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Deutschland.
* Kassel, 6. 3uli. — Während Se. königl. Hoheit aus der Ferne Ihre „getreuen Minister" anproklamiren und Leihgeschäfte machen, amüsiren Allerhöchstdieselben Sich auch in der höhern Politik. ES soll feststehn, daß unser Kurfürst durch öftere trauliche Zusammenkünfte den Heezog von Nassau endlich zum Rücktritt von der Union bewogen hat. Gute Gesellschaft bessert schlechte Sitten!
* Kassel, 6. Juli. (Leise Anfrage). Fällt es dem hiesigen Stadtrath, der städtischen Polizei rc. noch immer nicht ein, sich wegen ihrer kurfürstlichen Landgenöd'armeriedienste in Verbreitung der souve- rö"™ w- -'T^^h'on an die „getreuen Unterthanen" zu rechtfertigen? Wird's bald? ? ?
6 Hamburg, 4. Juli. — Die Nachricht vom Friedensschlüsse zwischen Preußen und Dänemark wird Ihnen ohne Zweifel schon auf direktem Wege von Berlin zugegangcn sein; über den Inhalt desselben kann man indessen noch nichts Bestimmtes mittheilen, weil die preuß. Regierung offenbar sehr geheim damit hält. (Man weiß hinlänglich genug von diesem Inhalt. Die Red.) Auffallender Weise enthalten weder die „Neue Preuß. Ztg.", noch die „Deutsche Reform", die beide in den letzten Tagen als sehr gut unterrichtet sich bewiesen haben, heute auch nur die mindeste Andeutung darüber. — Eine andere Berliner Nachricht meldet dagegen von einer Bedingung, die Preußen übernommen habe, dahin lautend, daß die preußische Regierung die Statthalterschaft auffordern werde, ihr Heer auf das bundeâmatrikular- mäßige Kontingent für Holstein zu vermindern. Hier also existirt wieder das Bundesgesetz, daS Preußen zu seinem besondern Benefiz in Frankfurt leugnet. Wie aber, wenn die Statthalterschaft der Aufforderung nicht Genüge leistet? Wird Preußen Gewalt ausüben?
Für'S Erste scheint die Friedfertigkeit der Herzogthümer nicht gar weit her zu sein. Sämmtliche disponible Mannschaft beider Herzogthümer ist auf'â Schleunigste nach Rendsburg einberufen, nachdem die Statthalterschaft so eben erst öffentlich erklärt hat, nachdem sie bis an die äußerste Grenze der Nachgiebigkeit gegangen, Alles für deS Landes Rechte daran setzen werde. Ebensowenig werden aber die Dänen mit ihrem Angriff auf Schleswig zögern, denselben wahrscheinlich auch noch während deS Abmarsches der preußischen „Neutralen" nach dem Süden unternehmen. Es heißt, daß die Preußen am Wasser entlang, Hamburg erreichen wollen, waS allerdings darauf schließen läßt, daß sie sich nicht in den Krieg einmengen werden, da dieser ganz entschieden an der östlichen Seite zuerst Platz greifen muß.
In den Herzogtümern ist nach einstimmigen Berichten eine ernste, aber zugleich freudige Stimmung, dagegen übersteigt die Erbitterung gegen Preußen alle Grenzen. Preußen ist als Hülfsnvlh eingezogen, nm als Gebieter daS Land denselben Feinden zu überliefern, gegen die eS kämpfen zu wollen vorgab.
W Leipzig , 4. Juli. — Die Opposition der guten Presse gegen die Regierung beschränkt sich gegenwärtig auf harmlose Scharmützel mit dem Organe deS Ministeriums und Ergüsse moralischer Entrüstung über die Sprache der Freimüthigen Junkerzeitung. Diefe Opposition ist sehr bequem: die Faustdemokratie, d. h. die Demokratie, die mit dem jetzigen System nicht vermitteln , sondern eS vernichten will, und zwar nicht blos mit dem Maule, sondern mit den Fäusten, diese wird natürlich nach der beliebten Manier der Edlen mit der Junkerpartei zusammengestellt und empfängt der Unparteilichkeit wegen eine gleiche Portion gothaischer Entrüstung, alâ die Ritter mit Gott für König und Vaterland. Die Eigentlichen hatten nämlich von der Demokratie erwartet, daß sie in das Geschrei ihrer konstitutionellen Helden mit cinstimnien und ihnen mit der revolutionären Kraft deS Volkes den Rücken decken würde. Aber die Demokratie ist nicht mehr so dumm, um durch ihren Beistand den Herren Konstitutionellen zu einer Macht zu verhelfen, und statt mit drohenden Mienen und geballten Fäusten die ihr zugedachte Rolle eines Popanzes für unartige Minister zu spielen, bleibt sie ganz ruhig sitzen und sieht sich den Spaß mit an. Das kränkt die Edlen in ihren heiligsten Gefühlen, denn ihre Hoffnung auf Ministerposten ist durch diese Theilnahmlosigkcit des Volkes zu Wasser geworden, und sie sehen mit Schrecken ein, daß sie selbst nicht im Stande sind, einem Ministerium Respekt einzuflößcn. Es bleibt ihnen also nichts übrig, alâ so gut cs geht den Ruckzug anzutreten, was sie denn auch mit vieler Würde, indem sie nach den beiden Er- trcmcn hin die fürchterlichsten Gesichter schneiden, und der Regierung schmerzliche, vorwurfsvolle Blicke verkannter Treue zuwerfen, ins Werk setzen. Jedenfalls werden sie biâ zum 15. Juli vollkommen in die Grenzen staatsbürgerlicher Demuth zurückgekehrt sein, und die von Gott eingesetzte Obrigkeit nicht mehr durch Ungehorsam betrüben.
Die Redaktionen mehrerer gesinnungstüchtigen Provinzialblätter, deren Leitartikel als Beweise von der Stimmung des Landes in dem
alten Dresdner Journal und der Leipziger Zeitung prangte», sind sehr entrüstet über die von Hrn. Sigel gegen sie geschleuderte Anklage, jene Artikel erst aus Dresden zum Abdruck erhalten zu habe». Leider hat die edle Freimüthige in ihrer Freimüthigkeit schon gestanden, daß von Seiten ihrer Redaktion die Provinzialpresse schon lange mit lei- tenden Artikeln in ihrem Sinne veesorgt würde, um für die ritterlichen Ideen Propaganda zu machen, ein Geständniß, was die Glaubwürdigkeit jener Herren Redakteure, trotz ihrer edlen Entrüstung, sehr in Zweifel stellt, und wofür sie sich bei ihren hohen Patronen bedanken können.
Aus Halle muß ich Ihnen nachträglich eine Heldenthat berichten, die ein Lieutenant und ein Junkherrlein des herrlichen KriegSheereö bei einem Feste in dem benachbarten Bade Wittekind verübt haben. Der Wirth deS Lokals hatte nämlich seinen Saal mit Fahnen geschmückt, worunter neben der preußischen auch eine unschuldige deutsche befindlich war. Diese ward sofort von den ritterlichen Jünglingen herunterge- rissc», mit Füßen getreten, mit den Säbeln zerfetzt und schließlich unter dem feierliche» Gesänge des Preußenliedeâ den Flammen übergeben. Diese herzerhebende That wird hoffentlich mit ein paar russischen Lumpenorden vierter Klasse belohnt werden, um den patriotischen Sinn aller Herrlichen zur Nacheiferung anzuspornen.
W Leipzig, 5. Juli. — Wie man sagt, hat daS Ministerium in Erwartung der kleinen Anleihe von 16 Millionen, deren Bewilligung eS von den Ständen entgegensieht, einstweilen sich von der Leipziger Bank einen kleinen Vorschuß machen lassen, wahrscheinlich ein paar lumpige Milliönchen, um die nothwendigsten Bedürfnisse des herrlichen KriegoheerS zu bestreiten. Ich bewundere die Leichtgläubigkeit der Herren Kapitalisten , die da meinen, daS organisirte AuSsau- gungösyftem werde noch so lange bestehen, bis sie ihr Geld nebst fetten Zinsen wieder im Beutel haben. Ober glauben die edlen Bour- geoisseclen vielleicht, daö Volk werde so dumm sein, nach einer neuen Revolution die Verpflichtungen des alten Wuchcrstaatcö anzuerkennen? Nicht einen Heller wird die Revolution zahlen; meint man etwa, das Volk werde nachträglich noch die Kosten tragen für seine Unterdrückung? Freilich giebt eS noch Demokraten, die bornirt genug sind, daS zu verlangen, die nach den schönen Ncchtsbegriffcn von heute dem Volke zumuthen, die Sünden und Dummheiten seiner Väter und Großväter bis ins dritte und vierte Glied zu büßen und auf diese Weise die nachfolgenden Generationen der alten Sklaverei aufs Neue übergeben. Aber das Volk hat nur die Verpflichtungen zu erfüllen, die câ selbst und ohne Zwang eingegangen Hal. Wer dem jetzigen Staate borgt, ist ein Feind des Volkes; mögen die Wucherer es auf ihre Gefahr thun, wir haben nichts damit zu schaffen. Nehmt euch das zu Herzen, wenn ihr wollt und behaltet euer Geld im Beutel. — Waâ die „Frcimüih ge Sächsin" schon lange verlangt, eine Purifikation deS BeamtenstandeS, soll nuu wirklich bevorstehen und theilweise schon begonnen haben. — DaS Gerücht von der Suspension dreier Appellationâräthe, waS ich Ihnen kürzlich mittheilte, war nicht ohne Grund. — Einstweilen hat dem Appellationâcalh Dr. Hö p fn er dieses Schicksal betroffen, wie man sagt, wegen eines mißliebigen Rcchtö- gutachtenâ über die Kompetenz des Erfurter BundeSschiedSgerichtS. Derselbe war überhaupt bei einer Nachwahl zu den letzten Kammern von der Volkspartei alâ Kandidat ausgestellt. Ferner erwartet man dieselbe Maßregel gegen die Appellationâräthe Held (Erminister), Cuno und Schwarze, auch sollen an alle Vorstände von Behörden Befehle ergangen sein, wonach jebir Beamte selbst schriftlich zu bekennen habe, welcher politischen Partei er angehöre. Sie sehen, der Kreuzzug im Innern schreitet energisch vorwärts und bald werden sich die armen Gothaer wimmernd und Gnade flehend am Boden krümmen. Unsere liebe Krcuzzeitung verkündet beim Anfang des neuen Ouaitalo in einer Jubelhymne, daß sie 500 neue Abonnenten gewonnen habe, ist jedoch so ehrlich, zu bekennen, daß nur die Angriffe der Oppost- lionöpresse ihr dieses unerwartete Glück verschafft hätten, und daß die meisten Bestellungen von gegnerischer Seite kämen. Möglich ist 0 und ich glaube der Wahrheit am nächsten zu kommen, wenn ich von 500 eine Null wegstreiche.
S ch w e i z.
= ss = Genf, 2. Juli. — Während man in Genf und Über- Haupt in der französischen Schweiz die wohlthätige Unnm ung ~ er Emigration auf die Hebung dcâ Handelö und namentlich er schaft öffentlich anerkennt, spricht sich in den Blattern der deulfchen Schweiz der tiefste Haß gegen die deutschen Emigrirten aus und >n dieser Beziehung hat jedenfalls die „N. 3- 3- , baö verbreitete ~rj gan derselben die Krone erreicht. In einer „C Harung' in 11 ■ 187 dieser 3ta. richt sie namentlich gegen das „Geschrcibfel der deutschen FluchN.ugc" loS, welche die Schweizer und ihre Politik -» den Koth zöaen rc., ja sie sagt noch, man hätte Mühe gehabt, „den