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Dritter Jahrgang.

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pedktion (obere Entenqaffe Nr/ 1321 zu 6 Hlr. Durch alle Postämter je bezi.'den. Inserate die dreispaltige PetitzeSe 8 Hlr.

M' 167. Kassel, Freitag den 19. Juli 1830.

Wen sollt Ihr wählen?

Ihr wißt, wie lange Zeit wir den Bockssprüngen und Hasen­sätzen der Konstitutionellen, der Neuhessen, der Henkels oder Gothaer Schritt für Schritt nachgegangen, um sie euch in ihrer gan­zen Verkehrtheit zu enthüllen, ihre Kurzsichtigkeit euch zu beweisen, ihre Feigheit, ihre Unentschiedenheit lächerlich und verächtlich, ihre Intriguen und Lügen unschädlich zu machen. Ihr eigener Unsinn hat sie früher umS Leben gebracht, als man erwartete. Sie ächzen in den letzten Zügen. Wir werden sie deshalb freilich nicht schonen. Auf dem politischen Schlachtfelde gibt eS kein Mitleid, keine Schonung, keine Pietät und keine Sentimentalität, oder der Sieg bleibt unerreichbar! Hier heißt Entschiedenheit bis zum letzten Hauch, oder Unterliegen! Aber nachdem diese Gothaer sich selbst, nachdem wir und andere Leute sie so mürbe gemacht haben, daß jeder ihrer hohlen Athemzüge um Frieden zu stöhnen scheint, daß ihr gebrochenes Auge flehend nach rettenden Thaten auöstarrt, daß ihre Faust sich nur unter jammervollen Zuckungen zu ballen im Staude ist, daß ihr ermatteter Körper auch von der Kraft verlassen ist, Kraft zu heucheln: seitdem kann man diese lebendigen Leichen ihrem innern Verwesungö- prozeß ruhig überlassen. Man braucht nur von Zeit zu Zeit zu ihnen zurückzukehren, um zu konstatiren, daß ihre Auflösung in ungestörtem Fortgang begriffen ist, daß ihr jammervolles TodcSgewinscl schwächer und schwächer und unhörbarer wird.

Wir haben jetzt einen andern Feind vor uns, dem wir un­sere ganze Aufmerksamkeit zu widmen haben, einen Feind, der geraume Zeit spurlos von dem politischen Schauplatz verschwunden war, in feigem Entsetzen verschwunden vor den so gutmüthigen Drohungen aufgeregter Märzphilister, Katzenmusikanten und Straßen- revolutionären. So bezeichnet er selbst die Gegner, vor denen er das Hasenpanier ergriffen, ebenso aufrichtig in seiner Feigheit, wie unklug in seiner Selbstenthüllung. Wir brauchen euch diesen Feind nicht zu nennen. Es ist derselbe Feind, in dessen Knechtschaftschule wir erzogen wurden, erzogen zu dem, waS wir geworden, daS Gegen­theil von Allem, waö wir werden sollten, erzogen zum Todfeinde unserer eigenen Lehrmeister. Ihre rohe Gewaltsamkeit säcte in unsere jungen Herzen den Samen unzerstörbarer FreiheitSliebe, ihre despoti­sche Znchtruthe pflanzte in unsere Seele den unbesiegbaren Trotz deS selbstständigen ManneS. An ihrer Heuchelei und Schurkerei erfüllte sich unsere Brust mit brennender Wahrheitsliebe, mit heiligem Zorn gegen Lüge und Lügner. Ihre starre Gedankenzensur und ihre geistige Kurzsichtigkeit riß und mit SturmeSgewalt hinüber über die engen Gefängnißschranken, die sie sich selbst und der Welt gezogen. Und so oft wir ihnen schwören sollten, ihren jesuitischen Fußtapscn zu folgen rm tcjie des Trugs und deS Aberglaubens, schwuren wir ihnen in unserm Innern Kampf auf Leben und Tod, Feindschaft ohne Ende, den Söhnen LoyolaS, den Verderbern der Erde! Wir werden sie halten, diese Schwüre!

Wir werden ihnen folgen auf ihrer Schleichcrsährde. Aber nicht wie sie eS damals von uns gehofft und erfleht. Wir schrei, ten ihnen nach als ihr böseS Gewissen, als der Dämon ihres Unter­gangs, als der Geist der Tugend und der Wahrhaftigkeit. Wir kennen ihren Weg. Wir kennen ihr schwarzes Herz, wir kennen ihre Laster und ihre jammervollen Gaukelkünste, die sie dem gläubigen Volk unter dem Deckmantel der geoffenbarten Religion vorgaukclii. Wir sind die Scharfrichter ihrer pfäffischen Lügen, die Henker ihrer mönchischen Betrügerei. Der blitzende drcischncidige Stahl der Freiheit, der Wahrheit und der Gerechtigkeit soll sie niebcistreckcn, wo wir sie finden. DaS freie Gcncht ist gehegt. DaS Urtheil ist gesprochen. Schöffen und Wissende werden nach Pflicht thun!

Welchen Schleichweg wandeln sie im Augenblick? Sie schlei- chen im Volke umher mit demüthigen Gebährden und mit Worten, von Eigendünkel, Selbstliebe und Menschenhaß geschwängert. So furchtbar lästern sie den Gott, zu dem sie stündlich beten vor aller Welt Augen, daß sie jeden Augenblick die Lehren dreimal verrathen, die sie predigen und mit lügnerischer Zunge nicht laut genug beken- nèn können. So sind sie voll von Augenlust, Fleischeslust, voll von hoffärtigem Wesen, diese Söhne des Himmels, diese Verdammer und Verketzerer Aller, die nicht sind wie sie, Mienen- und Augenheilige, Straßen- und Kirchenzeloten, Gebeteplapperer, fastende Sünder, die sich heimlich auf zusammengengestohlenem Gold wälzen, büßende Magdalenen, die dem Dienste der Sinnlichkeit kein Opfer mehr bringen können, zerknirschte Mäßigkeitsapostel, die ihres geheimen Schlemmenâ kein Ende finden. Diese Sorte schleicht umher, neigt und beugt sich vor allem Volke mit Ach! Ach! und Wehe! Wehe!Brüder- schaft in Christo, jammert dieses Gelichter, es sieht finster aus im Lande Kanaan, so Dir der Herr Dein Gott gegeben. Die Rotte Korah, die Demokraten, die Söhne Belials oder Beelzebubs, und die Neuhessen, die Halbsöhne und Stiefkinder desselbigen Beelzebubs, machen Dich zu Schanden. Deinen Kurfürsten wollen sie nicht. Brüder! höret! denket! zittert! Sie wollen ihn nicht! __ Ohne Deinen Kurfürsten, armeâ Volk, waS sollte auâ Dir werden wer soll Dich vom PalaiS in Kassel auâ regieren? wer soll künftig auf Wilhelmshöhe wohnen? wer soll Dir die Steuern abnehme»? wer soll Deinen Kindern exerzieren und schießen lehren? wer soll Dir zur Freude künftighin sechsspännig fahren und Paraden halten, und die Civilliste verzehren? wer soll Dir dereinst Geld vorschußweise ver- sprechen? Unseliges Volk, Du jammerst mich! Höre meine Worte! Dein Kurfürst sprach zu Dir, wie Gott in den Wolken Sinais zu Moseâ hat er zu Dir gesprochen. Folge seiner Stimme, die da klinget wie Posaunenschall in Deinen Ohren! Verlaß die Söhne und die Stiefsöhne Beelzebubs nnd wende Dich zu dem leib­haftigen Gott, der da ist Dein Kurfürst, und zu seinen Söhnen und Knechten, zu unS, und Du wirst haben daS ewige Leben. Amen!" Und damit daS gläubige Volk eine Parole habe, zu erkennen die Söhne und Knechte Sr. königl. Hoheit, soll es die Männer, die ihm nahen, fragen:Bist Du ein Christ?" Diese soll eS wählen zu seinen Landtagsvertretern. Damit sich aber in diese heilige Kirchengesellschaft nicht ein Sohn Beelzebubs mit einem ein­fachen Ja einschmuggelt sagen diese demüthigen Christen:solche Christen sind allein wir, Vilmar, ElverS, Scheffer und Konsorten." Ja, solche Namenchristen seid allein ihr. Vorab Hr. Vilmar, der Nimrod deS MuckerthumS, der Feind aller Nächstenliebe und Duldung, jener weh- und demüthige Priester des Herrn, der vor Gallsucht kaum sein Leben fristet, dessen Herz und dessen Mund überschäumt von Fluchen, Lästern, Haffen, Berläumden und Ehrab- schneiden. Ein sauberer Christ! Und Hr. ElverS, der devote Be­diente HassenpflugS, der fremde Eindringling, der geworbene Richter, der hoffärtige Aufklärer und Armenvater Chinas, der die Armen im Lande verhungern läßt, um seinen Namen über den Meeren bekannt zu machen Ein feiner Christ! Und Hr. Scheffer, der plumpe Vertheidiger fremder Doktrinen, der schlechte Anwalt unverdauter Auf­träge, der Verfolger jeder freien Bewegung im Erkennen und Glauben, der brutale Vernichter seiner Mitmenschen, der daS Volk als Hund und sich als Hundejungen betrachtete im Dienste seines Herrn ? Ein netter Christ! Bringt sie und nur, dieses heilige Trifolium! Wir werden eurem Geschmacke die möglichste Genugthuung widerfahre» lassen. Bringt sie nur, ihr armen Verblendeten, denn ihr so »t sie ja wählen, ihr müßt; eure chinesischen Pfaffen befehlen eS euch, euere muckerischen Schulmeister gebicten'S. ,

Wenn ihr aber noch einigermaßen frei seid, so ermannt euch^