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ihrem Zusammentreten einnahmen. Sie haben ihre Wahlmandate längst vergessen und liefern einen schlagenden Beweis für die Lüge einer konstitutionellen „ Volksvertretung ". — Ich berichtete Ihnen neulich von dem unerwarteten Schicksale, welches der Stüve'sche Jagdgesetzent- Wurf gehabt. Der Landtag hatte seine Stellung verkannt und thörichter Weise geglaubt, trotz der dem Ministerium verkauften Selbstständigkeit noch Opposition machen zu können. Eine Drohung vom Minister- tische genügte jedoch, um die HH. Deputirten auf daS dekretirte Maaß zurückzuführen. Zuerst besann sich die zweite Kammer und adoptirte bei der zweiten Lesung die Stüve'sche Bestimmung, wonach die AuS- Übung der Jagd an einen Grundbesitz von 300 Morgen geknüpft ist. Auffallender Weise beharrte die erste Kammer bei ihrem Beschlusse, daß das Jagdrecht von jedem Grundeigenthümer auf seinem Grund und Boden unbeschränkt ausgeübt werden könne. Noch eine Drohung, und auch die erste Kammer besann sich und verzichtete auf die in der Geschäftsordnung vorgeschriebene Conferenz, indem sie dem Beschlusse der zweiten Kammer beistimmte. — Unter solchen Umständen ist eS erklärlich, daß bei einer neulichen Besprechung deS Ministeriums mit dem Kammerpräsidium in Betreff der vom größeren Theile der Abgeordneten gewünschten Vertagung, Stüve sich entschieden dagegen erklärte. Die Deputirten sind bereits mit Mühe dressirt, und aus allem Zusammenhänge mit dem wählenden Volke gerissen, man darf sich daher nicht der Gefahr auSsetzen. daß dieser Zusammenhang hergestellt werde.
C Hamburg, 4. Juni. — Wenn eS nicht allzu komisch wäre, so könnte man die vorigen Sonnabend stattgehabte iselbstauflö» sung deS patriotischen Vereins ein „Ereigniß" nennen. Dieser Verein, der „eine auf Ordnung gegründete Freiheit" in seiner Divise führt, der aber von jeher die grassesten Auswüchse der Reaktion vertreten und befördert hat, der bei seiner Gründung für eine aus freien Volkswahlen hervorgegangene constituirende Versammlung zu schwär- men vorgab, so lange er glaubte, dieselbe auâ Männern seiner Wahl zusamnensetzcn zu können, der sich aber als erbittertster Feind eben dieser Veisammlung erklärte, als er in allen Wahldistrikten eklatant geschlagen wurde, der den Wortbruch und den Verrath unserer Behörden bevorwortete und noch zuletzt Alles daran setzte, um die ungesetzliche Neuner-Verfassung annehmen zu helfen; dieser Verein hat sich nun „im Vertrauen auf die schleunige Einführung dieser Verfassung" aufgelöst. Aber dennoch dürfte diese Einführung sehr auf sich warten lassen, denn wie ich aus guter Ouclle vernehme, sind die Ober- alten .entschlossen, der Neuner-Verfassung mit der Handhabe, der Ue- bergangsgesetze wo möglich den Garaus zu machen und so die Analogie mit der DreikönigS ° Verfassung'zu Ende zu spielen. Erst kürzlich haben dieselben einen auf diese gerichteten Vorschlag deS Senats mit Indignation zurückgewiesen. Der Senatssckretair Lazzcnberg ist als hamburgischer Bevollmächtigter zu den Frankfurter Conferenzen entsandt worden und Syndikus Banks bleibt in Berlin. Man könnte auâ kiesen Bestimmungen fast schließen, daß der Hamburger Senat auf jene Conferenzen einen nur geringen Werth legt, denn Lazzenbcrg, der ein tüchtiger Archivar und Geschichtsforscher sein mag, ist nichts weniger als ein diplomatisches Genie und biö jetzt noch niemals mit diplomatischen Sendungen betraut worden. — Leider hat daS jüngst von hier nach New-Iork abgegangene Schraubendampfschiff Havarie gelitten, so daß eS in einem englischen Hafen zur Reparatur einlaufen mußte. — AuS den Herzogthümern nichts Neues von Belang.
Mecklenburg-Strelitz hat jetzt seine Erklärung über die Union abgegeben. Nach der Ueberzeugung seiner Regierung kann der UnionS-VerfassungSEntwurf unter den gegenwärtigen Umständen weder in rechtlicher noch in politischer Beziehung eine Entwickelung der allgemeinen deutschen Verfassungs-Verhältnisse sein. DaS Bündniß vom 26. Mai erkennt den deutschen Bund und die Bundeöakte als fortbestehend an und behält seinen Mitgliedern die auö dem deutschen Bunde hervorgehendeu Rechte vor. Die Verfassung soll nur die Eini- gung befördern. Nachdem dieser Charakter aber zurückgetreten und daS Bündniß vom 26. Mai zu einer Ursache ernster Besorgnisse, in Bezug auf den Frieden Deutschlands geworden, weil eS eine Union in dem großen deutschen Bunde Herstellen will, hält eS Mecklenburg für Pflicht, zurückzutreten und sich gegen die Additionalakte, welche feiner Ueberzeugung nach deS ausdrücklichen Consenseâ aller verbündeten Regierungen bedurft hätte, um zu einer Vorlage an den Reichs- tag gemacht werden zu können, zu erklären. — Es muß die Möglichkeit eines dauernden Einverständnisses zwischen Oesterreich und Preußen in der Leitung der gemeinsamen deutschen Angelegenheiten erhalten bleiben. — Mecklenburg ist durch seine geographische Lage und sein Interesse zu einem dauernden Anlehnen an Preußen bestimmt und erkennt vollkommen an, waS dieses für Deutschland gethan hat, um so mehr bedauert eü aber, daß seine Rechtsüberzeugung eS hindert, Preußen auf dem von ihm betretenen Wege zu folgen. — Eine sehr verständige Ansicht! (Abendpost.)
* Stuttgart, 30. Mai. — Vierzehn StandeSherren in Wür« temberg, die Fürsten von Fürstenberg, Waldburg, Oettingen, Thurn und Taxis, Hohenlohe-Langenburg und Kirchberg, — die Grafen von Quadt-JSny, Königsegg, Pückler, Rechberg und Ncyperg haben gegen die Vorlagen der Regierung, betreffend Abänderung deâ Wahlgesetzes, „ beider Kammern" protestirt (obgleich eigentlich nur noch eine besteht) indem der Art. 14 der Bundesakte laute: „Die Häupter dieser (stan- deSherrlichen) Häuser sollen die erste Ständeklassen jener Staaten bilden, denen sie angehören." — Man sieht, der alte Bund steht auf von den Todten und fängt an zu wandeln.
O e st e r r e i ch.
* * Wien, 2. Juni. — Ueber die Abreise der Kossuth'schen Kinder berichtet der „Lloyd" : „Pesth, 28. Mai. Sonntag Nachmittags erhielten die Betreffenden einen Befehl, sich zur Reise bereit zu halten, da sie am andern Morgen in aller Frühe mittelst Dampfschiff abgehen müßten. Natürlich blieb dies kein großes Geheimniß, weshalb bald der zweite Befehl erfolgte, der ihnen gebot sich bereit zu halten, um gegen Mitternacht nach ErcSi zu fahren, wo sie daS Schiff erwarten sollten; vielleicht eine Stunde später wurde ihnen erlaubt, die Nacht dennoch in Pesth zuzubringen, und von da abzureisen, es wurde ihnen jedoch verboten, früher alâ 10 Minuten vor der Abreise auf daS Schiff zu gehen. Früh traf eine ungeheure Menge Volkes am Donauufec ein. Plötzlich verbreitete sich die Nachricht, daß die Kinder nicht mit dem zur Abfahrt bestimmten Schiff abgingen, sondern mit einem weiter unten beim Salzamte stehenden Separat-Dampfer. Die Menschenmasse bewegte sich nun dahin unter ungeheurem Eljen - Geschrei, die Fiakres fuhren gratis, 8 bis 10 Personen waren auf einem Wagen sichtbar; endlich erreichte daS Volk — beiläufig 5 — 6000 Köpfe — den bestimmten Ort. Die GenSd'armen wollten Ordnung machen und die Masse auseinander jagen, sie kamen jedoch in die Gefahr, mißhandelt zu werden, und zogen sich zurück. Viele der Anwesenden gaben werthvolle Angedenken mit. Endlich fuhr daâ Dampfschiff ab. Die Anwesenden schickten noch einige Eljenö nach und entfernten sich still und ruhig". — Hr. v. Blittersdorf ist auS der O. P. A.Z zum Lloyd übergesiedelt, und berichtet da, daß die Ernennung deS Generals Peucker zum Bevollmächtigten beim Plenum einen guten Eindruck gemacht habe; denn Hr. Mathis würde doch keine paffende Gesellschaft für Männer vom höchsten Range und höchster Geburt, wie sie daS Plenum in sich vereinigt, abgegeben haben! —
Frankreich
* * Paris, 3. Juni. — Das WahlverpreußungSgesetz ist publi- zirt. Die rothe Reaktion fährt fort, Privatvorschläge über weitere Maßregeln zu machen. Ihre Phantasie ist unerschöpflich. „ES muß nach allen Seiten hin vorgeschritten werden." Das Deportationsgesetz , die Beschränkung der Presse, der Vereine rc. reichen nicht auS. ES wird nächstens auch an die Jury gehen. LouiS Napoleon hat keine Stimme mehr, er muß vorwärts über seinen eigenen Kopf. Fortan regieren nur die 17 Burggrafen, und diese haben keine andere Wahl alS: En avant bis an den Galgen, vorwärts mit Rußland durch Mord und Todtschlag! Die französische Kontrerevolution hat daS Delirium. — Der vom Kriegsminister vorgelegte Gesetzentwurf über Rekrutirung und Reserveorganisation ist an eine Spezialkommission von 15 Mitgliedern gewiesen. Die Linke verlangte ironisch siebe nzehu. Sauteyra rief: „Weisst Alles an dieselbe Kommission, (an die Burggrafen), dann geht's um so schneller!"
Italien.
* Toskana Der Militärvertrag mit Oesterreich ist abgeschlossen. Der Kaiserstaat gibt 10,000 Mann an seinen Vasallen ab, die aber unter österreichischem Kommando stehen. Alle Forts und Citadellen, durch welche die O.sterreicher Toskana in gehöriger Unter* wüifigkeit erhalten, werden auf Kosten des toskanischen Volks in Ver- theidigungSzustand versetzt und verproviantirt. Auch die übrigen Sol- daten werden außer dem ordinären Sold, der Kleidung und den Waffen, von den Unterthanen des österreichischen Hintersassen unter- halten. Die übrigen Bestimmungen deö Vertrags, wonach ToSkana die Zurückziehung der Oesterreicher fordern könnte, sind nur so Schanden halber zugesetzt.
* Turin. Der Erzbischoff ist vcrurtheilt: 1 Monat Gefängniß und 500 Lire Kosten. Damit ist aber die Wiversetzlichkeit der Kirche gegen die Siccardischen Gesetze noch nicht abgethan. Bereits hat man auch den Erzbischoff von Seffari verhaften müssen, und überhaupt wird dem Klerus auf das strengste verboten, sich vor dem bürgerlichen Richter zu stellen.
Neapel. Die englischen Forderungen an dieses Königreich sollen 300,000 Pfd. betragen. Der König soll gesagt haben, er woll«