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Kassel, Donnerstag den 25. Juli

Wr-172

1850

Die letzte Karte

gegen Deutschland wird in der Kürze von den Potentaten auSgespielt werden. In den HundStagen deö JahreS 1806 legte der Kaiser von Oesterreich die deutsche Kaiserkrone nieder, in den HundStagen des Jahres 1850 wird daS deutsche Reich überhaupt niedergelegt werden.

Hr. von Blitterödorf erklärt in derO.P. A. Z.", daß es nun endlich an der Zeit sei, die Bundesversammlung in bester Form wie- derherzustellen, damitdie alten Traditionen wieder ihren Einzug hal- ten^(!!!) und man dem Königreich Preußen imfaktischen Voran­schreiten " nicht nachstehe.

Die Worte des Hrn von Blitterödorf sind verständlich, aber verständlicher noch ist die Erklärung Oesterreichs, daß nur die Bundes­versammlung berechtigt sei, den dänischen Frieden zu ratificire».

Oesterreich verweigert jede andere Form der Ratifikation. Es verweigert dieselbe nicht für sich allein, sondern für alle großdeutschen Regierungen; zwingt also Preußen, endlich offen und unumwunden mit seinen Plänen ans Licht zu treten.

Preußen hat den Friedensvertrag den einzelmn Regierungen zu- gesandt, Oesterreich erklärt, daß dieser Weg ungesetzlich sei. Die verbündeten Regierungen werden also dem preußischen Kabinet keine ___Antwort zukommen lassen, der Krieg zwischen dem Bunde und Däne­mark ist also nicht beseitigt.

Es fällt uns nicht ein, zu wäbnen, Oesterreich werde die von Preußen verlotterte, im Stiche gelassene deutsche Natioiialehre wieder erobern; es handelt sich bei dieser österreichischen Ventilation blos um eine anständige Stimulation und Entschuldigung für den preußischen Eintritt in den B u n d.

Die Ratifikation des Friedens bleibt dem deutschen Bunde vor­behalten. Wird Preußen unter solchen Umständen auf die Gültigsprc- chung seines Vertrags Verzicht leisten? Wird eS erklären, daß es dann dem deutschen Bunde überlasse, den Krieg aufs Neue zu beginnen, daß eS seinerseits aber neutral bleiben werde? Wird es wirklich in einem Nationalkampfe abermals die Rolle spielen, die es in der Zeit seiner größten Schmach/ in den Tagen Napoleons, gespielt hat? Wird es nicht vielmehr kein Opfer scheuen, um die Ratifikation des Friedens zu Stande zu bringen, um die Schmach und Schande deS Friedens auf alle Schultern der deutschen Potentaten zu vertheilen. Wird es den Gothaern nicht erklären, daß eS bis an die Grenze des Möglichen gegangen sei, daß es aber in seiner jetzigen kritischen Lage nachgiebig sein müsse? Werden die Gothaer nicht damit einverstanden sein?

Die Ehrlosigkeit deS Friedens ist èercitS erwiesen, wer wollte sich gegen ihre Folgen stemmen? Preußen wir haben eS schon früher gesagt! ist unfähig geworden, eine Opposition zu machen, die Erinnerung an den deutschen Verrath, die Schaamröthe auf dem Gesichte hindert cs, mit den deutschen Regierungen ein ernstes Wort zu reden. Die Tage Preußens sind vorüber.

Die Katastrophe ist unausbleiblich. ES gibt nur noch die Alter­native: Entweder tritt Preußen unumwunden in die Bundcöversamm. lung und quittirt damit die Union, oder ratifizirt den Frieden im Namen der Union und duldet, daß ihn Oesterreich im Namen deS deutschen Bundes ratisizire.

Der letztere Fall ist der wahrscheinliche, ist der, welchen Hr. Blitterödorf wünscht, eS ist derselbe, welcher Deutschland zu dem Ziele flirrt, daS ihm von Rußland auS gesetzt ist.

Die Dinge stehen dann s o : Oesterreich ratifizirt den Frieden in bundesrechtlicher Form, nicht bloü für die bundeSgetreuen Regierungen, sondern auch für die Union. Damit ist der Bund eine vollendete Thatsache geworden, damit ist zu gleicher Zeit erklärt, daß man Preu­ßen rc. nicht für außerhalb stehend betrachtet, sondern nur fürnicht vertreten". Die Ratifikation des Friedens durch die Union wird als

überflüssig oder unschädlich ignorirt. Superflua nein nocent. Die Restauration des Bundestages wird auf diese Weise hereingeschmug- gelt. Der vollendeten Thatsache gegenüber wird die Union, die ohne­dies bereits zum Wrack geworden ist, keinen andern Ausweg finde», als in den Frankfurter Hafen zu treiben. Preußen wird seine dünkel­hafte Rolle zu Ende gespielt haben.

DaS protestantische Königreich hat keine Ursache mehr, spröde zu thun. ES ist bereits zur Dirne herabgesunken. Ohne Zweifel wird man ihm für diese Selbstschändung eine kleine Vergütung zahle», wahrscheinlich sogar, daß ihm Oestcrrich aber nur unter Vorbehalt gewisseralter Traditionen"! einen Wechsel im Präsidium anbietet.

Oder sollte Preußen dem Eintritt in den Bund einen Protest gegen den Bund vorziehen? WaS für ein Protest? Die Ratifikation deS Fricdeö durch die Bundesversammlungals solche" enthält ma­teriell nichts Unzulässiges, sondern nur formell. Die einzelnen Fürsten vereinigen sich unter Oesterreich, die Ratifikation im alten Style abzumachen, wie sie Preußen im neuen abmacht. Wer kann dagegen etwas einzuwenden haben? Daß sich diese Fürstenversammlung Bundesversammlung nennt, ist überflüssig, aber unschädlich. Super- ilua non nocent.

Erst in dem Augenblick, wo der Bund in materieller Bezie­hung seine Thätigkeit entfaltet, wurde ein Protest Preußens von op­positioneller Wirkung sein. BiS dahin aber hat sich die unschädliche Bundesversammlung" eingebürgert, wie sich daâ Interim einbürgerte, bis dahin hat man sich an den alten Styl gewohnt, wie man sich an den neuen gewöhnte.

Dem deutschen Volke gegenüber braucht man nur mit einer ge­wissen Klugheit, hinter einem gewissen Feigcnblatte aufzutreten, man braucht nur nicht gleich mit den Tatzen zuzuschlagen, daS Wei- tere findet sich dann, der Deutsche wird schnell genug zutraulich werden.

Meint ihr, die Bundesversammlung müsse auS ihrem formellen Gebühren so schnell zu materiellen Gewaltsschritten vorschreiten, daß daS deutsche Volk zurGewöhnung" keine Zeit habe?

Hr. v. Blitterödorf antwortet, daß sich schon noch sonstige An- gelegcvheiten finden würden, die eben so unschuldig wären, als die Ratifikation des dänischen Friedens. Hr. v. Blitterödorf muß daâ am besten wissen.

Wir unsererseits begnügen uns, die Aufmerksamkeit unserer Leser auf ein neues fürstliches Kunststückchen gelenkt zu haben. Es ist leider in den HundStagen auSgeheckc.

Die Gothaer haben sich auch wieder durch dendänischen Frieden" übertölpeln lassen.

^ Altona , 23. Juli. Der mitgetheilte zweite Armeebericht des Gcneralkommando'S hat hier eine große Sensation erregt. Die Ansichten darüber sind jedoch sehr getheilt. Die Einen sind erschrocken und wollen aus dem Berichte den Beweis schöpfen, daß Willisen ein gefügiges Werkzeug in den Händen der zum Unterhandeln stets geneigien -Statthalterschaft sei; Andere lachen sich heimlich in'S Fäustchen, weil sie darin eine Kriegslist (?) Willisen's sehen, welche bezwecken soll, die Dänen bezüglich ihrer Kriegsoperationen irre zu führen; die Dritten und daS sind unsere feigen, indifferenten Bourgeois, welche den Frieden a tont prix wollen - jauchzen in der freudigen Erwartung, General 23.ni)en würde nun schon morgen oder späte­stens übermorgen mit der FriedenSpalme zurnckkehren. Die rich­tigste Ansicht dürfte wohl die erstere sein, nämlich die, welche die Vermuthung hegt, daß General Willisen von Seuen der Sia thalter- schaft die Hände gebunden sind. Eine Thatsache, welche geeignet ist, diese Vermuthung zu bestätigen, ist mir gestern auS ganz sicherer