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zählt der „Siebenb. Bote" folgende schöne Räubergeschichte: „Bor einigen Tagen zeigte sich der schon ehedem übel berüchtigte Viehdieb Nicolai Barbu als Anführer einer berittenen und bewaffneten Bande von ungefähr zwölf Mann in der Umgegend des lieblichen Badeortes Zajzon zur nicht geringen Beängstigung der dortigen Badegäste. Am 23. d. M. jedoch dehnte er seine Razzia bis an die Marken ZajzonS auS, steckte die nahegelegenen Zigeunerhütten in Brand, schoß auf die herbeieilenden Geschwornen und soll sogar von einer Anhöhe herab den Inwohnern eine Natural-Lieferung an Speck, Branntwein und dgl. für seine Armee abgefordert haben, wobei mit Brandlegung und Vertilgung gedroht ward. Er jagte den Zajzoner Badebesuchern und namentlich dem zarten Geschlechte einen wahrhaft panischen Schrecken ein, wozu jedoch kein weiterer Grund mehr vorhanden ist, da tue Behörden alle Vorsichtsmaßregeln getroffen und Zajzon sogar eine militärische Besatzung erhalten hat." (Gegen 12 Mann!! !)
In Oesterreich ist Alles in der schönsten Ordnung. Nur der fatale Belagerungszustand! Das ist ein Sticheln und Prickeln selbst der zahmsten Journale, um diesen unangenehmen Aufpasser los zu werden. So hat der Lloyd vom 6. Juli neben einer Wolke von Weihrauch für die regierenden Marschälle und daS herrliche Heer — und neben dem Beweis der früheren Nothwendigkeit allgemeiner Belagerung, eine weitläufige Auseinandersetzung, daß sein Aufhören nunmehr im Interesse der Civilbehörden, deS Militärs und Volks sei. Und waS dann? „Die Regierung möge einstweilen einen Theil der von der Armee geübten Gewalt in die Hand nehmen! Wir glauben nicht, daß durch diesen Wechsel die konstitutionellen Gefühle des Volkes beunruhigt würden" — schreibt der Lloyd — Wir glauben cs auch nicht! Wer den Belagerungszustand kommandirt, Weiden oder Schwarzenberg! Felix AustriaI —
Der ehmalige kosmopolitische Nachtwächter Dingelstedt, der Laternenredakteur in Stuttgart, ist nun endlich an das Ziel, daS seine langen Nückschrittsbeine erstrebten, angekommen, er ist Redakteur der ministeriellen, standrechtlichen NeichSzeitung in Wien geworden. „Ich muß geheimer Reichshofrath werden!" — (Seinem Busenfreund, Hrn. Oetker in Kassel und sonstigen Gesippen zur möglichsten Nacheiferung!! D ie Ned.)
^ Wien, 9. Juli. — Haynau ist abgesetzt!
Dänemark.
* Kopenhagen, 5. Juli. — Während die schleswig-holsteinischen Truppen zwischen 30 und 40000 Mann betragen, diSponirt Dänemark über beinahe ebensoviel; doch wird es geschwächt durch die nothwendigen Besatzungen sowohl für den Norden Jütlandö, wie für Fünen und Seeland. Denn obwohl die demokratische Friedenopartei unter Tscherning, die s. g. Bauernfreunde in dem Reichstag, für ihre Politik trotz ihrer Majorität keinen entscheidenden Schritt wagten, so traut man doch der innern Ruhe nicht vollkommen. Inzwischen wird der unglückliche, an Körper und Geist verkommene König, ein zweiter Christian VII., von seinen Struensees auf dem Schlosse Friedrichâ- borg in einer anständigen Haft gehalten, die ihm seine Geliebte, Fräulein Naßmussen (beim Volk Lola - Naßmussen), aufs Angenehmste erheitert; — sie selbst hat wieder zu ihrer Erheiterung den Kabinetâ- sekretär deS Königs. Der König hat unter der Bedingung die Einwilligung gegeben, daß sich seine geliebten Unterthanen gegenseitig umbringen, wenn man seine Naßmussen zur Gräfin Donner machen wolle. So war es immer bei diesen Regenten von Gottes Gnaden. Buhlerinnen und Metzen haben noch stetS über ihren Willen und daS Glück ihrer Unterthanen die entscheidende Stimme gehabt. Und dieser Schmutz der Gemeinheit sollte niemals sein Ende sinken ? Man beurtheilt die Dänen falsch, wenn man annimmt, sie wären unfähig für die Freiheit. Selbst ein Theil des jetzigen Ministeriums ist revolutionärer als alle deutschen Dahlmänner zusammen, daS zeigen sie dadurch, wie sie ihren armseligen König deSpotisiren. Aber ihr lächerlicher DaniSmuS ist größer als ihr De m okr a ti â m u S.
Mit den Geldmitteln Dänemarks steht eS nicht zum Besten, d. h. miserabel. Die B. N. schreiben: „Ohne fremde Unterstützung dürfte Dänemark wohl nicht mehr lange im Stande sein, seine Armee auf einem achtbaren Kriegsfuß zu erhalten. Wäre der Abschluß eines Friedens noch einige Monate verzögert worden, so würde Dänemark genöthigt gewesen sein, auf jeden beliebigen Frieden einzugehen." — Wem fällt hier nicht daS alte Lied ein: „Wenn die Hoffnung nicht wär', so lebt ich nicht mehr?" Statt Hoffnung liest man hier Rußland. Diese Hoffnung läßt noch nicht zu Schanden werden. In diesem Augenblick hat diese russischgrüne Hoffnung die Gestalt einer russischen Flotte angenommen, bestehend auS acht Linienschiffen und einer Fregatte, die bei der Insel Moen ankern. Nachträglich ist noch ein Dampfer und eine Brigg dazugestoßen. In Kopenhagen liegen außerdem ein Dampfer und eine Fregatte. Die Schiffe sollen
8000 bis 9000 Mann Landungstruppen an Bord haben. Und wenn daS auch nicht, die Schiffe reichen hin! —
Frankreich.
* Varis, 7. Juli. — Die Haupttagesneuigkeit ist ein beabsichtigtes Attentat auf das gestiefelte Mondkalb, daS so albern arrangirt ist, daß alle Welt darüber lacht. Wir rathen dem Gestiefelten zur Anwendung von Höllenmaschinen, wenn er die Resultate daraus erreichen will, die sein pfiffiger Onkel erreichte. Daâ Journal der Debatâ berichtet, ein junger Mensch von 17 Jahren, ein Schriftsetzer Namewö Walker, trieb sich 2 Stunden lang deS Nachmittags in der Nähe deS Elysee herum, und als ein Wagen herausfuhr, worin Oberst Vaudry saß, stürzte er hinzu und fuhr mit der Hand unter den Rock — ließ aber die Hand sinken und trat zurück, als er in den Wagen geschaut. Sofort springt einer der unzähligen Carlierschen Polizeispitzbuben herbei und der Knabe ruft ohne Weiteres: „Ich bekenne, daß ich den Präsidenten der Republik habe tödten wollen!" — Natürlich hatte der Knabe eine wohlgeladene Pistole bei sich. Ein naiver Sefeloge III. Köstlich, wie die Sefelogik die Runde durch die Welt macht. Kurz vor der Berathung deS Preßge- setzeS findet sich glücklicherweise auch in Paris ein Sefeloge. Werden die HH. Legitimisten nun noch zaudern, die Presse zu zerstampfen. Wodurch ist dieser junge Mörder Walker verderbt und verravaillact worden? Er selbst hat gestanden, daß er die demokratischen Klubs besucht hat, und wo wären diese ohne die abscheuliche Presse? — Und welchen Eindruck werden die Geständnisse des jungen Bösewichts auf die empfindsamen Seelen der guten Stadt Paris machen? Er hat gestanden: eine fixe Idee, ein Fieber wäre bei ihm der Gedanke geworden, du mußt den Präsidenten todtschießen. (Vielleicht gibt eâ in Paris mehr als einen solchen Fieberkranken!) „aber als ich zwei Wagen aus dem Elysce habe fahren sehen, ohne den Präsidenten, habe ich mich durch daâ Schicksal besiegt geglaubt; ich glaubte, daß eâ nicht die Bestimmung deS Präsidenten sei, durch Meuchelmord zu sterben!" — Es ist auch leichter denkbar, daß seine Bestimmung ist, öffentlich hingerichtet zu werden, oder zu enden, wie eS einem elenden Feigling geziemt, durch die eiligste Flucht. Also merk' dirâ Paris, Napoleon ist nicht zum Meuchelmord bestimmt, um so weniger, als er ganz sicher den jungen Sefeloge begnadigen wird. In dieser Hinsicht wird er klüger sein, wie sein Vetter in Berlin, wozu freilich wenig gehört. Mitschuldige hat daS standhafte Schicksalskind nicht! — Daß der Hr. Präsident bei Versailles ein Lager für Truppen errichten läßt, bestätigt sich — Die Zerspaltung der Parteien geht namentlich unter den Legitimisten und Orleanisten in starken Schritten vorwärts. Die s. g. jungen Legitimisten bestehen auf Heinrich V., sie wollen lieber die Republik, als ein Königthum Orleans. Die gemäßigten Legitimisten wollen daS Königthum, und lieber Orleans wie Republik. Die Orleanisten wollen sofort ein Königthum, zum Theil (Thiers) eine Präsidentschaft JoinvilleS für 1852 als Vorbereitung. All diese Wirren sichern den Fortbestand der Republik. Daß die Demokratie ebenfalls nicht ganz ein Herz und eine Seele unter einander ist, wissen wir. Eugen Sue, Vidal, Girardin, Victor Hugo und de Flotte haben den Republikanern erklärt, daß sie nur Sozialisten seien, und daß ihnen an der Republik nichts gelegen wäre. — Der „Proscrit" ist wegen eines Artikels von Ledrü - Rollin konfiâzirt. Gegen ihn und gegen Brutinel Nadal, Gerant des Journals, ist vom Staatâpro- kurator die vierfache Anklage gestellt auf Verletzung deS den Gesetzen schuldigen Respekts, und der Unverletzlichkeit der von ihnen geheiligten Rechte, auf Angriff auf die Rechte und die Würde der Nationalversammlung, auf Aufregung zum Haß und zur Verachtung der Regierung der Republik, auf (erfolglosen) Aufruf zum Attentat, um Bürgerkrieg zu erregen, und Bürger gegen Bürger zu waffncn. Der Aufsatz Ledrü-RollinS trägt die Ueberschrift: An das Volk! Die Montagne wird darin als Feigling angegriffen. Eine Stelle lautet:
„ Volk! Sei bereit zur Vertheidigung der Republik, wie die ersten Christen stets bereit waren zum Sterben, und du wirst triumphiren, wie sie. — Die Führung außerdem, von wem könntest du sie erwarteiz? — Von der Presse? Nachdem sie dich von Weitem zum Widerstand ermahnt, kam sie zurück auf die Sreuerverweigerung, dann auf die Steuerreform, dann — was weiß ick? — Sie hat Furcht. — Die von dir zuletzt erwählten Sozialisten, diese Feuergeister, die Alles in Brand stecken sollten, diese Offenbarer der Zukunst, vor denen Alles Verfinsterung und Vergangenheit war, sie konnten die Zeit nicht erwarten, um sich „iederzusetzcn, die zwölfte Stunde schlagen zu lassen, als sie schon dreimal die Republik verleugnet und sie den Händen der Reaktion überantwortet. — Und der Berg? — Es sei ihm hiermit gesagt, was die Geschickte ihm sagen wird. Er hat sich des großen Ramens unwürdig gezeigt, mit welchem seine Feinde ihn beehrt haben. Ohne eine Vollmacht, ließ er zivei Fragen zur Abstimmung kommen, die über aller Frage erhaben waren: die Konstitution und das allgemeine Stimmrecht. Er hat durch die Abgabe seiner Stimme eine gänzlich unfähige Majorität gekräftigt und die Usurpation legitimirr. Und als dieses Attentat begangen, ist er auf seinen Sitzen geblieben, als ob nun dort noch eine ernstliche Opposition möglich wär, eine Garantie von Rechren da, wo die Gewalt herrscht, und eine Vertretung des Volkes, wo dieses in Bann und Acht dep Konstitution gethan ist.