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König nach Unterwerfung der Hcrzogthiimer eine Anzahl Schleswiger und ebensoviel Dänen und Holsteiner zur Abfassung eines Gutachten« über die Neugestaltung der Dinge ernenne. Alles das fei geschehn i n Uebereinstimmung mit England und Rußland. Wird euch die Preußens nicht fehlen! —

Frankreich

* Paris, 26. Sunt. — Die Sitzung der Nationalversammlung war gefüllt von Geschrei, Unterbrechungen und Invektiven. ES han­delte sich um einen Antrag der L nken durch Parfait, den außerordent­lichen Kredit von 1849 um 500,090 Fr. zu streichen, die für die Sicherheit und Verschönerung deS Elysee aufgewendet waren. Ord­nungsrufe und Noten gab es die Menge. Pai fair erklärte, daß eS nur von der falschen Akustik d.S Saaleâ herkommen könne, daß ter Präsident strts die Unterbrechungen von der Linken zu vernehmen glaube, wenn sie von der Rechten auSgestoßen wurden. Girardi» holte sich bei dieser Gelegenheit als ErstlingSfrucht seiner parlamenta­rischen Thätigkeit ebenfalls einen Ordnungsruf, alâ er verlangte, daß der Präsident seinen Kollegen selbst ein Beispiel der Wurde geben möge. — Die Legitimisten fahren fort, Hrn. ThierS schlecht zu machen, den sie den Richelieu des kleinen Grafen von Paris nennen. Hr. ThierS soll folgendes FelezugSplänchen ersonnen haben. Die beiden Linien sind vollständig geneigt, sich zu versöhnen, nur die Herzogin von Orleans erklärt, daß sie auf die Rechte ihrer Kinder nicht ver­zichten könne. ThierS rechnet nun darauf, daß Heinrich V. sich nicht lange auf dem Throne wohl fühlen und bald zu Gunsten deS „Knaben Paris" entsagen würde. So halte man die volle Legitimität für taS HauS OileanS, und glänzender kehrte sein Stern zurück, als er ge­sunken. — Ueber die sozialistische Verschwörung in Oran erfährt man jetzt, daß die Zahl der Verhafteten an 30 beträgt, darunter ein Of­fizier, mehrere Unteroffiziere und Gemeine, Gemeinde- und sonstige Beamte, ja sogar die Privatsekretäre des Generals Pelissier und deS CivildirektorS der Provinz. Bei dem Hauptverschwornen, dem Mairie- Sekretär Andre, fand man Waffen und Munition nebst einem voll­ständigen Aufstandsplane, wonach der kommandirende General und der Präfekt verhaftet, daâ Fort Lamoun bei Oran überfallen und genom­men, die öffentlichen Kaffen mit Beschlag belegt werden sollten. Die Entdeckung ward hauptsächlich durch den Zufall herbeigeführt, daß ein Brief an Andre irrthümlicher Weise an den Untersuchungsrichter Ar- vaud abgegeben wurde.

E n g l a n d.

§! London, 25. Juni. — Wir haben heute einen heißen Tag; aber im Unterhaus« gehtS noch heißer her. Lord Palmerston soll dort für sein« jüngste Riede» lag« im Hause der Lordâ (bezüglich der griechischen Angelegenheit) entschädigt werben. Gestern hat die Debatte über Oie Roebu ck' sche Motion (zu Gunsten Palnwrstons) begonnen, und eâ steht nicht zu erwarten, daß sie heute ihr Ende erreicht: Nonbuck's Rede war niederschmetternd für die Gegner Lord Palmerstons. Sir S. Thesiger, welcher ihm folgte, um gegen Palmerston zu spre- chen, wußte sie nicht anders zu widerlegen, als durch den Vorwurf, daß Roebuck, welcher heute so warm für Palmerston Partei nähme, noch vor wenigen Jahren einer seiner entschiedensten Gegner gewesen sei. (Welcher Blödsinn!) Nach Thesiger sprach Mr. P. Wood, seine Rede war weniger bedeutend, wie dieâ auch auâ dem Umstande hervorgeht, daß der „Globe", daâ Organ deâ Lord Palmerston, heute wenig Notiz davon nimmt. Biâ vor einer Stunde, wo ich daS Hauâ verließ, standen die Aktien noch sehr günstig für Palmerston, obgleich die meisten Redner biö jetzt nur gegen ihn gesprochen. Hoffentl ch aber werden seine Freunde, von denen erst die Unbedeutendsten auf der Tribüne waren, noch heute Abend mit „grobem Geschütz" vor­rücken. Von Palmerston selbst, welcher auch heute noch sprechen soll, erwartet man sehr interessante Aufschlüsse über die Machinationen Rußlands, Griechenlands und FrankSreichS. Der „Morning Adver- tiser" beschwört ihn, jede Rücksicht bei Seite zu setzen und durch eine vollständige Mittheilung aller für ihn sprechenden Thatsachen endlich einmal die elenden Pläne seiner Feinde mit einen« Schlage zu Nichte zu »lachen. DaS Resultat der Debatte ist wohl leicht zu prophezeien. Eâ wird ein glänzender Sieg Lord Palmerstons fein. Trotzdem herrscht hier eine allgemeine Spannung, und furchtsame Gemüther zittern sogar vor dem Gespenst einer nahen Ministerkrisiâ. — Se. königl. Hoheit, der Prinz von Preußen, der deutsche Flüchtling auS den Märztagen, befindet sich seit einigen Tagen hier in London. Unsere permanente Kindbetterin, die Königin Victoria, hat ihm be- kanntlich die Ehre erwiesen, ihn zum Pathen deâ jungen Prinzen zu wählen. Der „Punch" konnte bei dieser Gelegenheit nicht umhin, einen schlechten Witz zu machen. Er bringt nämlich die Ankunft deâ Prinzen von Preußen mit »er Absicht desselben in Verbindung, bie

Beschimpfung, welche Ritter Bunsen kürzlich im Parlamente erlitten, zu rächen und mit Lord Brougham zu boxen.

Montag, 24. Juni, Abend«. Russische 4^ pCt. 974; spanische 5 pEt. 174, 3 pCt. 385 ; englische 3 pEt. Renten (KonsolS) 96< bis 96s.

Italien.

Rom, 18. Juni. — Die Nachrichten, welche ich Ihnen über die kühnen Unternehmungen der Räuber in der Romagna gegeben habe, werden nicht nur von verschiedenen Seiten bestätigt, sondern scheinen eine erhöhte Wichtigkeit 511 gewinnen. Nicht um einzelne Ban­den soll es sich handeln, man spricht von einem ganzen Heer in der Stärke von einigen tausend Mann, das sich aus den Ucberresten der Revolulionsarmee in den Wäldern um Ravenna gesammelt habe und sogar mit vier Kanonen versehen sei. An der Spitze soll Oberst Zam- beccari stehen, der hier in Rom während der Belagerung die Bolog­neser Legion kommandirte. In den Zahlenangaben mag manches über­trieben sein, im übrigen aber scheint diese Auffassung nicht unrichtig. Freilich darf man nicht glauben, daß diese Armee einen Aggrèsivkrieg zum Sturze des Papstes beabsichtigt. Es ist im Gegentheil die Ver­zweiflung, die sie zu diesen räuberischen Streifzügen treibt. In ihrer Heimalh will man diese Leute nicht dulden, in benachbarten Staaten wird ihnen der Aufenthalt versagt, zur Uebersiedlung nach entfernten Ländern fehlen die Mittel, was bleibt ihnen also übrig als ein Rän- berleben? Jetzt ist nun in Folge der zu großen Unsicherheit den Oe- sterreichern die gesam m te Polizeigew alt übergeben worden und wird in i t äußerster Strenge gehandhabt, selbst mit dem sonst so sehr verabscheuten Stock. (A. A.)

(Unglückselige Menschheit! Die Despoten Europa's sollten doch endlich so gescheidt sein, und gemeinsam überall die althessische Prü- gelmaschiene einführen. — Hr. Hassenpflug empfiehlt sich als europäi­scher Prügelinspektor — nebenbei als Bauunternehmer und Kaffen- kontrolleur! — Die Red.)

Türkei.

Eine Korrespondenz deâ Lloyd auS Semirn schreibt: „Kürzlich langte in Belgrad ein Tartar au« Bulgarien mit der Nachricht an, daß die Bulgaren, namentlich in 3 Kreisen in vollem Aufstand sind unp offen daS Panier deS Befreiungskrieges gegen die Türkei erheben. Ihre nächste Absicht war, der Türkei die Festung Belgradcicza abzunehmen, waâ ihnen leicht gelungen sein dürfte, da diese Festung eine nur geringe Besatzung hat, aber mit einer großen Menge Mu­nition versehen ist. Belgradcicza soll auch wirklich schon im Besitze der Insurgenten sein. Nähere Details sind noch nicht bekannt."

Ueber den in Bulgarien ausgebrochenen Aufstand vernehmen wir über B lgrad und Senilin folgendes Nähere: Nicht gegen die kaiserliche Pfortenregierung ist derselbe gerichtet, die veranlassende Ur­sache desselben sind lediglich die Bedrückungen der Pfortenbeamten (wlastniks). Der Pascha selbst ist von dieser Ueberzeugung durch­drungen, und daher für versöhnliche Schritte gestimmt. Uebrigens be­stätigt sich die Einnahme von Belgradczicz. Nach einem anscheinend etwas übertriebenen Berichte der zu Agram erscheinenden „Narodne Novine" waren etwa 200 Ortschaften mit 40,000 kriegsfähigen Män­nern aufgestanden. Die Provinz sei von türkischem Militär entblöß, da Omer Pascha mit dein größten Theil der disponiblen Macht nach Bosnien aufgebrochen sei, auch betrage die türkische höchstens der gesummten Bevölkerung der Bulgarei. Die Bulgaren sind Slaven und gehören zum illyrischen Sprachstamme, weßhalb die Theilnahme, womit die südslavischen Blätter die Kunde von diesem Aufstand ent­gegennehmen, erklärlich wird. (Oestr. Cor.)

Amerika.

Spanische Kreuzer haben die amerikanische Brigg „Rolle" aufge- bracht und nach Havanna geschleppt; — alle Passagiere derselben sind eingekerkert. Compball, der amerikaosiche Konsul, der dagegen pro* testirle, soll ebenfalls in« Gefängniß gebracht worden sein. In Wa­shington wurde sofort ein KabinetSrath berufen, die Aufregung war ungeheuer, man erwartete jeden Augenblick eine Kriegserklärung gegen Spanien. Cuba wird immer wichtiger für die Vereinigten Staaten, da man neuerdings in Erfahrung gebracht, daß der cubaifche Gou­verneur mit den Spaniern auf Domingo einen Kontrakt abgeschlossen habe, wonach er sofort nach Beilegung der cubaischen Angelegenheit die Insel Domingo den Schwarzen entreißen will, um sie der spani­schen Herrschaft zu erobern. Da« kann die Union nicht zugeben. Wenn sie auch die letzten Reste der europäischen Kolonialherrschaft noch in ihrer Nähe duldet — daß sie sich vergrößert, kann u*l darf sie nicht dulden.