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Dritter Jahrgang.

prdition (obere Enten lasse Nr. 132) zu 6 H'.r Durch alte Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Htv

W^ 1S2.

Kassel, Dienstag den 2. Juli

1850.

Versammlung einer großen Anzahl Demokraten aus den verschiedenen Landeölheilen Kurhessens zu

Marburg, am 30. Juni 1850 *).

Beschlossen:

1) Die Versammlung erachtet für räthlich, daß sich die de­mokratische Partei Kurhessens an der nächsten Wahl zur Ständevcr» sammlung mit allen Kräften auö dem Grunde betheilige, damit vom Standpunkte der VolkSsouveränetät auS endlich daö volksfeindliche Ministerium Hassenpflug, wie ein jedes feiner Art be­seitigt werde.

2) Die Versammlung schlägt den demokratische» Wählern der nächsten Ständcversammlung vor, für eine kräftige Organisation der Wähler zu sorgen, namentlich für eine unausgesetzte Beobachtung der Gewählten durch ständige Wählerauöschüsse, sowie für ein Zusammen­wirken dieser Wählerausschüsse in allen kritischen Fällen. Gegen die Gewählten wäre dann die Erwartung auSzusprechen, daß sie auf die nach vorangegangener Abstimmung ihrer Wähler etwa erfolgende Auf­forderung Seitens deS WählcrauöschusseS oder des KollegS der Wäh- lerauöschüffe ihr Mandat niederlegen, sei denn, daß sie sich vor ihren Mandanten persönlich rechtfertigten.

3) Die Versammlung spricht ihre Ueberzeugung dahin aus, daß die demokratischen Vereine, demokratischen Führer re. aller Orten sich sobald wie möglich zum Vorschlag von Kandidaten und zu zweckmäßi­ger Wahlagitation vereinigen werden.

4) Die Redaktion derHornisse" wird diese Beschlüsse veröf­fentlichen.

*) Wir werden diese Versammlung näher besprechen, . Die Red.

Deutschland.

C .^dwblltß, 28. Juni. Die Zeitungen haben bereits über die geheime Sitzung deS dänischen VolkSthingâ berichtet, und man erfährt daraus gerade so viel über den Stand der schleSwig hol- steinschen Angelegenheiten, alö man zuvor davon gewußt hat. Die dänischen Blätter gehen mit taktvoller Schweigsanck.it den deutschen mit gutem Beispiel voran. Die Zeitungsenten über die Sache fangen an, immer zahlreicher zu schwimmen, von Wien, von Frankfurt, von Berlin, von Kopenhagen, von Loudon kreuzen sich die wunderbarsten Gerüchte aller Art, die höchstens beweisen, daß setzt eine Krisis eingetreten. Auch berichtet dieNeu" Preußische Zeitung", vulgo Kreuzzeitung, in ihrer heutigen Nummer, daß der Friede Preußens mit Dänemark in den nächsten Tagen abgeschlossen werde. Nous verrons! Lassen Sie mich lieber über die gar nicht unwichtige Wahlaugelegenheit des auS- harrcndcn Nachbarlandes berichten. Die bisherigen Wahlen scheinen mehr, als man zu erwarten geneigt war, zu Gunst, n der demokra­tischen Partei auszufallen. In der Nachbarstabt Altona währt bereits seit drei Tagen der hartnäckigste Wahlkampf und wird deßhalb eist heute entschieden werden. An den ersten Tagen hatte die demokratische Partei ein so entschiedenes Uebergewicht, daß selbst die Gegner kaum noch an deren Sieg zweifelten; daö Blatt hat sich aber gestern wie­der gewendet, vorzugsweise in Folge deS großen Fehlers der Demo­kraten, ihre Stimmen auf zwei Fraktionen der Partei zu zersplittern. Einer der konservativen Kandidaten wird kaum noch geschlagen werden können, um so mehr, da der letzte Wahldistrikt fast ausschließlich von den Begüterten bewohnt wird. DieNordd. freie Presse" läßt be­reits einen Nothruf zur Einigung der Demokraten auf einen ihrer Kandidaten ergehen. Senator H a l l c r, der von hier zum Unionö- gericht nach Erfurt deputirt worden, ist einer der ersten Juristen un­

serer Stadt, früher ein sehr beschäftigter Advokat und eins der jüng­sten Mitglieder deS Raths. Kurz nach seiner Wahl in den Rath ließ er sich einige Halbwegs liberale Aeußerungen beikommen, erhielt aber, wieFama" berichtet, einen entsprechenden Rüffel von seine« hoch- und wohlweisen Kollegen. Seitdem ist er so vornehm und gut­gesinnt geworden, wie man eS nur von einem solchen Würdenträger erwarten kann. Bedeutende geistige Fähigkeiten, auch auf dem Ge­biete der Politik, lassen sich dem Manne nicht absprechen, und die Wahl ist jedenfalls eine glückliche zu nennen.

Wrcölau, 25. Juni. (Die Mai-Verurtheilten. ^ Heute Morgen um 3 Uhr sind diejenigen Maiverurtheilten, welche Festungöstrafe zu erleiden haben, sämmtlich mit Ketten belastet, unter Gcnsd'armcn- Begleitung nach den betreffenden Festungen zu Wagen ^bgcsührt worden. Semrau und Zander kommen nach Glatz, Sch le Han, Nimbs und Kluge nach Silberberg. Joseph Eassirer bleibt vorläufig hier im Jnquisitoriate. Der heutige Reisetag hält die Abgcfühnen noch alle zusammen, da sie daS Nacht- lager in Strehlen aufschlagen werden. Morgen erst, von Frankenstein aus, tritt die Trennung ein. Alle traten getrosten Muthes ihre Reise an, alle waren aber erbittert über die Behandlung, die man ihnen widerfahren ließ. In der letzten Zeit ihrer Haft war ihnen jede freie Bewegung versagt, zur Motioirung dieser Quälerei gab man an, werde e i n, B e fre iu ngs v ersu ch beabsichtigt. (N. Ov. Z.)

W Leipzig, 28. Juni. Wenn die Landstände nichtbeschluß- fähig werden oder sich wiverspenstig zeigen, soll ein neues Wahlgesetz nach dem Muster deS alten von 1831 nur etwas verbösert ortroyirt werden. So prophezeit die gute Presse und ich zweifle durchaus nicht an dem Dwinationsvermögen der gottbegeisterten Priester der rothen Monarchie. Der Herr gebeut und wird geschehen. Nur glaube ich noch nicht, daß die Negierung wird nöthig haben, daâ konstitutiv- nelle Zartgefühl der Gothaer aufs Neue durch eine Oktroyirung zu verletzen: die Kammern werden kommen und beschließen, waS man von ihnen verlangt. ES wäre auch wirklich Schade, wenn die geistigen Anstrengungen und staatsretterischen Erfindungen unserer politischen Taschenspieler nicht mit Erfolg gekrönt werden sollten. So haben sie schon wieder ein Mittel gefunden, den Beschluß deö akademischen Se. natS ganz unschädlich zu machen: sie sagen nämlich: der Senat ist eine Wahlkorporation; will sich ein Theil derselben, sei cs die Majo­rität oder Minorität, der Wahl enthalten, so verzichtet er nur auf sein Wahlrecht, der andere Theil aber kann trotzdem wäylen. Sind daâ nicht pfiffige Leute? Nur Schade, daß die loyalen HH. Profes. form schwerlich die Energie haben werden, eine Minoritätöwahl vor- zunchmen. Doch die Diplomatie kann Vieles und vielleicht wird eine zweite Mission deö Hrn. v. Falkenstein von besserem Eifvlge sein alS die erste. Die Gothaer Opposition sängt schon an bedeutend schwächer und matter zu werden, und bis zum 15. Juli sind noch 18 Tage. Aber es ist auch ein schlimmes Ding umS KonfiSziren der Zeitungen, wenn man an einer Wiederholung dieser polizeilichen Operation sterben kann. Denn trotz, der Zweifel, die ich mit vielen Andern bisher theilte, daß eine Unterdrückung ohne Berurtheilung nicht erfolgen werde, möchte ich doch dass Gegentheil nicht für unmöglich halten. Die freimüthige Kreuz- rilterin macht mir jrauSl,ch: sie lauert wie eine Katze auf eine zweite Konfiskation, um sich an dem Anblick des fallenden Opfers zu letzen; sie erwartet also mit Gewißheit die Unterdrückung ohne Urtheil. Die gute Stele denkt wahrscheinlich von den verwaisten Abonnenten eines u rlerdrücklen BlatteS ein paar als Beute wegzuschnappen, und welcher Triumph wäre nicht für sie, alS Königin mit ihren beiden erlauch­ten Schwestern, der Dresdner Alltäglichen und der Leipziger Mnhme, allein auf dem Schlachtfelde zu stehen und auf den Leibern der er­würgten Gegner ritterlich herumtrampeln zu können. Aber da täuscht sich doch die Gute c*n wenig, die rettenden Thaten sind unvollständig.