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1850
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Kassel, Sonn rag den 9. Juni
Die Praxis der Gegenwart.
Die Diskussion dcâ s o z i a l c n Programms ist diejenige, welcher sich die wahrhaft demokratische Presse mit dem größten Fleiße, mit unermüdlicher Ausdauer zu unterziehen hat. Sie hat eine ungeheure Aufgabe. — Sie würde eine unerfüllbare sein, wenn man von ihr die Lömng der sozialen Frage verlangte. Die Presse steht nicht über der Zeit, der sie angehört. Ja, das eigentliche Wesen der demokratischen Presse besteht gerade darin, nur Anträge zu stellen für den allgemeinen Feldzugöplan, nicht aber einen unverantwortlichen General- stab zu spielen, wie die absolutistische, die den Plan und die Schlacht selbst ihrer Armee oktroyirt. Unsere Aufgabe ist lösbar, denn sie hat nur die Vorbereitungen zu diskutiren, welche die Wissenschaft oder daS Leben selbst für nothwendig oder geeignet hält, um die Menschheit und die Gesellschaftsorganisation, um Inhalt und Form aus ihrem zehntausendjährigen Zwiespalt der endlichen Erlösung zuzuführen.
Für dieses Mal, wo wir unsern Lesern nur ein gedrängtes, zusammenhängendes Bild der stufenweisen Entwickelung unserer Ideen im Leben geben wollten, können wir nur das Grundwesen des sozialen Programms bezeichnen und kurz die Mittel angeben, welche nach unserer Ansicht hauptsächlich diökutirt werden müssen. —
DaS Grundprinzip des sozialen Programms, auf daâ alle einzelnen Vorschläge, die es enthalten kann oder wird, hinauslaufen, ist die Versöhnung zwischen Eigenthum und Arbeit. — „ Aber wie ", rufen unsere Feinde und unsere ängstlichen Freunde, „ist daS kein Widerspruch? — Habt ihr nicht mit Proud- Hon geschrieben: Eigenthum ist Diebstahl?" — Gcradr weil wir die Worte P r o u d h o n S gebraucht, solltet ihr vorsichtiger in eurem Schrecken sein. Ihr werdet eure Todesangst belächeln, wenn wir euch die eignen Worte dieses bewunderungswürdigen ManneS vorführen, mit denen er voll unerschütterlicher Ruhe in der Nationalversammlung unter dem Gebrüll und dem Hohn einer kopflosen, nichtswürdigen Junkermajorität den Antrag motivirte in der Verfassung: die Sicherung und Theilung deS Eigenthums durch Organisation deS Tausches zu garantiren. Er sagt: „Wir s. g. historischen Sozialisten verlangen nicht im kommunistischen Sinne die Abschaffung deâ Eigenthums, so wenig wie unsere Väter 1789 die Abschaf- fung der Reli ion im materialistischen Sinne verlangten. Was die Raub- und PlüudcrungSprojekte betrifft, so reden die, welche und bcißletibcn zuschreiben und sogar auf der Tribüne auSsprechen, nur höchst a surdeü Zeug. Wir verlangen, daß die Arbeit von dem Zwang deS Kapitals bcftett werde, so wie der Gedanke von dem Gängel- st st m ? j Vf«“ 's ’ 6“6 d-- ginch »„ R„ âm »-rlhndig-.» - B„ Hr6.it mag „.„„ i„« Lig-m-um u-d d-» E.genthum gegen den Kommunismus bewaffnet werden, sonst würde die Freiheit mit dem Eigenthum untergehn." - „Wenn Sie nicht wollen, daß die Freiheit mit dem Eigenthum untergcht, so muß der Koalition der Arbeiter die Koalition der Eigenthümer entgegengesetzt werden. Wenn Sie so handeln, so schaffen Sie in der Nation nicht zwei feindliche Kasten; wenn Jedermann Eigenthümer und Jedermann Arbeiter ist, so bleibt unS unter dem Namen Eigenthum und Arbeit nur ein Unterschied von Rechten; eö gibt keine Kasten mehr." — Diese Worte werden euer Entsetzen wohl etwas vermindert haben. Und doch liegt in ihnen nicht der geringste Widerspruch mit dem andern Satz: „Eigenthum ist Diebstahl". Ihr lacht und auâ, ihr zweifelt an unserm letzten Verstandeörcstchen. Hier bed Räthsels einfache Lösung. Daö Eigenthum, wie cd sich auS dem römischen Recht und durch den Feudalstaat biâ zur heutigen Kapitalal-
wacht herangebildet hat, und das Prinzip, daS Wesen desselben, waS in der Persönlichkeit seinen ewigen Grund hat, sind zwei ganz verschiedene Dinge. Daâ Eigenthum ist die Mutter deS Wuchers und deS Betrugs geworden; es hat die Arbeit in seinen sklavischen Dienst genommen, um ihre Kraft auâzubeuten, es bestiehlt die Arbeit, vermöge seines Privilegs, um ihr Produkt. Diese Art des EigenthumS soll aufhören. Die Arbeit soll in ihr heiliges Recht eintreten, Eigenthümer ihres eignen Produkts zu werden. — Kommen wir nun auf die Mittel, welche bis jetzt zur Erreichung dieses Zieles vorgeschlage« worden, so muß man bekennen, daß sie noch keineswegs alle durchgeprüft und zur unbedingten Annahme reif sind — und auS dem einfachen Grund, weil die Entwickelung der meisten allein durch die Prariü selbst stattsinden muß. Wie ist aber die ruhige, ungestörte Organisation möglich, bevor der formelle Kampf der Revolution auS» gekämpft. Proudhon hat dies alsbald eingesehn, nachdem er vergebens versucht, seine Volksbank ins Leben zu rufen. Er schrieb: „ Nicht an unsere Ideen will die Reaktion, sie will an unsere Köpfe. Wir haben keine Zeit mehr zu gesetzlichen und friedlichen Organisationen, wir müssen kämpfen für unsere Existenz. — Die Welt hat keine Muse mehr, daS Ergebniß unserer Versuche abzuwarten; wir müssen herrschen oder verschwinden, wir müssen siegen oder unter* gehn auf dem Kampfplatz der Revolution." — Die Mittel, welche zu diskutiren sind, können im Allgemeinen unterschieden werden in rein persönliche und io sächliche. — Die re »persönlichen bestehn iu Ausbildung der Individuen. Die Gesellschaft soll die freie Erziehung Aller übernehmen und vor Allem die technische Ausbildung. in Handwerks- und Ackerbauschulen. Darin besteht die Sorge für die Befähigung einest Jeden zur Arbeit. Die sachlichen Mittel sollen die Gewährung der Arbeit und der Arbeitsver- wcrthung geben durch daS allgemeine Recht auf Kredit (auf Kapital oder ArbeitSmaterial) und durch den geregelten Umsatz der Produkte. Die Vorschläge, welche in dieser Beziehung gemacht worden, sind die allgemeinen Kreditanstalten und Tauschbanken. Tauschbanken, die namentlich Proudhon vorschlug, geben gegen Einlieferung von Produkten Papiere auS, die daâ Geld als Tauschmittel ersetzen, und deren reeller Werrh in den eingclieferten Produkten besteht. Sie „veranlaßt, befördert, ermuntert, schützt, kommanditirt mit ihrem Einfluß, mit ihrer Autorität, mit ihren Vorschüssen jede lantwirthschaftliche, industrielle, kommerzielle, wissenschaftliche Unternehmung, jeden Versuch zu Arbeiterassoziationen und zur Organisation der Arbeiter, sofern er nur nach gewöhnlicher Berechnung hinreichende Garantiern auf Erfolg barbietet" (f. Statuten der Tauschbank von Proudhon). Alle anderen bis jetzt vorgeschlagenen Mittel, um das Eigenthum in allgemeinere Cirkulation zu bringen, alö da jfinb Progressivste»»», Besteuerung der Erbschaften, sind nur Palliativmittel des alten Polizeistaatcâ, durchweiche er den nothwendigen Beruf erfüllt, sich selbst zu zerstören, indem er dasselbe Eigenthum, daS er für Heilig und unverletzlich erklärt hat, mit kommunistischem Terrorismus für die Zwecke der Gesammtheit heranzieht. Unser jetziger Staat und der euragirte Kommunismus sind leibliche Geschwister; ihr Vater ist der Despotismus, ihre Mutter die Sklaverei. Ebenso ist jede Kolonisations- und Auswanderungsorganisation nur eine durch die augenblickliche Lage der Dinge gebotene Nothwendigkeit, die im Inland bald ihre natürlichen Grenzen findet, und nach den unangcbaulcn Wcltthcilcn auch feine Ewigkeit mehr fort' dauern kann, ohne dort dasselbe Bedürfniß einer durchgreifenden sozialen Organisation ebenso fühlbar zu machen, wie bet unö. ,
Wir hoffen, unseren zweifelnden Freunden durch diesen kurzen c- berbhcf über den Entwickelungsgang der Gegenwart und der nach je» und selbst der entfernten Zukunft neuen Muth und ncue Zuvcrftch gegeben zu haben. Wir für unsern Theil werden eS nicht daran fehlen d e heiligen Urrechte zu vertheidigen, mit welchen wir .ci einst -' n