet eure Sprache!" riefen sie dem Volke zu, als sie ihre Throne gerettet wissen wollten, als sie ihren verfaulten Geschlechtern die ergiebigen Staatsdomänen erhalten wollten, denen sie arglistig genug den Namen deS Vaterlands gaben. Und als Napoleon gestürzt war? Keine Silbe, kein Wort mehr vom Vater­lande, von dem Volke, von der Nation! Das deutsche Vaterland des Volkes war sofort auf den Wiener Kongressen, in der Bundesakte und auf dem Bundestage in Frankfurt, waS eS immer gewesen, die Domäne der Fürsten. Die Sprache des Volks war verschollen, die Sprache der Fürsten trat sofort an ihre Stelle. Der deutsche Fürsten­bund kannte nur die fürstlichen Territorien Preußen, Oesterreich, Kur­hessen u. s. w. Aber unsere Götter hatten eine Lehre, die ihnen der s. g. Freiheitskrieg gegeben, wohl begriffen und beherzigt. ES war die Lehre, daß dieses deutsche Volk auf dem Grund seines Her- zenS ein revolutionäres Gelüste berge, und daß dieser Begriff eines deutschen Vaterlands dereinst im Stande sein könne, in Verbindung mit dem der Freiheit ihre morschen Throne zu zermalmen. Deshalb vereinten sie sich, niemals diesem Vaterland des Volkes einen freien Athemzug zu gestatten, vielmehr gemeinschaftlich sich wie ein schwerer Alp auf seine hie und da oufzuckende Lebenskraft zu lagern, und zu würgen öffentlich und heimlich, gewaltsam und mit List, bis es verendet. Durch diesen fruchtbaren Druck brachten sie cS dahin, daß sie dem Volke ihren Betrug, den sie mit seinen heiligsten Gütern gespielt, ft es in daö verblutende Herz gruben, daß Plötzlich wie mit einem Schlag die eisernen Banden sprangen, die sie um die deutsche Erde gelegt, daß plötzlich daö Vaterland, die Einheit der deutschen Nation an der Hand der Revolution, alâ DolkShohcit ihnen Tod und Verderben drohte. So war erfüllt, waS sie bangend vorauSgeschn, waS sie mit Feuer und Schwert, mit dem Schreckenssystem der Verfolgung, der Kerker und Ketten für ewig hatten verhindern wollen. ES war in Erfüllung gegangen, waS ihnen ihr Prophet Metternich tausendmal vorauögesagt. Jetzt galt es sich zu retten. Abermals ließen sie sich herab, das Volk mit seiner eignen Sprache zu täuschen. Es gelang ihnen nur allzugut. Sofort entsannen sie sich der alten Lehren jenes falschen Propheten. Sie schwuren sich mit den furchtbarsten Eiden, diesen, rebellischen Volke alle Kraft und allen Muth, alles Licht und alle Luft zu nehmen dieses Volk in die dunkelste Nacht der Knechtschaft zu stürzen damit sein fiebrisches Herz still stehe, damit seine geballte Faust erschlafft unter der Last der Ketten beiabsinke, damit sein zerbrochener Leichnam unter schweren Gcißelhicben zusam- menbräche in den Frohnvesten der erlauchten Zwingherren, damit kein Gedanke an Freiheit diese zerfleischte Brust gegen ihre Kerkermeister empöre, damit Deutschland ruhig sei ruhig, w ic daö weite Grab von Sibirien. Für diesen Zweck scheuten sie hin

Mittel. Treubruch, Wortbruch, Heuchelei, Lüge, gewaltsamen Stand- rechtömord und langsamen in den Kasematten, das Alles mußte ihnen dienen, ebenso wie die Begriffe von falscher Ehre und Ruhm, und der Begriff Vaterland selbst. Im Namen des Vaterlands zerfleischten sie daS Vaterland; im Namen deS Vaterlands mordeten sie in Baden und in Dresden; im Namen des Vaterlands zerrissen sie die Verfassungen und trieben die Vertheidiger des Volks inS Exil. Im Namen deS Vaterlands verriethen sie Schleswig-Holstein an den Dänen und im Namen des Vaterlands werden sie es umbringen.

Freilich, wir kennen dies Vaterland nicht, dieses Vaterland fürstlichen Meineids und fürstlicher Mordthaten. Es ist das fürstliche Vaterland. Es ist das Vaterland unserer Götter. Aber wir verstehen, was sie wollen. Und doch gibt es noch Wahnsinnige, noch stumpfe, kurzsichtige, verkommene Gemüther genug, die dieses Vaterland der Fürsten für daâ des Volkes halten, die sich tauschen und betrügen lassen nach wie vor, die mit vertrauenden Blicken nach der Hand ihrer frohlockenden Henker greifen, um dem Tode zu entrinnen? O allgewaltiges Schicksal, du hast dieses Land schwer heimgesucht! allzuschwer! Sind noch nicht Thränen der Verzweiflung genug auf diesem alten Boden der Schmerzen und deü Jammers geflossen? Ist daâ Haupt dieses Volkes noch nicht genug mit Schande belastet, sein Leib noch nicht genug von den vergifteten Dolchen seiner Feinde durchbohrt und zerfleischt? Wann wird seine Trübsal erfüllt sein? Wann endlich wird der schreckliche Tag deâ Gerichts und der furcht­baren Gerechtigkeit anbrechen?

Im Namen ihres Vaterlands haben sie uns zermalmt! Und siehe, dort im Noiden, an den Gräuzmarken deutscher Zunge, zuckt von Neuem die Revolution, der Kampf für Unabhängkeit im Namen unseres Vaterlands, im Namen des Volkes. Das ist die Sprache der Revolution in fürstlichen Ohren. Ha! Wer wagt es, wo die ganze Nation röchelnd zu den blutigen Füßen der Dränger liegt wer wagt cS, den rebellischen Feucrbrand von Neuem zu erheben? Ihr seid verloren! Nennt euch, wie ihr wollt, Konstitutionelle , Valer- landsvertheidiger, Kämpfer für die alten Rechte des Volks Re­bellen seid ihr! Sind die Konstitutionellen keine Rebellen vor dem Standgericht deS Gottcsgnadenthums? Sind die Vertheidiger des wirklichen Vat rlands keine? Sind die Kämpfer für alte oder neue Rechte des Volks keine Insurgenten? Volk, lerne die Sprache deiner Fürsten verstehn. Wenn du sie erkannt hast, wirst du dich retten. Früher nicht.

Zum Beweis diefürstliche" Sprache Habsburgs! Minister Schwarzenberg schreibt an seinen Gesandten in Berlin: Es sei eine große Gefahr (6. h. für die Fürsten) daraus erwachsendaß die Par­tei der Bewegung sich derselben (der Sache Schleswig-Holsteins) be­mächtigt hatte und für ihre Berechnung auözubcnten und zu mißbrau­chen bemüht war." Die Partei der Bewegung soll Hr. Bcselcr sein. Solche Fürsicnkncchte haben also schon in den Augen, der Fürsten die Sache Schleswigs mißbraucht! Oesterreich erklärt sich deßhalb mit allen Schritten Preußens einverstanden und verlangt,daß wenn diese Angelegenheit (für Diplomaten sind Völker, Länder, Rechte und Freiheiten nur Angelegenheiten, Fragen und Sachen!) neu erd in der Vvrwauv zur Agitation in Deutschand werden s o!l t e, s o l ch c n B e m ü h un g e n entschieden e n t g e g e n z u t r e- t e n sei." Uebersctzeu wir unö dieseFürste n " spräche in die Sprache deS Volkes, so heißt daS: Schleswig-Holstein n: n^ untei ge­hen, damit nicht daraus neuer Gährungsstoff in das deutsche Volk ge­worfen wird - eine jede Agitation dafür ist als bloßer Vorwan , als Deckmantel für Unruhstiftung und Empörung zu behau e n zu windischgrätzen. , _ u ,

So spricht daö Fürstenthum über unscrVaer

unser Land, das eS und entrissen, das « Erbgut unter serue