pedttion (ober« Emrnqaßk Nr. U2^ pt 0 HIr Durch alle Postämter ^ beerben Inserate die dreispaltige PetUzeiie 8 Hlr,
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Kassel, Mittwoch den 24. Iuü
1850
Der ilrtcß für die Union.
Die Union ist gescheitert, daS ist eine Thatsache, die Niemand mehr leugnen kann Der König von Preußen hat sich der Erfurter und Gothaer entledigt, der dänische Waffenstillstand gibt ihm daS Zeugniß, daß er der Habsburger Gesellschaft würdig sei. Aber nein! BiS zu jener bodenlosen Erbärmlichkeit ist die Habsburger Politik niemals herabgesunken, der Kaiser von Oesterreich hat zwar die Russen in seine Provinzen gerufen; aber Lüge, Betrug, Täuschung und Je- suitiâmuS haben doch in Oesterreich eine ernstere Bedeutung behalten, alS im Königreiche Preußen.
Die Union ist gescheitert. Um so einfältiger klingt die Behauptung unserer Neuhcssischcn, daß ein Krieg für die Union bedeutende Chancen für sich gehabt hätte, daß Rußland ruhig würde zugesehen haben, wenn sich Preußen und Oesterreich in die Haare gefallen wären.
Diese Gothaer Behauptung ist der stümperhaften Politik der Ho- henzollern angemessen. Diese Flachköpfe wollen noch immer nicht einsehen, daß die Union nur eine von den Fallen war, welche die Contre- revolution der Revolution gestellt hatte, daß die Erfurter-Gothaer selbst nur Maschine waren, daß vom März 1848 die ganze Bewegung nach einem Plane durchkreuzt, nach einem Ziele hingelenkt wurde. Diese jämmerlichen Staatsmänner sehen nicht ein, daß der russische Opcrationsplan nicht erst mit dem letzten dänischen Frieden, sondern daß er begonnen hat mit dem Borparlament selbst.
Preußen und Oesterreich im Kampf um die Union! Wir leugnen nicht, daß ein solcher Kampf möglicherweise hätte entstehen können, wir hoffen cs aber klar zu machen, daß die Ehre dieses Kampfes in die Waagschale Oesterreichs gefallen wäre.
Die österreichische Verfassung, die Centralisation des Kaiserreichs war eine unabweisbare Nothwendigkeit. Aber noch nothwendiger war die Behauptung seiner früheren Stellung in Deutschland. Wir haben schon früher gesagt, daß Oesterreich durch eine blos äußere Verbindung mit Deutschland geradezu russifizirt worden wär, d. h. sich selbst auf- gegeben haben würde. Auf der andern Seite war der Eintritt deS ccntralisirten Oesterreichs in den deutschen Staat eine Absurdität, eind Vernichtung Deutschlands.
Oesterreich hatte keine Wahl. WaS ging ihm Preußen, waâ ein einiges Deutschland an? NöthigenfallS mit Gewalt mußte eS den alten Bund erzwingen, sich den einzig möglichen Rückhalt für die Zukunft schaffen.
Und Rußland? Oesterreich war centralisirt. Diese Centralisation ist eine Lüge oder die Revolution. Auch daS centralisirte Oesterreich ist nichts alS die innere Verschwörung, als die Empörung der Slaven, der Magyaren rc. So wie so, Oesterreich liegt den Russen alle Tage offen, zu jeder Stunde läßt sich das alte Reich auö allen Fugen reißen. Das weiß Kaiser Nikolaus sehr wohl. Warum sollte er also sein Augenmerk nicht wesentlich auf Deutschland, auf die andere, weniger sichere Beute gerichtet haben?
Die Union, das halbe Deutschland, war zwar lebensunfähig von Hauö auö, sie war aber eine revolutionäre Idee, eine Concession. Die Union war ungefährlich alü solche, bedenklich aber als Demonstration. Die Union mußte nothwendig ebensogut vernichtet werden, als man daS Frankfurter Parlament vernichtet hatte.
Diese contrcrcvolutionäre Nothwendigkeit traf mit dem Interesse Oesterreichs zusammen. Wir, und der Kaiser von Rußland sollte wirklich ruhig zugeschcn haben, wenn Oesterreich einen Kampf begonnen hätte gegen die Union? Seid ihr blind, taub, blödsinnig? Ein Sieg Preußens gegen Oesterreich hätte nicht bM ein einiges Deutsch- land geschaffen, sondern auch die Centralisation Oesterreichs vernichtet, d. h. er hätte Rußland auf zwei Seiten geschlagen, in zwei Spelu-
lationcn getäuscht. Ein Sieg Oesterreichs hätte aber dem Czaaren Alles errungen, Alles, hätte ihn in seinen schönsten Erwartungen übertroffen.
Nicht Preußen war kriegslustig für die Union, sondern Oesterreich war es gegen dieselbe. Und daö ist der Grund, weshalb der Czaar in Warschau den Brutalitäten, den Herausforderungen, dem Hohne Oesterreichs Einhalt gebot,---Rußland wollte diesen Krieg noch nicht. Mit all' seiner Macht wäre es aufgestanden, wenn Preußen den Krieg gewollt hätte, die österreichische wäre mit der russischen Armee zugleich in Preußen eingetroffen, — wozu aber eine Herausforderung Preußens von Seiten Oesterreichs unterstützen, wenn man weiß, daß für Preußen schon gelindere Mittel ausreichend sind?
Die Mißhandlung des österreichischen Gesandten auf dem Warschauer Congreß würde, wenn sie erwiesen wäre, nichts beweisen, als daß Oesterreich schon vollends Vasall Rußlands und daß Preußen erst auf dem Wege zu diesem Ziele ist. Man heischt also von Oesterreich, daß es sein Schwert in der Scheide lasse, weil man mit seinem Gegner noch ein paar Worte sprechen wolle, um die Affaire in Ruhe beizulegen.
Die Sache ist in Ruhe beigelegt, sie ist so beigelegt, wie Rußland eS gewollt hat. Der dänische Frieden gehört mit zu diesem Arrangement. DaS entehrte Schwert Preußens, daö in Schande und Schmach getauchte Schwert der Freiheitskriege liegt am Boden, Preußens Heer ist bis zum Tode gevemüthigt worden „Nieder mit Dir, auf die Knie vor mir t" — also ruft der Kaiser von Rußland einer Weltmacht zu — „ nieder in Schande, entehrt, dem Gelächter, der Verachtung der Welt preisgegeben !" «Der Hoheuzollern und sein herrliches Kriegsherr zöge n nicht.
Das Spiel ist gemacht. Und diese Falstaffe von Preußen wollen noch ein einiges Deutschland erkämpfen?
Oesterreich steht Preußen gegenüber als Held da. Es hat alle preußischen Offerten, alle Vermittelungsversuche kurz und bündig ab- gewicsen, die Unterhändler mit Fußtritten behandelt, eö hat Preußens Ehre herauögefordert, — Preußen hat daö Schwert in der Scheide gelassen, eS ist in den Hundcstall gekrochen.
Und daâ Alles, glaubt ihr, sei geschehen gegen den Willen Rußlands? Armselige Stümper in der Diplomatie. Oesterreich centralisirt, Deutschland durch Oesterreich gesprengt, Preußen zum Schurken herabgewürdigt, — wer ist so kurzsichtig, daö Resultat zum Nach- theile Rußlandâ zu deuten.
Ein Krieg für die Union war eine Gothaer Schwindelei, der Krieg gegen die Union ist, Dank Preußen, unnöthig geworden. Preußen ist eine russische Commandite.
Schleswig-Holstein.
Schleswig, 21. Juli. — General Willisen hat sein Hauptquartier in Falkenburg, eine Meile nördlich von hier, auf der Straße nach Flensburg. Von dort auö hat er eine Proklamation an die Soldaten erlassen, folgenden Inhalts: der Tag der Entscheidung sei da; auf das von dänischer Seite gestellte Verlangen der Unterwerfung, auf die Versprechungen der königlichen Proklamation sei nicht einzu- gehen. Er werde jedenfalls bei seinen Soldaten auöharren.
So lautet eine tel. Depesche der Zeitung für Norddeutschland. Die Red. setzt hinzu, daß der letzte Satz durch ein Gewitter unterbrochen und daher nicht genau zu verbürgen sei. Glauben wir auch ohne die Unterbrechung und ohne das Gewitter.
Altona, 22. Juli. Nachmittags 2 Uhr. Die lithographische Korrespondenz bringt in diesem Augenblicke folgende Nachricht:
Der Kampf hat an drei Stellen zu Wasser und zu Lande 'kgon- vku. DaS l. JägerkorpS ist im Kampfe gewesen m>d hat