Erscheint täglich, Montag« auLgenom- men Bierteljährlicher »bennemenlspreir
24 Sgr. Einzelne Nummern in der Er-
Dritter Jahrgang.
peditisn (obere Enten raffe Nr. 113) ju 6 Hlr Durch alte Postämter ^- bezi.'ben Inserate die dreispaltige Petitzebe 8 Hlr
M ISS Kassel, Mittwoch den 10. Juli 1850»
Noch einmal Schleswig - Holstein.
WaS wir vorauSgesehen, woran wir nicht einen Augenblick gezweifelt haben, eâ ist bereits einzetroffen: die feilen Journalisten, die bezahlten und bestochenen deutschen Scribenten verfälschen bereits den Inhalt des von Preußen abgeschlossenen Friedens, werfen schon den Mantel christlicher Liebe über den letzten Verrath an der deutschen Nation, der deutschen Einheit.
Die Aktenstücke liegen noch nicht vor, — nein! Aber auö Allem, waS über den Frieden verlautet, auS den offiziellen und halboffiziellen Andeutungen, auö den Berichtigungen sogenannter „falscher Gerüchte und Ausstreuungen", auö den Vertheidigungen gegen „Verdächtigungen und Verleumdungen", auS jeder Silbe und jedem Buchstaben hören wir daS „Ja, Ja, Ja!", fühlen wir die Wahrheit unserer Behauptung: „Schleswig - Holstein ist verrathen, schaamlvS, schmachvoll betrogen, auf daS Niederträchtigste hintergangen."
WaS liegt unâ daran, ob Preußen so gütig gewesen ist, keine neue Geographie zu machen, Rendsburg und Friedricheort nicht für schleöwigscheö Gebiet zu erklären, was liegt daran, ob hier ein Separatfrieden oder ein Frieden für den „deutschen Bund" geschlossen ist, ob Preußen sich verpflichtet hat, für Retuzirung der schlcöwig-holsteinischen Armee zu sorgen oder nicht, ob rö die Erbfolgefrage offen gelassen hat oder nicht, — — klar und wahr ist eS: der Friedensvertrag, den der „deutsche Kaiser", der „Reichövorstand" geschlossen hat, opfert die Selbstständigkeit und Einheit der Herzogthümer, liefert Schleswig der Rache der Dänen auö, macht den Widerstand Holsteins zu einer Tollkühnheit.
WaS ist weiter noch nöthig zum Thatbestände dcö VcrrathS? ■ Nein, nein, nein, der deutsche Mann hat kein Ehrgefühl mehr, die deutsche Nation ist zu feige, um ihren Verräthern den Handschuh inS Gesicht zu werfen, eS gibt keine deutsche Nation, keine deutsche Frei- heitöliebe mehr.
Der Vertrag wird erst den deutschen Bundesstaaten unterbreitet, — — nicht also Preußen allein, die deutschen Fürsten werden allesammt sich am Verrathe betheiligen. Meinetwegen! Ist ein Komplott etwa weniger strafbar? Ist die Krone Preußen nicht der Anstifter? Der Krone Preußen war die Obhut über daS deutsche Recht, die deutsche Waffenehre übertragen, — ist cö weniger ehrlos, wenn der Ehren- wächter der deutschen Nation eben dieser Nation einen Akt der Entehrung proponirt? Alle sittlichen Begriffe scheinen verwirrt zu sein, göttliches und menschliches Recht scheint über den Haufen geworfen, gegenüber den Fürsten wirft daS deutsche Volk Herz und Gewissen von sich, verschließt eS Augen und Ohren, heißt eS feinen Verstand inS Eajot kriechen.
DaS ist der Fluch der Fürstenwirthschaft, aller Herrschaft, einer jeden souveränen Regierung: daâ freie Wort ist geächtet, Lug und Trug ersetzen die Offenheit und Wahrheit, Heuchelei tritt an die Stelle deS MännerstolzeS, Feigheit, Pfiffe und Kniffe, Beschönigungen und Bemäntelungen an den Platz deü Muthcâ und deö trotzigen Charakters.
Schleöwig-Holstein ist verrathen. Keine Hand regt sich für die Herzogthümer, — mehr, mehr, tausendmal mehr, die feilen Scribenten leugnen den Verrath, beschönigen den Verrath, schwatzen dem Volke daS Gefühl deS VerratheS auö dem Herzen. Wie, und ihr redet noch vom „einigen Deutschland", ihr wagt eö noch von einer Union, von einem halben, einem Viertels-Deutschland zu schreiben? Wenn der schönste, der stärkste Ast vom deutschen Baume geschlagen wird, werbet ihr ruhig dastehen und die Hände falten, ihr werdet euch damit trösten, daß ihr biS an die Grenze des Möglichen gegangen seid, daß die Zukunft euer Recht nicht verweigern werde. DaS ist euer National- ßefnbl, bat ist euer» Begeisterung für r’n großes, einiges Deutschland.
Aber der Verrath Preußens, Preußens allein, ist himmelschreiender, als selbst wir für möglich gehalten haben. Hört: der dänische Zaunkönig hat dem „deutschen Kaiser", dem Erfurter „Reichsvorstand" erklärt, binnen drei Wochen müsse der Friedensvertrag ratificirt fein, sonst beginne der Krieg zwischen Dänemark und dem Bunde. Wißt ihr, von wem diese Drohung auSgeht? Wißt ihr, wer unS eigentlich zwingt, einen Theil unseres deutschen Vaterlandes von unS zu werfen? Hart an der deutschen Küste liegt eine russische Flotte, Rußland kündigt unS den Krieg an, wenn wir die Einheit der deutschen Nation nicht preisgeben wollen.
Und dieser russischen Kriegserklärung ist der deutsche Kaiser, der Reichövorstand auS dem Wege gelaufen; nicht vor Dänemark, vor dem russischen Befehle hat der deutsche Kaiser seinen Nacken gebeugt. Genügt daS, reicht daS hin? Als Deutschland sich in Frankfurt zu einer freien Nation gestalten wollte, da lagerten russische Armeen au unseren Grenzen ; — — die freie Nation ist zu einem Harlekin ge- worden. Jetzt, wo eS nur noch gilt, die Glieder unseres LeibeS nothdürftig zusammenjuhaltc», kreuzt eine russische Flotte an unserer Küste, — — — die Glieder deS LeibeS fallen auseinander, eS gibt kein Deutschland mehr.
Und wenn die Einheit und Selbstständigkeit der Herzogthümer eine wahnsinnige Schwindelei gewesen wäre, Angesichts der russischen Kriegserklärung würde der gemeinste Landsknecht den Degen nicht in die Scheide stecken, keinen Frieden schließen. Der „deutsche Kaiser", der „Reichövorstand" hat den Frieden geschlossen.
Mehr, mehr! Eâ unterliegt keinem Zweifel, daß Rußland nicht gegen den Willen, sondern mit dem Willen deS deutschen Kaisers sein »quos ego« gesprochen hat. Die russische Flotte ist nicht uner- wartcter, sondern abgemachter Weise an der deutschen Küste. Nennt mich einen Verleumder, einen Lästerer, nennt mich, wie ihr wollt: Der Kaiser von Rußland erklärt im Ei »Verständniß mit Preußen dem deutschen Bunde den Krieg.
Die Zukunft Deutschlands ist entschieden. Wir haben lange genug Politik getrieben, um ein Urtheil in solchen Dingen za haben. Gar nicht undenkbar ist eS, daß der Fricdenâvertrag nicht ratificirt wird. In demselben Moment wird mit Einwilligung Preußens Rußland den Krieg gegen Deutschland eröffnen; mit Einwilligung Preußens wird Deutschland den Kosaken und Baschkiren zur „ Pacificirung " preis gegeben werden. Es wird! Rauft euch die Haare über diese Möglichkeit auö, der Plan ist verabredet zwischen Preußen und Rußland.
Wahrscheinlicher ist, daß der Vertrag ratifizirt wird. Rußland hält vermuthlich die Erndte noch nicht für reif, den Herbst Deutschlands noch nicht für gekommen, vermuthlich müssen auch noch einige Verhandlungen in Paris und London gepflogen werden, Rußland wird sich also damit begnügen, die Einheit Deutschlands durch eine einfache „Drohung mit Krieg" vernichtet zu habe«. Rußland gewährt unS eine Galgenfrist.
Wir sind am Ende. Der Friedensschluß mit Dänemark ist die förmliche urkundliche Unterwerfung unter Rußland. Ein schmachvolleres Ende als Deutschland hat noch keine Nation genommen. Auf Korn- mando des russischen Barbaren diktirt rin deutscher Fürst den Selbstmord des deutsche» Volkes.
Das deutsche Volk füftt sich in Demuth.
Deutschland.
* Kassel, 10. Juli. — Kund und zu wissen Jedermann, daß im Augenblick dahier in Kassel eine GeneralzoÜkonfrrcnz der Zollver- einöstaaten statlfindet, wo man, ohne daâ Volk im Mindesten zu be- fragen, abermals beliebige Bestimmungen über Erhöhung oder Erniedri- gung von Eingangs- oder Ausfuhrzöllen treffen wird, die so und sooitl