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Dritter Jahrgang.

pebitien (obere Entengaffe Nr. 132) in 6 Hlr. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.

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Kassel, Sonnabend den 22. Juni

1830.

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Die Aufgabe der kleinen deutschen Staaten und Volksstämme.

Sofort nach dem sogenannten Freiheitskrieg fanden sich die deut­schen Fürsten in Gnaden bewogen, ihren Unterthanen für daS in ihrem Interesse vergossene Blut ein klein wenig Freiheit zu versprechen in Form einer zukünftigen landständischen Verfassung, damit der Ausdruck Freiheitskrieg doch nicht gar zu lächerlich erscheine. Man weiß, waS sie freiwillig erfüllt haben. Nichts! Und daS mit Recht. ES ist Wahnsinn, zu verlangen, daß Jemand Selbstmör­der sein soll. Ihre Verkehrtheit bestand im Versprechen. In den kleinen Staaten stieg jedoch der Unwillen über die Nichterfüllung die­ser fürstlichen Verheißungen bald zu einem solchen Grad, daß sich die edlen Souveräne hier und da herabließeu, dem Wunsche ihrer Lieben und Getreuen zuvo>zukommen. Vor Allem fühlten die ehemaligen Mitglieder deâ Rheinbunds, die Könige und Großherzöge von gestern die Souveräne von Napoleons Gnaden die unangenehme Noth. Wendigkeit, die Herzen von Dero eben erworbenen Unterthanen durch etwas KoustitutionaliömuS zu ködern. In dem Wetteifer um Popu­larität suchten sie eine Stütze für ihre nagelneue Souveränetät gegen die Hegemoniegelüste von Habsburg und Hohenzollern. Sie sollten schwer für ihre Thorheit büßen. In diesen Ländern begann die frei­heitliche und die nationale Bewegung, und bald war halb Deutschland so weit allarmirt, daß den Fürsten, die nicht freiwillig dem Ab­solutismus entsagten, die Verfassungen mit Gewalt abtrotzen konnte. In den großen Staaten blieb es jedoch noch immer beim Alten. Der getreue Pommer blieb der treue Pommer, und der gutmüthige Tyroler ließ nicht von feinen Franzerl. Berlin ist weit von Pommern, und Wien von RproL Während in den kleinen Staaten daö ganze erbärmliche Leben, die ganze Untüchtigkeit der Fürsten bis in den ent- frrntesten Winkel des Landes jeden Einzelnen mit Zorn, mit Abscheu, mit Verachtung erfüllten wußten die Höfe zu Berlin und Wien ihre Unsittlichkeit und ihre Schande in einen undurchdringlichen Npm- buö zu hüllen, der durch die Entfernung nur noch undurchdringlicher wurde. Seit dem Jahre 1830 aber wurden sie durch die Volks­bewegungen in den kleinen Staaten genöthigt, offen mit der Sprache des Absolutismus hervorzutreten, den sie bis jetzt unter einer s. g. väterlichen RegierungSmelhode verborgen hatten. Sie erkannten da­mals zu klar, daß diese konstitutionellen Verfassungen daâ Fürstenthum vernichten würden, daß man dieselben biâ auf ein bloßcö Scheinleben tinschrävkt« und vernichten müsse, wenn Throne und Kronen gerettet

werden sollten. erfolgten die famosen geheimen Beschlüsse ber Wiener Konferenz und die berüchtigten Ausnahmcmaßregel«.

Zu spät! Der ganze Erfolg war, daß Hr. v. Metternich seinen und deu Berliner Hof zum Gegenstand des Abscheueè in ganz Deutschland machte, und daß in Preußen und in Oesterreich selbst all­mählich eine Opposition erwachte, die an den Kämpfen in den Stände- kammern der kleinen Staaten ihr Vorbild fand, und euâ den Angriffen von dort auf die Großdpnastien immer neue Nahrung. Daâ Kammer- leben in den kleinen Staaten wurde die Freiheitsschule Deutschlands. Fürst und Volk lernten daraus. Die Fürsten, daß der erste Schritt zur Freiheit zum letzten führt, daß das Leben der Völker ihr Tod wird. DaS Volk, daß es entweder Alles gewinnen müsse, oder Alles verlieren. Die Einzigen, die Nichts darauâ lernten, waren eigen­thümlicher Weise die Vertreter deâ Volkes selbst. Sie blieben bei den feigen Redensarten, daß sie ja gerade die Fürsten erhalten, daß sie ja gerade die Treue und den Gehorsam pflegen wollten, wenn man ihnen nur einige wenige Konzessionen mache. Der März 1848 sollte sie plötzlich mit den Konsequenzen ihrer Doktrin überraschen. DaS Volk der kleinen Staaten wollte endlich diesem täglichen kleinlichen Wortkampf zwischen dem Fürstenthum und der Repräsentation ein Ente gemacht wissen, indem eS dem ersteren alle Macht nehmen und sie der letzteren zuwenden wollte. Auch da kamen die s. g. Volksvertreter noch nicht zur Erkenntniß. Sie machten die Revolution mit, sie drohten und ballten die Fäuste, sie beschimpften daS Fürstenthum bis aufS- Blut und dennoch faselten sie von treugehvrsamer Ergebung und hofften in Frieden und Freundschaft die Märzerruugeuschaften mit den Kronen versöhnen zu können. In keinem Staate vielleicht ist diese Thorheit mit größerer Naivetät betrieben worden, alS in Kurhessen. Hier stellte der bekannte Henkel am 17. Juni 1848 den Antrag in der Ständekammer auf einen Zusatz in der Verfassung, wonach der Regent die gesammte AuSubung der ihm anvertrauten öffentliche» Ge­walt auf seine Minister übertragen solle. Dadurch wollte der schlaue Mann daS Fürstenthum vor der Republik retten,deren Aktien (sagte er schon damals u n v e r h o le n ") mit jedem Tage mehr steigen." Indem er den Fürsten ganz entehrte nnd entwürdigte, indem er ihm den letzten Stoß gab, wollte er ihn vor der Republik retten! Svl- chcn Aberwitz treibt nur die Partei Gotha! Mit diesem Antrag hat Hr. Henkel die Einleitung der Republik formulirt. Und nun glauben diese Herren von Gotha, daß daö HauS Hohenzollern nach diesen Lehren noch immer einen unbesiegbaren Geschmack an dem Konstitutiv- naliömuü sende, den man ihm mit hündischem Schweifwedeln aufnö- th'gcn möchte? Die Revolution in Baden gab eine nach derbere Mahnung. Sie zeigte, daß neben der freien Entwickelung deS Volks--