Einzelbild herunterladen
 

(Snd) eint täglich, Montags ^uszenorr- men Vierteliahrlicher Xbonnementèprcié

24 Sgr. Einzelne Nummern in der Ex-

Dritter Jahrgang.

pedltion (obere Entengaffe Nr. 132) zu 6 Hlr Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hle

]^'-131. Kassel, Sonnlag den 30. Juni 1850.

TL-K" Neues Abonnement. "^^

« Die Hornisse" erscheint auch im nächsten Quartal täglich, mit Ausnahme des Montags, in unveränderter Tendenz Dev Abonnementspreis beträgt 24 Sgr. pro Quartal, für Auswärtige kommt der Postaufschlag hinzu, welcher für die Thurn- und Toxischen Postanstalten, neueren Bestimmungen zufolge, 3 Sgr. beträgt. Einzelne Nummern werden in der Expedition zu 6 Hlr.

abgegeben. Abonnirt wird bei ollen Postanstalten des In- und Auslandes, für Kassel in der Expedition, obere Entengasse Nr. 132, sowie bei den Herren I. C. I. Raabe u. Comp., W. Appel und D. Gottschalk.

Der Preis des wöchentlich einmal erscheinenden Unterhaltungsblottes beträgt für die Abonnenten des Hauptblattes 6 Sgr., außerdem 10 Sgr. Das Abonnement der Hornisse ist von dem des Beiblattes unabhängig, so daß auf die erstere ohne das letztere und umgekehrt abonnirt werden kann.

Lb' Neu zugehende Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung an für den Monat Juni gratis.

Anzeigen aller Art, die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit S Hlr. berechnet, finden durch unsere Zeitung die

größte Verbreitung.

Die Redaktion der Hornisse.

Die Küchenrevolntion.

Am ersten Juli werden die Staatsdiener ihre Gehalte noch aus- bezahlt bekommen, am ersten August nicht mehr. Vom ersten August an wird also die Opposition unserer Bureaukraten gegen Hassenpflug burlesk werden, der Greifswalder Fälscher wird dann die SatiSfaction haben, unsere Helden vom Staatsdienstgesetz reuig zu seinen Füßen zu sehen.

Die Entwickelung unserer Geschichte ist sehr einfach. Am ersten August werden sämmtliche Frauen und Töchter der StaatSdiener eine Monstrcdemonstration gegen ihre Männer und Väter machen und den­selben im Namen der Küche eine fernere Opposition untersagen. Die Männer werden den Kochlöffeln gegenüber ihrer landständischen Cou­rage Lebewohl sagen.

Vom dieser Entwickelung ist Hr. Hassenpflug innig überzeugt. Biâ zum ersten August werden freilich unserm Premier ohnedies Mittel und Wege zu Gebote stehen, seinegetreuen Landstände" zur raison zu bringen, sollte indessen das Drama der Eschenheimer Gasse biâ dahin noch nicht zur Katastrophe gediehen sein, so wird, wie gesagt, Hr. Hassenpflug durch unsere konstitutionellen Weiber regieren.

Die büreaukratische Opposition nimmt ein eigenes Ende. Während man die Demokratie mit Standrecht ikdd Kanonen beseitigt hat, braucht man den Beamten nur ihren Willen zu lassen, man hungert sie durch ihr eigenes Prinzip aus. Ihr wollt keine Steuern zahleu? Su­perbe! Als konstitutioneller Minister weise ich die Erheber an, keinen Silbergroschen in Caffe zu nehmen, als Organ der Contrerevolution zahle ich keinen Heller Gehalt mehr auö. Wer A sagt, muß auch 11 sagen!

Arme konstitutionelle Partei! Bekanntlich besteht diese ganze Partei lediglich auâ solchen Personen, die vom Staate und dessen An­hängseln leben. Verzichtet ihr auf diesen Prosit? Schön! Hrn. Haffenpflug ärgert ihr nicht damit.

Die konstitutionelle Partei ist nur denkbar, wenn sie zugleich regiert. Zur Opposition gedrängt, zesst es sich, daß ihre ganzer verfassungsmäßiger Widerstand eine Thorheit ist, daß kein einziges Mittel, zum verfassungsmäßigen Rechte zu kommen, eine andere Wir­kung alö den Selbstmord hat. Hr. Haffenpflug weiß das sehr genau. Es kam also nur darauf an, den Munstcrstuhl mit Brutalität und Frechheit zu behaupten, die Konstitutionellen auf ihre vormärzliche Po- siiion zu werfen, und Hr. Haffenpflug hatte gesiegt. Die kvu- st tutionelle Partei muß Schritt vor Schritt ihre eigenen Prinzipien rer- leugnen, die Unhaltbarkeit ihrer Theorie in der Praxis eingestehen.

Vom ersten August an aber wird siemehr thun, als dieses. Von da an wird sie unsern Premier sogar selbst ersuchen, die Verfassung umzuwerfen, und sans ln^nn zu regieren.

Auch daS noch! Wirklich, man scheint daS deutsche Volk im Jahre deS Heils 1850 so tief demüthigen, so moralisch zerbrechen zu wollen, daß schließlich über seine eigene Schande und Niederträchtigkeit erschrickt und sich den christlichen Despoten aus Gnade und Ungnade überliefert.

Armes, unglückliches Volk!

Deutschland.

* Kassel, 29. Juni. Folgende Bekanntmachung hat Hr. Finanz- Lometsch in das Land erlassen:Da mit dem 30. d. M. die landständische Bewilligung der Stenern und Abgaben abläuft, und eine neue Bewilligung in Folge der Auflösung der letzten Ständever- sammlung unterblieben ist, so wird hiermit bekannt gemacht, daß 1) sämmtliche Erheber der direkten Steuern angewiesen werden sollen, sich der Einforderung und Beitreibung der vom t. Juli d. I. an fällig werdenden Steuern bis auf Weiteres zu enthalten, daß jedoch die unterbliebene Steuerbewilligung sich nicht auf die vor dem 1. Juli d. J. bereits fällig gewordenen Steuern beziehet, diese vielmehr nach, erhoben und beigetrieben werden. Es werden daher Alle die, welche dem Staate bereits fällige Steuern oder solche Leistungen schulden,, welche, wie z. B. Forstgelder, Domanial.Abgaben, Pachtgelder rc., überhaupt der landständischen Bewilligung nicht unterliegen, ernstlich verwarnt, der E-hebung und Beitreibung nicht etwa einen strafbaren Widerstand entgegeiizusetzen, da ein solcher nicht ungeahndet bleiben würde. 2) Hinsichtlich der indirekten Steuern jeder Art und der Wegc- und Brückengelder wird auf das Ausschreiben deS Gesammt-StaatS- Ministeriums vom heutigen Tage Bezug genommen. Schließlich wird zu allen wohlgesinnten Staatsangehörigen daS Vertrauen und die Erwartung ausgesprochen, daß sie bei der eingetretenen außer- ordentlichen Lage der Staatsverwaltung zur Beseitigung der eintre- tenden Verlegenheiten svviölanöglich Mitwirken werden. Kassel, am 27. Juni 1850. Kurfürstliches Finanz - Ministerium: Lometsch."

Sv macht denn das Ministerium Haffenpflug nicht allein das Land ganz elend eS hat auch noch die FrechSeit, von den Staatsange­hörigen zu erwarten, ihm die Mittel zu ihrem eignen Verderben zu liefern. Schmach auf Schmach! Wer ein wohlgesinnter Staats­angehöriger im Sinne des Hrn. Haffenpflug ist, das muß ein saube­rer Patron sein.

* Oldenburg, 27. Juni. Auf die hannöversche Einladung,