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Dritter Jahrgang.

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V 166.

Kassel, Donnerstag den 18. Juli

1850.

Der Völkerschacher.

Daß die Knute der vereinigten Fürsten Europas kein e Freiheit, keine Ehre und keine Schaam kennt, versteht sich von selbst. Sie kennt bereits keine Nationalität, kein Vaterland und kein Volk mehr. Italien ist ein geographischer Begriff, Deutschland eine polü tische Fiktion und Schleswig-Holstein eine rebellische Provinz Däne­marks, die zufällig die deutsche Sprache redet. Länder und Völ- ker sind staatsrechtliche Ausdrücke für die Kronansprüche der Herren von Gottes Gnaden, für daS Privatfürstenrecht Europas sind nur Theile des fürstlichen Gesammteigenthums, die den einzelnen Fa­milien von den verbündeten Geschlechtern auf ewige Zeiten garantirt sind. Nirgends haben die Fürsten weiter gebracht im Länder- und Völkerhandel, im Menschen- und Staatenschacher, als in Deutschland, dem Vaterlande der Knute und deS Unterthanenverkaufâ. Während in England, in Frankreich, selbst in Spanien, Schweden, Norwegen, Dänemark :c. frühzeitig der Begriff des Gesammtstaatâ die Fürsten mit dem Staate wenigstens unzertrennlich verband, waren in Deutsch­land bis zum vorigen Jahrhundert Land und Leute daS reine Han- dclSobjrkt der Durchlauchtigsten. Nur dem Schacher mit Land und Lcuteu verdanken die meisten der jetzigen deutschen Staaten ihre Ent­stehung und Ausdehnung, namentlich Preußen. Philipp, sogenannt der Hochherzige, Landgraf von Hessen, der alS der beste der hessi­schen Fürsten gelten muß, weil wir keinen bessern aufzuwcisen haben, besann sich keinen Augenblick, sein Hessenlaud unter seine Herren Söhne zu vertheilen, wie mau ein Stück Wiese oder Ackerland vier- theilt und seine lieben und getreuen Unterthanen wie eine Heerde Vieh in vier kleine Schaaf-Pferche zu sondern. Ebenso ging in Sachsen, in Baiern, in der Pfalz, in Schwaben, kurz überall. Zu­letzt freilich sahen dieedlen" Geschlechter ein, daß es für ihr Fortkommen vortheilhafter sei, den Staat zu einem Majorat zu machen, um nicht gänzlicher Verarmung anheimzufallen. DaS Land blieb jedoch ihr Eigenthum, die Einwohner blieben ihre Leibeig­nen. Sie tauschten vor wie nach ganz nach Lust und Laune Acckcr gegen Wälder, Schlösser gegen Dörfer und Städte, Provinz gegen Provinz mit Maus und Mann bis zum Jahr 18 15. Sie trieben diesen Tauschhandel, wie unser Einer Pferde, Ochsen oder Schaafe kauft und verkauft oder umtauscht. Sie trieben eS noch schaamloser, noch niederträchtiger. Sie hetzten ihre leibeignen Unter- thauen wie das Wild im Laude durch ihre Werber zusammen und führten sie wie Pferdekoppel gegen unendliches Geld den Meistbieten­den als KriegS-Subsidien zu. Tas Blutgeld, ter Erlös deS Men­schenhandels ist die Grundlage manches ungeheuren fürstlichen Vermö­gens, ist die Grundlage deS kurfürstlichen HauèschatzeS, auS welchem der Ku fürst jetzt so großmüthig uns einen Vorschuß machen will. Wie klug war cS von uns, daß wir im Jahr 1830 und 1848 ihm dies Blutgeld unserer Väter gelassen. Nun kann er unS davon ber­gen! Die deutschen Fürsten trieben eS zugleich sehr umsichtig. Sie vcrheirathetcn ihre Söhne und Töchter am liebsten au auswär­tige Fürsten, wo ein Aussterben der fürstlichen Linie in Aussicht stand. So brachten unsere Fürsten einen Prinzen auf den schwedischen Thron und werden nächstens daS Vergnüge» haben, einen andern in Däne- mark regieren zu sehn. So brachte daS HauS Hannover sich auf den Thron von England und daS Haus Holstein Gottorp an die russische Kaiserkrone. Namentlich aber waren sie rührig, wo ein Landher­renlos", d. h. ohne Eigenthümer war. So käme« die Fürsten von Nassau zur Krone der Niederlande, Leopold von Sachsen Koburz auf den belgischen und Otto von Baiern Wittelsbach auf den griechischen Königsthron. Ebenso schmuggeln sich brotlose Abenteurer in daS Vermögen einer reichen Familie, in Haus und Hof durch die Hand

einer Erbtochter ein. Ebenso erstehn Wacherer und Spekulanten liegende Gründe und ErbschaftSmassen für ein Spottgeld, aber unter immensen Bestechungen der spitzbübischen Maffenkuratoreu. ist ein- und derselbe Schacher es ist ein- und derselbe Betrag. Er ist nur großartiger, es ist der Schacher mit Meuscheu, Völkern und Nationen.

Tie allgemeine Verwandtschaft der europäischen Völkerschacheree bekam erst ihren Mittelpunkt, nachdem eine deutsche Schacherfamilie so glücklich geworden, den russischen Kaiserthron zu besteigen. Und dieser Mittelpunkt erhielt erst seine ganze Gewalt, seine Diktatur über Europa, seitdem vom Westen aus die Völker gegen ihre Verschacherer zu allerlei ernstlichen Maßregeln griffen. Nun aber wird der Schacher im großartigsten Maßstab getrieben. Die Schacherfamilie Holstein- Gottorp hat die deutsche Peitsche, vulgo russische Knute, durch deut- sche Schurken zu einer so eminenten Vervollkommnung bringen lassen, daß der Prozeß bei rechtSstreitigem Land und Leuten ein sehr kurzer ist, und der Zuschlag stets ziemlich sicher, und daß die rebellische Empörung der Schachergegenstânde nur eine Erheiterung für die aller­höchsten uud höchsten Langeweilen sind.

Eben ist das Schauspiel zu Ende, wie eine große Nation, die sich für frei erklärte, frei von dem Eigenthumsrechte, daS die Familie Habsburg durch Heirathsschacher auf sie begründet, daß Ungarn mit seinen hunderttausend Helden vor dem Senior deS euro­päischen Fürstenthums und seinen dressirten Horden die Waffe» streckte und auf eine jede weitere Einsprache verzichtete. Aber, daS war Ungarn! WaS kümmerte den loyalen Deutschen das Schicksal dieser Fremden! Und siehe! Abermals soll unter dem Vorsitz deS euro­päischen Fürstenstniorö ein Land mit seinen Einwohnern an eine fürst­liche Krone verschachert oder zurückverschachert werden. Und diesmal ist eS ein deutsches Land, sind es deutscheBrüder, ist es ein Volksstamm, der den Ruhm trägt, Jahrhunderte lang seine Ursprünglichkeit und sein Deutschthum gegen die dänischen Unterdrük- kungsgelüste in tapferem Kampfe geschützt zu haben der einzige Grenzstamm, der siegreich biS jetzt diesen alten Streit bestanden. Und abermals schweigt daS deutsche Volk in jammervoller, ohnmächtiger Schwäche!

D Volk! Welche Nation außer Dir würde eS dulde», daß ein Theil von ihr von auswärtigen Henkern hülfloâ gemordet und vernichtet wird. Wie ein wüthender Tiger würde Frankreich auf dea Feind stürzen, der seine Grenzen im Norden oder im Süden berührte, wie ein Löwe würde Großbritannien den zerreißen, der seine Küsten angriff in Schottland oder in Irland. Die Feldherren würden er­drosselt oder massakrirt werden, die mit dem Feinde unterhandeln oder ihm Vorschub leisten wollten, die Staatslenker oder fürsten hi», gerichtet, die mit ihm einverstanden wären. DaS französische, daS englische, daâ spanische Heer würde seine Offiziere in Stücken haue», die das Vaterland schutzlos untergehen lassen wollten, oder die sich als ehrlose Verrâlher verdächtig machte». Eine ewige, eine »»auS- löschliche Schmach würde auf den Fahnen dieser Krieger ruhe», wenn ganze Provinzen und dâmn't untergegangen, ohne daß sie hoch io der blutigen Schlacht geflattert.

^^b du, Deutschland? Und ihr, deutsche So I date», Offiziere und Generäle? Ihr Hundert tarlievde, die wir im tiefen Frieden mit dem Schweiß unserer Armuth erhalten u»d geoährt? Jetzt, wo der Tag gekommen, wo eure höchsten Pflichte» beginnen, ter Tag, nach dem ihr euch in langen, thatenlosen Jahre» so heiß und inbrünstig gesehnt, wie ihr spracht, - jetzt, wo der Tag gekom­men, an dem daS Volk die Eludte heimtragen will, an dem Jahre lang mit seinem Herzblut gerüstet und gerüstet: jetzt kci» Laut, fein Ton, kein schmetternder KriegSruf, kein Schrei der Verzweiflung über d u Verrath au der deutschen Waffenebre' Und als Hecker i»