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Dritter Jahrgang.
prdition (obere Lntenqaffe Nr. 132) zu 6 Hir Durch alle Postämter ^ be.i.'be», Inserat« die dreispaltige Pelitzeit« 8 Hlr
F163.
Kassel, Sonntag den 14. Juli
1850.
Und abermals Schleswig-Holstein
In der Mittwochsnummer haben wir gesagt: „Schleâwig-Holstem ist verrathen. Keine Hand regt sich für die Herzogthümer, mehr, mehr, tausendmal mehr, die feilen Scribenten leugnen den Verrath, beschönigen den Verrath, schwatzen dem Volke daS Gefühl des VerratHS aus dem Herzen."
AIS wir die Worte niederschrieben, blutete unsere Seele über die tiefe Versunkenheit der deutschen Nation, da überkam unS eine Verzweiflung an der deutschen Zukunft, da gestanden wir mit zitternder Feder ein: „Ein schmachvolleres Ende als Deutschland hat noch keine Nation genommen."
Nach jenen Worten wollten wir den Schmerz über den Verrath an den Herzogthümer« in tiefster Seele begraben. Noch einmal wollten wir die Wunde aufreißen, noch einmal unserm Volk sein ganzes Elend, seine ganze Ohnmacht, in die eS durch das Regiment seiner Fürsten gefallen ist, Vorhalten, in der Stunde nämlich, wo wir die Kunde vernehmen würden, daß die Schleswig-Holsteiner Armee zusammengemetzelt worden ist, daß die Herzogthümer verendet sind, wie die Sardinier unter Nomarino, wie die Ungarn unter Görgey. BiS dahin wollten wir schweigen.
Wir brechen unsern Vorsatz. Vor unâ liegt das Organ der kon- stitutionellen Partei Kurhcsseus, die Neuhessische Zeitung. Acht Tage lang, acht lange Tage hat dieses Blatt über die neue Schmach, die auf den deutschen Namen gehäuft ist, eine Schmach, darob wir vor England und Frankreich als eine Bande Gassenjungcn erscheinen, geschwiegen, geschwiegen; keine Sylbe der Entrüstung, kein Laut der Empörung, kein Buchstaben von Mitleiden mit den unglücklichen Verrathenen! Wir haben dieses Schweigen zu entschuldigen versucht. Wo eS unpolitisch ist, seinem ganzen Zorn und Groll freien Lauf zu lassen, wo man seiner Freud- und Leidsgenossen wegen nicht offen heraus reden darf, da ist eS ehrenwerth, ganz zu schweigen, weder zu loben, noch zu tadeln.
Aber die Neuhessische kennt diesen ehrenwertheu Auâweg nicht. Nach achttägigem Schweigen öffnet sie ihren Mund, um, um, um — um mit der „deutschen Reform", sage mit der „deutschen Reform" zu erklären, daß eü „kindisch und unredlich sei, die möglichste Vermeidung deö Kriegs Preußen zu verübten, welches durch alle Arten der infamsten Umtriebe vereinzelt, diesen Krieg, ohne Unterstützung, gegen die Wünsche seiner halben Bevölkerung, hätte führen und zur Bekämpfung der russischen Gegner den polnischen Todfeind erwecken müssen." Acht Tage lang schweigt dieser Sammelplatz der Charaterlosigkeit, der Ehr- und Gefühllosigkeit, um nach acht Tagen folgrnve Beurtheilung des dänischen Friedens zu geben:
„Fassen wir diese Ausstellungen zusammen" — sagt daâ Organ der konstitutionellen Partei — , „ so geben sie daâ Bild einer Unterhandlung, die von der einen Seite mit hochmüthiger Selbstsicherheit, von der andern, leider der deutschen Seite, mit eilfertiger Ungeduld geführt wird, um so schnell, wie eS sich irgend thun läßt, von einer unbequemen, drückenden und gefährlichen Sache loSzukommen. / j
Und nun schließt daS Organ der konstitutionellen Partei mit den Worten, die wir nicht groß genug drucken können:
„Vom preussischen Verrath kann kein Mensch reden, den nicht eine demokratische Tarantel gestochen, oder großdeutsche Korruption angefressen hat Aber mir die offizielle Todesverachtung der „deutschen Reform" - d. h. desselben Blattes, aus dem die Neuhessische Zeitung den „Ausgangspunkt der Beurtheilung des dänischen Friedens" genommen hat — kann die entgegen
gesetzte Behauptung wagen, daß Preußen mit patriotischem Eifer das Mögliche geleistet hätte."
Die Neuhessische schweigt. Wahrlich, mit einer erbärmlicheren Gefühllosigkeit hat kein konstitutionelles Blatt Deutschland, hat daS jämmerlichste Winkelblatt den dänischen Frieden nicht behandelt. Es fällt und nicht ein, nochmals auf bad ganze Gewebe deS preußischen VerratHS aufmerksam zu machen, wir haben gesagt, eü kommt noch ein Tag , an dem wir abermals darüber sprechen müssen. Wie gesagt, es kommt der Tag, wo die Herzogthümer meuchlings niedergestoße» werden, wo die finstere Thätigkeit der preußischen Generäle in den Herzogthümer« zu Ende spielen, vielleicht kommt auch der Tag, wo die Geschichte klar sehen wird über bad Arrangement vor Fridericia. Hier kommt eS und nur daraus an, die gänzliche Herzenâdürre und Seclenarmuth der konstitutionellen Partei Kurhessenâ zu konstatiren, derselben Partei, die im Frühjahre 1848 nicht schöne Worte genug hatte, um Freischaaren für Schleswig - Holstein zu werben, die durch ihren Deputaten Pfeiffer noch in diesem Frühjahre den Herzogthü- mern Trost und Zuversicht einreden ließ. Hier kommt cd und nur darauf an, von dem Jesuitiâmuö, der Perfidie und den Advokatenkniffen dieser Partei Akt zu nehmen, mit dene.n sie für den deutschen „Kaiser", den deutschen „RcichSvorstand" plaidoyirt.
„Eine gerechte Beurtheilung dieses Vertrags" — sagt bad be- dauernöwerthe Blatt mit einer Dürre, die staatsmännische Ruhe sein soll — „kann nur mit der Frage beginnen: war nichts Besseres erreichbar. wenn man den russischen Krieg ein- für allemal vermeiden «rußte?"
Hört ihr'S? „Wenn man den russischen Krieg ein- für allemal vermeiden mußte." Im Interesse der Gothaer Union, der zerfallenen, zerbröckelten Union, forderte dieselbe Partei von demselben einsamen Preußen, daß eS gegen die ganze Welt, gegen Rußland und Oesterreich, gegen die ganze außerpreußische Contrerevolution den Krieg beginnen solle, damals wußte sie nicht genug anzustacheln und anfzuwiegeln, damals wurde keine Schmeichelei, keine Phrase von preußischer Waffenehre, vom Applauâ deS gejammten deutschen Volks gespart, und nun, nun, wo eS gilt, die erste aller preußischen Verpflichtungen zu erfüllen, die Ehre zu wahren, die ganz Deutschland für Schleswig-Holstein verpfändet hat, wo eS gilt, einen Kampf zu wagen, dem alle deutschen Stämme zujauchzen, zu dem selbst die deutschen Fürsten nicht „nein!" sagen dürfen, ohne bei ihren Völkern in den Abgrund der Verachtung zu sinken, nun auf einmal muß der russische Krieg ein- für allemal vermieden werden, muß Preußen ein- für allemal feige vom Kampfplatz fliehen.
Versteht ihr jetzt die Kourage der konstitutionellen Partei? Begreift ihr nun, warum Preußen nur mit dem österreichischen Krieg zu drohen brauchte, um die Gothaer trotz ihres renommistischen Geschreis in tiefster Seele erzittern zu machen? Armselige Lumpen, elende Wichte! Jetzt, wo cd zum Treffen kam, reißt die ganze großmäulige Bande aus, beschönigt sic ihre Fcigheit mit der diplomatischen Phrase, daß man den Krieg mit Ruf land ein für allemal vermeiden müsse.
Ja, man muß allen Krieg, allen Hader, allen Zank vermeiden. Aber nicht and staatsmännischen Gründen, sondern weil cs die Polen- tatcn so wollen, weil sie gar nicht gesonnen sind, sich cuertivegen in sie Haare zu gerathen. Ein Fußtritt für euch, und ihr werdet Zeit finden, zu beweisen, „daß nichts Besseres erreichbar war". Beim allmächtigen Gott, ein gräulicheres Volk hat noch nicht gelebt, elender hat sich noch nie eine Menschenrasse düpiren lassen. Die Fürsten wollen keinen Krieg, und die Gothaer sagen in tiefster Devotion: „So gern der König von Preußen wollte, ein Krieg mit Rußland ist u n m ö g l i ch."
Preußen hat Schleswig-Holstein nicht verrathen, nein! Zwar hat cd die „Unterhandlung mit Dänemark mit eilfertiger Unge-