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Dritter Jahrgang.
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Kassel, Donnerstag den 20. Juni
1850.
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Die Aufgabe der kleinen deutschen Staaten und Volksstämme.
1.
Daß sie noch immer bestehen, diese Kleinstaaten, ist der Beweis, daß ihre Aufgabe noch nicht erfüllt ist. Aber die Erfüllung steht bevor. Weder daö Schweifwedeln der Gothaer Schwachköpfe in Erfurt noch der eitle Souveränetätsdünkel der Lappenfürsten wird sie über jenen Augenblick hinaus zu erhalten im Stande fein, wo die Sicherheit des großfürstlichen Absolutismus ihr spurloses Verschwinden gebietet. — Vergebens haben jene Propheten der Volkösouveränetät von Gotha auf dem Altar der Sclbsterhaltung Ehre und Ruhm der Vergangenheit geopfert; vergebens haben sie ihre eignen Thaten verleugnet — und die Kinder ihrer Politik verrathen; — vergebens haben sie den heiligen Gott der Freiheit, dem sie sich tausendmal mit „Gut und Blut" verschworen, verkauft und verschachert — und anS Märtyrerkreuz auf Golgatha schlagen helfen; — vergebens sind sie Empörer geworden gegen ihre eigene Jugend, gegen ihr eigenes Herz, gegen ihre eigne Bestimmung: — der Absolutismus hat ihr schmähliches Sündenopfer verworfen, nicht weil eö schmählich, sondern weil es kindisch war. Aus dem Volke geboren, von den aufrührerischen Wogen der dreißiger Jahre emporgetragen an den Sig der Regierung, an die Schwellen der Throne, in die Kammern und in die Ministerien, halten sie längst schon vor dem März 1848 ihren Ursprung vergessen, und waren geworden, was alle Regierungen werden müssen, die Feinde des Volks, das sie beherrschen und knechten, weil sie seine Herren sein wollen und nicht seine Diener. — Der Absolutismus verlacht und verhöhnt sie, wenn sie im Namen dieses Volkes zu ihm reden, er betrügt sie um den versprochenen Judaösold. — Eö genügt ihm, sie öffentlich vor den Augen deö Volkes gänzlich entehrt zu haben, daö einst so vertrauend, so liebend an ihnen gehangen; es genügt ihm, jenes unmündige Volk aller seiner alten Führer beraubt zu wissen, eS einsam und verlassen auf den frischen Gräbern seiner Erschlagenen trauernd und weinend zu glauben. — Wahnwitzige Verblendung! — DaS Volk will, das Volk braucht keine Gebieter, keine Führer mehr, — die Idee der Demokratie ist sein Heiland und sein Erlöser. ES dankt euch, daß ihr geholfen habt, blutige Schergen der Sclaverei, ihm die Augen zu öffnen über seinen alten Irrthum, über den Wahn, seine Auserkorenen über sich zu setzen als unverantwortliche Gewaltige und ihrem Ausspruch blindlings zu dienen. Eö dankt euch, brutale Büttel deö Faustrechlö und der Monarchie, daß ihr geholfen habt, sie vor seinen Augen zu enthüllen, diese hochmüthigen, lieblosen,
ehrlosen und feigen Egoisten, in deren Händen eS so lange sein Wohl und Wehe so wohl verwahrt wähnte. Eö hält nun selbst die Wache am Grabe seiner Freiheit. — Die Theorie deS KonstitutionaliSmuS konntet ihr schänden und entehren, als ihr die Haupt-Träger derselben inS Angesicht gespieen und als elendes Gesindel von dannen ge- jagt mehr alö einmal, wenn sie wie Hunde vor euch gewinselt und gewimmert. Probirt es, ob ihr die Demokratie in ihren einzelnen Bekenncrn ebenso vernichten könnt. — AuS allen Leiden, auS aller Schmach, die ihr auf sie häuft, steigt sie strahlender und gewaltiger auf, — ein Stern über alle Lande der Finsterniß, — der Sonnengott selbst, der mit klirrendem Silbergeschoß seine Feinde vor sich herjagt und niedermacht.
Die Männer von Gotha haben beschleunigt, waâ sie verhüten wollten. Die Partei der Vermittelung ist durch sich selbst zerbrochen. Das Schlachtfeld liegt offen für den Kampf der unversöhnlichen Gegner.
Und diese Souveräne von Kuhschnappel, Katzenellenbogen und Lippebückeburg mit ihrem kaum errungenen, noch so dlankschimmernden Hoheitstitel, — die sich steifen auf die zerrissenen Traktate von 1815 und auf ihre Brüderschaft mit dem Knuteninspektor aus Sibirien, auf ihre Vaterschaft mit dem königlichen Schönredner von Sanssouci, oder auf ihre Dienste, die sie und ihre Vorfahren dem blutbesudelten Hause deS Blutjungen geleistet: — diese Karrikaturcn deö Fürsten- thuinö glauben glücklich dem allgemeinen Schiffbruch der Kleinstaaterei zu entrinnen, wenn sie abermals thun, was sie immer gethan, wenn sie die Hanöwurste der großen Vettern in Berlin, PeterSurg und Wien spielen. Diese bemitleioenSwerthen Pinsel! — Ihre Hanswursterei hat sie in all' ihr Unglück, in all' ihre kläglichen Lagen ge- stürzt; sie wollen sich damit zu guterletzt noch den Hals brechen. Lassen wir sie ruhig uns diesen ihren letzten und darum allerliebsten Spaß bereiten! - Als der verworfene Hof in Versailles unter Ludwig X11L, XIV. und XV. die Zähne des Drachen — den Samen der Revolution auSsäete in daö edle Frankreich — wer waren die Narren, die mit ihnen an Verworfenheit, an Schwelgerei, au jeder Schuikcrei wetteiferten, die nicht abwarten konnten, bis die Flammen deö Aufruhrs über den Rhein herüberschlagen würden, die vielmehr in ihrer hanSwursti- gen Schuftigkeit ohne Weiteres in die deutschen Herzen die Funken warfen, deren hellen Brand die Enkel erlebten ? — Die deutschen Höfe von Sachsen, von Baden, von Würtemberg, von Kuhschnappel wetteiferten im Wahnsinn der Verschwendung, der bokenlv,en Unsillllchkeit, d.r Hurerei, der Schurkerei und UnmenichUchkcit. Und danach munterten sich diese Thoren, daß die Revolution der Franzosen auch unter ihren treugehvrsamen Unterthanen so zahllose Freunde gefunden. — Sie erkannten nicht die Bestimmung,, die ihrem Staatswesen, die ihrem lächerlichen Fursteuthum.