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24 Szr. Einzelne Nummern in der Er-

Dritter Jahrgang.

prbition (obere Entengaffe Nr. 132) zu 6 Hlr. Durch alle Postämter zu bejieben, Inserate die dreispaltige Pelitzeile 8 Hlr.

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Kassel, Freitag den 21. Juni

1850.

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Die Aufgabe der kleinen dentschen Staaten und Volksstämme.

2.

Ein Gothaer ist ein Mensch, der gewohnt ist, die trivialsten Ge­meinplätze für Goldklumpen auszugeben und seinen Geist für ein Kalifornien, bloö weil er sandig ist und wüste. Der größte der­artige vermeintliche Goldklumpen ist der erhabene, nie dagewesene Ausspruch, der bis dahin nie gedachte Gedanke: ohne Preußen gibt es kein Deutschland! Mit diesem gemeinen Kieselsteine, an dem unsereins sich bereits in seiner Kindheit die Schuhe abgelau­fen, treiben sie förmlich Abgötterei. Sie haben sich daraus ein Götzen­bild geformt, daS sie Tag und Nacht anbeten. Ihre unermüdlichen, von klassischer Weisheit über fließenden Lippen werden nicht müde, diesen Satz der Sätze vor sich hinzuplappcrn, wie jene wunderlichen indischen Anachoreten, die ihr gottgefälliges Leben damit hinbringen, ein ein­ziges Wort ohne Aufhören zu wiederholen. Ihre raschen und ent­schlossenen" Gänsekiele feiern Tag für Tag mit allen nur denkbaren Redewendungen diesen ihren heiligen Wahlspruch: ohne Preußen gibt kein Deutschland. Mit bessern: Recht könnten diese deutschen Braminen noch predigen: ohne Deutschland gibt eS kein Deutschland. Dann würde man ihnen jedenfalls mehr Glauben schenken. Dann brauchten sie nicht darüber zu jammern, daß Niemand ihren Stein der Weisen für einen solchen anerkennen will. ist zu komisch! WaS Jeder weiß, längst kannte, ch' es der Heinrich der Edle aufgefunden, das soll der Stein der Weisen sein!

Auch die Demokratie hat einen ähnlichen Grundsatz in Bezug auf Preußen. Sie sagt, ohne Preußen keine Freiheit aber sie setzt hinzu, ohne Oesterreich auch nicht ja am Ende nicht einmal ohne Rußland. Sie ist gar nicht so stolz über die Aufstellung dieses Satzes, wie die Edlen über ihren Kieselstein Sie ist eben nicht edel; sie glaubt, daß ihre veifluchtc Schuldigkeit ist, etwas Vernunft zu haben; sie ist nicht ihr Selbstvergöttcrcr, wenn sie einmal einen gcscheidtcn Gedanken gehabt hat. Die Gothaer würden in diesem Fall wenigstens stolz darauf sein, nicht stolz zu sein. Die Demokratie hat mehr zu thun. Und doch ist der eben angeführte Gedanken viel gescheiter als der von Gotha; ja er ist so ungeheuer gescheidt, daß der Gothaische dagegen furchtbar einfältig rft. Wenn der Satz: ohne Preußen gibt es kein Deutsch­land, schon deswegen einfältig ist, weil zwei Drittel nicht gleich Eins ist, d. h. weil Preußen der dritte Theil Deutschlands ist, so ist er noch tausendmal einfältiger durch ten Hintergedanken, der dahinter

steckt. Preußen heißt hier das Haus Hohenzollern. Daß aber der Satz: ohne Hohenzollern kein Deutschland, Gotha'ö einfäl­tiger Hintergedanken ist, beweist eS dadurch, daß es seinen H...... in Gotha und Erfurt dem Haus Hohenzollern zu allen zweckdienlichen Gebrauchs- und Nutzanwendungen förmlich offerirt, so daß das Haus Hohenzollern allein durch den thierischen Magnetismus sich gedrungen fühlt, den allerunterthänigster: Bitten zu willfahren. Der Satz: ohne Preußen kein Deutschland, heißt also bei der Partei Hein­rich nichts, als: ohne Sklaverei kein Deutschland, ohne die Knute keine Freiheit. Und damit wird auS dem ver- meintlicheu Stein der Weisen nicht bloö ein gewöhnlicher Kiesel, son­dern ein abscheulicher Stinkstein elendester Niederträchtigkeit. Aber so haben die Hofräthe und Gehcimehofräthe immer die Geschichte studirt und gedeutet. Ihr weltbewegender Satz ist der Spruch: quid- quid delirant reges, plectuntur Achivi (waS die Könige im Deli­rium tremenö fündigen, daö büßen die armen Unterthanen). Die Völker müssen büßen, folglich müssen sie Könige haben, und diese Könige müssen im Delirium sein, sei eS nun ein Champagnerdelirium oder ein anderes, sonst könnten die Völker nicht büßen. Also Zweck der Weltgeschichte: daS Königthum im Delirium. DaS wäre ein schlechter Hofrath, der einen andern Schluß zu ziehen wagte. Auf dieselbe Weise beurtheilen sie denn auch die deutsche Entwickelung. Die deutschen Volksstämme, sagen sie, sind von Gott dem Herrn ge­schaffen, um zu büßen für daS Delirium vonffo und so viel angestamm­ten Erbsürsten. Allein da AlleS in der Welt bei einem Gelehrten syste­matisch betrieben werden muß, so erfanden sie ein besonderes System für diese Buße, und nannten es daS System deü KonstitutionaliSmuS. Durch dieses System aber wurde in den kleinen Staaten der eigent­liche Zweck ihrer Weltgeschichte gefährdet, daö Fürstenthum selbst. Also was ist zu machen? Die kleinen Staaten müssenunnergcstoppt" werden, damit der Zweck der Geschichte: die Erhaltung dcâ dcliri- renden Königthumö, nicht untergeht, und damit die ganze Geschichte der Hofräthe und damit die Hofräthe selbst. Daher der ui» umstößliche Satz: ohne daö Hauö Hohenzollern kein Deutsch and, keine preußischen Bedient! u und keine Hofräthe.

Daö sind nun die Flüchte, für welche diese Menschen von der Gründung der Burschenschaft an auf dem Hambacher- und dem Wart­burgfest und in dem Attentat in Frankfurt getobt und gekämpft ha­ben, für welches sie seit 20 Jahren in allen Kammern und Kämmerchen Deutschlands sich abgeguält, Hohn und Schimpf erduldet, Verfol­gungen und Kerker. Man sollte eS für undenkbar halten, daß daS Bediententhum sich dergestalt in die Herzen der Menschen einfreffeu und kinnisten könnte, daß sie wie der Hund die Faust lecken, die sie