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Dritter Jahrgang.

Petition (obere Eutenaasse Nr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.

Erscheint täylicb, Montag« auszmom- mm Bierteliahrlichcr Abonnementspreis 24 Sgr. Einzelne 9iummcrn in der Er-

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W'- IS». Kassel, Freitag den 28. Juni ISSO.

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DieHornisse" erscheint auch im nächsten Quartal täglich, mit Ausnahme des Montags, in unveränderter Tendenz Der Abonnementepreis beträgt 24 Sgr. pro Quartal, für Auswärtige kommt der Postaufschlag hinzu, welcher für die Thurn- und Toxischen Postanstalten, neueren Bestimmungen zufolge, 3 Sgr. beträgt. Einzelne Nummern werden in der Expedition zu 6 Hlr. abgegeben. Abonnirt wird bei allen Postanstalten des In - und Auslandes, für Kassel in der Expedition, obere Entengasse Nr. 132, sowie bei den Herren I. C. I. Raabe u. Comp., W. Appel und D. Gottschalk.

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Herr Haffenpflng regiert weiter.

Trotz alledem und alledem, trotz der Greifswalder Verurthcilung, trotz den Anstrengungen unseres StadtratheS, trotz Oetker und Eggena, trotz den verschiedenen Gerüchten über militärische Opposition, trotz dem 1. Juli, von wo ab Niemand mehr Steuern zu zahlen braucht, regiert Hr. Hassenpstug in aller Gemüthlichkeit weiter, bemerkt keine Seele ein Stocken der Staatsmaschine, geht Alles seinen gewöhnli­chen, vorschriftsmäßigen Gang. Das ist das Resultat der landstän- dischen Opposition I DaS ist der Erfolg der konstitutionellen Agitation!

Niemand erwartet von und, daß wir uns besonders eingenommen zeigten für die Erhaltung des alten Staates, der alten Staatöfor- men, Jedermann weiß, daß wir innigst vergnügt sind über jede wei­tere Blamage unserer baufälligen Gesellschaft, nichts desto weniger erklären wir, daß uns das Blut ins Gesicht steigt über diese Hassen- pflugsche Schaamlosigkeit des Fortrcgierenö, daß wir daS deutsche Volk für unfähig gehalten hätten, sich von einem Fürsten beherrschen zu lassen, dessen Premierminister vierzehn Tage Gefängniß wegen Fälschung abzusitzen hat.

Als Sozialisten haben wir Entschuldigungögründe für Räuber und Mörder, für Diebe und Schwindler, als Sozialisten wissen wir, daß die ganze Gesellschaft von oben bis unten faul ist, daß die honette Spitzbüberei in eine und dieselbe Kathegorie gehört mit der Spitzbü­berei der ZwangöarbeitShäuöler, aber für Hrn. Hassenpstug, für Seine königliche Hoheit, den Kurfürsten, haben wir keine Entschul­digungögründe, wir haben keine Gründe, wcßhalb wir Hrn. Hasscn- pflug in der honetten Gesellschaft in integrum restituiren, womit wir, nicht etwa die Fälschung, sondern die Renommage mit der Fälschung beseitigen sollten.

Herr Hassenpstug regiert weiter. Konstatiren wir den Inhalt dieser Thatsache.

Bon diesem Moment an ist Se. königliche Hoheit der Kurfürst beseitigt. Mögen Se. königliche Hoheit anfangcn waö Sie wollen, lad Volk wird nimmermehr die Zumuthung vergessen, sich von Hrn. Hassenpstug regieren zu lassen. Se. königliche Hoheit konnten einen Minister wählen, wie Sie wollten, einen rothen Reaktionär, einen politischen Schurken, bon! Hrn. Hassenpstug durften Sie aber nicht zum Minister machen, über die Fälschung deS Hrn. Hassen­pstug durfte Seine Königliche Hoheit sich nicht hinauSsetzen. Wenn Seine königliche Hoheit sich in der Union, in Berlin oder in Frank- futt begraben hätten, _ Seine königliche Hoheit wären vor dem Volke auf dem Paradebett gelegen, in den Greifswalder Untere

fuchungsakten untcrzugehen, scheint und ein zu armseliges Ende für eine 600jährige Dynastie.

Seine königliche Hoheit haben Ihren freien Willen. Aber nicht blos der Kurfürst, die ganze Regierung ist in den Schmutz der Has- fenpflugschen Affaire gerissen, nicht Mod die Regierung, sondern alle Staatsgewalten, die Stände so ,ar, selbst daS Volk. Warum haben die Staatödicncr nicht ihren Abschied genommen? Warum nicht? Meint ihr, daS sei eine übertriebene Opposition? Also opfern wollt ihr für eure Ehre nichts? Und ihr verlangt die Beseitigung Hassenpflugö?

Hr. Hassenpstug existirt. Dadurch machen sich alle Staatsgewal­ten, die Stände gleichfalls, der nachfolgenden Theilnahme an der Fäl­schung schuldig. Ihr sagt, der Staat müsse doch fortbestehn! Wie? Ein Staat, wo ein Fälscher Premierminister sein kann? Seht ihr nicht ein, daß ihr durch die Erhaltung dieses StaatS den Staat für immer in Mißkredit bringt, daß ihr die ganze Staatügesellschaft dcmoralisirt?

Die Demokratie könnte über unsern Zustand lachen, wenn sie nicht, wenn wir nicht Menschen wären. Daß Kurfürst, Stände und Staalödiener in der Hassenpflugschen Atmosphäre fortzuleben ver. stehen, könnte und eben ein Beleg sein, daß sich gewisse Leute schließ­lich mit Allem zu arrangircn wissen, selbst mit Hrn. Hassenpstug. Hr. Hassenpstug hat die konstitutionelle Partei in seinen eigenen Ab­grund geschleudert.Muß ich zum Teufel fahren, sollst du mit." Daß aber ein solcher Scandal, wie wir ihn dermalen in Kurhessen haben, überhaupt ertragen wird, daß man, wie zu vermuthen ist, einem solchen Scandale sogar die Geldmittel bietet, das ist nicht blos eine Gleichgültigkeit gegen den Kurfürsten, den Staat, die Regierung, daS ist in der That auch ein Beweis für die tiefe Ge­fühllosigkeit des Volks, für die Abstumpfung seiner moralischen Energie.

Hr. Hassenpstug koustatirt die Bettelhaftigkeit unserer Zustände überhaupt. Und daS ist die Mission Hassenpflugö, daS ist sie, und keine andere. Wäre Hr. Hassenpstug eines Dieb- stahlS mit Einbruch schuldig befunden, er wäre der Minister geblieben, um den Beweis zu liefern, daß ein Volk selbst das vertragen kann. Hr. Hassenpstug will zeigen, waS man dem deutschen Volk bieten darf, heute, zwei Jahre nach seiner glorreichen Revolution.

u banque! Unser Premier pointirt auf die Niederträch­tigkeit deS Volks, wir unsererseits auf seine si ttl i chc E r he bun g. Wenn Hr. Hassenpstug verliert, so hat der Kurfürst, der Staat, die Negierung, so hat die ganze dermalige Gesellschaft verloren, verlieren wir, so stehen wir am Ende der europäischen Civilisation, am An­fänge deS allgemeinen Todes. Wir werden sehen!