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Dritter Jahrgang.

Erjcheint täglich, MsntagS ausgenom­men Vierteljährlicher Lbonnemenlspreis 24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex­

pedition (obere Enrenqakse Nr.' I -2) zu 6 Hlr Durch alle Postämter bezi.-hen. Inserate die dreispaltige Petitzeöe 8 Hlr.

W'-L«S. Kassel. Somilag den 21. Juli 1830.

Demokraten! unterstützt Schleswig-Holstein!

Demokraten! Mit euren Leibern, mit eurem Blut habt ihr die Sache der Freiheit geschützt, und mit eurem Hab und Gut die Revo­lution, und nach ihrem schmählichen Untergang ihre heimathlosen flüch­tigen Kämpfer, unsere edlen, unglücklichen, darbenden Brüder in fremden Landen unterstützt. Während die Konstitutionellen, die reichen Spießbürger, mit heimlicher Schadenfreude daS jammervolle Elend der Vertriebenen als warnendes Exempel ausbeuten, und zugleich mit ihrem Mitleiden ihren Geldbeutel verschließen, hat der arme demokratische Arbeiter Alles geopfert, waâ er opfern konnte, um seine Brüder vom Hungertod zu erretten. Vergebens! Die Quelle versiegt. Die Hand erlahmt im Geben. Der Opfer werden zu viele, der Opfern­den zu wenig! Der Jammer der Verbannten übersteigt die Kraft der Hülfe! Ihr Reichen! habt ihr dafür Nichts von eurem Ueber- Mr habt ihr dafür keine Unterstützung? Habt ihr von eurem Reichthum keinen Pfennig für die Männer, die euere Feigheit für Muth, die eueren Märzrevolutionâspaß für Ernst, für blu­tigen Ernst genommen? Wie, solltet ihr? Ihr hieltet eS nie­mals mit der vollen ungezähmten Kraft begeisterter Herzen, ihr hieltet eS niemals mit dem blutigen Ernst des letzten Zieles, nLlUals mit Helden und Heldenthaten der ganzen Revolution. Ihr haltet es lieber mit Gotha, mit Erfurt, mit Schleswig-Holstein, mit Allem, waâ in sich seinen Untergang trägt; ihr haltet es lieber mit der Zweideutigkeit, mit der Halbheit, der Schwäche, und dadurch mit dem Verrath. Die Sorge und den Gram um die absolute Freiheit und um ihre verstoßenen Kämpfer überlaßt ihr der Demokratie. Die große Stunde wird kommen, wo die Demokratie diese ihre hei­ligste Pflicht mit ihrem Herzblut lösen wird.

Demokraten! Trotz der schweren Opfer, die ihr gebracht trotz der noch größeren, die ihr im Dienst des Prinzips noch bringen müßt rufen wir euch zu einem neuen. Ein Bruderstamm ist von Verrath umgart; in den Reihen seiner Armee, auf seinen Regierungs- seffcln, an seinen Grenzen in Nord und Süd lauert der heimtückische, der schändlichste Verrath, den die Geschichte kennt, der Verrath der eignen Waffenbrüder. Herbei mit eurem ersparten Schcrflein, ihr Arbeiter, damit ein Brudervolk vor diesem Verrath mit Ehren im blutigen Kampfe unterliegen kann. Nicht für seinen Sieg sollt ihr opfern, sein Sieg ist unmöglich, nur für sein ehrenvolles, helden- kühneâ Sterben. Euer Opfer ist ein Todtenopfer! Der Freiheit hatten wir blutige Gräber gegraben; dort in Wien in der Brigittenau, dort in Pesth, dort im Friedrichshain zu Berlin und in den Festungö- gräben von Rastatt. Und als daö Blut unserer Wunden vertrocknet war, haben wir sie heimlich genetzt mit unsern brennenden Thränen. Jetzt grabt ein weites Grab dem deutschen Vaterlande dem Genius, der ton der stolzen Freiheit wiedcrerwcckt, nach ihrem grau­samen Tode schutzlos von seinen Mördern zerfleischt wird, der ver­lassen von seiner einzigen Retterin, verkauft von seinen eignen Freun­den in Gotha und Erfurt, langsam unter unzähligen Oualen von den gekrönten Banditen hingeschlachtet wird. Grabt ein neues Grab. Haltet ein ucucâ Todtenopfer bereit!

Demokraten! der russische Czaar hat geboten: Schleswig soll dänisch fein und Holstein soll gezüchtigt werden für seine Empörung gegen seinen dänischen Gewalthaber. Der russische Czaar hat im Na- men der vereinigten europäischen Tyrannen befohlen, Deutschland soll zerrissen sein und bleiben. Und so wird cd werden. Schleswig wird dänisch werden, - Holstein wird gezüchtigt werden, Deutschland wird zerrissen werden grausamer, tückischer, schmachvoller, als jemals. Und,die Geschichte wird schweigend diesen neuen Schimpf teutscher Ehre, deutscher Nationalität und F-eiheit auf jenes übervolle Blatt

eintragen, das bereits mit unserer bkutrothen Schande so vollgeschrie- ben steht, in jenes Protokoll, auS dem wir dereinst am großen Tage der Rache die Anklageakte und das Urtheil der Verbrecher schöpfen werden.

Demokraten! Wenn wir Schleswig-Holstein im Kampf gegen Dänemark unterstützen, so geschieht um den Kampf gegen fürstliche Willkür und Unterdrückung, um den Kampf gegen die Tyrannei deS europäischen Fürstenthums als rechtmäßig anzuerkennen um dort, wo Halbheit und Verrath unser Schwert zurückweis't, wenigstens durch unsere Beisteuer diesen Verrath, die Ausführung seiner höllischen Pläne erschweren zu helfen, um den tapfern deutschen Muth unseres Bruderstamms zu ehren und dem sterbenden Vaterland und der todten Nationalhoheit unsern schwachen Tribut als Todtenopfer zu Füßen zu legen.

Wir fordern alle Demokraten deßhalb auf, überall Beiträge für die Sache Schleswig-Holsteins zu sammeln und UnterstützungS-KomitëS zu errichten. Aber Demokraten, vergeßt dabei unsere Ver­bannten nicht! *)

*) Wir haben kein Bedenken getragen, diesen Aufruf in unser Blatt einzu- rücken, obwohl wir mit dem Verfasser den Ruf voranffeUen:Vergeßt unsere Ver­bannten nicht, unsere Mitkämpfer im demokratischen Streite!"

Die Redaction.

Schleswig-Holstein.

Hamburg, 18. Juli. AuS dem ersten Armeebericht (vom täten) an die Statthalterschaft entnehmen wir Folgendes:

Die Armee conccntnrte in den Tagen am 13. und 14. sich mit einer Brigade bei Kiel, mit dem GroS bei Rendsburg. Zunächst schien es nöthig , die seit Jahr und Tag entwaffneten und verlassenen Werke von Eckernförde wieder zu besetzen. Zu dem Ende wurde der ganze dazu nöthige Artilleriepark am 13. früh von Rendsburg auS in Be­wegung gesetzt. Zugleich rückte die Avantgarde der Brigade von Kiel am 13. bis Gottorf vor. Bei völliger Windstille wäre eS den dä­nischen Schiffen, auch wenn sie gewollt hätten, nicht möglich gewesen, in daS Innere deS Hafens zu kommen, um sich etwa vor die unbe­waffneten Batterien zu legen und so ihre Armirung unmöglich zu machen, die nun unter diesen günstigen Umständen binnen 24 Stunden völlig vollendet wurde. Es ist durch diese Bewegung zu gleicher Zeit die im innern Hafen liegende FregatteGeston" vollständig gesichert. Am 14. ist die Avantgarde bis auf den halben Weg gegen Schleswig vorgeschoben, Eckernförde vollständig besetzt, bei Missunde eine Brücke geschlagen, und Spitzen nach allen Richtungen, nach Schwansen und Angeln vorgeschoben worden. Eckernförde wurde am täten, Morgens 6 Uhr, von den preußischen Truppen geräumt. Morgen am 15. wird die Armee ihre Bewegung über Schleswig und Missunde hinaus fort­setzen und den starken Abschnitt von Jdstädt und Wedelspeng mit ihren Spitzen erreichen !"

Äus Schleswig. (W. ZI (Die Stellungen des däni­schen Heeres.) Durch strenge Absperrung ist cd den Dänen gelungen, fast jede Kunde von ihrem Vorrücken und den Stellungen, die ihre einzelnen Truppentheile eingenommen haben, abzuschneiden. ist nur so viel sicher, daß die Dänen in zwei Abtheilungen, von Norden her aus Jütland und von Alsen herüber in daö Sundewitt vorgedrungen sind. Daö erstere Corpâ ist daö, von dem hieß, eS sei schon am 14. in Flensburg angckommcn, eS ist aber bis jetzt noch nicht da, und eine über Schleswig eingehende neuere Nachricht, die Dänen seien in Flensburg cingetroffen, hat sich wieder nicht bestätigt. In Kopen­hagen berechnete man am 17tcn, beide Korps würden sich -ens

am Freitag den töten (heute) vereinigt haben können und daS ene^