Einzelbild herunterladen
 

Dritter Jahrgang.

Ericheint täglich, Montags ausgenom­men Vierteljährlicher Abonnementspreiè 34 Sgr. Einzelne diummern in der Ep-

Petition (obere Entengaffe Nr. 133) zu 6 H>r. Durch alle Postämter zu beziehen. Inserate die dreispaltige Petitzeile 8 Hlr.

W-- 1L1 Kassel. Mittwoch den 19. Juni 1830.

©^“ Neues Abonnement. ^®

Die „ Hornisse" erscheint auch im nächsten Quartal täglich, mit Ausnahme des Montags, in unveränderter Tendenz zum Abonnementepreis von 24 Sgr. vierteljährlich. Einzelne Nummern werden in der Expedition zu 6 Hlr. abgegeben. Abonnirt wird bei allen Postanstalten des In- und Auslandes, für Kassel in der Expedition, obere Entengasse Nr. 132, sowie bei den Herren I. C. I. Raabe u. Comp., W. Appel und D. Gottschalk.

Der Preis des wöchentlich einmal erscheinenden Unterhaltungsblattes beträgt für die Abonnenten des Hauptblattes 6 Sgr., außerdem 10 Sgr. Das Abonnement der Hornisse ist von dem des Beiblattes unabhängig, so daß auf die erstere ohne das letztere und umgekehrt abonnirt werden kann.

L^Z" Neu zugehende Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung an für den Monat Juni gratis.

Anzeigen aller Art, die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 6 Hlr. berechnet, finden durch unsere Zeitung die größte Verbreitung. Die Redaktion der Hornisse.

In der Nacht.

Muthig, Demokratie, auf Deinem einsamen Posten! Die Stunde der Mitternacht naht. — Die Erschlagenen steigen aus ihren Gräbern. Siehst Du sie vorüberschreiten die Heldengestalt durch daö Dunkel der Nacht, — bedeckt mit Blut und mit klaffenden Wunden? — Sie winkt Dir; so folge! — Es ist der Geist der ermordeten Freiheit. Lausche auf seine feierlichen Worte! — Lausche auf die finstern Ge­heimnisse , die er Dir enthüllen wird, — wie man sein ebleö Leben geraubt unter tausend und abertausend Qualen, wie man ihn gefoltert vor seinem Tode, und dann seinen heiligen Leichnam geschändet. — Wie ein zweischneidiges Schwert laß seine Worte Deine Seele durch, dringen: „Mein Sohn, mein Sohn, Du sollst mich rächen!" — Schwöre ihm die Erfüllung seines Nachcrufs. Und wenn der Hahn den Morgen herbeiruft, und wenn die Neveille deS neuen Tages erschallt , dann gedenke Deines mitternächtigen Schwurö und stürme zu seiner Erfüllung. Laß Dich nicht überwältigen von Deinen Schmerzen, ve. senke Dich nicht, wie der Träumer Hamlet, in die finstern Gedanken Deiner blutenden Seele, — sei ein Mann , halte die Hand am Schwerte und harre schweigend des Augenblicks, wo Du es färbst mit dem Herzblute des verfluchten Mörders.

Sieh, er walzt sich in seinen Lüsten, — er gedenkt nicht deö kommenden Morgens, der so nah ist, — er ahnt nicht daö Gericht, das ihm der anbrcchende Tag bereiten wird. Im Genusse der unum- fchränklen Herrschaft, nach der er so lange gedurstet, — die er durch den Meuchelmord der Freiheit mit Verrath, mit Gift und Dolch für ewig gegründet glaubt, — umgeben von seinen bestochenen Trabanten, von seinen feilen Schmeichlern schwelgt er die dunkle Nacht hindurch vom Raube, vom Blute der Unterjochten und Erschlagenen. Uno vor ihn hin treten die Priester seines Hofes, vor ihn hin treten die fal­schen Propheten, die sich dem Dienste des Mammon und der Sclaverei gewidmet, und preisen seine Thaten und rufen ihm zu: „ Za, Du bist der Sohn Gottes — Du bist der Allmächtige auf Erden, Du kannst, waS Du willst, und so Du gebeutst, so stehtS da. Verflucht bis inS dritte und vierte Glied, wer Dir nicht dient, wer Dich nicht anbetet im Staube, wer einen andern Gott hat neben Dir." — Und die wallenden Düfte des Weihrauchs, der Broden des OpferblutS, die Gesänge der Baalspfaffen und daS üppige Krönungomahl umnebeln daö Gehirn des gekrönten Mörders und seines taumelnden Trosses, — vor sich hinschlcppen läßt er auö den unzähligen Kerkern fernes ganzen Reiches die Söhne der Freiheit und er läßt sie schlachten zu seinem

Ruhme durch die Hand seiner Priester auf dem Altar, den er sich selbst errichtet — seinen brechenden Augen zur Lust und seinem ent­menschten Herzen zur teuflischen Wonne.

Da dämmertS im Osten. Die Reveille deS Morgenâ donnert an die blutgefullten Hallen der Paläste; herein bricht der Sturm der Vernichtung, — herein bricht mit klirrenden Waffen der Rächer — und Entsetzen faßt ihre feigen entmannten Seelen — und sie stürzen sich selbst in wilder Verzweiflung in das blitzende Richtschwert.

Wohlan! Wohlan! Wir harren des Morgens! Muthig, Demokratie, auf Deinem gefährlichen Posten! —

Deutschland.

** Kassel, am 12. Juni. — Während auf dem Frankfurter Kongreß die zwei Parteien noch immer die „Schmollenden." spielen, nämlich trotz des abgewandten Gesichts mit ihren Stühlen immer näher zusammenrucken, ist ein Wiener „ Unterrichteter" der A. A. Zeitung bereits mit der Versöhnungöscene im Reinen. Seiner Ansicht nach ist die Erfurter Union „ der Ausgangspunkt einer neuen Revolution". Dagegen ist die Münchener Proposilion, mutatis mutandis, ein ganz vorzügliches Machwerk. ES kommt nur darauf an, daß man „Zoll und Handel zur wahrhaftigen Bundessache" macht, d. h. daß man auf die österreichischen Zoll- und HandelSpläne eingeht, um mit Hülfe deö Münchener VerfassungSentwurfs dem deutschen Reiche „ein vollständig gegliedertes, vom dritten Stande wesentlich getragenes Selfgovernement" zu bescheeren. Sobald Zoll und Handel zur wahr­haftigen Bundeösache erklärt sind, „verliert daö Berlin-Gothaer Bündniß feine schlimme Bedeutung, freilich auch----seine selbst­ständige Tragweite". Und dann? „ Ke ine ö w eg ö b ü ß t da- durch jenes Bündniß seine eigentliche Substanz für die näheren wohlthätigen Zwecke der staatlichen Consolidi- rung, sowie gegen daö Gist der Kleinstaaterei ein." Leuchtet das ein? Ist das nicht mit Fäusten zu greifen? Man wird der Union nichts lassen, als den Polizeistock gegen die Demokratie re. Und damit scheint daö Fuistenkvlleg in Berlin, daö jetzt an einer Preßordnung arbeitet, vollkommen einverstanden zu sein.

O Berti» , 16. Juni. — Tante Voß ist böse darüber, daß ihre Augsburger Großmutter auö Frankfurt Dinge auSgeplappert, die eigentlich noch Niemand wissen sollte. Aber die Alten sind nun ein­mal geschwätzig, das läßt sich nicht ändern. Haben Sie gelesen, waS der Frankfurter Korrespondent schreibt? Er säLt^-ääst-^^chä... teteo (.und zu denen hat sich Ihr Korrespondent ja auch gezählt?)