Dritter Jahrgang.
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Kassel, Sonnabend den 6. Juli
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1850
Das Manifest Sr. königl. Hoheit, die Konstitutionellen und die Konstitution.
Se. königl. Hoheit sind „heilig und unverletzlich";
— siehe §. 10 der kurh. Verfassung. Warum sind Se. königl. Hoheit heilig und unverletzlich? — Weil Se. königl. Hoheit Nichts zu thun haben, sich um Nichts kümmern sollen, weil Sie eigentlich gar nicht existiren, eben so wenig wie ein ungebornes Kind. Se. königl. Hoheit sind eine Idee. Sie sind ohne Fleisch und Blut. Eâ gibt keinen Kurfürsten, es gibt nur eine Krone, ein Kurfürstenthnm, eine Monarchie. Siehe alle konstitutionellen Schriftsteller, von ihrer Zeder bis zu ihrem Asop an der Wand, d. h. von Dahlmann bis auf den berühmten Henkel am Konstitutionötopf von Kurhessen. Se. königl. Hoheit können weder schreiben noch lesen. Denn die reine Idee kann Nichts! — Aber eS gibt einen Punkt, wo diese Idee sterblich ist. Die Ministerfrage ist die Achillesferse der Heiligkeit und Unverletzlichkeit Unserer allcrdurchlauchtigsten StaatSidee. ES gibt einen zweiten Punkt, wo Sie sogar die Gestalt eines ganz gewöhnlichen Menschen annimmt, der nicht blos an der Ferse, sondern überall verwundbar ist. Dieser Punkt heißt daS Geld — daS Geld — die Civilliste und die Steuerverwilligung. Schon daß eine bloße Idee so viel, so äußerst viel Geld braucht, zeigt, daß Sie auf der andern Seite das nackte Gegentheil einer Idee ist. Se. königl. Hechelt habe» Nichts zu thun, Sie herrschen, wie die Götter dcâ OlYwphS thronen Sie hoch über uns in seliger, mühloser Selbstzufriedenheit. Daö ist der tLatz, mit dem die Konstitutionellen diese ekelhafte Abgötterei treiben, mit dem sie der Republik und ihrem fluthenden Leben den Todesstoß versetzen wollen, mit dem sie den Staat über Klippen und Abgründe zur ewigen Glückseligkeit zu führen versprechen. Und siehe da. Jeden Augenblick zeigt der ideelle Abgott seine Achillesferse, und siehe da, ;cdep Augenblick stürzt er den Staat durch seine höchststerbliche Seite ,n Wirrwarr und w Verzweiflung. - Aber was ist zu machen? Er ist hkck.g und unverletzlich. Bon! - Er soll heilig sein, er soll^gar nicht todt zu machen sein, und wenn erden Schinderhannes zum Minister macht, den ganze« Staat zur Domäne, die Staatsbürger zu Hongen Unterthanen und die ganzen Staatseinkünfte zur Civilliste. Was da Fußtritte S.e sind herlig! _ Was da Schinden bis auf Haut und Knochen! Heilig! — Alles heilig' —
Aber einen letzten Punkt gibt es, wo die konstitutionelle Fiktion selbst mit dem besten W-llen nicht mehr auöreicht. DaS ist der Punkt
den^L?^" ^ ^abläßt, Konkurrenz mit den. Be^ ruf m.t den Geschäftszweigen gewöhnlicher Menschen zu machen. Heilig war Ludwig von Ba.ern - von Rechtswegen - aber alS ^1^“ e ud ân ihm geblieben, so haben wir und seine anderen Kollegen ihn zerfetzt. £)tiba ist ^ricdrick Mil Helm IV. von Preußen. Aber als Redner ist er von uns Fläche - l'ch gemacht worden, wie ein Schulbube. Heilig sind Se förM Hoheit, Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hesse«. Aber wenn Die- selben mit der Redaktion der „Hornisse" Konkurrenz machen — wenn Dieselben als Schriftsteller auftiefen — so müssen wir uns doch 'die Freiheit nehmen, im Interesse der deutschen Literaiur sowohl, wie im Interesse unserer Partei Derselben dieses Handwerk zu verleiden. Wenigstens wollten wir Se. königl. Hoheit, als sachverständige Schriftsteller und Stylisten, als welche uns selbst Hans Hassenpflug anerkennen muß, allergchvrsamst angerathe»..haben, doch Hinfüro Sich einer andern Hülfsfeder zu bedienen bei Dero Elaboraten. Wir sind trotz unserer Den oftnlic noch so von altererbter Ehrfurcht durchdrungen, daß wir gar nicht von einer Hülfsfeder abstrahueu können. Wir können unS die gesalbte Majestät nicht ohne dienstbare Knechte denken. — So groß ist die Macht der Gewohnheit! —
Wir müssen Se. königl. Hoheit im Interesse Jhreö schriftstellerischen Ruhms aufmerksam machen auf folgende Mißstände besagten Mani- fcstâ: 1) eS ist viel zu lang für die Leute, für welche eS berechnet ist; 2) eS ist viel zu kurz für die, die eS an den Pranger stellen soll; 3) eS ist zu lang, um nicht langweilig und zu kurz, um gründlich zu sein; 4) es ist matt am Anfang und in der Mitte, wo eS stark sein sollte und stark am Ende, wo eö mild sein sollte; 5) eS imponirt nicht durch Logik; 6) eS imponirt nicht durch Konsequenz; 7) es imponirt nicht durchs Gegentheil; 8) es sagt nichts NeueS, als daß unS geborgt werden soll, wenn wir nichts zahlen, was sich von selbst versteht; 9) Summa Summarum, eS gehört weder unter die klassischen Produkte, noch unter die halbklassischen, eS zeigt weder Genie noch Talent und wird deswegen keine große Sensation, noch den Schriftsteller unsterblich machen. — Und bad Alles blos schon, weil wir dieâ alâ Sachverständige erklären. Denn auf diesem Feld sind wir heilig und unverletzlich, — Wir von GotteS Gnaden, die absoluten und souveränen Vernunftkritiker. Und diese Heiligkeit und Unverletzlichkeit werden wir gegen Jedermänniglich zu behaupten wissen, der sie unS antastet. Zu einem guten Schriftsteller gehört mehr, als Paradegehn und Jagdmachen rc. — Basta! —
Aber wo in aller Welt stecken denn unsere so „raschen und entschlossenen" Federkollegen von der Ne u h e ssi s ch e n? — Lugete o cives! Jammert ihr besonnenen Unterthanen! — Der Schlag hat sie gerüjprt?———d«r- souveräne -mrbarmherzige Schlag! — „ Gerechte Götter! Gibts denn kein Vorrecht, kein Privileg mehr? Eberhard ist gefallen und mit ihm die Staatömoniteurschafl. Und nun neben der verhaßten Konkurrenz der Hornisse auch noch diese gekrönte Kolle- genschaft! — Alles ist aus! — Alles ist verloren!"
Also geht durch die Schaar der Gothabeherzten der Jammer, Insgeheim, wie Schauer deâ Todes, die unendliche Klage.
Und wie jeder Feige, der Alles verloren, zuerst an seinem Elend zweifelt — weil er keine Kourage hat, eâ zu tragen — stellen sie sich auf die offene Gaffe und rufen: „Unmöglich, unmöglich! — Eine Fälschung — Se. königl. Hoheit sind kein Schriftsteller — Se. königl. Hoheit können keiner sein. Se. königl. Hoheit sind nur eine konstitutionelle Idee. Die Ehrfurcht vor dieser Idee verbietet und jede Annahme, daß Se. königl. Hoheit sich herabgelaffen habe, Mensch, einfacher Mensch zu sein. — Wendet die Augen ab! Steckt eure Köpfe inâ Gebüsch! Nehmt bad Manifest nicht in die Hand! Seht eâ nicht an! ES cristirt nicht! — Wer cd anguckt, ist gesetzwidrig, ist strafbar!" t®. Neuh. Nr. 3100
Feig, aber höchst konstitutionell! — Lächerlich über die Maßen, aber nichts als pure Konsequenz im Unsinn ! — Eve. königl. Hoheit nehmen Hru. Hassenpflug zum Minister. Se. königl. Hoheit dürfen bad — aber Hr. Hassenpflug durfte nicht. — Sc. königl. Hoheit lassen von Erfurt ab wie von Frankfurt. Sc. königl. Hoheit dürfen tad. Aber Hassen,flug muß an den Galgen. DaS Wohl bed Fürsten und deâ Vaterlands ist unzertrennlich. Aber H:n. Hassenpflug werden die Steuern nicht bewilligt. Se. königl. Hoheit erlassen ein Manifest- Allmächtiger Gott! Se. königl. Hoheit? Was machen mit Sr. königl. Hoheit? — Wo ist der Sündeubock, wo ist der verantwortliche Uebclihäter? Er muß heraus! — Se. königl. Hoheit selbst? Es ist nicht möglich. — ES ist nicht möglich, weil sonst Alleâ alle, alle »st.
Ja, meine konstitutionellen Herren, meine abstrakten, doktrinären Herren ohne Fleisch und Blut, cd ist and mit Ihren Fiktionen und Ihren Illusionen. Se. königl. Hoheit selbst erklären eö SW»- königl. Hoheit handeln nicht gegen die Verfassung. Oder steyt in Verfassung, daß Sc. königl. Hoheit nicht schriftstellern du^-n . - >a Sie schriftstellern. Daö Einzige, was Se. königl. Hohen gesch.t haben, ist bad Vergessen der Angabe bed Druckers und <,iutfWd. Wollt Ihr dagegen den Staatöprokurator anruftn, wir haben Ni-pl