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wie es Männern geziemt; wenn ihr nicht in den Umgarnungen der Jesuiten und Spitzbuben bereits euer ganzes Selbst verloren habt, dann fragt eure Kandidaten: bist du ein Christ wie Vilmar, Scheffer oder Elvers? Und antworten sie „Ja!", so peitscht sie mit Ruthen von euren Thüren, — und ihr habt die Lüge, die Heuchelei und die Hölle selbst von euch auSgestoßen, ihr habt nicht „ Christum" verworfen, sondern den Antichristen der Neuzeit. Wer euch aber sagt: „ich bin ein Christ", und setzt hinzu: „ich bin ein Diener der Wahrheit, ich bin ein Feind der Lüge, ich bin ein Feind der Tyrannen, ich bin ohne Furcht vor den Gewaltigen, die den Leib zerbrechen, aber die unsterbliche Seele, die unsterbliche Idee nicht todten können —
Den sollt ihr wählen!
Schleswig-Holstein.
6 Hamburg, l7. Juli.— Die schleSwig-holsteinschen
Truppen haben bereits daö ganze südliche Schleswig besetzt, Eckernförde ist armirt und daS Hauptquartier hat General Willisen in der Stadt Schleswig genommen. ES war nur eine Viertelstunde zwischen dem Abzug der Preußen und dem Einzug der Schleswig-Holsteiner in die Stadt. Auch Husum ist besetzt. Die Truppen sind bereits nördlich nach Flensburg vorgeschoben und haben vielleicht auch schon diese Stadt besetzt. Von den Dänen hört man gar Nichts. Ob dieselben durch daö rasche Vorrücken der schleswig -holsteinschen Truppen in ihren Plänen gestört sind, oder ob sie an irgend einem einzelnen Punkte einen besondern Schlag beabsichtigen, muß dahin stehen. Ein wenig glaubwürdiges Gerücht will wissen, daß die Dänen bei Willisen auf einen dreitägigen Waffenstillstand angetragen hätten, der jedoch abgelehnt worden sei. Zwischen der russischen und der dänischen Flotte scheint eine sehr große Eintracht zu herrschen, wenigstens besuchen sich die beiderseitigen Ossiziere gegenseitig. — Das ist die Summe der heutigen Neuigkeiten. Sie begreifen, daß daS Interesse an der Sache der Herzogthümer hier in dem benachbarten Hamburg dergestalt vorwiegt, daß fast alles Andere davor zurücktritt. Man spricht weder von der Verfassung, noch von der preußischen Besatzung. Eine Veränderung soll in nächster Woche mit derselben vorgenonimen werden, daâ 12te auS Schleswig rückkehrende Regiment wird an die Stelle deö löten treten, daö an die mecklenburgische Grenze verlegt wird. Hamburg wird also förmlich alâ preußische Garnisonsstadt behandelt. Denn von einer Sicherung der Kommunikation nach Schleswig kann in jetzigem Augenblick doch nicht mehr die Rede sein.
Die Hitze in den jüngsten Tagen ist unerträglich geworden, und soll bereits im schleSw.-holst. Heer eine Anzahl Kranker zu Wege gebracht haben, die nach dem Altonaer Lazareth befördert wviden sind.
© Stettin, 17 Juli. — Einer Privatdepesche zufolge hat Dänemark die Herzogthümer in Blokadezustand erklärt und sieben Handelsschiffe fortgenommen.
Deutschland.
»«Kassel, 18. Juli. — Gestern hat Hexenmeister Lometsch einen furchtbaren Brandbrief an Se. königl. Hoheit den Kurfürst geschrieben, worin er um schleunigen Vorschuß von 100,000 Thalern bittet. Wo nicht — — so hat Lometsch auögelometscht. Wir leben wirklich in einem lustigen Staate.
** Kassel, 18. Juli. — Rinteln ist noch nicht verloren. Hr. Bezirksdirektor v. Heppe hat wenigstens am vorigen Montage an Se. Excelleuz, den verurthcilten Ehrenmann, berichtet, daß Rinteln Mann für Mann gesonnen seis, dem väterlichen Nothschrei Sr. königl. Hoheit zufolge, die Steuern einzuzahlen. Man solle nur Ort, Zeit und einen Menschen bestimmen, der daS Geld einkassire. Wenn Hr. v. Heppe nicht gelogen hat, so wissen wir nicht, wie die konstitutionelle Partei die Rinteler Steuerlust mit dem letzten Wahlresultat vereinbaren will.
««Kassel, 18. Juli. — Die demokratische Partei deö Bezirks Hanau hat am 7. Juli in Gelnhausen beschlossen, die Beschlüsse des Marburger Wahlkongresseâ vom 30. Juni für die ihrigen zu erklären, und hat sodann folgende Kandidaten aufgestellt:
1) für die Städte Gelnhausen, Bockenheim, Windecken und Wächtersbach Dr. G. Kellner;
2) für die Städte Schlüchtern, Hünfeld, Steinau, Salmünster und Soden Advokat Peters za Wächtersbach;
3) für die Stadt Hanau Pfarrer Theobald und Obergerichtö- anwalt Cöfter;
4) für die Höchstbesteuerten deâ Bezirks Hanau Oekouom Emmel zu Niedergründau und Kaufmann B. A. Pelissier zu Hanau.
Einige Tage später wurde in Hanau für den Landwahlbezirk
Hanau Obergerichtsanwalt Cöster vorgeschlagen und eventuell für die Stadt Hanau Oberbürgermeister Rühl.
Für den Landwahlbezirk und den Stadtbezirk Hanau ist eine Centralkommission niedergesetzt.
«Hofgeismar, 17. Juli. — Einige hiesige Beamte, welche wir namhaft zu machen im Stande sind und zur gelegenen Zeit auch nennen werden, benutzen ihre amtliche Stellung, um gegen die Wiedererwählung Knobel'S im Landwahlbezirk zu agitiren, und schlagen dagegen den Bezirksdirektor Sezekorn zum Kandidaten vor.
Wir dächten doch, Hr. Sezekorn könne sich mit seinem bisherigen Ruhme begnügen. Wozu noch die Lorbeeren eines Deputirten und obendrein durch beamtliche Nachhülfe?
O Berlin, 16. Juli. — Ueber das Londoner Protokoll scheint man sich doch hier bedeutend zu ärgern, natürlich nur aus dem Grunde, weil Preußen bei der Abfassung desselben vollständig ignorirt worden ist. Ritter Bunsen hat einen großartigen Protest gegen daS- selbe erlassen, auS dem man sich aber nicht viel machen wird. Preußen ist nun einmal eine russische Satrapie geworden, und da hilft alleS Protestiren nichts. Mit Oesterreich ist man dem Vernehmen nach darin übereingekommen, die österreichischen Vorschläge erst vom „Bun- deSplenum" durcharbeiten und dann den preußischen Bevollmächtigten verlegen zu lassen. Diese werden dann mit den Unionsfürsten konfe- riren und wahrscheinlich annehmen. Dieser Gang ist gar nicht so übel, und man vermeidet durch denselben alles unnütze Aufsehen. Die Sachen gehen hübsch langsam, und ehe wir'S unS versehen, ist Deutschland einig! — Die sächsische Regierung soll den Friedensvertrag bereits ratisizirt haben. Hannover noch nicht. Letzteres macht übrigens Schwierigkeiten wegen des Durchmarsches der badischen Truppen, so daß man eine anderee Marschroute für dieselben ausfindig machen muß. — Ueber Schleswig-Holstein erfährt man hier nichts Neues. Man glaubt, die Truppen würden nur bis zur Demarkationslinie gehen und dann stehen bleiben, um zu unterhandeln. Daâ wäre nicht unmöglich. — Unsere Blätter haben die Kaution zusammengebracht, bis auf die „Abendpost", die aber an dem Geldmangel selbst Schuld trägt, da sie an- kündigte, daß sie forterscheinen werde trotz der Preßoerordnung, so daß man glaubte, die Redaktion habe die Kaution schon in Händen DaS Blatt wird, biö die Kaution vollzählig ist, nur dreimal wöchentlich erscheinen. Die „Neue Preußische" sagt darüber: „Nachdem die Nationalzeitung, die „Urwähler" und die Bürger- und Bauernzeitung, wie verschiedene andere halbdemokratische Blätter, die nöthige Geld- unterstützung gefunden haben, wäre eö in der That eine sehr bezeichnende Schmach für jene Partei, wenn ihr einziges wirklich thatkräftiges und konsequentes Organ an der pekuniären Bedrängniß scheitern müßte!" Gegen die „Neue Preußische" soll der Staatöanwalt die Anklage beschlossen haben, weil sie gesagt hat, daS Ministerium habe den 5. Dezember, den Tag der Verfassungöoktroyirung, alS einen Trauertag bezeichnet. Lächerlich! — Wie Sie sich denken können, wird die „Hornisse" von der preußischen Post nicht mehr debitirt. (Ein Ministerbkfehl scheint doch nicht vorhanden zu sein. Die Red.)
O Berlin, 17. Juli. — Ich schrieb Ihnen von dem Spektakel, den Ritter Bunsen über daS Londoner Protokoll erhoben. Weiß Gott, warum der Mensch so viel Redensarten machte! Er protcstirt und räsonuirt gegen etwaö, daS hier und in Kopenhagen schon ratisizirt ist. Denn lesen Sie folgenden Separatartikel zum hiesigen Protokoll vom 2. Juli: „Der König von Preußen verpflichtet sich, an den Unterhandlungen Theil zu nehmen, deren Initiative der König von Dänemark ergreifen wird, um die Erbfolgeordnung in den unter dem Scepter Sr. dänischen Majestät vereinigten Staaten zu reguli- ren " — und sagen Sie mir nun, worin der Unterschied zwischen diesem Artikel und dem Londoner sein heißt co, man wolle den die Erbfolge durch Konferenze der Gesammtstaat Dänemark
Protokoll eigentlich besteht?
dänische» Gesammtstaat garantiren und n regeln, in jenem Separatartikel 0 als ein Ganreö anacnommen und die
Regelung der Erbfolge in Aussicht gestellt. Worin besteht der Unt«* schied? Die Gothaer werden ihn schon zu finden wissen! — sollen Nachrichten hier angelangt sein, nach denen England sich die russische Intervention nicht gefallen lassen wolle. Die Dummköpfe meinen zwar, Lord Palmerston habe sich mit dem Londoner Protoka. die Hände gebunden, aber ich möchte wissen, wo in demselben ein Wort davon steht, daß Rußland sich in die schlcSwig-holstcinsche Angelegenheit hineinmischen dürfe. England wird die günstige Gel. gen Heit benutzen, um die Kontinentaldiplonlateu in die größte Verwirrung hineinzureiten und nachher seinen Vortheil daraus zu ziehen, namentlich die Russen zu dupiren. — DaS Ministerium Hal ein Zirkuiar- reskript erlassen, wonach kein Anwalt der Volkâpartei mehr zum Vertheidiger in politischen Prozessen ernannt werden darf, und zu diesem Amte nur Konservative auözuwählen sind. Der Abgeordnete Schulze von Delitsch, der sich um eine Anwaltstelle bewarb, hat Ver-