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meiner Feder kaum dazu auSreichen. Ich habe während den letzten zwei Jahren alle die Wechsel-Eindrücke an der Hamburger Bevölkerung vorübergehv sehen, welche die Zeitereignisse hervorrief, aber nicht eine einzige Begebenheit hat so tief eingeschlagen, wie dieser Sieg der Dänen. Die Trauer war allgemein, in öffentlichen Zirkeln, -'n Privatkreisen, selbst an der Börse herrschte die größte Niedergeschlagenheit. Sie werden eS fast übertrieben finden, und doch ist es wahr, man vergaß an der Börse fast darüber die Börsengeschäfte. Und unendlich viel schlimmer sah eS in der Nachbarstadt Altona auS. Da war wohl Keiner, der nicht einen Anverwandten im Heer hatte, Keiner, der nicht mit Schmerzen der Zukunft gedachte, die deS Vater- landes wartete. Gegen Mittag kam ein Zug von mehreren hunderten von Verwundeten an, die sofort in der Stadt untcrgrbracht wurden; eS war rührend zu sehen, daß gerade diese eS waren, welche der Be- völkerung Muth einflößten. Und eâ ist wahr, während man nah und fern Trauer anlegt, herrscht im schleöwi g-h olstein sche» Heere die beste Stimmung; man ist sich dort bewußt, seine Pflicht gethan zu haben, und hat den festen Willen, die Scharte auâ- zuwetzen. Der Kampf ist noch nicht vorüber und wird wahr- scheinlich heute oder morgen wieder beginnen.
Ueber die Ursachen der verlorenen Schlacht bei Idstedt herrschen noch die verschiedensten Angaben. DaS Heer steht jetzt konzentrirt in dem Dreieck von Eckernförde, Kiel und Rendsburg und sind Verstärkungen herbeigezogen. In Eckernförde sind die Dänen, nachdem die dortigen Schanzen demoh'rt und die Kanonen entweder unbrauchbar gemacht oder vernagelt waren, vor Kiel liegt eine russisch-dänische Flottille. Der heutige Morgenzng hat nichts Neues gebracht. Ein nicht ganz sicheres Gerücht will wissen, daß der dänische Befehlshaber, General Kragh, einen Waffenstillstand angeboten habe, den Willisen ausgeschlagen hätte. Ferner wird erzählt, daß die Dänen sich in der Stadt Schleswig sehr schlecht betragen hätten. Leider haben die Verwundungen mehrerer Schleswig-Holsteiner konstatirt, daß d e Dänen wiederum gegen allen Kriegsgebrauch die nutzlose Barbarei begangen hätten, mit Rehposten zu schießen. Mehrere Spione sind vom Nor- den eingebracht worden.
Ich wiederhole die dringende Bitte um schleunige Einsendung von L a z are th-Ge g en stände n aller Art. Hier und in der unmittelbaren Nähe ist während der beiden letzten Jahre an Leinen, Charpie u. s. w. fast aufgeräumt worden.
«a Altona, 26. Juli, Morgens. (Verspätet.) — Meine gestrige Erwartung hat sich bestätigt. DerKampfhat in der Nacht vom 24. auf d e n 2 5. aufs Neue begonnen. Diesmal sollen die Unsrigen zuerst angegriffen haben. Nach den letzten Nachrichten, welche schleS- wig-holsteinsche Verwundete (es waren ihrer 1050) gestern mit dem letzten Bahnzuge hierher brachten, soll v. d. Tann den rechten Flügel derDänen vollständig durchbrochen haben. Ge- ueral Willisen, welcher daâ Zentrum kommandirte, soll den Feind bis Jdstädt haben vordringen lassen, ihn dann in der Front und in den Flanken zugleich angegriffen und nach einem heißen Kampfe in die Flucht geschlagen haben. •— Eine Korrespondenz dcâ SchleSwiger Postamts von gestern Mittag, 12 Uhrdatirt, sagt: ein furchtbarer Kampf wüthet seit heute Morgen. Um 3 Uhr begann die Kanonade und dauert jetzt noch wenigstens auf dem linken Flügel in der Gegend von Bür schau fort. Viele von den Schleswig-Holsteinern sind leider geblieben und verwundet, doch viel mehr Dänen, namentlich liegt daâ Moor in der Gegend von LuSberg von Dänen ganz voll, da- selbst ist auch vie le dän ische Kava l lerie festgerathen. Jetzt, 12 Uhr Morgens, wird sämmtliche Bagage deâ Generalkommando'S wieder vorwärts geschafft, woraus sich schließen läßt, daß die Unsrigen den Feind verfolgen. Au dänischen Gefangenen sind jetzt gegen 300 Mann eingebracht, doch sollen auch mehrere von den Unsern in der ersten Zeit, namentlich Verwundete, gefangen sein. General Willisen kommandirt daS Centrum, v. d. Tann den linken, v. d. Horst den rechten Flügel.
Morgens 11 Uhr. DaS Blatt hat sich gewendet. Mit dem vor einer Stunde hier angekommenen Eisenbahnzuge ist die Nachricht eingetroffen, daß die Unsrigen wieder zurückgedrängt worden sind, und zwar biâ auf die Hälfte deS WegeS zwischen Schles wig und Rendsburg. Graf Baudissin welcher unfern linken Flügel zuerst führte, soll schwer verwundet worden sein. Statt seiner übernahm v. d. Tann den Befehl. Nach der L. C. soll demselben Flügel im Laufe deS Kampfes die Munition auâ- gegangen sein. Ein Spion, dem dies bekannt geworden war, verräth eS den Dänen und nun erfolgte ein Angriff auf diesen Flügel, dem derselbe nicht widerstehen konnte. — Nach einer Mittheilung von Verwundeten soll unsere ganze Kavallerie und 3 Bataillone gestern Abend wieder in Rendsburg eingerückt sein. — Ein dänischer Of
fizier, Baggesen, ein Verwandter deS Oberste», ist gefangen worden. Nach anderen Nachrichten soll eâ der Oberst selbst sein. In Rendsburg wurden gestern Abend noch 509 Gefangene eingebracht. Unter denselben sollen sich Dänen, Schweden und wie eâ heißt auch Russen (?) befinden. — Von unserer Seite sollen v. d. Tann, Oberst Gerhard, Willisen (?), Hauptmann V euk und verschiedene andere Offiziere verwundet sein.
Nachmittags 3 Uhr. Noch ist Nichts entschieden. Nach den neuesten Nachrichten ist der Rückzug der Unseren ein geordneter gewesen. Beide Flügel sollen gut erhalten und im Stande gewesen sein, den Kampf unverzüglich wieder aufzunehmen. Nur daâ Centrum ist furchtbar mitgenommen worden. Von unserer Seite sowohl alâ von der feindlichen soll man sich muthig geschlagen haben, waâ die vielen Todten und Verwundeten bezeugen. — Ein so eben erschienenes Extra-Blatt der „Nordd. fr. Pr." enthält eine Korrespondenz auö Kiel, wonach sich General Willisen auf Fleckebye zurückgezogen haben soll. DaS Centrum der Armee stehe um ihn, der rechte Flügel unter Tann» noch jenseits Missunde und der Schlei. Augenzeugen, welche erst vor Kurzem daâ Schlachtfeld verlassen haben, versichern, daß der Muth und die Kampflust unserer Armee ungebrochen ist.
Die Unseren sollen nur eine Kanone verloren, dagegen eine dänische Batterie genommen habe».
Nachschrift. So eben habe ich mehrere Verwundete gesprochen, welche erst gestern Abend um 9 Uhr vom Schlachtfelde fortgetragen wurden. Nach ihrer Aussage wäre der Verlust der Dänen weit größer als der unserer Armee und Schleswig gestern Abend noch nicht in den Händen der Dänen gewesen.
C Hamburg, 28. Juli. — Die gestern als Gerücht mitge- theilte Nachricht vom Waffenstillstände, den der dänische General angeboten, Willisen aber auSgeschlagen habe, scheint sich zu bestätigen, wenigstens kommen Berichte, die dieselbe wiederholen. Man bedarf indessen nicht einmal dieser Annahme, um zu begreifen, daß die Dänen sehr gelitten haben, denn noch bis auf diesen Augenblick haben sie an keine Verfolgung gedacht. Leider werben die von den Dänen besetzten schleSwigschen Städte sehr mißhandelt, die älteren Einwohner müssen schanzen und die jüngeren, die zurückgeblieben sind, werden zum Heere gepreßt. — General Willisen steht mit seiner Armee in einer sehr festen Stellung (???) und wird, wie wir vermuthen. bald wieder die Offensive ergreifen. Der Verlust deS Heeres stellt sich bereits als viel geringer heraus, als man anfänglich vermuthete, und namentlich ist an Gefangenen nur wenig verloren, dagegen sind viele Offiziere verwundet oder gefallen, und Willisen fordert heute bereits deutsche Offiziere, welche Lust zur Sache haben, zum Eintritt in daS Heer auf. Man sieht daraus, daß er keineswegs daran denkt, die Sache aufzugeben. @r hat aber ein um so größeres Recht dazu, da eâ sich durch die gemachten Gefangenen bestätigt, daß im dänischen Heere Schweden und Russen nicht blos in großer Anzahl, sondern selbst mit Achselklappen und Lederzeug fochten, das nicht dänisch war, waâ nur mit Einwilligung der fremden Regierungen geschehen konnte.
Die Dänen streifen bis eine Meile südlich von der Stadt Schleâ- wig. Weitere positive Nachrichten fehlen.
jL Hamburg, 28. Juli. — So eben kommt die dänische Post an, welche uner wartet den dänischen Bericht über die Schlacht bei Idstedt mitbringt. Nach demselben hätten die Dänen 5 Kanonen und 1000 Gefangene genommen. Letzteres ist offenbar übertrieben. „Unser Verlust ist groß" so schließt dcr Bericht. Daâ ist um so bemer- kenSwerther, da der Bericht den Sieg einen entscheidenden nennt. Auch daS dürfte sich bald als Irrthum ergeben.
Ferner bringt die dänische Post eine königl. Bekanntmachung zur Errichtung von Standgerichten (diesem unfehlbaren fürstlichen Associe) im Herzogthum Schleswig, sowie eine Proklamation an da schleSwig - Holsteinische Heer zur Desertion unter die dänischen Fahnen- ES wird Verzeihung und Berbehaltung deS Gradeâ versprochen.
Wichtig ist die heute von Berlin angelangte Nachricht, daß dänische Negierung rffiziell den bekannten streitigen Paragraph de Friedens dahin auSgelegt hat, Holstein nur nach vergeblich no$Öc' suchter Hülfe Seilens dcö Bundes anzugreifen. DaS deckt dem Heere den Rücken. — Rendsburg wird zu einer Belagerung vorbereitet.
Deutschland. ; '
** Kassel, 30. Juli. — Der demokratische Kandidat, Dr. Kellner, ist hier im Wahlkampfe unterlegen. Derselbe erhielt circa 1200 Stimmen, der Gegenkandidat, ObergerichtSrath Schwarzenberg, circa 560 Stimmen mehr. ' ., „ , .
Helmarshause.., 27. Jul., - S.cherm Vernehmen nach 'st hier der demokratische Kandidat Wenderoth mit St.mmenemhell-g. leit gewählt worden. Die Zahl der Stimmen >st noch nicht bekannt.