Einzelbild herunterladen
 

Ericheint täglich, Montag« autzenow» men Vierteljährlicher LbonnemenkSpreit 24 S-r. Einzelne Nummern in der Ex-

Dritter Jahrgang.

Ml klon (âf Entenqaffe Nr.' 132) yt H'r. Durch alle Postämter er bea-hen. 3«sksate die dreispaltige Petitze-r &

168. Kassel, Sonnabend den 20. Juli 1830.

Was uns in Knrhefsen die konstitutionelle Monarchie bereits kostet.

Kein Wort von den Opfern an Ehre, an Wahrheitsliebe, an Moralität, die wir seit 1830 dem konstitutionellen Schaukelsystem haben darbringen müssen, kein Wort von all' dem Hohn, all' dem Schimpf und den Gewaltthaten, mit denen unserekonstitutionellen" Vormünder und seit 20 Jahren traktirt haben, um und von unseren konstitutionellen Kinderträumen gründlich zu kuriren. Heute kein Wort von alle dem. Heute nur trockene Rechnenexempel. Waâ kostet und die konstitutionelle Monarchie an baarem Geld seit der ersten kurhessischen Finanzperiode, seit dem Jahre 1831 ?

Antwort: Sechszig Millionen Reichsthaler.

Oder genauer 60,151,000 Thlr. Daâ ist nur bad Sümmchen, bad zu unserer Kenntniß gekommen ist. Das sind nur die StaatsauSgaben bis zum 1. Januar 1850 ohne die mehreren Millionen Papiergelder und die Anleihen, die man im Jahre 1849 und 1850 gemacht hat, ohne daS kleine Defizit von über 600,000 Thlr., daS und Hr. Lometsch bis setzt zu enthüllen für gut befunden.

Im Jahre 18 3 1 betrug die jährliche Staatöeinnahme nur 2,901,621 Thlr., die Ausgabe aber schon 3,149,678 Thkr. Im Jahre 1 8 3 4 belief sich die Einnahme aber bereits auf 3,176,480 Thlr., und die Ausgabe auf 3,280,726 Thlr. Von nun an stieg Einnahme und Ausgabe gleichmäßig in der dritten, vierten und fünften Finanzperiode, d. h. vom Jahre 1 83 7 bis zum Jahre 18 4 6 bis auf 3,890,000 Thlr. In den Jahren 1 8 4 6, 1 8 4 7 und 1 8 4 9 betrug die StaatSeinnahme schon 4,052,570 Thlr., und die Ausgabe natürlich ziemlich ebensoviel (4,047,220). Von Sparen in einer (konstitutionellen) Monarchie ist keine Rede. Im Jahre 18 4 9 wurde dagegen die Einnahme bereits angeschlagen auf 5,527,330 Thlr., die Ausgabe auf 5,524,680 Thlr. So hat sich die Einnahme, d. h. die Steuerlast seit dem Jahre 18 3 1 vermehrt um 2,626,309 Thlr., seit dem Jahre 18 3 4 um 2,350,850 Thlr., seit dem Jahre

18 4 8 um 1,474,760 Thlr. So daß also die totale Steuerlast, die Kosten der Erhaltung der Monarchie Kurhcssen vom 1. Januar 1831 bis zum 1. Januar 1850 über sechözig Millionen Reichsthaler betragen.

Nimmt man für diese 19 Jahre eine Bevölkerung von 700,000 Menschen an in Kurhessen, so kommt auf jeden Kopf durchschnittlich ein Opfer von 80 Thlrn. für die StaatSmaschine. Nimmt man an, daß diese 700,000 Menschen in 140,000 Familien leben, so beträgt das Opfer jeder Familie für die Monarchie in dieser Zeit über 400 Thlr. Rechnet man den durchschnittlichen täglichen Arbeitslohn aus 10 Sgr., die Durchschnittseinnahme der Familie also auf 120 Thlr. jährlich, so mußten jene 140,000 Familien den Arbeitslohn von vier ganzen Jahren opfern für die StaatSmaschine (daS Jahr zu 300 Arbeitstagen gerechnet). Die ganze Bevölkerung Kurhcffenâ mußte also in diesen 19 Jahren 4 Jahre rein umsonst arbeiten, den fünften Theil der ganzen Zeit, die Steuer betrug also den fünften Theil alles Arbeitslohns, d. h. 20 Thlr. deS sämmtlichen Einkommens.

Ueber diese Zahlenergebnisse triumphirt eine Sorte Menschen, die wahrlich zu ihrem Triumph nicht die mindeste Ursache haben, daS sind die Fürstenknechte.Sehet, sagen sie zum Volke, waS dieser konstitutionelle Staat kostet und immer mehr kostet, je länger cd dauert; sehet, tote in diesem Staate die Steuerlast immer höher, immer drückender und unerschwinglicher wird." Aber diese Burschen ver­rathen nicht, daß sie die sauberen Hände sind, die dieses Geldspiel verausgabt haben, oder Gott weiß nai! haben. Sie "wähnen nicht, daß gerade durch den Absolutismus bestimmte Ab­gaben zu einer größeren Höhe herau^eschraubt werden, daß nur die

s. g. Volksvertretung in ihrer jämmerlichen Ohnmacht dem Aufdringea desselben niemals hat Widerstand leisten können. Die konstitutionelle StaatSform ist der Pakt zwischen der Monarchie oder Tyrannei und besitzenden Bürgerklasse. Die Absolutisten wie die Volksvertreter tragen die gemeinsame Schuld der Geldverschleuderung und Verschwendung. Es liegt das im Wesen der Konstitution selbst. Der Konstitution verdanken wir nur, daß wir ohngefähr wissen, waâ unsere StaatSform kostet. DaS ist Alles! WaS die absolute Mo­narchie vor 1830 uns gekostet hat, kann man daraus abnehmen, daß im fürstlichen Schatz 1831 über 20 Millionen (d. h. abgesehen davon, waS schnell verschwand!) lag, trotz allen Verprassungen und AuSschwei- fungen, trotz all' den unzähligen Maitressen der Landgrafen und Kur­fürsten, die sämmtlich mit Millionen bereichert waren. Daraus kann man sich ein Bild machen, wie die Absolutisten den Staatshaushalt zu gestalten pflegen. Dieselben Leute, die jetzt daS Regiment führen, ein Hassenpflug, ein Scheffer, ein Aber, ein Volmar und ihr jahrelanger Helfershelfer, der allzu bekannte Finanzier Motz, haben durch ihre rastlosen Bemühungen und auf unsern jetzigen Stand- punkt gebracht. Lächerlich also, wenn s t e gerade Abhülfe versprechen, Abhülfe dieser ungeheuern Lasten durch die Ersparniß weniger Grosche» oder HelleH»

Zwei Posten in den StaatsauSgaben sind es vor allen Dingen, welche Seitens des Absolutismus nie hoch genug gestellt werden kön­nen, das sind die Kosten deS Hofs und des Heeres.

Für den Hof haben wir von 1831 bis 1850 aus der StaatS- kasse verwendet über sieben Millionen Thaler. (In den Jahre» 1831 1843 392,000 Thlr., von 1843 1850 387,260 Thlr.) Dazu kommen die Revenüen deü HauSschatzeS, das Blutgeld unserer Väter, die wir dem Fürstenhaus gelassen, anstatt sie im Interesse der Staatsgesellschaft zu verwenden. Diese Revenüen betragen jährlich mindestens 400,000 Thlr., macht also für jene 19 Jahre eine Summe von 7,600,000 Thlr. Dazu kommen ferner die Apanagen (1831 79,610 Thlr.; 1848 59,850 Thlr.) mit einer Million. Die fürst- liche Familie hat also für sich in diesem Zeitraum bezogen circa 15,958,000 Tblr., sage an Secbszeh» Millionen Reichs­thaler. Ein Sümmchen, wovon 100,000 Arbeiterfamilien (500,000 Menschen) ein ganzes Jahr lang bequem leben können.

Für bad Heer beträgt die TotalauSgabe über Vierzehn Millionen, genauer 14,797,782 Thlr. (im Jahre 1831 = 869,402 Thlr., im Jahre 1848 nur 786,930 Thlr., dagegen im Jahre 1849 931,100 Thlr.) Und waS haben wir im Augenblick von diesem Heer, wo cd gilt den Feinden deS Vaterlands entgegen zu treten? ES sitzt zu Hause!

Hof und Heer zusammen kosten uns also 30,255,788 Thlr. Nun beantwortet euch die Frage, was wir an diesem Sümmchen i» einer Republik hätten ersparen können. Die 16 Millionen für bett Hof ganz und gar, - dieS Sümmchen für bad Heer mindestens zur Hälfte, macht allein eine Ersparniß von 2 3 Millionen, die dnn unmittelbaren Umsatz in Gewerben, Handel und Industrieunter­nehmen, die als A r b e i t 6 k a p i t a l geblieben wären. WaS hier um so mehr sagen will, da die Hälfte diejeS ganzen Geldes zudem außer Landes gegangen, - in die Bank nach England, nach Frankfurt, au fremde Arbeiter nach Berlin rc.

Von den übrigen HauptauSgabeposten nennen wir: für die Finanzverwaltung über 18 Millionen Thlr., also beinahe ; der Einnahme geht auf die Erhebe- und Kaffenkosten. Für die in- nere Verwaltung über 17 Millionen. Für die Rechtspflege über 5 Millionen. Für Pensionen circa 2 Millionen.

Um diese kleinen Ausgaben zu decken, haben wir an Grund­steuer entrichtet in jenen 19 Jahren 8,091,290 Thlr., an Klassen­steuer an 2 Millionen, an Zöllen über 7 Millionen, an Verbrauchs-