dritter Jahrgang.
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Mr* 174.
Kassel, Sonnabend den 27. Juli
1850.
Preußen
geht auf die Ideen des Hrn. v. Blitterâdorf ein. Es will die Rati- sikation des dänischen Friedens der BundeScentralgewalt in Frankfurt übertragen. Damit ist A l l e â gethan. Damit ist erreicht, was Oesterreich und Preußen erreichen wollen, cS ist die Grundlage gelegt für die Restauration des alten Bundes in neuer Form, in der Form nämlich, daß Preußen und Oesterreich die Exekutivgewalt in den Handen haben.
Als daS Interim in Frankfurt eingesetzt wurde, erklärten wir, daß dem Interim die Bundesversammlung folgen werde. Unsere Geg- ncr hielten daS für eine Unmöglichkeit, eine Verleumdung. DaS Jnte- rim war nach ihrer Meinung nichts anderes, alâ der Wächter über daS gemeinschaftliche BundeSeigenthum. Vor allen Dingen sprachen unsere Gegner Preußen frei von dem Verdachte, aus dem Interim die vollendete Contrerevolution machen zu wollen.
Preußen ist Ler erste Staat, der der Vundes-Centralgewalt eine größere Geschäftâspbäre anweist, als sie selbst in Anspruch genommen hat. Von diesem Augenblick an wird Niemand mehr bezweifeln, daß Preußen die „Gränze deS Möglichen" betreten, daß der König von Preußen die MaSke abgeworfen hat, daß Oesterreich und Preußen ohne alle Scheu Hand in Hand gehen.
Die BundeScentralgewalt wird den dänischen Frieden ratisiziren. Die BundeScentralgewalt wird zu dem Ende die Bundesversammlung berufen, sie wird den engeren und weiteren Nath konstituiren, sie wird die ganze Hand nehmen, nachdem ihr Preußen den Finger gereicht hat.
Glaubt ihr noch immer an die Ehrlichkeit Preußens? Seht ihr noch immer nicht ein, daß Alles arrangirt war, daß sich Oesterreich und Preuße» in die Rollen getheilt hatten, daß sie sich in die Hände arbeiteten, sich gegenseitig forcirten, um den Männern deS „Möglichen" einen Vorwand zum Rückzüge zu geben?
In den nächsten Wochen wird Alles klar werden. DaS Volk ist so abgespannt, so müde und matt, so verzweifelt und gebrochen, daß der Augenblick nicht günstiger sein kann. In den nächsten Wochen wird Deutschland seine Contrerevolution vollendet sehen!
ES ist gut, daß wir zu Ende kommen. Daâ Ende der rücklau- senden Bewegung ist der Anfang einer neuen Revolution, einer Revolution , die nicht zu binden und bannen ist, in der cö keine Männer des „Möglichen" mehr gibt, die nicht vor gewissen hölzernen Stühlen stehen bleibt, die sich nicht verrechnet und irrt, die nicht eher zu Ende geht, bis eine Contrerevolution unmöglich ist.
Mögen die Potentaten noch einige Zeit vergnügt sein!
Schleswig-Holstein.
«^ Altona, 23. Juli. — Dom Norden sind heute keine wichtigen Nachrichten eingetroffrn. Man scheint sich auf beiden Seiten zu einem entscheidenden Schlage zu s mmcln. Die Dänen sollen nach der L. C. wiederum auf 2 Stellen, bei Cappeln und Tönning, gelandet sein. Jbre Vorposten stehen biö Licverstädt, Stendlup und Poppholz. Daâ Hauptheer verschanzt sich bei Bülschau, woraus zu schließen ist, daß sie diesseits Flensburg einen Angriff erwarten. Die schlecwig-hol- steinschen Vorposten waren bereits bis Bülschau vorgeschoben, sind aber wieder zurückgezogen worden. ES kommt noch immer eine Masse deutscher Offiziere hier an, die als Volontärs in die Armee zu treten wünschen. Besonders Baden stellt sein Kontingent von Offizieren, welche durch die letzte Revolution kompromittirt und durch die Ehrengerichte zum Austritt auö der badischen Armee gezwungen worden. Einer derselben, NamenS Rochlitz, ist nach einer in den heutigen Blättern veröffentlichten Anzeige, als Sekondelieuteuant dem 11. Ba
taillon zur Dienstleistung überwiesen worden. Rochlitz ist derselbe saubere Bursche, welcher im Anfänge der badischen Revolution seine Dienste der provisorischen Regierung antrug, von derselben später an die Stelle Joh. PH. Beikcr'â zum Oberkommandanten der Volkswehr ernannt wurde und während deS zweiten oder dritten Gefechtes zu den Preußen überging. Solche Leute zu placiren, nimmt unsere löbl. Statthalterschaft keinen Anstand, während sie Soldaten, welche im Kampfe für die Sache des Vols auSgeharrt, zurückweist.
Einen interessanten Beitrag zur Geschichte unserer Rechtspflege liefert die gegen den Republikaner Dr. Rauch eingeleitete Untersuchung wegen Hochverrath. Erst wurde Rauch nach Glückstadt zitirt. Dort legte man ihm mehrere Briefe vor und fragte ihn, ob er dieselben geschrieben habe. Rauch gestand, daß er der Verfasser derselben sei, fügte aber gleichzeitig hinzu, daß er weiter keine Auskunft geben würde, da diese Briefe gestohlen seien. Hierauf wird er vor ein UntersuchungSgericht in Rendsburg gefordert, und hier erklären ihm die Herren Obergerichtöräthe, daß sie ihn für den Fall, daß er noch ein Mal sich solcher Ausdrücke, wie der vor dem Glücksburger Untersuchungsrichter, bedienen sollte, o hne Weite reS in daS Loch sch meißenwürden, das sie für ihn schon bereit hätten. — Unsere löbl. Statthalterschaft ist wirklich zu bedauern, denn sie muß Tantalusqualen ertragen. Undank, Verdächtigung, Lerlaum- duna — das ist der Lohn für ihre Treue. Da steht in erster Linie ihr erster Plagegeist, der „unfreie" König von Dänemark, der eS sich nun einmal in seinen königlichen Kopf gesetzt hat, daß die Statthalterschaft aus einem „Hochverräther-Paar" bestehe. Und machte sie auch einen Katzenbuckel, daß ihr daS Kreuz bräche, König Frederik würde die Herzogswürde auS den Händen solcher „Hochverräther" nicht annehmen. Da lobe ich mir den „souveränen" Herzog Karl vcn Braunschweig. Der spielt freilich jetzt den FuchS in der Fabel, der die Trauben sauer nannte, weil sie zu hoch hingen, und titulirt sein ehemaliges Herzogihum nicht anders als „Raubmordbrennernest". In schwachen Stunden aber denkt er daran, wie an ein verlorenes Paradies. Er würde braunschweig'schen „Vertrauensmännern", wenn sie ihm die Herzogswürde offerirten, vor Freude an den Halâ springen, wenn dieâ ohne Gefahr für die unnatürliche Nöthe seiner Wangen geschehen könnte, ja, er würde in der Ueberschwenglichkeit seiner Gefühle sich hinreißen lassen, ihnen auâ Dankbarkeit alle nichtabgesetz- ten Exemplare seiner „Deutschen Londoner Zeitung" zu schenken. — Der zweite Plagegeist unserer löbl. Statthalterschaft ist die demokratische Partei. Diese ungeheuren, gottlosen, sich überstürzenden Wühler und Anarchisten machen ihr täglich den Vorwurf der Halbheit und der Unfähigkeit, ja sie gehen so weit, sie deS Verrathâ an den Herzogthümern zu beschuldigen. In den Augen König Frederiks sind unsere Statthalter also Ho chv err ä th er und in denen der De- mokraten L a n de ö verrät h e r. Wahrlich, daâ muß Jeder zugeben, unter solch' schweren Anklagen kann auch der dickhäutigste, eingefleisch- teste Gothaer erliegen.
Doch daS ist noch nicht Alles. Unsere arme Statthalterschaft hat noch einen dritten Feind und daâ ist die giftige diplomatische Preußenpartei, repräsentirt durch die „Deutsche Reform" und die „Galgen- zeitung." Von dieser Seite wird sie für schwach, für vollständig im- potent gehalten, obgleich sie alles Mögliche versuchte, sich daâ Der- trauen dieser würdigen Partei zu erwerben. So stimmte sie (die Statthalterschaft) in ihrem Organ, dem „Altonaer Merkur", kürzlich jämmerliches Klagelied darüber an, daß die „Deutsche Reform" von 'hr gesagt, sie wüßte sich deâ EntbusioSmuS der^Demokraten nicht zu erwehren. „Wir können über Letztes d>e - form beruhigen", sagt der „Merkur" oder vielmehr die Statth schaft, „müßten aber wünschen, daß Seitens der *
Presse Insinuationen unterblieben, welche alles Grundes entbe