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Dritter Jahrgang
pedition (obere Entenqaffe Nr. 1321 ju 6 Hir. Durch alle Postämter <c beji.-htm Inserate die dreispaltige Petitzeße 8 Hlr,
Wir sollen uns entscheiden und scheiden.
„Für oder wider und, für oder wider unsern Kurfürsten, für oder wider unsern Gott" — — so sollen sich nach dem hessischen Volks» freunde deS Hrn. Vilmar bei den nächsten Landtagâwahlc» die Parteien entscheiden und scheiden.
Wir haben gegen diese Auffassung der Wahlbedeutung nichts einzuwenden. Auch wir haben nichts gemein mit jener seichten, dürren Wahlagitation unserer Konstitutionellen, die da zufrieden sind, ihre früheren Deputirten wieder zusammengetrommelt zu haben, die z. B. setzt dem blinden Volke vorschwatzen, eâ handle sich nur darum, dieselben Kammern, dieselben Deputirten wieder zu wählen, damit Hr. Hassenpflug den Trotz und die Starrköpfiakeit deâ Volkes gewahr werde. Mit solcher Agitation haben wir nichts gemein. Sie ist unS ein Beweis der gänzlichen Verzweiflung unserer konstitutionellen Partei, sie ist nichts als eine eitle Ventilation, eine schnöde Benutzung, eine hochfahrende Verhöhnung deS Volkes.
Hr. Hassenpfluz soll nicht den Trotz und die Starrköpfigkeit deâ Volkes gewahr werden, sondern er soll erfahren, daß seine Existenz in nnscrem Vaterlande den Kampf der Zeit eher hervorruft, ehe er nach dem gewöhnlichen Gang der Dinge entbrannt wäre, daß durch sein Dasein daS Volk zu den letzten Konsequenzen getrieben wird, die eö vielleicht nicht heute, sondern erst über'S Jahr gezogen hätte.
Hr. Hassenpfluz soll erfahren, daß ihm bei einer Appellation an'S Volk mit ganz anderm Abscheu entgegnet wird, als die konstitutionelle Partei ihm jemals in'â Gesicht geschleudert hat, daß in der Tiefe dcâ Volks noch ein ganz anderer Groll, ein viel tieferer Ingrimm gegen die sittenlose Wirthschaft unserer Tage lebt, als sich Hr. Hassenpflug nach dem Verhalten der konstitutionellen Partei hat träumen lassen.
Nicht daS Verharren in derselben Opposition, wie wir sie in der früheren Kammer gesehen haben, sondern daS Vorschreiten zu der letzten, entscheidenden Opposition, zu der Opposition unseres Prinzips gegen daS Prinzip Hassenpflug'S, — daö ist die Bedeutung der nächsten Landtagöwahlen.
Hr. Vilmar nennt daâ einen Kampf für oder wider feinen Kurfürsten, für oder wider seinen Gott.
Nun wohl! Den Kurfürsten, den Hr. Hassenpflug fordert, gegen diesen Kurfürsten stehen wir wirklich in offener Empörung, gegen diesen Kurfürsten haben wir keine Liebe und kein Mitleiden, in diesem Kurfürsten finden wir wirklich Hessens Schmach und Hessens Schande. DaS ist nicht der Kurfürst unserer Konstitution, den uns Hassenpfluz anmuthet, daâ ist der Kurfürst alâ Apostat, alS Rebell, als der Meineid. Mit diesem Kurfürsten haben wir nichts zu schaffen. In diesem Kurfürsten kann der Name unseres hessischen Volkes nicht eingegraben sein, denn sonst müßte daS hessische Volk bedeuten: Lüge, Untreue, Verrath.
Der Kurfürst deâ Hrn. Hasscnflug ist gefälscht, daS Volk ist um seinen Kurfürsten betrogen!
Ihr werdet antworten, daß eine Fälschung, daß ein Betrug nöthig sei, um zum wahren und wahrhaftigen Kurfürsten zurüffzukehren. Irret euch nicht. Hr. Hassenpflug hat sieben Jahre lang in Hessen gefälscht, zur Ehre deS Kurfürsten und Gotteâ gefälscht, — — die Revolution deS Jahres 1848 ist dennoch cingetreten.
Wenn der Kurfürst, den unsere Verfassung enthält, nicht der wahre und wahrhaftige Kurfürst ist, wenn daS bloö ein Spuk, ein Ge- spenst ist, — einen besseren, einen wahreren Kurfürsten werdet ihr nie wieder sehen. Ihr wollt den Versuch machen? Der nächste Wahlkampf soll ein Stück des großen Kampfes um den warhafligen Kurfürst sein? Wohlan! Das Volk wird euch antwortens Da ihr aber
mals versucht, den Kurfürsten zu fälschen, so erklären wir euch, daß wir der Fälschungen satt und müde sind, daß wir auf euren Kurfürsten Verzicht leisten.
DaS Volk wird Hrn. Hassenpflug durch Republikaner antworten! DaS Volk wird erklären, daß eS sich für die Folge seine Regierung selbst zu ordnen wünsche.
Auch der Gott deS Hrn. Hassenpfluz ist gefälscht. Der Gott des Hrn. Hassenpflug ist nicht der Gott, den daâ freie Herz bekennen kann in freier Liebe, sondern eS ist der Gott der finstern Knechtschaft, der Gott der Verdummung, der Gott der Ketzergerichte und der Hexen- Prozesse. Gegenüber dem Gott deS Hrn. Hassenpfluz gibt eS kein freier Mann, kein Mannesstolz und keine Menschenwürde, kein Fortschritt und keine Zukunft.
Von dem Gotte deS Hrn. Hassenpflug wendet sich das Volk mit empörtem Herzen ab. So tief will daS Volk nicht wieder gedemüthigt, so mitten in der Seele gebrochen, so verspottet und armselig will eS nicht wieder sein, wie eS in den Tagen war, da in Hessen der Gott des Hrn. Hassenpflug am Regimente saß.
Möglich, daß ihr in dem Gott deS Hrn. Hassenpflug den wahren und wahrhaftigen Gott findet, — daS Volk versteht euch nicht, ihr seid Stimmen aus den Gräbern, ihr redet mit fremden Worten, euer Antlitz trägt die Farbe der Todten.
Aber appellirt nur an das Volk für euren Gott, für eure» Glauben. Ihr werdet auch hier eine Antwort erhalten, ihr werdet sie erhalten durch dieselben Republikaner, die einen Protest gegen die fürstliche Herrschaft überhaupt abgebco.
Unser Glauben soll die That deS freien HerzenS, unsere Regierung die That deS freien Geistes fein.
Für uns, oder wider uns!
Schleswig-Holstein.
(SchleSwig-holsteiusche Denkschrift.) Um unsere Leser ganz über den Standpunkt aufzuklären, von welchem auâ die provisorische Regierung SchleSwig-HolsteinS und Willisen den Krieg gegen Dänemark führen, theilen wir hiermit die betreffenden Stellen auS der schleswig-holsteinischen Denkschrift über den preußisch-dänischen Friedensschluß mit:
Sowohl die Regierung als die Landeseinwohner haben während zweier Jahre schweren Kampfes genugsam gezeigt, daß sie von Achtung vor den Rechten ihres angestammten Landesherrn durchdrungen sind. Es ist zwischen dem Lande und dem König-Herzog kein Streit über die Ausdehnung der landesherrlichen Prärogative, kein Streit über ein geringeres oder größeres Maaß von Freiheit. Der Streit ist nicht, ob die Herzogthümer ihrem Landesherrn, sondern bloß, ob fie dem Dänische» Volke uno seiner Hauptstadt mehr oder weniger Unterthan sein sollen. Wenn in diesem Streite mit dem Königreich Dänemark die Herzogthümer ihren Lan- desyerrn nicht auf ihrer Seite seyen, so ist es genügend bekannt, daß derselbe durch die Kopenhagener Umwälzung vom 21. März 1848 von ihnen gerissen wurde und daß dieselbe revolutionäre Partei auch noch jetzt mit dem Ministerium die Krone beherrscht.
Die Bereitwilligkeit der Statthalterschaft, den Streit in friedlicher Weise auszugleichen , ist eben so bekannt, als die dreimal schon an den Tag gelegte Unversöhnlichkeit Dänemarks. Selbst nach dem Ausbruche des Kampfes beabsichtigt die Statt- hallerschafl nicht, jeden Versohnungsversuch zu verschmähen, ihre Nachgiebigkeit wird aber stets da aufvvren, wo das im März 1848 in Kopenhagen zur Geltung gebrachte revolutionäre Prinzip, welches sich jetzt mit der alten Gesammtstaatèpolilik' verbunden hat, anfangl
Eine üttlbjährige Geschichte zeigt, daß die Herzogthümer mit gleicher unverbrüchlicher Festigkeit und Lreue an ihrem Fürstenhause, an ihren staal.ichen Rechten und an Deutschland festgeyallen haben, daß sie niemals eine ihrer Verpflichtungen gegen Dänemark gebrochen yabcn. Die ältere und neueste Geschichte legt .s offen dar, daß sie in sich selber die Garantie für die Erhaltung des monarchischen Prinzips und der bürgerlichen Ordnung tragen, und gerüstet sind, eine Stütze derselben auch für das übrige Deutschland zu werden. . ,
Also die Dänen sind die Rebellen, die SchleSwig-Holsteiner tue Konservativen; im Namen deS allen Fürstenrechts des Herzogs von