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warte« und unternimmt Nichts Entscheidendes, wenn man nicht etwa tie Reaktivirung des MinisterialrathS Bechthold und Berufung Brei­denbach'» in'S Ministerium sowie die unfreiwillige Entfernung deS MinisterialrathS Dr. Emmerling dahin rechnen will. Der Ausflug nach WormS zu Frau v. Dalberg und nach Monsheim zu dem „ed, len H. Gagern", der ein anderer Fabius Cunctator, sein Va­terland durch Zaudern, Lavircn und Herumschwanken zwar nicht ge­rettet, aber doch an den Rand deS Verderbens gebracht hat, war sicher ganz unpolitischer Natur und keineswegs hatte er den Zweck, sich den „Edeln" zum Vorbild im Schweifwedeln zu nehmen, oder Instruktionen bei ihm einzuholen. Soviel verlautet , soll sich die Unter­haltung um rein landwirthschaftliche Gegenstände, insonderheit um ein von dem Oekonomen Gagern erfundenes neues animalisches und ein dito vegetabilisches DüngungSmittel gedreht haben, welch ersteres der „Edle" schon am 18 Sept. 1848 entdeckte und veröffentlichte; letzteres dagegen soll aus „deutscher ZeitungS"-Makulatur be­stehen und zu Urbarmachung deS Morastes zwischen Erfurt und Gotha bestimmt sein. —

+ Mainz, 11. Juli. — Die fünf Assisenangeklagten haben von WormS vor der Soldateska hierher fliehen müsse». Die sonstigen Gerüchte auS WormS waren übertrieben. — Vor einigen Tagen hatte die demokratische Partei Wahlbesprechung; die Demokratie weiß, waS sie zu thu» hat, sie wird sich mit Energie der Wahlagitation für die Männer ihrer Partei bemächtigen. Große Rathlosigkeit herrscht da­gegen im Heerlager der Konservativen oder Konstitutionellen; diese sind nämlich theils Kleindeutsche und Mucker, theils Ultramontane — andere Großdeutsche gibt cS in Hessen eigentlich nicht; eigentlich mi­nisteriell ist gar Niemand und Hr. v. Dalwigk kann vorerst auf keine Partei rechnen; denn man weiß noch gar Nichts von ihm, als daß er eben kein Gothaer Unionsfreund ist und kein Demokrat. So wird er denn, obwohl Akatholik, einzig und allein auf die Bundesgenossenschaft der Römlinge zählen können, so lange er eS nämlich mit diesen Alliir- ten nicht verdirbt, ihnen durch die Finger sieht und Konzessionen macht. Ob er überhaupt eine selbstständige politische Meinung, Gesinnung und Urtheil , eine persönliche Politik hat oder bloâ daS gefügige Werk­zeug in den Händen deS Regenten ist, eine einfache Kontrasignir-Ma- schine, daS wissen wir noch nicht; denn bereits hat er feit 1l Tagen daS Portefeuille übernommen, und noch ist er nicht mit der Sprache und Farbe herauögerückt, noch hat er keine charakteristische Regierungs- Handlung auâgeübt, die man als bezeichnendes Merkmal seiner Inten­tionen und arrière- pensées betrachten könnte. Freilich: „mit Schwei­gen sich verred't Niemanv". — Hr. v. Dalwigk scheint mit seinem Ministerprogramm erst gegenüber den Landständen Herausrücken und sich dadurch — daS Ministerium liberalsten Sinnes in schönen Worten noch überbietend — eine Majorität in der Kammer ge­winnen zu wollen, auf die Wahlen aber wird er dadurch zu Gunsten seiner ministeriellen Kandidaten einzuwirken suchen, daß er allen Par­teien, mit Ausnahme der demokratischen, goldene Berge verspricht und mit allen liebäugelt, die sich von seiner Lockspeise ködern lassen, um zuletzt festgcrannt auf der Leimruthe zu hängen. Sein Debüt ist die jämmerlichste Halbheit des Schaukelsystemâ : er tritt nicht von dem Dreikönigsvertrag, wohl aber von der kleindeutschen Union zurück, er beruft den Unionöbevollmächtigten - Gesandten nicht ab, sondern er be­urlaubt ihn von seinem Posten, daö heißt denn doch den Pelz waschen, ohne ihn naß zu machen. Mit einem Wort, Hr. v. Dalwigk weiß nicht, waS er will, unsere Konservativen oder Konstitutionellen wissen auch nicht, waS sie wollen, die zwei deutschen Großmächte wissen eS auch nicht, nur der Kaiser aller Reußen weiß, was er will, aber noch hat er eS nicht ausgesprochen. Allah ist groß und der Czaar ist noch größer; wird Hr. v. Dalwigk einer seiner Propheten werden? —

Schweiz.

— 8 — Alls bet Schweiz, 1 t. Juli. — Die mannichfachen Bedrohungen der Schweiz von Außen haben sie endlich dazu gebracht, auch an eine Verbesserung ihres Milit ärwesenü zu denken. ES dürste deßhalb nicht unangemessen sein, den Militärverhältnissen der Schweiz in Bezug auf die politische und strategische Lage dersel­ben einige Aufmerksamkeit zu schenken, besonders da wir in einer wah­ren Militärcpoche lebe». — Die Militäreinrichtung der Schweiz, wel­cher Sparsamkeit, und wir dürfen wohl auch sagen, Bequemlichkeit zum Grunde liegt, entbehrt jenen innern Halt, welchen die Zeit gebie­tet. Man betrachtet die Militärwissenschaft alâ Nebensache und zählt theils auf die Unbezwinglichkeit der Berge, theils auf die Unuber- trefflichkeil der Scharfschützen. Die Schweizer Offiziere entbehren zum größten Theile der taktischen, noch mehr der strategischen Kenntnisse, bis auf wenige, welche im Generalstabe verwendet werden und ihre Schule im Auslande gemacht haben; sie beschränken sich auf den reglc- mcntarische», den Schuldienst, den man in Deutschland von jedem

Unteroffizier verlangt. Die nächste Folge hiervon ist bisher gewesen und ist eS noch, daß, unterstützt von der volksthümlichen Einrichtung deS Landes, entweder diese wenigen Eingeweihten ausschließlich die Ber^ Hältnisse beherrschen, oder Uneingeweihte Praktisches umstoßen können, d. h. mit andern Worten, daß die Reformbestrebungen keiner durch­dachten Diskussion unterworfen werden können. Kann man hierfür ein schlagenderes Beispiel finden, alâ den dünkelhaften Sieg der Scharf­schützen , sich als eigene Waffe zu geriren? Diese Lächerlichkeit — wir können cö nicht anders nennen — hätte in Deutschland nicht durchgehen können! Allein hier sind daS Alltäglichkeiten, der Militär­dienst ist weiter nichts, als eine Spielerei. So lange feine Gefahr droht, beachtet man die Militärfrage überall sehr nachlässig und daher ist, wenn diese Gefahrsich zeigt, nichtâ oder sehr wenig gethan. Die Schweiz hatte sich bis jetzt sicher gefühlt, sie hatte namentlich sich hinter ihren Bollwerken, den Bergen, sicher geglaubt. Es war nur ein imaginäres SicherheitSgefühl, denn diese Schweizerberge sind kein unübersteiglicher Wall, außer da, wo das Uebersteigen ohne Vortheil ist. Das Bollwerk, das die Schweiz schützt, kann nur in den zer­rütteten Zuständen seiner drohenden Feinde und in der drohende» Hal­tung einer mächtigen, unbesiegbaren Partei wurzeln. Die freie Schweiz, wenn wir sie unö denken wollen, ist allein im Bnnde mit der Revo­lution möglich, und ihre Stärke kann nur der allgemeinen und ihrer eigenen Freiheit nützlich sein, wenn sie sich einigt und in den Waffen stärkt, wenn sie daâ Spießbürgerthum ablegt und sich in jeder Bezie­hung wehrhaft macht, ihrer Organisation jenen inneren Halt verschafft, welcher sie zu einem starken Ganzen bildet. Die Schweiz kann mit jener Partei im Hintergründe mächtig in daö Rad der Zeit ein- greifen, sie kann durch den Bund mit jener Partei glorreich erstehen und der Hort für eine große Zukunft werden, wenn sie den schlum­mernden Gedanken wecken und nähren will, wenn sie, eingedenk einer großen Vergangenheit, sich auS ihrer weibischen Erschlafftheit erhebt» und männlicher werden will. Eâ gehört ManneSwille, Manneökraft dazu, Einigkeit und der aufklärende Gedanke, Verbannung deS Eigen­dünkels, der Selbstüberschätzung, — Niederwerfung ihrer nationalen Feinde..... In unserem nächsten Briefe werden wir daö Militäri­sche spezieller inS Auge fassen.

Frankreich.

s- Paris, 13. Juli. — DaS Preßgesetz ist seiner rühmliche» Vollendung nahe und wird mit Bälde in „daS Reich der Wirklichkeiten" treten, ohne jedoch darum „daS Reich der Verrücktheiten und Schurke­reien" zu verlassen. Es wird mehr zum Sturze dieser Lumpeuregie­rung beitragen alS irgend waS: eS stört die Buchhändler, d. h. direkt die wohlhabende Burgcoisie. Daâ WahlschändungSgesetz ließ diese Her­ren Bourgeois ziemlich unangefochten, aber jetzt geht eâ an den Geld­beutel, und daS verzeiht weder ein Bourgeois noch ein Bauersmann. Beinahe alle reaktionäre Zeitungen schreien dagegen, aber daâ Mini­sterium deS kahlköpfigen Baroche ist dafür, und nicht unglaublich ist eS, wenn man sagt, Kaiser Nikolaus und Metternich hatte» seit Neu­jahr wöchentlich durch die zwei Gesandten und durch Briefe den Präsidenten Bonaparte bestürmt, die Presse zu knebeln, ja der Plan deS Gesetzes soll von Petersburg gekommen sein. Daß der Name deS AutorS unter jedem Leitartikel und jedem, welcher persönlich angreift, stehen soll, ist v'elleicht nicht ganz verwerflich ; eS scheint wirklich die Reaktion mehr zu ärgern als und. Diese Bursche haben eine seltsame Angst vor moralischen Konsequenzen. — Morgen ist wieder Luftschiff­fahrt.

Paris, 13. Juli. — Das Amendement Tinguy'â , welches die Versammlung in reinem Dusel angenommen hatte, ist trotz aller Bemühungen nicht wieder beseitigt worden. Die Volksvertreter schei­nen bloâ noch dcâ LachenS und HohneS wegen da zu sein. Weder die Linke noch die Rechte glaubt wenigstens, daß ihre Gesetze, die sie zum Zeitvertreib zu machen beliebt, mehr als ein paar Nächte über­dauern werden. tl c b e r w i n t e r n werden sie sicher nicht.

DeS PlaisirS wegen hat Hr. Casimir Perrier einen Zusatzantrag zum Tinguy'schen Amendement gestellt, der in folgender Fassung von der Versammlung gut geheißen wurde: „Die Bestimmungen deS vor­hergehenden Artikels (Forderung der Namenâunterschrifl unter politische Auftätze re.) gelten für alle, in politischen wie nichtpolitischcn Blät­tern enthaltene Artikel, gleichviel von welcher Ausdehnung, in denen die Handlungen und Meinungen der Staatsbürger und individuelle oder Collcctivinteresscn diokutirt werden." Mit diesem Zusatzartikel hört alles auf, der Verstand selbst,--aber die Kammer hat ihren Spaß gehabt. ,

Angenommen: Bei jeder neuen GerichtSattaque auf ein Jour­nal muß die möglicherweise eintretende Geldstrafe zur Hälfte hinterlegt werden. — Pariser Zeitungen unter sechs Bogen kleine» Format« zahlen 5 Cent. per Bogen k. k. re für Stempel.