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Dritter Jahrgang.
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Herr Oetker und die Hornisse.
Der Hr. Prokurator Oetker, der sich bekanntlich dermalen in Anklagezustand wegen Beleidigung unserer Regierung befindet, hat zur besseren „Stimmung der Geschworenen" eine Zusammenstellung der Hassenpflugschen Thaten und Reden gemacht. DaS opus lautet: „Minister Haffenpflug und die kurhessische Volksvertretung." Der Inhalt deS Werkes ist allbekannt und hat kein weiteres Interesse, als daS der Bequemlichkeit für die Geschwornen. Nur die Hornisse hat leider die Pflicht, sich um daâ Werk ein paar Augenblicke kümmern zu müssen.
Der Hr. Prokurator Oetker citirt Seite 103 auS der „Erfurter Zeitung" einen Artikel, worin die Hornisse in gewöhnlicher Gothaer Manier abgefertigt wird. Zu diesem Artikel macht der Hr. Prokurator folgende Note:
„Für Haffenpflug hatte die Hornisse Anfangs die größten Lobsprüche. Sie nannte ihn z. B. in Nr. 49 (1850) „einen Mann von Geist und Eleganz", mit dem „ein warmer, wirklicher und lebendiger Kampf" möglich sei. Hr. Vilmar verfehlt nicht, in seinem Volks- freunde dergleichen Komplimente zu erwiedern, und so lobten sich die beiden äußersten Seiten eine Zeit lang ganz erbaulich — alleâ der guten Sache wegen und auS Haß rc. gegen die Konstitutionellen."
Diese Note enthält eine „ Verdächtigung " der Hornisse mittelst einer „Lüge". Wahr ist, daß wir Hrn. Haffenpflug einen Mann von Geist und Eleganz genannt haben. Gelogen ist, daß sich die äußersten Seiten eine Zeitlang ganz erbaulich gelobt hätten.
Herr Haffenpflug hat Geist und Eleganz. Wir sind nicht so kriminalrechtlich unüberlegt, nicht so fanatisch und haßverblendet, um daS Wenige an einem Gegner nicht hervorzuheben, was ihn einigermaßen deS Kampfes würdig macht. Oder hat Herr Haffenpflug keinen Geist? Wie? Hat Hr. Haffenpflug die Ständekammer nicht auf eine wahrhaft brillante Weise übertölpelt? Als der Greifswalder inS Land kam, riefen die Herren der Rechten freilich, daß sie diesmal klug und weise sein und dem Minister seinen krummen Weg verlegen wollten. Was geschah? Die Stände sind noch nie so genassührt worden, so eii canaille, als dumme Jungen behandelt worden, als in diesem Jahre.
Hr. Haffenpflug hat also Geist. Hr. Haffenpflug hat auch Ele- ganz. Aber eS ist der Geist und die Eleganz deS politischen Beelzebub, jener teuflische Geist, gegen den man nicht mit den konstitutionellen Pülverchen und Stecknadeln, nicht mit jenen lumpigen Prickeleien und Sticheleien kämpfen muß, sondern den man mit Keulen todtschlagen, gegen den man nicht blos reden, sondern auch handeln muß.
Hat die Hornisse in diesem Kampfe den Feigling gespielt? Wer hat diesen Mann richtiger beurtheilt, ihr oder wir? Freilich sind wir so fluj und ehrlich gewesen, die Fälscherei deS Hrn. Hasscn- pflug erst inS Spiel zu ziehen, nachdem ein Gericht daS Schuldig gesprochen hatte, freilich haben wir die Neuhessen wegen ihrer lumpigen, ohnmächtigen Wuth in tiefster Seele verachtet, aber eine Lüge ist es, zu behaupten, wir hätten Hrn. Haffenpflug gelobt, und eben solch' eine Lüge ist es, zu sagen, Hr. Vilmar hätte uns gelobt.
Die beiden „äußersten Seiten" kennen sich. Der einzige Unterschied in ihrem gegenseitigen Hasse besteht darin, daß Hr. Vilmar und todt beten möchte und wir der Hassenpflug'schen Partei ein anderes Ende prophezeien.
Immer und immer werden wir bei unserer Erklärung stehen bleiben : „Lieber als Eberhard ist und Haffenpflug, lieber als die Halbheit und Feigheit ist uns die Frechheit und offene Gemeinheit, lieber als die Eberhardsche Reform ist und die Haffenpflugsche Contrerevolution, — wenn aber Hr. Haffenpflug darin ein Lob findet, so braucht Hr. Haffenpflug nur daran zu denken, wie oft,
und mit welchen Worten wir ihn unserer vollsten Verachtung versichert haben."
Der „ VertheidigungSschrift" OetkerS verzeihen wir die Verdrehung und Verdächtigung unserer klaren Worte. Hr. Oetker, der Angeklagte, hat ein Recht auf daö Entstellen der Thatsachen. Unsern Lesern waren wir diese Erklärung schuldig.
Schleswig-Holstein.
C Hamburg, 20. Jul. — Ein Zusammentreffen der beiden feindlichen Heere hat noch nicht stattgefnnden, dagegen deutet Alles darauf hin, daS ein solches in den nächsten Tagen auf den zwischen Flensburg und Schleswig liegenden Höhen von Idstedt Vorkommen wird. Die Dänen ziehen von Osten und Norden gegen Flensburg zu, wo sie sich concentriren, und ihnen gegenüber stehen die Schleswig. Holsteiner und versperren ihnen den Weg gegen Süden. Der zweite Armeebefehl des General Willisen macht vieles Aufsehen. Es wird darin gesagt, daß das Heer zwar bis Bau hätte vordringe» können, was unleugbar strategische Vortheile gehabt hätte, daß man aber, um den Dänen Gelegenheit zu geben, ihre vorgebrachte Friedensliebe zu beweisen, unter Flensburg stehen geblieben wäre. Ob daS ein poli- scheâ Manöver sein soll, um den auswärtigen Mächten den Unterschied zwischen der Sprache der Proklamation und der Handlungsweise der Dänen zu zeigen, oder ob die Dänen etwa aus st r a t e g i sch e n Rücksichten vom Meer abgelockt werden sollen, steht dahin. Aber unmög- lich ist es nicht, daß Willisen aus falsch verstandenen politischen Rücksichten es unterlassen hätte, die Verbindung der verschiedenen dänischen Truppentheile zu einem Ganzen zu verhindern. — Beide Heere haben durch die enorme Hitze der letzten Tage sehr gelitten. Auâ den Her- zogthümern wird der Wunsch um Menschenkräfte ausgesprochen, da eö in diesem Augenblick, wo die ganze junge Mannschaft unter den Waffen steht, an Händen gebricht, um die bevorstehende Erndte einzunehmen.
r« Altona, 20. Juli. — Also doch wieder die alte Leier. Anstatt zu handeln wird unterhandelt. Wie auS dem neuesten zweiten Berichte des Generals v. Willisen hervorgeht, hat man sogar militärische Vortheile unbenutzt gelassen im Vertrauen auf ein für die Herzogtümer günstiges Resultat der schwebenden FriedenSuuterhand» lungen. Der Bericht lautet wörtlich: „Die Bewegung der Armeen am lOten ist ganz so auSgeführt worden, wie sie in meinem ersten Berichte angedcutct war. Die starken Abschnitte von Jdstädt und WedelSpang sind von den Vortruppen besetzt und die ganze Armee hat sich heute, am 16., dahin konzentrirt. Bei Missunde ist eine Brücke geschlagen und so der Armee eine doppelte OperationSlinie gesichert. Dürfen nur militärische Rücksichten über das entscheiden, waS zunächst zu thun ist, so wäre nichts vortheilhafter, als die Bewegung bis Bau fortzusetzen, und so dem Feind seinen wahrscheinlichen strategichen Aufmarsch zu stören. (!) ES scheint aber angemessen, diesen großen militärische »Vortheil zu opfern, (!) um die Aufrichtigkeit de r Gesinnung, welche eine friedliche Lösung stets gewollt und noch will, auf daS Unwiderlcglichstc darzuthun." — „Was bisher nun Militärisches geschehen, darf wohl auf keine Weise als eine Agressio» angesehen werden. ES ist nur ein kleiner Theil deS Landes besetzt worden, worauf man volle Ansprüche(!!) hat, und meiot eS der Gegner ehrlich mit seinen Versöhnungövorschlägen, so ist nichts geschehen, waS ihm den Vorwand geben dürfte, davon zurückzutretcn." — „ Die cingetrctcne große Hitze erschwert die Bewegungen der Truppen in hohem Grade, doch wird dieselbe mit Festigkeit ertragen und die Truppen befinden sich im besten Zustande.
Hauptquartier Schleswig, den 16. Juli 1850.
Der kommandircnde General (gej.) v- W illi srn."