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Dritter Jahrgang.
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W'-iaO. Kassel. Dienstag den 18. Juni 1SSO.
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Der Ä n r ft tut
liegt in seinen letzten Zügen. Dahin wird es mit allen diesen kleinen Staaten kommen. Alle diese deutschen Dynastien dritten und vierten Ranges werden entweder freiwillig sich zu preußischen, österreichischen, baierisHen oder hannoverschen Standeâherren degradi- ren, oder sie werden in ihren eigenen Ländern sich unmöglich machen, und fremden Bajonetten ihre Rettung und ihre Degradation überlassen müssen. Für die kleineren Raubstaalen steht der freiwillige Untergang, für die mittleren der gezwungene in Aussicht. Der Gang der E-eig- nisse entwickelt sich auf die einfachste Weise der Welt. Die Fürsten dritten Ranges, deren Existenz schwankt zwischen Sein und Nichtsein, sind genöthigt, den großen Staaten gegenüber die Reaktion in ihrer ganzen Brutalität in ihren Ländern einzuführen, um der Allergroß > mächtigsten Adlergesellschaft von Warschau durch Thaten zu beweisen, daß sie noch würdig sind, geduldet zu werden, um der deutsch-russischen Triarchie der Knute jeden Vorwand zu nehmen, ihnen den beabsichtigten GarauS zu machen. Aber gerade durch diese Anstrengung, die weit über ihre ohnmächtigen, längst entmannten Kräfte geht, bereiten sie sich selbst den Untergang, den sie vermeiden wollen, stürzen sie taumelnd in den Abgrund, dem sie in furchtbarem Entsetzen zu entrinnen streben. — Herr Hassenpflug sieht die Gefahr sehr wohl, der er dieses morsche Staatögebäude entgegenführt, er sieht den Untergang dieser 600jährigen Dynastie mit jedem Tage einen Schritt näher hcr- anrücken, er weiß, daß jeder selbständige Schritt auf der Bahn der Reaktion ein Schritt näher zum Abgrunde ist — und jeder entgegengesetzte ebenfalls. Darum zagt und zaudert er, darum ventilirt er in Eifurt und in Frankfurt, darum bricht er weder mit der Volksvertretung , noch unterwirft er sich ihr, darum scheut er sich, die Verfassung zu verletzen, aber nicht, sie zu verhöhnen. Alles, um die Galgenfrist zu verlängern, die dem Staate Kurhessen vom Schicksal gesetzt ist, — um nach einer rettenden Hand zu suchen, die uneigennützig im Dienste des Despotismus die Dynastie und die Reaktion zugleich schütze. Doch nein, so absurd ist dieser Mann nicht. Er weiß besser als Tausende, daß Uneigennützigkeit und Absolutismus zwei grimmige Feinde sind. Er sucht nach einer Konstellation, welche den Staat Kurhessen nicht blos möglich macht, sondern nothwendig. Diese Konstellation ist nichts Anderes, als die Eifersucht und die Mißgunst derer, die unS erwürgen wollen. Alles vergebens. Der pythische Orakelspruch dcâ Czaarcn an Preußen und Oesterreich gibt davon Kunde. Er lautet: ich werde gegen den auftreten, der zuerst die Verträge von 1815 verletzt. — WaS bleibt also übrig, als sic gemeinsam und in friedlicher Uebereinkunft zu verletzen?
Sie gar nicht zu verletzen ist unmöglich, da sie bereits hundertmal verletzt sind. — Danach kann man bemessen, welches Schicksal die Staaten haben, deren Bevölkerung so demokratisirt ist oder auch nur so an eine schein-konstitutionelle Regierung gewöhnt, daß die Reaktion nicht ohne die völlige Erschütterung deö ganzen StaatsorganiSniuö zu ihrem finstern Werke schreiten fnnn. Die russisch - deutsche Knute»- gesellschaft wird daö Aufhören dieser Staaten dekretiren, sie wird dekretiren, welchem herrlichen Kriegsherr sie anheimfallen sollen zur Wiederherstellung der Zucht und Ordnung; — sie lauert mit schaden- froher Wonne auf den Augenblick, wo nicht blos Baden dieses sein Schicksal erfüllt, sondern wo alle die Staaten, aus welchen die nationale Bewegung von 1848 emporgeflammt, durch ihr Auseinan- derfallen den Kitt durch Bajonette, Blut und Standrecht nothwendig machen und die Verletzung der Verträge rechtfertigen. Sie lauert mit Entzücken auf den Moment, wo sie jene deutschen Stämme züchtigen va>f, die mit ihrem ewigen FreiheitSgebrüll selbst die treuen Pommern und die gutmüthigen Wiener zu den Waffen und zu den Barrikaden getrieben, wo sie jene „bürgerfreundlichen" Fürstenge- schlcchter in Sack und Asche büßen lassen kann für ihren lächerlichen SouveränetätStunkel, für ihr Kokettiren mit dem Volke, für ihr Liebäugeln mit dem Liberalismus, wodurch sie der unabwendbaren Bestimmung des Zerrissenwerdens frecherweise entrinnen wollten. — Mit grimmigem Hohn lauschen sie den Zuckungen, die unS ohnmächtig in ihre Krallen liefern, — wie die Tieger liegen sie bereit zum vernichtenden Sprunge. — Wir athmen in den letzten Zügen. Jperr Eberhard wollte unS in dem Krankenhaus der Union sanft und still unsere letzten selbstständigen Seufzer auShauchen lassen, — Herr Eberhard ist ein guter uno friedliebender Mann , — diesen sanften Tod, dieses Hinschtummern nannte er unsere Rettung. — Aber dagegen empörte sich ver Stolz dcö kleinen Löwen von Brabant. „Ich will mich nicht mediatisiren" sprach Se. Königl. Hoheit, und Herr Hassenpflug von Greifswalde erschien, nm eine andere, eine heroische ToveSarl zu ersinnen. Er greift daS Uebel von innen an; er steigert die konstitutionelle Verwirrung bis zum höchsten Gipfel, bis Sc. Kön. Hoheit Dero Siebten Vetter zu Berlin allergehorsamst mit derselben Bitte behelligen müssen, die einstmal Leopold von Zähringen gewährt wurde, mit der Bitte: „ Sie doch schleunigst und allergnä digst zu mediatisiren". Dann wird unser Wort in Erfüllung gehen: „Se. Kön. Hoheit sind nicht gestorben, sondern gestorben worden."
Herr Hassenpflug hat vielleicht selbst momentan an eine Rettung geglaubt. Der in politischen Dingen etwaâ beschränkte Volksfreund glaubt noch immer daran. Der alte Traum von einem Königreich Hessen war wieder erstanden. — Oester eich und Baiern benutzten tiefet