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sterialvoistände fiir wesentlich und unaufschieblich zur Sicherheit drâ StaatS oder zur Erhaltung der ernstlich bedrohten öffentlichen Ord­nung erklärt werden sollten, ungesäumt geschritten werden." — Zu diesen ausnahmsweise erforderlichen Maaßregeln gehört aber niemals die Erhebung irgend einer Steuer, direkt oder indi­rekt. Sonst könnte ein reaktionäres Ministerium mit einem servilen ständischen Ausschuß eine Ewigkeit auskommen. — Seht ihr armen Teufel von Konstitutionellen, waâ ihr für einen neuen Bock der Prioziplosigkeit geschossen habt? — Vom 1. Juli an ist Niemand tn Kurhessen verpflichtet, weder direkte noch indirekte Steuern zu bezahlen, weder Stempel-, noch Brücken- »och Chausseegelder. Wir wenigstens werden dieser Ansicht nicht bloâ in der Theorie, sondern auch in der Praxis huldigen! Wir können dies um so mehr, da wir auf den Titel von „Wohl­gesinnten" schon längst verzichtet habe«.

* Kassel, 29. Juni. — Als Hr. Haffeupflug nur einer Fäl- schung wegen an geklagt war, sind wir es gewesen, die ihn gegen die voreiligen Angriffe der Gothaer in Schutz genommen, weil wir auch gegen den Feind Gerechtigkeit verlangen. Zwar wäre eâ pas- send, anständig und zartdeokend gewesen, wenn Hr. Hassenpflug unter solchen Verhältnissen gar kein Ministerportefeuille angenommen. An­ständig wäre eS gewesen, wenn Se. königl. Hoheit ihn unter diesen Umständen nicht berufen. Aber Zartgefühl ist nicht Jedermanns Sache, und namentlich nicht die eines Hrv. Hassenpflug. Nachdem derselbige Mensch aber der Fälschung schuldig erkannt worden, nachdem er für unwürdig eines preußischen StaatöamteS erklärt worden, kann von unserer Seite auch nicht von der geringsten Inschutznahme die Rede sein, da er nicht nach diesem Urtheil auf der Stelle sein Portefeuille niedergelegt hat. Hier hilft keine neue Appellationsinstanz. Er muß «eichen! Ob er nach einem freisprechenden Urtheil höherer Instanz zurückzukehren die Frechheit haben wird, ist seine Sache. Herunter mit ihm vom Ministersitz, herunter mit dem Verräther, mit dem Manne, der seinen Volköstamm der Verachtung der Welt preiß gibt, herunter mit dem Auswürfling der preußischen Bureaukratie. UnS ist eS gleich, wer seine Stelle eronimmt. Aber die Schaamlosigkeit und die Ehrlo- sigkert soll wenigstens nicht unsern Herrn spielen, gebe eS, waS eS wolle. Volk, du weißt eS, daß wir Feind sind jedeâ unüberlegten Schrittes. Aber eS gibt einen Höhepunkt der Schmach! Wenn du diesen erträgst, so sei verwünscht, sei verdammt, die Auswürflinge ganz Deutschlands sich in dein Herzblut theilen zu sehen. — Jubele, perfide Reaktion, du hast dieses Land dahin gebracht, wohin du eâ haben wolltest, — eS zuckt, eâ gährt, — öffne deinen Rachen, eS zu verschlingen, — der Rechtâtitel dazu ist im Anmarsch!

△ Staffel, 28. Juni. — Nichts komischer als die Selbstver- vichtungSwulh der kirchlichen Obskuranten unter Vilmar, dem Papste der kurhessischen Episkopalkirchensimpelei. Diese Menschen sehn, daß der Unglauben und der JndlffercntismuS ihrem geliebten Aberglauben daS Messer an die Kehle setzt. Waâ thun sie? Um ihn zu retten stoßen sie die letzte Stütze fort, die ihn bis jetzt noch gehalten, die Staatsgewalt. — Warum haben sich Tausende und Abertausende unter dem Joch der geistlichen Heuchler und Pharisäer gebeugt? Weil sie mußte». Weil sie der Slaat zwang — Und jetzt, weil sie glauben, der Staat habe noch immer diese Macht. Löst euch von der StaatS- gewalt und ihr zerfallt in euer Nichts. - Alles zerfährt in Sekten und eine selbstständige Episkopalkirche wird Nichts sein, als die Sekte der Vilmarianer. Aber nicht blos der Kirche gebt ihr den Todesstoß, indem ihr voll Verzweiflung den letzten Rettungsversuch wagt, — auch den alten-Polizeistaat, dem ihr so eifrig zu dienen vergebt, reißt ihr mit euch hinab. Die Lehre der GotteS-Gnaden Polizei geht zum Teu­fel. Ihr scheint in eurer kostbaren Naivität nicht zu begreifen, daß ihr nichts mehr und nichts weniger vorhabt, als die Republik beschleu­nigen zu Hebseo und euch selbst zu mystischen Republikanern umzutaufen.

* Stapel, 29. Juni. — Von verschiedenen Seiten hat man hier die verschiedensten Kandidaten vorgeschlagen, die man dereinst aufstellen könne oder wolle. Alle diese Propositionen sind bis jetzt Prrvatunterhallungen; keine der Parteien hat bis jetzt bestimmte Per- tonen offiziell bezeichnet. Hiernach muß die Angabe über eine Aufstellung von Janson und Kellner Seitens der demokratischen Partei, welche die Neue Deutsche Zeitung mittheilt, berichtigt werben. Dec Verein sur Bvlksrechte und der demokratisch-soziale Verein haben sich biS jetzt nur über die gemeinsame Berufung resp. Beschickung einer demokratischen Konferenz zu Marburg vereinigt.

O Berlin, 27. Juni. — Die. Komödie mit Oesterreich scheint sich jetzt auch offiziell der Katastrophe zu nähern; faktisch hat bereit- die Verhöhnung, wie bei den Bühnenlustspielen, statigchabt. Vorher muß jedoch erst noch eine Besprechung stattsinden, damit keine Diö- Harmonien daS schöne Finale stören. Zu diesem Zwecke werden Hr. v. Rabvwitz, der in den nächsten Tagen erwartet wird, und Graf

Bernstorff, preußischer Gesandter zu W'ei, hier eine Zusammen­kunft halten. Bernstorff hat sich heute früh auch schon eingefunden und sogleich eine lange Unterredung mit Hrn. v Schleinitz gehabt. Rn- dowitz wird dem Dinge jedoch erst den Trumpf arfrücken. Daß Meyendorff, der russische Gesandte, gerade während dieser Zeit nach Dresden gereist ist, mag vielleicht den hohen Politikern viel Kopfzer­brechens machen, hat aber lediglich seinen Grund darin, daß er sich Material für die späteren Besprechungen mit Bernstoff und Radowitz sammeln will, die er nach seiner kurzen Abwesenheit hier noch antreffen wird. Auch Manteuffel, der Adjutant, der daS Dankschreiben für den Kondolenzbrief nach Wien bringen sollte, zugleich aber, wie die Diplomaten sagen und wie jeder vernünftige Mensch ahnen konnte, „mit einer höheren Mission betraut war" — ist wieder eingetroffen. Mit der Antwort, die er mitgebracht haben soll, will ich Sie ver­schone«. Sie können den Inhalt des königlich-kaiserlichen Handschrei­bens sehr leicht selbst errathen. — Unser Gothaer Gewürm freut sich über die schnöde Antwort, die Hannover von Oldenburg bekommen haben soll. Wenn die Leute nur nicht wieder einmal ihre Wünsche für Thatsachen angeschn haben! Der hannöversche Plan ist ebensoviel werth, wie der preußische, und die Preßordonnanzen haben sicherlich die Theilnahme für Kleindcutschland nicht erhöht. — Um endlich mit der hohen Diplomatie aufzuräumen, noch die kurze Nachricht, daß Preußen in sehr baldiger Zeit — ob auf eigene Hand oder im Namen Deutschlands? — Frieden mit Dänemark schließen wird. Preußen wird in den FcredenSbedingungen die Herzogthümer ganz auf­geben, wird aber von Dänemark verpflichtet, seinen ganzen „Einfluß" aufzubieten, dre Herzogthümer zu beruhigen, falls sie sich gegen die dänische Autorität auflehnen sollten. Ob diese Pazifikation nur durch bloßen „moralischen" oder etwa auch durch physischen Einfluß bewirkt werden soll, überlassen wir den Weisen der „Deutschen Reform". Wir wissen unser Theil und haben genug daran! Noch immer rollen die Donnerschläge von dem Gewitter der Konfiskation der „Kreuzzeitung" nach. Sie ist furchtbar durch diese „büreaukra- tische" Maßregel ihres Feindes Hinkeldey konsternirt worden. Aber daS muß mau ihr zugestehen, zaghaft ist sie nicht. Sie versichert, daß sie „niemals, niemals, niemals aufhören werde, ihre Mei­nung zu sagen", und daß sie Wort hält, beweisen ihre täglichen Artikel, einer heftiger als der andere. Jetzt ergreift sie sogar, etwas ahn- lich der „Gazette de France" des verstorbenen Abbe de Gènoude, Partei für den Arbeiterstand, dessen Ehre unverletzlich bleiben solle von der Willkür, dem Despotismus und der Bosheit der Büreaukratie. Man erzählt sich übrigens, daß die Redaktion der „Neuen Preußi­schen" sogleich daâ Blatt werde eingehen lassen, wenn man es wagen sollte, sie vor Gericht zu stellen, weil sie daS Königthum gegen den Büreaukraten Manteuffel vertheidigt habe!' - Und sie hat Recht! Ist Manteuffel mächtiger als Hof und König, dann ist die Zeit der „Neuen Preußischen" vorbei. Wer aber glaubt daS? Wenn die Absolutisten erst ahnen werden, waS die Bedeutung der Kon­fiskation zu bedeuten, daß sie nichts gemein hat mit denen anderer Blätter, daß eâ sich nicht um reaktionäre Opposition gegen.ein zu liberales Ministerium, sondern einfach um die Frage handelt: Ob Kö­nigthum, ob Büreaukratie? Ob Friedrich Wilhelm IV., oder Man­teuffel? — dann wird ihre ganze Wuth sich entflammen, und wie wollen sehen, ob Manteuffel und sein Diener Hinkeldey ihre büreau- kratische Gewalt nicht überschätzt haben! Hinkeldey wird cs übrig'nS durch eine Versetzung büßen, daß er es gewagt, die Neue Preu­ßische zu konfisziren und dadurch am Hofe sehr große Miß bill i gung zu erregen, wie männiglich längst bekannt ist. — Den Civil beam­ten ist untersagt worden, noch ferner die deutsche Kokarde neben der preußischen zu tragen. Bei dem Militär, heißt eS in dem betreffenden Erlaß, habe daâ Tragen beider Kokarden eine besondere Bedeutung, bei den Civilbeamten aber nicht; man würde es gern sehen, wenn sie auch außer Dienst nur die preußische trügen. Warum nicht? Sie haben beide ihre Bedeutung verloren. — Ja Folge der Springer schrn Verhaftung sind alle hiesigen Buchhändler zu Hinkeldey berufen worden, um ihre Konzessionen vv-zuzeigen. Man wird wohl eure tüchtige Purifizirung vornehmen, denn viele Buchhändler haben sich nach dem März oyne Konzession etablirt. Springer selbst wird 'wmer noch festgehalten. Er hat Kaution stellen wollen, das hat aber Mch geholfen. — Bekanntlich wurde in den Grundstein des am Jun, gesetzten „ Nationaldenkmals" auch ein Album mit cigenhan igcn Gedankenspänen unser allerhöchsten, höchsten und hohen Herr chaf en Hinern- gepackt. Wie es für einen „konst.-ut.onellen Staatsbürger" gebührt, will ich Sie mit den frommen Souvenirs der länglichen Fami re nicht lang­weilen. Spaßhaft ist der' Gedenkspruch Brandenburgs der selbst bc. Gelegenheit todtgeschossener Soldaten Nichts werter zu schreiben wußte, als .

Durch'" — spaßhaft ist auch Ladenbcrgâ Citat aus Ko-ncrS „Z 'ny - ?Wt solchen Helden solche« Tod zu sterben, um keine schönre Krone