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inHcht' ich werben." Ob denn der geistliche Herr wirklich so große Pust hat, solchen Tod zu sterben. Er spaßt wohl nur, zum Kanonenfutter hält er sich doch wohl für zu gut. Spaßhafter noch ist Wrangel'S Motto: „Man kann im Herzen Milde tragen, und doch mit Schwertern drunter schlagen." Eine Verkörperung dieses Verses ist zwar der ganze Wrangel selbst, wenn er freundlich grinsend nach Rechts und Links gafft und dabei mit dem „haarscharf geschliffenen" Schwerte klirrt. Vater Steinäcker, der „Polens, eund", schimpft bei der Gelegenheit auf den „treulosen polnischen Adel und daS trügerisch polnische Pfaffenthum", und Humbold, der Heroe der Natuiwisscnschaft, muß wahr und wahrhaftig der Last seiner achtzig Jahre erlegen sein, wenn er von „geretteter Civilisation" schreibt. Es könnte Einem beinahe wehe thun, wenn ein Mensch wie Humboldt so etwas sagt, sich so vor dem Kriegsgötzen des TageS beugt. .Die Quintiffenz hat aber Radowitz geliefert. Er schreibt: „Herrscht der Teufel heut auf Erden — Wird Gott morgen Meister werden." Lachen Sie und denken in sich zugleich Ihr Theil dazu! ArweS Deutschland! Dieser Mann leitet Deine Geschicke! —
Reichenbach. — Gegen die Gelksockbehauptung, daß in Deutschland Niemand des Hungertodes sterbe, hat das Geschick jetzt abermals auffälligen Protest eingelegt. Es wird berichtet, daß in der Kolonie Friedrichshain bei StrinseifferSdorf eine dem Hungertyphus gleichende Krankheit auSgcbrochcn sei! Bereits zählt der kleine Ort zwanzig daran Erkrankte. DaS hiesige Land- rathsamt hat Maßregeln zur Abhilfe der Noth ergaifftn. Leider erhielt es die Kunde von dem bedaucrnSwerthen Zustande erst ziemlich spät durch den — Exekutor, welcher auf Requisition der General- kommission 40 Thaler Schuldreste einzutreiben beauftragt war. Der brave Mann ließ seine eigenen Silbergroschen dort, statt Geld von dort mitzubringen. (So gehen die Vampyre Hand in Hand, Exekution und Hungertod!)
Schleown^-Holssteitt , 25. Juni. — Die Hamburger Nach- richten wollen wissen, Hr. von Hinkeldey habe den General von Willisen aufgefordert, binnen sechs Wochen sich in Berlin zu stellen, widrigenfalls er seiner Rechte a l 6 P r c u ß e verlustig ginge. — Ist wohl eine Ente? Wie käme Hr. v. Hinkeldey dazu, dies Hrn. v. Willisen zu gebieten! (Abd. Post.)
O W Dresden, 26. Juni. — Die Konfiskationen gehen lustig fort; gestern ist daâ „neue Dresdner Journal" diesem Loose verfallen, eS fehlt nun blos noch die „Deutsche Allgemeine", dann ist die Reihe der oppositionellen Tagesblätter einmal durch, noch einmal und daS Recht der Unterdrückung tritt in Kraft. Was Gericht, was Beurtheilung! Die allergnädigste Preßordonnanz machte das Verbot von keiner Verurtheilung abhängig. Die edle Freimüthige, der nichts genügt, will ein Blatt schon nach zweimaliger Verwarnung unterdrückt sehn. Vorwärts für Oesterreich ! — DaS Ministerium hat nicht die geringste Befähigung für einen großartigen Styl. ES ist nur groß im Kleinen. So hat es den Schülern der Fürstenschule in Meißen verboten, fernerhin daö Sigel'sche „Dresdner Journal" zu lesen, da Blätter der Opposition durchaus verderblich für die Jugend seien. — Nun ist das Vaterland gerettet, wollte sagen daâ Ministerium. Uns kann diese Maßregel nur ergötzen, denn eine Jugend mit gothischen Grundsätzen ist ein krankhafter AuâwuchS am Baume der Menschheit, der ausgeschnitten werden muß. — Wieder habe ich Ihnen einige Verurlheilungen zu berichten. Kaufmann Schmidt in Löbau ist zu lebenslänglicher, Advokat Ströme! in Zittau und Kaufmann Deitenbach in Dresden zu achtjähriger Zuchthausstrafe ver- urtheilt. Koch Hanitzsch auS Dresden und Buchdruckergehülfe Stein auS Markranstädt haben eö vorgezogen, bis auf bessere Zeiten daâ überglückliche Sachsen zu verlassen und so der hercinbrechenden russischen Kultur etwas aus dem Wege zu gehen. Der Erstere war auâ Dresden, der Zweite am badischen Aufstande betheiligt.
P flauen, 29. Juni. — Der hiesige Staktralh hat beschlossen, eine Adresse an den König zu richten mit einer Verwahrung gegen die verfassungswidrigen Schritte deâ Ministeriums. Es steht zu erwarten, daß noch mehrere Städte diesem Beispiele folgen werden. Hilft eâ nichtâ , so schadet'â doch auch nichts und ärgert wenigstens diese Ritter der traurigen Gestalt, deren Gekeife bereits auâ dem heroischen Ton in den der alten Weiber übergeht, die sich selbst untereinander die Augen auözukratzcn im Begriff sind.
* Darmstadt, 27. Juni. Hr. Jaup hält sich nur mit der größten Schwierigkeit, aber er hält sich noch. Dieser Zwitter von Absolutist und Märzphilister, einstmals Protege deâ edlen Heinrich, wird vor dem Vollblutabiolutisten Hrn. v. Dallwigk, der einstweilen in Frankfurt rcagirt, vor den Stößen, die ihm Hr. Hassenpflug indirekt versetzt und vor den baierischen Intriguen urplötzlich spurlos verschwinden, wie diese Art Lichter stetS verlöschen. Er wird einfach zum Teufel gejagt werden, weil er keine einzige Art von Heft
pflaster anzuwende» die Kourage hat, um sich auf dem Ministersessel festzuleimen.
Oesterreich.
Wien, 24. Juni. — Die „National-Zeitung" berichtet unter diesem Datum: „Dit Nachricht bestätigt sich, daß der König von Neapel die Anfrage hierher gestellt habe, ob die „von seinem Volke (?!) so heiß begehrte" (!) Rücknahme derKonstitutio« gewilligt werden dürfte. Der mit dieser ehrenvollen Mission Betraute soll der nächsten Umgebung deS Königs angehören. Die Anfrage selbst soll blos an den Kaiser und einige Mitglieder des Hofes gerichtet gewesen sein, und von den Befragten sollen sich die Meisten entschieden günstig für die Rücknahme ausgesprochen haben. In dieser Forderung mache sich die wahre Volksstimme geltend, im März 1848 sei diese von einigen kopflosen Schreiern übertönt worden, dieses und ähnliches waren die Motive, die für die Billigung geltend gemacht wurden. Der Kaiser sprach seine Ansicht nicht auS und wollte die Angelegenheit von den Ministern berathen wissen. Im Ministerrathe waren die Ansichten verschieden, die Debatte selbst lebhaft. Fürst Schwarzenberg, der Ministerpräsident, ist für den Absolutisme pure et simple. Das Bok von Neapel sei nicht reif für die Forderungen der Neuzeit, der KonstitutionaliSmus werde in Neapel bei der Rohheit und Trägheit deâ Volkes nie zur Geltung kommen, daS waren die vom Ministerpräsidenten vorgebrachten Gründe. Fürst Schwarzenberg hält sich für eine Autorität in Bezug auf die Verhältnisse Neapels: er war dort Gesandter. Die Minister Bach und Schmerling, welche die politische TriaS deâ achtgliedrigen Ministeriums vervollständigen, widersprechen dem Ministerpräsidente« aufâ Entschiedenste und waren für Beibehaltung der Konstitution. Der mit jedem Tage größer wertende Einfluß Sardiniens in ganz Italien diente ihrer Au- sicht zur Stütze. Bliebe Sardinien daâ einzige konstitutionelle Land der Halbinsel, so müßten die Sympathie» für dasselbe täglich mächtiger werden. Es wurde auf die wachsende Macht Sardiniens, auf die Anerkennung, die es im Auslande findet und auf feine Rivalität gegen Oesterreich hingewiesen. Die Minister Bach und Schmerling entwickelten natürlich dabei ihre konstitutionellen Prinzipien in der Weise, daß auch der krasseste Absolutist beruhigt sein konnte. Aber dieser SchattenkonstitutionaliSmuS ist die Lieblingsfrage für unsere beiden Volksminister. Fällt diese Hülle, dann fallen auch die Träger. Noch ist zu bezweifeln, ob auch der König von Neapel, der kein Portefeuille za verlieren hat, dieser Schwärmerei für den Konstitutiona- liömuS beistimmt, ob nicht die Ansicht der Hofpartei, die ihm von seinem Vertrauten überbracht wird, die Oberhand gewinnt?
rWien, 25. Juni. — Die ungarische Aristokratie ist ad absurdum geführt. Die ungarische Administration ist definitiv beschlossen. Die ganze großartige Munizipal« und KomitatSverfassung ist mit einem Schlage vernichtet. DaS Land wird in fünf Kreise eingelheilt unter Kreiâpräsidenten, an ihrer Spitze ein Statthalter mit einem Statthal« tereiralh. DaS Ministerium aber conferirt in den meisten Sachen unmittelbar mit den Kreispräsidenten. Die Presse und die Aufsicht über die Associationen bleibt der Militärgewalt, d. h. dem Henker, unmittelbar untergeordnet. Köstliche Heldenthat auf dem Papiere! Permanenzerklärung der Revolution unter diesem Volke von Urwählern, daS in seiner Mehrzahl ein so regeâ politisches Leben entwickelt seit Jahr und Tag, daâ nach seiner alten Verfassung alle politischen und richterlichen Behörden in seinen großen Volksversammlungen auâ sich selbst erwählte. So sorgt der Feind der Freiheit in blinder Wuth, daß die blutende Wunde nicht verharrsche, daß der erste Ruf zur Rache im Osten wie im Westen ein furchtbares Echo erweckt, vor dem daâ matte, blut- übersättigte Herz deâ Despotismus in jähem, gewaltigem TodeSschreck brechen wird. — Für Slavonien und Kroatien (341 Quadratmeile« mit 900,000 Einwohnern) hat man eine neue Gerichtsorganisation oktroyirt, während mau einstweilen so gnädig war, die KomitatSver« fassung bestehen zu lassen. Diese Helfer in der Noth kann man nur nach und nach für die Knute zuruckerobern, nachdem man vor ihnen auf den Knien gelegen. — In Wien sind dagegen die Preßangelegenheiten vom 1. Juli an dem Staatsanwalt überantwortet. Blos Einleitung zu einem Manteuffelschen Preßgesetz, weiter nichts. Man übersetzt den Belagerungszustand aus der M'litär- in die Civilspracht.
Amerika.
* Der Dampfer Asia ist am 22sten zu Liverpool mit Nachrichtex auS New-Iork bis zum 13. Juni angekommen. Der General Lopez ist zu New-OrleanS auf Befehl deâ Präsidenten Taylor verhaftet. — Von den Gefangenen war übrigens noch Keiner hingerichtet, wie früher fälschlich berichtet war. Die Cubanische Angelegenheit hofft max friedlich beizulegen zwischen den V. St. und Spanien. — ber Küstenhandel Amerika'S muß Kuba haben, und der Ianree wird schon die gehörige Gelegenheit finden, die spanische Perle zu acqulnren.