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Erscheint täglich, Montag« aurZenom« men Vierteljährlicher Lbonnementspreiè

24 S-r. Einzelne Nummern in der Ex-

Dritter Jahrgang.

Pkdltisn (obere Entenqaffe Nr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter ^ be^ibe« Inserate die dreispaltige PetitzeSe 8 Hlr.

F161

Kassel, Freitag den 12. Juli

1850.

Das Prttgelregiment

Wozu noch länger Polizei und Justiz, wozu kirchliche Strafpre­digten und schulmeisterliche Censuren? als ob nicht die Säbel und Kolben deS herrlichen KriegSheereS vollkommen ausreichten, um Ruhe und Ordnung im Staate herzustellen! Eine einzige Gewalt, und diese in den Händen eineö tüchtigen Generals; damit ist hinrei­chend für die Conservirung unserer christlichen Civilisation gesorgt.

ES ist kindlich und kindisch, die verschiedenen Prügeleien, die von allen Orten berichtet werden, in denen daS herrliche Kriegsherr den angreifenden und irgend ein sorgloser Bürger den angegriffenen Theil bildet, auf Conto deS Zufalls oderaufgeregter Stimmungen" oder sonstigerAusnahmen" zu schreiben. Hier ist von keinen Ausnahmen und Zufällen mehr die Rede, der militärische Holzcomment ist die Grundverfassung, nach der die Völker dieses unseres glücklichen Con- tinentS für die Folge regiert werden.

Man braucht nicht erst auf förmliche Publikation der Grundver- fassung zu warten, dieselbe wird auf dem Wege der Gewohnheit inS Leben eingeführt. ES ist außer allem Zweifel, daß in verschiedenen Staaten unseres gesegneten Vaterlands, diegemeinen" Soldaten von denhonetten" Soldaten zur Handhabung jener Verfassung instruirt, daß sie sogar dazu kommandirt werden. Waö früher durch die geheime Polizei, die Spione und ihre Gehülfen den Gerichten zur Bestrafung überwacht wurde, dieö ganze große Gebiet ist jetzt lediglich in die Hände deö herrlichen KriegSheereS gelegt. Die Soldaten werden an- gehalten, der Stimmung deö Volkes nachzuspüren und dieselbe in ihrer Weise zu rektisiziren, d. h. nach Ermessen irgend einem liberalenTage­dieb" den Schädel zu spalten, oder den Rücken weich zu klopfen.

Ein sehr bequemes, sehr billiges Regiment, eine sehr zeitgemäße Rückkehr zu jenen prächtigen Zeiten, wo sich ein Larideövater herabließ, seine Kinder höchsteigenhändig durchzuprügeln. Wenn dieses Regiment erst eine geregelte Form angenommen hat, wenn es erst in ein System gebracht und ausgebildet worden ist, von da an ist die Absicht der Landesväter" erreicht, eine zweite Revolution ist unmöglich gemacht.

Oder meint ihr nicht? Meint ihr nicht, daß ein Volk, welches ein Jährchen oder noch mehr unter den Fäusten seiner Kinder, unter den Knitteln seiner Brüder, unter diesem brutalen, entehrenden Regi­ment gestanden hat, daß ein solches Volk morsch und faul wird, daß eS geduldig jedes weitereGutdünken seiner Herren" über sich ergehen läßt? Meint ihr nicht, daß der Holzcomment, die Knitteldiktatur ein Volk auf ewig verderben, für alle Zeiten zerbrechen kann?

AuS Furcht vor einer Herrschaft der Schuster und Schneider, der uneigentlichen" Gewerbtreibenden, aus Furcht vor demBcttelvvlk", hat die Spicßbürgerschaft die Revolution verrathen, vor der Contre- rcvolution gckatzenbuckelt, frägt sich nun, ob die Herrschaft der Disteln eine angenehmere ist, ob daö Ermessen eines Kriegskuechteö größere Garantie bietet, als daö eines Schusters. Oder glaubt ihr nicht, daß eS soweit komme? Es kommt dahin. ES kommt dahin, daß man euch auf offener Gasse abprügelt, wenn ihr den Hut nicht vor einem derHerrlichen" ablhut, wenn ihr den Rücken nicht krümmt, um über euch wegspeien zu können. Les't die Berichte aus Sachsen, auS Baden, auS Frankfurt und Berlin, les't die preußische Kreuzzei­tung, der Holzcomment ist nicht eine Täuschung, er ist Wahrheit, bittcre, traurige Wahrheit. Und Wahrheit ist eS, daß auch bei uns sich Stimmen erheben, die einePazifizirung dcS Landes" den frisch und freudig gezogenen Säbeln oder den Fäusten der Sol­daten überlassen machen.

Meint ihr, die Rechnung deS Kaisers Nikolaus sei ohne den Wirth gemacht, meint ihr, die Soldaten würden sich zu dem Geschäfte nicht hergebr»? Lernt die militärische Disciplin kciinev, diese Dis­

ciplin, die Alles demoralisirt, diese Subordination, bei der kein freier Willen mehr existirt, vor der eS keine Appellation anS Gewissen, an die Menschlichkeit mehr gibt.

Dank unsern Professoren, Dank den Frankfurter Ausreißern und ihren Helfershelfern liegt fast die halbe männliche Bevölkerung unter dem Alpe dieser Subordination. Eisen und Strafabtheilung, Zucht­haus und Dunkelarrest, mit diesen Hülfsmitteln läßt sich Alles erreichen, was man erreichen will. Und kennt ihr das Dämonische, Bestialische nicht, welches der einmaligen brutalen Verhöhnung der Menschenwürde auf dem Fuße folgt? Es gibt auch ein Fanatismus deS SatanS, eine Begeisterung der Hölle. Wartet die Zeit nur ab, wartet nur ab, bis man eines TagcS einen klaffenden Riß zieht zwischen Volk und Kaserne, bis ihr plötzlich gewahr werdet, daß der Bruderkrieg nicht erst kommen kann, sondern daß er bereits organi- sirt ist, daß wir mitten darin stehn.

Kaiser Nikolaus, zu dessen Füßen der ganze Kontinent liegt, hat seine Ordre gegeben. Die OrdreS deS Czaaren werden auch auSge- führt. Und diesmal lautet die Ordre: Demoralisation des Volkes durch militärische Prügel.

Das deutsche Volk fügt sich in Demuth.

Deutschland.

* Raffel, 1t. Juli. Der Vilmarsche falsche VolkSfreund oder Fälscherfreund schreibt über den Text:Wir wollen den Kur­fürsten!" eine lange Epistel an die edlen Korinther, d. h. die Freunde der Fälschung in Kurhessen, worauf wir einfach mit dem Tert ant» Worten: Wir wollen denKurfürsten nicht, denn wir haben ihn schon! Der gute Mann schreibt ferner in den Tag hinein: wir wolltenunserm" (allerdings) Kurfürsten wehren, mitser- nem" (sein Hund, sein Schaaf, sein Pferd) Volke direkt zu sprechen. Im Gegentheil, dieser Fälscherfreund fälscht sich Alles nach seinem Gaumen. Auch unsere Artikel! Wir freuen unö sehr, wenn Se. königl. Hoheit sich alö souveräner Landgraf vollständig enthüllen und Höchstselbst Dero Volk über Dero großen Geist aufklären.

G Berlin, 9. Juni. Der StaatSanzeiger veröffent­licht heut Abend das Protokoll, welches den Friedenstraktat zwi­schen Preußen und Dänemark begleitet hat. Es enthält die Ihnen schon bekannten RäumungSartikel, die ausdrücklich festsetzen, daß Deu­ßen sich verpflichtet, nicht im Geringsten den militärischen Maß. regeln entgegenzutreten, die der König von Dänemark in den Her- zogthümern treffen wird. Eine telegraphische Depesche auS Kiel ver­kündet übrigens, daß die Statthalterschaft entschlossen sei, dje m Ei »rücken der Dänen in Schleswig, unter welchem Vorwande er auch geschehe, mit Gewalt entgegenzu­treten. Wie ich alâ ganz sicher vernehme, wünscht man im hiesigen Ministerium den Krieg. Der mir daS mittheitte, sagte, man wünsche den Herzogthümern auch den Sieg. Sie kennen meine Ansicht dar- über. Hinsichtlich der deutschen Frage erfahre ich jetzt als durchaus gewiß, daß Preußen allerdings den Vorschlag Oesterreichs, sich unbedingt für die alte Bundesverfassung zu entscheiden, für jetzt abgelehnt sei. Preußen hat durch den Grafen Bernstorff geantwortet, daß, da ein Interim nicht zu Stande gekommen sei, es hierüber die Unterhandlungen abbrechen müsse. Dagegen solle jetzt direkt ein Deflnitivum gegründet werden, und zu diesem Zivecke werde Preu­ßen die U n i vn ö ma n ö vr e S suüpendiren und dieVerhand- lun gen zu Franfurt a. M. a bwarten. DaS ist deS Pudels Kern, die Verhandlungen ab warten, und bat über frerren sich die Gothaer! Nach der Ratifikation des Friedens weiden die Unter- Handlungen zwischen England, Russland, Dänemark und Schweden zu London wreder onfgcnvmwrn weide», und zwar in