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Kassel, Sonntag den 7. Juli

Wir wählen zum nächsten Landtag! Die demokrati­sche Konferenz zu Marburg von Demokraten auS allen Landestheilen, die Demokratie KurhessenS hat beschlossen: Wir wählen! Hr. Vilmar ist der Ansicht, daß dieser Entschluß die Folge eines geheimen Tagesbefehls sein müsse. Allerdings. Wir werden unS hüten, Hrn. Vilmar und Konsorten abzustreiten, daß eine furchtbare, eine uner- forschliche Verschwörung vom mittelländischen Meere bis über die Nord­see, von Paris bis Petersburg geht. Unbekannte geheimnißvolle Mächte, wie Juden, Polen und Franzosen stehn an ihier Spitze. Ihre Mittel sind unerschöpflich und ihre Gewalt ist unbesiegbar. Unter dem ab« strakten Namen Idee und Prinzip gebieten sie durch unzählige Agenten über die Herzen deS Volks, über Gut und Blut von Nationen. Hun­derttausend Bajonette haben sie unS verheißen zum Sturze Hassenpflugs. Wir haben geantwortet: unnöthig, ein Stück genügt! Millionen haben sie unS angeboten. Wir haben geantwortet: unnöthig, der Mann macht in kleineren Summen.

Wir wählen! Hr. Vilmar ist der Ansicht, daß wir unS damit für ungefährlich erklärt haben. Wir erklären unS weder für un­gefährlich noch für gefährlich. Wir sind, waS wir sind. Hr. Vilmar, ^-tr Jesuit, brr Vertheidiger der Fälschung und des Diebstahls, der sog. Prediger deS Wortes Gottes, schreibt, wir handelten nicht offen, indem wir an der Wahl Theil nähmen. Hr. Vilmar und derartiges Gelichter spricht von nicht offen! Gauner, die ihr seid! Einst­mals haben wir euch für ehrlich gehalten. Wir haben geglaubt, ihr würdet euch mit Abscheu von dem büreaukratischen Lügengeist eines Hassenpflug abwcndcn, ihr würdet ihm eure Dienste aufkündigen, ihr würdet eueres endlosen Schimpfens auf Diebe, Räuber und Kommu­nisten eingedenk, mit Stolz und Widerwillen vor dem schaamlosen, gcbrandmarktcn Greifswalder Auswürfling zurückweichen. Heuchler, die ihr seid! In euch, wie in der Rotte Louis Philipps wohnt der Geist deS LugS, des Diebstahls, der Wuchers und deS Betrugs vertheidigt nur den kleinen StaatSbctrng dieser Slaaiöspitzbuben bereitet euch am Kleinen vor auf Größeres! Ihr werdet noch genug Gelegenheit haben, den großen Betrug ebenso in Schutz zu nehmen, en Aktiendiebstahl, den Eisenbahnschienendiebstahl, den Lohndicbstahl,. den ZmscszlnSwuchcr, den Privat- und den StaatSbankerolt.

Niederträchtige, die ihr geworden seid! Und ihr erkühnt euch noch, von Moral und von Sitte sprechen zu wollen - ihr erfrecht cu^, a christlichen Tugenden hier auf die Kanzeln zu treten vor allem Volke! Schurken, die ihr seid! Aber wird die Zett konmien, wo euch selbst jene gutmüthigen Weiber ins Ange- sicht spnen werden, bie ^t noch in euch ihren Heiland verehren, die setzt noch einen unverständlichen, mystischen Schwulst und Bombast anbetev als d.e Stimme des Himmels. Alle jene Unmündigen, alle |éne ®linbcn, bu "'" Worte noch verführen, werden von euren schandbaren Werken bekehrt werden und euch herunterreißen von den Altären, die ihr zu Lasterstatten gemacht, von den Hanseln die ibr zu Heuchlcrstühlen entwürdigt. Es wird über euch in Erfüllung «ebn waS ihr mit lügnerischen Pharisäer Herzen auf die angewandt die euch durchschaut bis auf die Nieren - thierisch . sinnliche Frömmler. wird über euch der Bibelspruch in Erfüllung gehn, der da lautet- ES stehet geschrieben, mein HauS soll ein BethauS sein, ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht!" Und das Volk, der neue Heiland, wird die Stühle der Wucherer und Wechsler und die Sessel der Diebe und der Fälscher, ihrer Helfershelfer, Schmarotzer und Lobhudler zerbrechen und sie selbst aus seinem heiligen Volks- Tempel werfen.

Wir wählen. Wir wählen, um euch euren eignen Bettel vor

die Füße, eure Schurkerei und euren Trug offen in den Hals zu schleudern. Wir wählen, um mit euch zu brechen. Wir wählen, um euch zu erklären, daß wir nichts mehr mit euch gemein haben wollen, Gauner und Gaunergenossen, nichts mehr gemein mit eurem ganzen Spitzbubenstaat, daß wir keine Haud mehr rühren wollen, um euren gefräßigen Rachea mit unserm Hab und Gut, mit unsern Leibern zu kitzeln. Ihn zu füllen, wäre selbst beim besten Willen unmöglich! Ihr habt unS herausgefordert durch fchaamlofe, niederträchtige, schmutzige Beleidigungen. Wohlan! Wir halten die Position, bis wir euch die ewige Feindschaft und den ewigen Kampf verkündet haben, bis wir euch gezwungen, eure gleisnerische Maske abzuwerfen und zu erschei­nen, wie ihr seid als daö Thier der Bestialität und der Ver­worfenheit als der Antichrist als der verwesene Knecht deS blutgierigen, nackten, zähnefletschenden Absolutismus als der Geist: der Hölle und der Finsterniß im Kampfe mit dem flammenden Lichte. Eure MaSke soll fallen. DaS Antlitz deS grinsenden Todes soll aller Welt abschreckend vor Augen treten. Euer Schafpelz soll herab. Reißende Wölfe, die ihr seid, sollt ihr gezwungen werden, eure Beute nicht mehr zu umgarnen, sondern zu erfassen und zu zerfleischen, damit sie ihre Kraft und ihren Zorn gegen euch kehre und euch erwürge. Ihr habt euren Lügenmantel gelüftet. Wir werden ihn noch ganz herabreißen. Was Kurhessen, waS Kur­staat, waS Konstitution! Die Wahrheit und nur die Wahrheit! Ihr Vater­land ist die Welt. Ihr habt Kurhessen entehrt, die Konstitution zerbrochen und den Kurstaat zur Beute der Mächtigen gemacht und w i r sollten euch die zerbrochenen Stücke zusammenleimen? Wir sollten unsere ehrlichen Namen zu euren Fälscherstreichen hergeben? Kopfloses Ge­sindel! Fahrt nur so fort! Erst ein Vorschuß von 200,000 Thlr. zu 10 pCt. für den Daistrcckcr, zu 5 pCt. für den Banquier und zu 5 pCt. für den Minister Unternehmer macht 20 pCt. macht an Zinsen 40,000 Thlr. Ein recht gutes Geschäftchen Das. Dann zwei Millionen, zuletzt vier Millionen, macht an Zinsen 800,000 Thlr. Eine recht allerliebste neue Civillistc das. Fahrt nur so fort. Und wenn ihr'S nicht lassen könnt, schneidet euch zuletzt selbst, wie jener Teste, den Hals ab. Ihr erspart den Völkern viel Arbeit.

Also wir wählen! Noch hat die Demokratie nicht in der laudständischcn Position, die uns die Geschichte überliefert, die letzten Konsequenzen gezogen. Ihre Vc'trcter haben nicht als Demokraten gehandelt, sondern alS Konstitutionelle, als solche, welche den alten Staat und seine ganze Schande billigen dadurch, daß sie mit ihm unterhandeln. Wir müssen ihm dieses Untcrhandlungsverhältniß auf« kündigen. Die brutale Gewalt soll nicht mehr den Vorwand haben, daß, wenn man sie auch nicht liebe, daß man sie doch wenigstens all­gemein anerkenne. Die Demokratie andererseits darf nicht Vorkämpfer auf Vorkämpfer verlieren, indem sie dieselben der verderbten Luft dieser bcdicntenhaftcn Kammer Jahr und Tag überläßt, bis sie den Volke abhan» dcngckommen im Dienste der alten PolizeistaatSibeen untcrgcgangem.

Wir wählen! Aber waS an unS liegt, so sollen unsere Vertreter von unS daö M ndat bekommen, als Verkünder. einer neuen Taktik aufzutreten. Sie sollen verkünden, daß ihre Wähler zu der Erkenntniß gekommen sind, daß nur die alte Spitzbubenwirthschaft und den Absolutismus stützen heißt, wenn man mit ihm verhandelt, heiße er Hassenpflug oder Eberhard, Motz oder Wippermann, daß wir den Pfad der Reformen verlassen, und daß wir nur noch auf die Revolution hoffen und dafür arbeiten, daß wir nicht mehr im Umgang mit den Herrschbegierigen, seien sie Konstitutionelle oder rothe Reaktionäre, durch Abgesandte unser Prinzip der Bewegung von Unten, die absolute Freiheit abschwächen lassen wollen und verrathen. Uetn Bündniß mehr mit dem Tiger, feind mit dem Fuchs, kein Lundnist mehr mit der absoluten Gewalt, mit dem Betrug, dem Iesuitrsmus und der Unsittlichkeit!

D e mokr at.kn! Wir wählen! Wählet wie wir..