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Dritter Jahrgang.

pedition (obere Entmqaffr Nr. 1521 zu 6 Hlr. Durch alle Postämter (C bemühen, Inserate die dreispaltige Petitzeiie 8 Hlr.

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Kassel, Dienstag den 30. Juli

ISSO

Der Verrath der Gothaer in Schleswig- Holstein.

Im Augenblick spielt der zweite Akt deS Gothaer VerrathS in Deutschland. Der erste Akt begann in Frankfurt und endete in Erfurt. ES war der Verrath der innern Freiheit, der Verrath der Grundrechte, der VolkSsouveränetät des deutschen Volks an den Absolutismus und die Oktroyirung. Aber die Partei der Nationalen sollte noch weiter in ihrer Selbstenthüllung gehen. Des Schicksals Willen ist, daß die Unfähigkeit dieser gelehrten Staatsstümper in jeder Beziehung dem deutschen Volke unter Blut und Thränen inö Herz geprägt werden soll.

Als die Demokratie den Ruf erschallen ließ:zuerst die Frei­heit und auâ der Freiheit die Einheit, die nationale Größe deö Vaterlands", da wer jene Partei der Alten und Kraftlosen, die sich von einer Einheit, einer Nationalität von Volkes Gnaden mit Entsetzen abwendete, die zum Schutz gegen dieAnarchie der Wühler und Rothen" die Majestät des gesalbten Fürstenthums anrief, zu­erst in der Person des provisorischen ReichSverweserS, und zuletzt in der Person des definitiven Kaisers von Hohenzollern; da war eS die Partei jener graugewordenen Fürstenknechte, welche ihre Freiheit dem Despotismus, der Hölle verschrieben, um ihre Nationalität, wie sie sagten, vor der rothen Republik zu retten, deren Flammen auâ Frankreich nach Deutschland hinüberschlugen. Nur sie haben unsere Freiheit verschachert. Haben sie erlangt, was sie erlangen wollten? die Einheit deS deutschen Reichs und den Schutz deutscher Nationalität und deutschen Vaterlands gegen die Feinde im Osten und Westen? Nichts haben sie erlangt. Der einheimische Despotismus hat mit triumphirendem Wohlgefallen daS Opfer der Freiheit angenommen und mit teuflischem Hohngelächter die Bedingungen von sich gewiesen, unter d.nen man eS ihm darbrachte. Er hat für sich die Freiheit ge­schlachtet und läßt für sich und Andere die Nation schlachten.

Damit begann der zweite Akt deö Gothaer VerrathS, der Verrath an bim Vaterland, an der deutschen Nationalität. Wer herrscht in Schltswig-Holstein? Der Kern, der Ausschuß der Gothaer Fürstcnknechle, Hin. Leffler an der Spitze. Dort war daS Land, wo eS für Gotha ralt ten Beweis zu liefern, daß eS für daS Vaterland alle jene hohen Worte zu erfüllen im Stande sei, mit denen es die republi- konische Partei der Freiheit an ihre Henker auögcliefert, mit denen eS sich selbst r ie Märzkronc der Volkshoheit vom Haupte genommen, um sie zu den Füßen tyrannischer Schurken niederzulegen. Aber die Feigheit und die Schande läßt nicht von ihren Opfern. Unter dem lauten Mahnruf deS Vaterlands, zu siegen oder zu sterben einsam untcrzugehn, nach- dem ganz Deutschland durch den Verrath in Erfurt und in Frankfurt nic- dergewürgt k op^te daS ängstliche Herz dieser Gothaer Helden von sürstenti netiféer Bangigkeit, blickte ihr furchtsames Auge nach wie vor auf die rettende Hand von Oben, welche mit dem zuvo>kvmmcn- den Finden der Knechtschaft die Gewitterwolke zertheilen sollte, die drohend über diesem edlen Volksstamm herabhing. Sie schrieben und schrieben, statt zu handeln. Sie schrieben an'alle Potentaten über ihre Rechte und über ihre Versöhnlichkeit, und daß ihnen der Frieden lieber Zeit willkommen sei. Sie schrieben von ihrer Unterthäni'gkcit gegen ihren König und Herzog, der sie schon dreimal mit ihrer Unter­würfigkeit von sich gestoßen. Sie betheuerten ihre Fürstenliebe, sie schwuren, daß sie nur für den Fürsten die Waffen ergriffen gegen die rebellischen Dänen. Umsonst! Der Feind schwieg und die falschen Freunde ließen sie im Stich. Kein Fürst reichte die Hand für diese eigenthümlichen Fürstenfreunde, kein Kollege von Gotha wußte mehr zu thun, als Geld zu senden. Geld, um die Integrität Deutsch- tandâ aufrecht zu erhalten.

So kam, daß ihr Heer nicht bloü zu schwach blieb, einem doppelt so starkem Feind gegenüber, noch mehr, daß sogar die beste Zeit vorübergehn ließ, um den mit Eile in Schleswig anrücken­den Dänen den Weg zu versperren. O natürlich! Sie waren ja wieder so sicher durchdrungen von der Gnade, von der Milde ihres KönigS-HerzogS. Im Augenblick der Ermordung noch wird ein sol­cher Gothaer die Füße seines Tyrannen lecken um einen gnävigen Blick seines Henkers. Noch wenige Tage vor Her Schlacht meinten diese Bcselerü, es werde gar nicht zu einem Treffen kommen, noch wenige Tage vorher hatten sie Parlamentäre an die Dänen geschickt. Ihre Soldaten sollten nur imponiren, Statisten sollte sie sein bei den neuen Friedensunterhandlungen. Deßhalb befahl die Regentschaft Be- seler ihrem Oberkommandanten Willisen, ja nicht rücksichtslos auf den Sieg auözugehn, sondern mit diplomatischer Schonung hinauSzu- ziehn und in ehrfurchtsvoller, angemessener Entfernung von dem Heer Sr. Majestät, des allergnädigsten Königâ-HerzogS Halt zu machen, auf daß er ihnen gnädig sei. Willisen handelte genau nach Vorschrift. Er schrieb in seinem 2ten Armeebericht:

Dürften nur militärische Rücksichten über das entscheiden, was zunächst zu thun ist, so wäre nichts vorteilhafter, als die Bewegung schnell bis Bau fortzusetzen und so dem Feinde seinen wahrscheinlichen strategischen Aufmarsch zu stören. Es scheint aber angemessen, diesen großen militärischen Vortheil zu opfern, und die Aufrichtigkeit der Gesinnung, welche eine friedliche Lösung stets gewollt und noch will, auf das Unwiderleglichste darzuthim. Was bisher nun Militärisches geschehen, darf wohl auf keine Weise als eine Aggression angesehen werden. Es ist nur ein kleiner Theil des Landes besetzt worden, worauf man volle An­sprüche hat, und meint es der Gegner ehrlich mit seinen Ver­söhnungs-Vorschlägen, so ist nichts geschehen, was ihm den Vorwand geben dürfte, davon zurückzutreten.

Hier ist der feige Verrath der grenzenlosen Gothaer Unterthanen» erbärmlichkeit mit nackten Worten enthüllt. Also nicht die Rücksichten deâ Militärischen Vortheils, nicht die Taktik des Kriegs, nicht die Aussicht auf Sieg durfte entscheiden bei den Operationen; kam diesen Verräthern nur darauf an, ihre Friedensliebe, ihre Unterthanen» treue, ihremonarchischen Sympathien" zu zeigen. Glaubten sie wirk­lich noch immer an die Ehrlichkeit ihreü Gegners, während sie in ihrer neuesten Note über den preußisch-dänischen Friedensschluß sagen, daß er sie dreimal getäuscht? Und wenn sie nicht thaten, ist nicht entsetzlich, das Leben von 28,000 Mann, die Existenz, die Ehre und den Ruhm eines ganzen Volkes einem Ereigniß zu opfern, an dessen Eintreffen man selbst nicht glaubt? Willisen hat jeden Vor­theil auf Kommando opfern müssen, den zu ergreifen ihm Ehre und Feldherrnpflicht geboten, und er ist geschlagen furchtbar geschlagen geschlagen trotz aller Aufrichtigkeit friedlicher Gesinnung. Willisen hat selbst gestanden, daß er eigentlich hätte angreife» müssen, wenn er siegen wollte. Die Statthalterschaft und er haben also da­durch, daß sie sich angreifen lie ße n, ihr ganzes La: d, ihren Volks- stamm und damit Deutschland verrathen und geschändet. So verthei­digt die konstitutionelle Partei daâ Vaterland! So schließt der zweite Akt des Gothaer Verrathâ!

e Hamburg , 27. Juli. - Wenn ich 3bncn die St^ schildern sollte, welche am gestrigen Tage nach Ankunst d aus dem Norden hier in der Stadt herrschte, s- wurde d,e Kraft.