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P ritter Jahrgang.

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N" 134.

Kassel, Dienstag den 11. Juni

1850.

Der Erfurter Manteuffel vernichtet die freie Presse.

(Siehe die Berliner Korrespondenz,)

1.

Die Contrerevolution hat den Verstand verloren, die Gothaer haben nie Ansprüche auf diese HimmelSgabe gemacht, waS bleibt also übrig, wenn nicht die Demokratie? Die Demokratie bat nie höher und glänzender dagestanden, als eben jetzt, wo in Paris das allge­meine Wahlrecht vernichtet, wo in Dresden daS Vereins- und Ver- fammlungürecht, sowie die freie Presse aufgehoben, wo in Berlin die Censur den Postkommissaren übertragen worden ist. Nur vorwärts, meine Herren! Allgemeine Militär - Dik'atur! " Stellen Sie eine Hetz­jagd gegen die Demokratie an, hängen Sie die Zukunft an den Galgen, schicken Sie mit Hülfe Ihrer Prätorianer den lebendigen Geist auf die Pontons oder werfen Sie ihn in Ihre Kasematten, lassen Sie einmal ein Jährchen die Kosaken über unsere europäische Civilisation tirailliren,--Sie haben verspielt, meine Herren, nach einem Jahre hängen Sie am Galgen, sitzen Sie auf den Pontons oder in den Kasematten, nach einem Jahre geht jede Spur von Ihnen unter den Fußtritten der neuen Zeit verloren. Glauben Sie nicht? Wenn Sie nicht vom Blute der Völker, von den Standrechten und geheimen Mordthaten trunken geworden waren, wenn Ihre Sinne nicht tau­melten über das Stöhnen der Hunderttausende, die Sie seit zwei Jahren in den Tod oder daS Elend gejagt haben, Sie würden ohne Zweifel begreifen, daß Ihre dermaligen GewaltSstreiche nur dem letzten Auf­flackern des absolutistischen Lichteö gleichen.

Die Demokratie lacht euch auS, erbärmliche Tyrannen! Wenn Ihr, wie der preußische Manteuffel, glaubt, die Presse sei die Ur­heberin despolitischen Wahnsinns", d. h. Sefeloge und sein Köu'gSschuß sei eine Folge der Demokratie, so antworten wir Euch, daß der politische Wahnsinn erst mit Vernichtung der Presse beginnt, und zwar in eurem eigenen Köpfe, daß mit Aufhebung deS freien Wortes die KönigSschüsse erst permanent werden, und zwar durch Eure eigene Hand.

Ihr hängt und erschießt Euch selbst, Tyrannen! Die Demokratie verlacht Euch, Despoten! Der preußische Manteuffel meint, die De­mokratie habe an den Grundpfeilern des Staats, der Religion, deS Königthums gerüttelt, ihre Presse müsse also versiegelt werden. Wie? Ohne die freie Presse wird man nicht ferner an jenen Grundpfeilern rütteln, das Volk wird euren barbarischen Staat, eure SlandrechlS- religion, euer blutiges Königthum nur noch an speien, euer Staat, eure Religion, eure Fürsten werden zum Skandal werden. Alö der große Römer den Dolch gegen ihn blinken sah, hüllte er sich in seinen Mantel. Ihr, keine Römer und keine Männer, hüllt Euch vor dem Schwertstreich des Volkes in eure Ordonnanzen, der große Römer siel, euer Ende wird dasselbe sein.

Der Gvthaer Manteuffel hat die demokratische Presse vernichtet, weil sie mit großer Vorsicht bestrebt gewesen sei, den bestehenden Strafgesetzen nicht zu verfallen". Der Hr. Minister Manteuffel wird hoffentlich nach §. 3 deö preußischen PrcßukascS in der Kürze unser Blatt verbieten, vorher wollen wir ihm aber zu wissen thun, daß wir ihn wirklich für einen furiosus halten. Die demokratijche Presse muß also vernichtet werden, weil sie zu loyal, zu gesetzlich gewesen ist? Unsere Tugend ist unser Verbrechen! Merkt's euch, Demokraten. Wenn ihr aus Furcht vor dem Galgen kein paragraphirtes Verbrechen begeht, so kommt ihr an den Galgen, weil ihr den Galgen vermie­den habt. Das ist die Logik der preußischen Bajonette!

Ihr wollt die M ö g l t ch k e i t eines Verbrechens hindern? Elende Tyrannen! Warum verbietet ihr nicht die Fortpflanzung , das Den­ken? Eure Kenntnisse reichen bis zu den Bundcsbcjchlussen von 34, dis zu den Absurditäten und Tollheiten der HH. Welker und Jordan,

bis zu den liberalen Verschwörungen der honetten Sippschaft. Nichts war leichter, als einer Handvoll bürgerlicher Aristokraten ihr verbrecherisches Handwerk zu legen, nichts leichter, als deren Conspirationen zu durch­kreuzen, sie von sich und ihren Genossen abzuschneiden? Die Demo­kratie ist aber keine Verschwörung, keine Schwindelei von berühmten Staatsmännern, keine Ausgeburt verfassungssüchtiger, redelustiger, parlamentarischer Egoisten, die Demokratie ist die Logik eurer Oeko- nomie, die höchste Instanz eureü Eigenthums, sie ist der Schatten eures Staats, eurer Religion, eures Königthums. Mordet den Schatten, wenn ihr könnt.

Verbietet die demokratische Presse, Despoten, und versucht eS, noch einen Augenblick ruhig zu schlafen. WaS bedürfen wir die Presse? Die Presse war nichts als die Organisation der Revolution, ohne die Presse werdet ihr die Revolution ohne Organisation haben. Tant mieux! Oder könnt ihr auch die Werkstätten versiegeln, die Fabriken mit Beschlag belegen, die Herbergen unter postkommissarliche Censur stellen? Ueber Nacht wird die zusammengeleimte Erde bersten und ihr werdetungebeichtet" in die Hölle fahren, unvorbereitet, in der ganzen Wüstheit eurer fürstliche» Seele. Merkl'â euch!

Wieviel Bajonette stehen euch zu Gebote? Zwei Millionen!!! Seid ihr blödsinnig, mit solch einer Braunschweiger - Herzogs - Armee der Revolution die Spitze bieten zu wollen? Decimirt Rußland und wir lachen euch aus. Zwei Millionen? Und die ganze Demokratie lagert an den Thermopylen und für einen EphialteS ist keine Rolle da. Bietet ganz Rußland auf, und euer Ende wird auf den catalau- nischen Feldern sein. Zwei Millionen? Und ihr habt nicht einmal Geld, um eine halbe Million zu bezahlen, um 100,000 Mann auf ein Jahr zu miethen. Zwei Millionen rekrutirte Söhne deS Landes, und ihr wollt der allgemeinen Verarmung, dem allgemeinen Elend, dem jene Söhne entwachsen, eine Schlacht liefern? Wer ist der Vater dieses Unverstands? Redet!

Tyrannen! Der Trieb der Selbsterhaltung ist auch in eure Brust gelegt. Warum duldet ihr, daß eure Minister euch jählings in den Tod stürzen? Warum gestattet ihr nicht, daß wir euch ruhig zu Tode dickutiren, warum setzt ihr euren Ehrgeiz hinein, mit Eclat zu sterben? Die romantischen Tage der ritterlichen Todesverachtung sind vorüber; lebe, wer kann!

Mit der Aufhebung der freien Presse ist die Revolution heilig gesprochen. Ihr wollt die Demokratie morden, Despoten? Wohlan! Fortan ist die Demokratie überall und nirgends, sie ist nicht mehr die Opposition vor euren Augen, sie ist das Fieber in eurem eigene» Leibe. Ihr habt das Gespenst von euch stoßen wollen, daS Gespenst hält euch von nun an in seinen Armen.

Deutschland.

Kassel, 7. Juni. Unsere Ständeversammlung war im stol­zen Bewußtsein ihrer Ausschußanträge heute schon ihrer Auflösung so sicher, daß sie nichts Schleunigeres zu thun hatte, als heute Morgen in vertraulicher Sitzung ihren ständigen Ausschuß aus den HH. Nebel­thau, Eberhard, Schwarzenberg und Henkel zu wählen und in öffent­licher Sitzung die früheren Instructionen desselben von Neuem zu sanktio- niren. Soviel Courage und doch keine Auflösung! Nun, sie wird wohl in einer der nächsten Sitzungen noch erfolgen; die Sache hat keine Eile. Aber der oppositionelle Rausch, der sich sogar bis zu ei­ner Vertagung der Geldbewilligung emporgeschwangeu hatte, ist dann verflogen, der Katzenjammer erfolgt und der konstitutionelle Knalleffekt zum Teufel. Ein kluger Mann, der Herr Hassenpflug!

ü ibcrltii, 8. Juni. Erwarten Sie heul' keine Phrasen vrnmir. Ueber Ereignisse, wie die Vernichtung der gesamm» ten radikalen Presse, wenn sie so urplötzlich und unvorbe­reitet erfolgen, kann man im Augenblick kaum Nachdenken, viel wr«